Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance. Von Tizian bis Christo

01.10.2016 - 22.01.2017
Museum Kunstpalast
Ehrenhof 4-5, Düsseldor
http://www.smkp.de/vorhang/

Jacob von Sandrart (nach Joachim von Sandrart)  Zeuxis und Parrhasios, 1683 Kupferstich 24,4 x 36,3 cm Statens Museum for Kunst, Kopenhagen © SMK Photo
Jacob von Sandrart (nach Joachim von Sandrart) Zeuxis und Parrhasios, 1683 Kupferstich 24,4 x 36,3 cm Statens Museum for Kunst, Kopenhagen © SMK Photo

In dem letzten von ihm erarbeiteten Ausstellungsprojekt widmet sich Beat Wismer, der 2017 scheidende Generaldirektor des Museum Kunstpalast, gemeinsam mit Claudia Blümle dem vielfältigen Themenspektrum von Verhüllung und Enthüllung in der Kunst.
Am Anfang steht ein Wettstreit zweier antiker griechischer Maler, die sich in der Virtuosität der künstlerischen Augentäuschung überbieten wollten. Konnte Zeuxis allerdings nur die Tauben täuschen, die an seinen gemalten Trauben picken wollten, gelang Parrhasios die Irreführung des Konkurrenten. So wollte Zeuxis den von Parrhasios gemalten Vorhang beiseiteschieben, um das vermeintlich dahinterstehende Bild betrachten zu können.

Das faszinierende Wechselspiel zwischen Verbergen und Zeigen, Verhüllen und Enthüllen mit Vorhang, Schleier oder Draperien wird in der exklusiv in Düsseldorf gezeigten Themenschau mit bedeutenden Kunstwerken aus sechs Jahrhunderten vorgestellt. Mit Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Fotografien – spannt sich der Bogen von der Renaissance bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Neben Tizians im Jahr 1558 gemalten „Porträt des Kardinals Filippo Archinto“ aus dem Philadelphia Museum of Art präsentiert die Ausstellung u. a. Werke von Lucas Cranach d. Ä., El Greco, Jacopo Tintoretto, Arnold Böcklin, Robert Delaunay, Max Beckmann, Cindy Sherman, Christo und Gerhard Richter.

Gerhard Richter, Schwestern, 1967, Öl auf Leinwand, 65 x 75 cm, Kunstmuseum Bonn, Dauerleihgabe
Jürgen Hall © Gerhard Richter 2016 (1161), Foto: Werner J. Hannappel

Die von Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, gemeinsam mit Claudia Blümle, Professorin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, kuratierte Ausstellung verdeutlicht in verschiedenen Themenbereichen die Ambivalenz und den Reiz von Verstecken und Sichtbarmachen sowie das sinnliche Verhältnis von bildender Kunst und Wahrnehmung. Der Reigen der Schau beginnt mit dem antiken Maler-Wettstreit und widmet sich in weiteren Kapiteln Aspekten wie „Mysterium des Göttlichen“, „Macht der Repräsentation“, „Gewalt der Enthüllung“, „Reiz des Verborgenen“, „Innen und Außen“.

Christo, Wrapped Beetle 1963 (Objekt 2014), 1963 / 2014, Auto, Stoff, Seile
150 x 158,5 x 414 cm, Im Besitz des Künstlers, © Christo 2014
Christo, Wrapped Beetle 1963 (Objekt 2014), 1963 / 2014, Auto, Stoff, Seile
150 x 158,5 x 414 cm, Im Besitz des Künstlers, © Christo 2014

Die Epochen und Gattungen übergreifende Ausstellung schlägt nicht nur in der Auswahl der Kunstwerke einen Bogen bis in die Gegenwart. Der Schleier, das Verbergen und Zeigen spielen bis in die aktuelle Gegenwart hinein in religiösen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ebenso wie in der Mode eine bedeutende Rolle. Ähnlich wie der Vorhang – weit mehr als irgendein anderes Motiv – im Bild zwischen der Welt des Betrachters und jener des Bildes vermittelt, soll das Begleitprogramm zur Ausstellung den interessierten Besuchern weitere Bildräume und Bildschichten eröffnen.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein reich bebilderter Katalog mit Beiträgen von Claudia Blümle, Horst Bredekamp, Georges Didi-Hubermann, Wolfgang Kemp, Roland Krischel, Klaus Krüger, Patrik Reuterswärd, Barbara Schellewald, Beate Söntgen, Victor Stoichita, Beat Wismer und Gerhard Wolf.
Museumsausgabe: 39,90 €, Buchhandel: 49,90 €