Hedwig Woermann und ihre Künstlerfreunde Von Rilke bis Hofer

29.09.2012 - 02.12.2012
MUSEUM MODERNER KUNST WÖRLEN
Bräugasse 17, , D-94032 Passau
http://www.mmk-passau.de

Das Leben der Malerin und Bildhauerin Hedwig Woermann begann glänzend, war von den
Katastrophen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts berührt und endete tragisch.
Ihr Tod im kleinen Ostseeort Wustrow entzog ihr Werk weitgehend der Öffentlichkeit, so
dass die Malerin zu Unrecht in Vergessenheit geriet.
Die Passauer Ausstellung präsentiert umfassend das Werk der vielseitigen Künstlerin und
dokumentiert erstmals an Hand ihrer spannenden Biografie die interessanten Künstlerkontakte,
die Hedwig Woermann Zeit ihres Lebens gepflegt hat.
Worpswede, Paris, Rom und Hellerau heißen die künstlerischen Stationen von Hedwig
Woermann. Antoine Bourdelle, Carl Hofer, Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke
sind die Namen einiger der Künstlerfreunde, die ihr Leben begleitet haben. Klangvolle
Orts- und Künstlernamen, die für den Aufbruch in die Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts
stehen. Hedwig Woermann, die Tochter aus großbürgerlichem Hamburger Haus, war
in diese Entwicklungen eingebunden und leistete ihren eigenen interessanten Beitrag dazu.
Hedwig Woermann wurde 1879 in Hamburg als Tochter des Kaufmanns und Großreeders
Adolph Woermann geboren. Der Onkel der Malerin, der Kunsthistoriker Karl Woermann,
war langjähriger Direktor (1882-1910) der Dresdener Gemäldegalerie.
1900 ging Woermann nach Worpswede und wurde dort Schülerin von Fritz Mackensen.
Dabei lernte sie u. a. Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff kennen. Ebenfalls
aus der Worpsweder Zeit rührte ihre Bekanntschaft mit Rainer Maria Rilke, dem sie im Laufe
ihres Lebens immer wieder begegnen sollte.
Es existiert ein unveröffentlichter Briefwechsel zwischen Rilke und Woermann, der erstmals
in der Ausstellung und dem begleitenden Katalog vorgestellt wird.
Bald übersiedelte Hedwig Woermann nach Paris, wo sie bei Antoine Bourdelle Bildhauerei
studierte. Nach einem längeren Aufenthalt in Rom zog sie für einige Zeit nach Dresden und
hatte dort 1909 im berühmten Kunstsalon Ernst Arnold ihre erste Einzelausstellung. Im
gleichen Jahr ging Hedwig Woermann mit ihrem Mann, dem Bildhauer Hans Jaenichen
zurück nach Paris. Der 1. Weltkrieg zwang das Künstlerpaar 1914 unter Zurücklassung all
ihrer Arbeiten, nach Deutschland zurück zu kehren.
In Dresden begann Hedwig Woermann ihre zweite Karriere als Malerin. Schnell fand sie
Anschluss an die Dresdner Kunstszene, deren Protagonisten, Oskar Kokoschka, Conrad
Felixmüller, Otto Dix, sie persönlich kannte und in deren Zirkeln sie fest eingebunden war.
In der bekannten Galerie Emil Richter präsentierte sie 1917 erstmals ihre Gemälde, doch
bereits 1919 entzog sie sich dem Kunstbetrieb und übersiedelte an die Ostsee, von wo sie
jedoch rege Kontakte zu ihren Künstlerfreunden aus Paris, München und Berlin pflegte.
Für ihre neusachliche Malerei entwickelte sie eine spezielle Malweise auf textilen Rollbildern,
mit denen sie in den 1920er Jahren international Aufsehen erregte. Nach Ausstellungen
in Paris zu Beginn der 1930er Jahre lebte sie ab 1932 für mehrere Jahre in
Südamerika, was ihre Kunst aus der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland und Frankreich
verschwinden ließ. 1936 in das nationalsozialistische Deutschland zurückgekehrt
blieb der Kosmopolitin Woermann nur noch der Rückzug in ihr Domizil Wustrow an der
Ostsee, wo sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Teilung Deutschlands in
der nunmehrigen DDR immer weiter in Vergessenheit geriet.
Nach ersten Präsentationen in den 1990er Jahren in Mecklenburg-Vorpommern durchleuchtet
die Passauer Ausstellung nun umfassend die vielfältigen künstlerischen Verbindungen
Hedwig Woermanns und ordnet ihre Werke in die Kunst ihrer Zeit. Dazu gehören
die Ausbildungszeit in Worpswede und ihr frühes bildhauerisches Werk im Spannungsfeld
von Rodin und Bourdelle. Der Briefwechsel mit Rilke begleitet ihr malerisches Schaffen in
Dresden, Hellerau und Wustrow und die Auseinandersetzung mit dem Verismus und der
Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre. Die textilen Rollbilder sind dabei wichtiger Bestandteil
ihres künstlerischen Hauptwerks, dessen Ausklang in Südamerika und der Nachkriegszeit
ebenfalls dokumentiert wird. Werke ihrer Künstlerfreunde, etwa von Otto Dix, Carl
Hofer, Oskar Kokoschka oder Clara Rilke-Westhoff ergänzen die Präsentation ebenso wie
Archivalien zu Leben und Werk der Künstlerin.
Eine gleichzeitig zur Ausstellung erscheinende Monographie stellt die Skulpturen und Gemälde
Hedwig Woermanns in den Zusammenhang mit der Kunst ihrer Zeitgenossen und
dokumentiert ihre Bedeutung und ihre Erfolge in den 1910er und 1920er Jahren.
(96 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Preis ca. 18 Euro)