Hans Josephsohn

30.03.2018 - 24.06.2018
Museum Folkwang
Museumsplatz 1, Essen
http://www.museum-folkwang.de

Große Retrospektive präsentiert existenzielle Plastiken
Hans Josephsohn (1920–2012) gehört zu den großen Bildhauern der europäischen Moderne nach 1945. Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht die menschliche Figur. Die Ausstellung Existenzielle Plastik wird vom 30. März bis zum 24. Juni 2018 im Museum Folkwang präsentiert. Diese erste große Werkschau in Deutschland versammelt mehr als 70 zum Teil großformatige Plastiken und Reliefs des Künstlers von den frühen Werken der 1950er Jahre bis zum fulminanten Spätwerk seit den 1990er Jahren. Zusätzlich veranschaulichen Gipsmodelle und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen seine Arbeitsweise.
Hans Josephsohn konzentrierte sich in seiner Arbeit auf einige Grundformen der menschlichen Figur: Kopf, Halbfigur, Stehende, Liegende. „Skulptur kann nicht viel.“, äußerte Josephsohn einmal. Dennoch strebte er ein Leben lang danach, die menschliche Existenz mit den Mitteln der Bildhauerei zu erfassen. Die Suche nach der richtigen Form bestimmte seine Arbeit. Gips war dabei sein bevorzugtes Material. Mit Gips, dem „weichen Stein“, konnte er seine Werke immer wieder neu bearbeiten und durch Hinzufügen und Wegnehmen von Material weiterentwickeln.
Josephsohns Werke bestehen aus nacheinander aufgetragenen Schichten; die Oberflächen wirken mitunter brüchig und zerklüftet, immer wieder gibt es Spuren des nachträglichen Glättens. Diese prozesshafte Arbeitsweise ist auch in den Messinggüssen erkennbar. Die raue Oberfläche ist notwendiger Bestandteil seiner Plastiken. Sie ist das Ergebnis eines langen, manchmal jahrelangen, Prozesses, bei dem Josephsohn die Werke immer wieder bearbeitet hat. Die Ausstellung vollzieht anhand der Präsentation von Gipsmodellen diese spezifische Arbeitsweise Josephsohns explizit nach. In einem Filmraum sind die Dokumentationen Stein des Anstosses (Jürg Hassler, 1977) und Josephsohn Bildhauer (Matthias Kälin/ Laurin Merz, 2007) zu sehen. Sie zeigen Josephsohn bei seiner täglichen Arbeit an Figuren und Reliefs.
Josephsohn arbeitete meist nach Modell und suchte für jedes Werk das richtige Maß zwischen Körperlichkeit und Abstraktion. Einige seiner frühen Arbeiten sind schmal wie Stelen, andere Plastiken geben akkurat die Gesichtszüge und Körperhaltung des Modells wieder. Josephsohns späte Halbfiguren sind dagegen überlebensgroße Werke aus Messing, deren Körperformen nur noch ansatzweise erkennbar sind.
Pressekontakt Anna Littmann, T +49 201 8845 160, anna.littmann@museum-folkwang.essen.de
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Pressemitteilung
Auch bei seinen Reliefs, die das Dynamische menschlicher Beziehungen und Konflikte abbilden, verzichtete er auf eine detaillierte Darstellung. Wohl auch deshalb erscheint die Spannung zwischen den Figuren mit ihren rauen Oberflächen aus Messing im Wortsinn greifbar. 40 Reliefs und Reliefskizzen verdeutlichen in der Ausstellung Josephsohns intensive Beschäftigung mit dem menschlichen Miteinander.
Mehr als sechzig Jahre war Josephsohn als Bildhauer tätig. Bis ins hohe Alter blieb er produktiv und arbeitete regelmäßig in seinem Zürcher Atelier. Dort bewahrte er seine Werke, die Reliefskizzen und Zeichnungen auf, in denen er mit schnellem Strich die Grundformen seiner geplanten Werke festhielt. Fast 30 Zeichnungen dokumentieren in der Ausstellung Josephsohns Ideen. Mit einem Augen-zwinkern kommentierte der Künstler seinen Platz in der Kunstgeschichte: „Ich bin nicht ein Künstler des 20., sondern des 21. Jahrhunderts.“
Die Retrospektive würdigt eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit der figurativen Bildhauerei des
20. Jahrhunderts: Sein bildhauerisches Werk stellt auf eigentümliche und unverwechselbare Weise Fragen nach der existenziellen Verfassung des Menschen. Mit großer Beharrlichkeit erprobte der Schweizer Künstler seine bildhauerischen Mittel und deren Wirkmöglichkeiten. Die Ausstellung Existenzielle Plastik vom 30. März bis zum 24. Juni 2018 im Museum Folkwang ist die größte Josephsohn-Ausstellung in Deutschland und zeigt einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk dieses einzigartigen Künstlers.
In Kooperation mit dem Kesselhaus, St. Gallen,
Unterstützt durch die Sparkasse Essen und gefördert von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
Es erscheint ein Katalog in der Edition Folkwang/Steidl (Preis 25 €).