Francisco de Goya – Ungeordnete Ungereimtheit Radierungen aus der Sammlung des Morat-Instituts Freiburg

19.09.2015 - 22.11.2015
MUSEUM MODERNER KUNST – WÖRLEN gemeinnützige GmbH
Bräugasse 17, D-94032 Passau,
http://www.mmk-passau.de
Der spanische Maler des Spätbarock
Francisco de Goya
(1746-1828) gilt seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts den fortschrittlic
hen Künstlern als Vorbild. Der „Prophet
der Moderne“ begann als Maler des spanisc
hen Hofes, Porträtist der Schönen und
Reichen, Kirchenmaler und En
twerfer großformatiger Tapi
sserien. Auf Grund seiner
hellen Farbpalette und der virtuosen Beherrschung von Lichtführung und
Stofflichkeit wurde der temperamentvolle
Künstler von der sp
anischen Oberschicht
vielfach beschäftigt und gilt bis heute
als bedeutendster spanischer Maler seiner
Zeit.
Der Ausbruch der Französischen Revolu
tion im Jahr 1789 und die Besetzung
Spaniens durch napoleonische Truppe 1
808 führten zu einem Wandel in der
Kunstauffassung Goyas. Sein Interesse wandte sich zunehmend dem Leben der
einfacheren Stände zu. Seit den graus
amen Guerilla-Kämpfen, mit denen die
französischen Truppen aus dem Land vertrieben
werden sollten, verdunkelte sich
seine Farbpalette und die Bildsprache wurde konkreter.
Besonders eindrücklich gelangen Goya
seine kritischen Gesellschafts- und
Kriegsdarstellungen in
den umfangreichen
Radierzyklen, die er
ab 1796 gestaltete.
Bereits 1780 hatte er sich mit dieser
graphischen Technik beschäftigt und sie, wie
damals üblich, zum Kopieren von Gemä
lden genutzt. Erst in den 1790er Jahren
entwickelte er in der
Radierkunst eine eigens
tändige Bildsprache,
die die Blätter zu
autonomen Kunstwerken machten.
Goya gestaltete bis zum Jahr 1815 vier
große Bildserien mit über 270 Radierungen.
Der umfangreichste Zyklus „Capric
hos“ entstand zwischen 1796 und 1798 und
erschien 1799 erstmals im Dr
uck. Goya thematisierte darin unter dem Eindruck der
Französischen Revolution die Missst
ände der feudalistischen Gesellschaft
Spaniens. Die Brutalität
der Unabhängigkeitskämpfe gegen die französische
Besetzung spiegelte sich in der Folge „Des
astre de la Guerra“, die zwischen 1810
und 1813 entstand, ihre Erstauflage jedoc
h erst posthum 1863 erlebte. 1815
entstand die Radierfolge „Taur
omachia“, die ein Jahr s
päter im Druck erschien und
die Kunst des Stierkampfes dokumenti
erte. Mit den zeitgleichen Blättern
„Proverbios“ griff Goya in der Phase der politischen Restauration die
Gesellschaftsmotive aus „Caprichos“
wieder auf und steige
rt sie in das
Phantastische. Dieser letzte Zyklus ersch
ien ebenfalls erst pos
thum in den 1860er
Jahren.
Mit einer unerschöpflichen
Phantasie fand Goya zu
immer neuen Bilderfindungen,
deren Komposition er stetig komprimi
erte. Auf Grund dieser Formreduktionen und
der (alb-)traumartigen Bildschöpfungen wer
den diese Werke der späten Jahre zu
Vorläufern der Moderne.
In seinen Radierungen erprobt
e Goya die Technik mit all ihren Feinheiten. Ihm
gelangen dabei feinste Fa
rbabstufungen und malerische Valeurs, die den
vermeintlich harten schwarz-weiß Kontrast
auflösten. Diese Meisterschaft in der
Bearbeitung der Radierplatte ist
nur in den frühen Aufl
agen erfahrbar.
Das Museum Moderner Kunst präsentiert
mit den Werken aus der renommierten
Sammlung des „Morat Instituts für K
unst“ in Freiburg exzellente Blätter
ausschließlich der ersten Druckauflagen. Ge
zeigt werden mit über 250 Arbeiten alle
Radierzyklen Goyas aus den Jahren 1796 bis 1815.


Biographie Francisco de Goya
1746 geboren in Fuendetodos/Aragon (Spanien)
1760-1766 Ausbildung zum Maler in Saragossa
1760er Aufenthalte in Madrid und Rom
1771 Rückkehr nach Saragossa,
erste Aufträge für Kirchenfresken
Ab 1775 in Madrid
1776 Erster Staatsauftrag für
die Gestaltung von Wandteppichen
1780 Aufnahme in die Academie de
San Fernando, erste
Radierversuche
Ab 1780er zahlreiche öffentliche Aufträge für Kirche und Adel
1785 Ernennung zum Präsidenten der
Academie de San Fernando
1792 schwere Krankheit, die zur Taubheit führt
1799 Ernennung zum Hofmaler
1796-1798 Arbeit am graphischen Zyklus „Caprichos“
Um 1800 Entstehung der beiden Gemälde „Nackte Maya“ und „Bekleidete
Maya“
1808
Besetzung Spaniens durch napoleonisch
e Truppen, Einsetzung Josef
Bonapartes als König von Spanien
1810-1813 Arbeit am graphischen Zykl
us „Desastre de la Guerra“
1809
Monumentalbilder für den Prado, di
e die Aufstände gegen Napoleon
zum Thema haben
1814
Nach Rückkehr der spanisch
en Bourbonen erneute Ernennung zum
Hofmaler, Rückzug auf sein Landgut
1815
Vorladung zur Inquisition wegen
der beiden „Maya“-Gemälde,
Beschlagnahmung beider Werke bi
s 1836. Arbeit an den graphischen
Zyklen „Tauromachia“ und „Proverbos“
Ab 1819 Beschäftigung mit Lithographie
1824
Auf Grund der politischen Lage in
Spanien Übersiedlung nach
Frankreich
1828 gestorben in Bordeaux (Frankreich)