Frédéric Bruly Bouabré

Biographie

1923(21) geboren in Zepreguhe/Elfenbeinküste, Afrika
bis 1948 übte er verschiedene Berufe im Senegal und an der Elfenbeinküste aus.
Er war Beamter der französischen Kolonialmacht, später der Republik Elfenbeinküste.
Lebt und arbeitet in Abidjan, Elfenbeinküste.

Bereits in der Schule zeichnete er sich durch seine Wissensbegier aus. Der Künstler ist zu Zeiten der Kolonialherrschaft als Einzelgänger aufgewachsen, jedoch stark geprägt durch die Kultur seines Stammes der Bété und beeinflusst durch die katholische Schulerziehung. Als Autodidakt beschäftigte er sich seit seinem 20. Lebensjahr mit verschiedenen Wissensgebie-ten wie Literatur, Dichtung, Ästhetik, Geschichte, Naturwissenschaften, Politik und Religion. Mitte der 60er Jahre begann er unter dem Titel „Connaissance du monde“ eine Kosmogonie >ein Lexikon der Erkenntnisse< zu bilden, in dem er zusammenführte, was seine "Welt-Ganzheit" bedeutet. Damit wollte er den Sinn der Dinge festhalten. Der Künstler ist ein Er-zähler. Er führt in tausenden von Seiten in die Geschichte seines Stammes, den Bété, seinen Erfindungen und Forschungen ein. Seine Philosophie bringt er uns bildhaft nah. Seine enzy-klopädische Werkserie hat spirituelle fast mystische Ausmaße. Er greift in seinen von Schrift-bändern umgebenden Zeichnungen Vorlagen aus Büchern, Zeitschriften und auch aus der modernen Kunst auf. Erreichen will er in erster Linie seinen Stammesverband. Dabei lässt sich nicht ausschließen, dass er ebenso einen globalen, internationalen Kunstbegriff vertritt. Tagtäglich verarbeitete der Künstler Ereignisse in seinen Zeichnungen, zu denen er Kommen-tare oder Ideen mit einer rundumlaufenden Schrift in das Bild aufnimmt. Ein Notiz- und Ta-gebuch mit seinen Tages- und Nachtgedanken. Alle Eindrücke, Interpretationen und Erfin-dungen von der realen bis zur spirituellen Welt werden auf kleinen, Spielkarten ähnlichen Zeichnungen auf Karton (15cm x 9.5 cm) festgehalten. Er benutzt dazu Kugelschreiber und Farbstifte. Meistens signierte der Künstler die Bilder mit dem Tag, manchmal mit der Stunde der Ereignisse auf der Rückseite der Arbeit. So sind bereits über 1000 kleinformatige Bilder entstanden. Der Kunsthistoriker Olu Oguibe meint "Bouabrés Werke werden heute im Westen nicht we-gen der Differenziertheit geschätzt, die Okwui Enwezor richtigerweise in ihnen erkannt hat, sondern vielmehr deswegen, weil die Arbeiten... außerhalb der Parameter konventioneller westlicher Kriterien liegen und daher unabsichtlich zweifelhafte, pervertierte Wünsche und Erwartungen wecken. Formal entziehen sie sich den Normen des Westens; sie symbolisieren die begehrte Entfernung zwischen dem Westen und Afrika, und sie befriedigen das Verlangen nach Phantasien, Fetischen und Schamanismus." Im Jahr 1956 hat er ein universales afrikanisches Alphabet, welches von kleinen Kieselsteinen aus seinem Dorf ausgeht, geschaffen. Bis vor wenigen Jahrzehnten lebte Afrika fast ohne Schrift, nur von der mündlichen Überlieferung. Daher hatte Europa eine Vorrang- und Macht-stellung. Für Bouabré ist Schrift gleich Denken, daher kommt sein Interesse für geschriebene Sprache. Fernsehen ist für ihn "mündliche Überlieferung" >Oralität<, wie vor der Alphabetisierung in Afrika durch die Europäer. Daraus schließt er, dass das Fernsehen ein Gegner des Denkens und somit der Kultur ist. Zitate von Bouabré: "Nehmen wir an, ich zeichne eine mythische Person mit großem Bauch. Wenn ich das tue, muss ich auch die Bildunterschrift liefern, weshalb die Person in dem Märchen oder der Ge-schichte einen großen Bauch hat und so weiter. Man muss Bilder erklären. Denn ein Bild kann alles mögliche bedeuten, aber wenn es darüber hinaus auch um Denken geht, muss man das zeigen. Das Denken ist ebensowichtig wie die Bilder, wie das Vergnügen für die Augen." "Eines Tages sagte ich, es gibt drei Reiche der Natur, das mineralische - die Erde selbst -, das pflanzliche und das tierische mit dem Menschen. Für mich dreht sich alles um die Frage, wo-her wir kommen." Literatur: "Inklusion : Exclusion" Kat. , DuMont, 1997 Ausstellungen (Auswahl) 1989 "Magiciens de la Terre" Centre G. Pompidou, Paris 1993 Portikus Frankfurt 1993 Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen 1995 La Biennale di Venezia 1996 Sydney Biennial 1996 Sao Paulo Biennial 1997 Johannesburg Biennial 1999 Museum Ludwig, Köln "Kunstwelten im Dialog" Johanna Maria Huck-Schade - Juli-2002