Hommage a Picasso

1962 läßt sich Pablo Picasso von Danae, der Tochter des Akrisios und der
Eurydike zu einer skurilen Darstellung der mythologischen Figur inspirieren:
Danae liegt mit lustbetonten Zügen auf wild zerwühltem Bett und scheint in
wonniger Erwartung mental und formal aufgelöst, in eine gelbe und rote Hälfte,
in deren Mitte sich Zeus als rieselnder Goldregen, lustvoll prickelnd,
einfindet.

Die 1000-Jahr -Feier der Stadt Kronach ist der Anlass für die, im Fürstenbau der trutzigen Feste Rosenberg präsentierte, sehr umfangreiche und äußerst spannende, Jubiläumsausstellung „Hommage a Picasso“.

In Verbindung mit einem aufwendigem Rahmenprogramm, das sich in mehreren
Theaterabenden in chronologischer Folge den Damen widmet, die den spanischen
Künstler liebes-und werktechnisch determinierten, zeigt Kronach in
Zusammenarbeit mit dem Leihgeber Richard H.Meyer – Kunstkontor Bamberg- Arbeiten
von 69 zeitgenössischen Künstlern, die Picasso (1881-1973) anläßlich seines
90.Geburtstages ihre Referenz erwiesen.

Als zusätzliches Schmankerl sind diverse graphische Arbeiten von Pablo Picasso
zu bewundern. Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Illustrationen, die Picasso
1924 zu dem Text von Honore de Balzac „Le chef dòeuvre inconnue“ anfertigte,
weil der Text exemplarisch steht für Picassos Streben nach dem absoluten
Meisterwerk und der Schwierigkeit, dies der Öffentlichkeit adäquat darzustellen.

Weil sich viele seiner Werke und Objekte zunächst in der Druckgraphik und in
bibliophilen Projekten vorbereiteten, fungieren Linolschnitte und Radierungen
Pablo Picassos als großartiges Ausstellungsentree.

Vier teilcolorierte Lithographien (1961) zum Thema Stierkampf vitalisieren, in -typisch für Picasso- kongenialer Verkürzung, die Tragik und Leidenschaft der
spanischen Corrida.
In diversen Variationen wird dem Thema „Maler und Modell“ nachgespürt, bis zum Verfall des Meastros, der sich langsam in wirrem deekorativem Gefüge in den
Hintergrund auflöst.

Durch seine Freude am Experimentieren und am permanent-begeisterten Aufbrechen
verkrusteter Strukturen, stieß der spanische Maler, Graphiker und Bildhauer ganze Flügeltüren zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten auf und ließ ihn zum
bahnbrechenden Vorbild für etliche Künstlergenerationen im 20.Jahrhundert
werden.

69 zeitgenössische Künstler erwiesen ihm folgerichtig ihre künstlerische
Referenz zu seinem 90.Geburtstag.
Die präsentierten Linolschnitte, Radierungen und Lithographien
entstanden zwischen 1971 und 1975 und bieten auf einer breiten Palette einen
Querschnitt durch die Meisterleistungen des 20.Jahrhunderts.

Die aufregend-unterschiedlichen Werke stammen beispielsweise von Henry Moore,
Jime Dine, Max Bill, Allen Jones, Robert Motherwell, Emil Schuhmacher,
Joe Tison, Jaques Lipchitz, Giacomo Manzu, Pierre Alechinsky, Joseph Beuys und vielen anderen renommierten Künstlern, die mit ihrer spezifischen künstlerischen
Formensprache Picasso ostentativ-plakativ oder feinsinnig-sublim huldigen.

Roy Lichtenstein zitiert Picasso, mit einem kantig-statuarischen Männerportrait
der klassizistischen Periode, mit stark profilierter Nase und weitgeöffneten
Augen, um es mit frugalen Stilllebendetails zu verbinden, die vor
punkt-gerastertem Hintergrund Comic Strip-Assoziationen wachrufen.

Der italienische Künstler Michelangelo Pistoletto malt auf einen Spiegel eine picassoesce Friedenstaube und integriert dabei spannungsvoll den Betrachter gleichermaßen in sein eigenes und in Picassos Werk.

Der Pop Art Künstler Richard Hamilton, wandelt „Las Meninas“ (Diego
Velasquez)- als Hommage an die Variationen zu diesem Thema von Picasso- neu ab
und verändert die ursprünglichen Velasquez-Figuren durch Picasso-typische
Chiffren, wie einen Stier, einen Harlekin und eine kubistisch aufgesprengt
dargestellte Infantin.
Als Clou positioniert Lichtenstein vor einer Staffelei das verehrunswürdige Künstlergenie, in einem Malerkittel, den Hammer und Sichel zieren.

Der Amerikaner Walter de Maria creeiert eine eigenwillige Portraitmischung aus
Versatzelementen Picassos in Kombination mit archaisch anmutenden Holzmasken und
Larry Rivers ehrt den Meister mit einem lasziv-verspielten Selbstportrait, das
umgeben ist von Tauben und schwangeren Musen.

Hans Hartung transformiert in seine spezifische Formensprache die
charakteristische Handschrift von Picassos komplexem Werk und vermag via
Strichen, Rechtecken und einem gelben Klecks eine treffliche Assoziation mit des
Meisters Werk pointiert zu vermitteln.

So mannigfach verschieden die 69 zeitgenössischen Künstler und die Exponate auch
sind, als verbindendes Element spürt der Betrachter die Begeisterung heraus für
die unerschöpfliche Phantasie und Creativität Picassos und dessen Geist, der
Verkrustungen aufsprengte und fundamentale Novationen einleitete.

Die eindrucksvolle Ausstellung spiegelt, mittels diverser Formensprachen als
adäquates Äquivalent, die enorme Vielschichtigkeit Picassos und gelangt in dem
großartig-feinsinnigen Arrangement zu einer spannungsvollen Synthese.

Link: http://www.kronach.de