FRITZ WINTER

03.02.2018 - 10.06.2018
Pinakothek der Moderne und Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Barer Str. 29, München
http://www.pinakothek.de

Als Auftakt zur Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“
(01. März – 10. Juni 2018) zeigt die Fritz-Winter-Stiftung 18 Arbeiten aus dem Frühwerk des wohl bekanntesten Klee-Schülers. Damit wird erstmals eine kleine Auswahl des neuen Kernbestandes der Fritz-Winter-Stiftung vorgestellt, der den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit 2017 als unbefristete Leihgabe zur Verfügung steht. Höhepunkt der Präsentation sind zwei Neuerwerbungen aus Fritz Winters berühmter Werkgruppe „Triebkräfte der Erde“ (1944).
Fritz Winter (1905 -1976) zählt zu den wichtigsten deutschen Vertretern der zweiten Generation abstrakter Maler. Ausgebildet am Bauhaus in Dessau bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, galt seine Kunst im Nationalsozialismus als „entartet“. Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft gründete er 1949 mit Willi Baumeister, Rupprecht Geiger und anderen in München die „Gruppe der Gegenstandslosen“, später „ZEN 49“. Seit den 1950er-Jahren erhielt Winter zahlreiche bedeutende Kunstpreise und feierte internationale Erfolge.
Das maltechnisch und formal vielseitige Gesamtwerk Fritz Winters steht in einer Tradition, die der Kunst des Blauen Reiter wie dem Bauhaus gleichermaßen verpflichtet ist. Mit seiner weitestgehend gegenstandslosen Formensprache suchte der Maler einen übergeordneten Bezug zur Natur, um die verborgenen elementaren Kräfte und Strukturen der Schöpfung sichtbar zu machen: „Es bedarf eines grösseren Glaubens und einer grösseren Kraft, Unsichtbares in freier Gestaltung sichtbar zu machen, als Sichtbares und Fassbares immer nur als solches zu bestätigen.“
Die Präsentation in Saal 15 der Pinakothek der Moderne vereint 18 Werke Fritz Winters von den späten 1920er- bis in die 1940er-Jahre. Großformatige Monotypien und Ritzzeichnungen zeugen von dem experimentellen Lernen in der freien Malklasse Paul Klees. In den abstrakten Stillleben, „Zellen-“, „Stern-“ und „Kristallbilder“ der 1930er-Jahre ging Winter Fragen von Raum, Licht und Wachstum nach. Als Soldat an der Ostfront zeichnete er komplex abstrahierte Naturstudien auf kleinstem Format. Mit der Werkgruppe der „Triebkräfte der Erde“, die während eines Genesungsaufenthaltes nach einer Kriegsverletzung entstand, schuf er 1944 eines der eindrücklichsten Zeugnisse künstlerischen Überlebenswillens. Die „Triebkräfte“ wurden in der Nachkriegszeit als Schlüsselwerke abstrakten Formenreichtums gefeiert und stehen bis heute für die Qualität und das Wirkungsvermögen in „innerer Emigration“ entstandener Kunstwerke.