Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models

21.02.2014 - 15.06.2014
Glockengießerwall , Hamburg
http://www.hamburger-kunsthalle.de

Mit der Ausstellung Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models präsentiert die Hamburger Kunsthalle eine
ungewöhnliche Doppelschau zu Anmut, Erotik und der Verehrung von Musen und Models, indem sie
Gemälde von Anselm Feuerbach mit noch nie gezeigten Photographien von Karl Lagerfeld zusammenführt.
Auf ähnliche Weise suchen Feuerbach und Lagerfeld nach einer Aktualisierung der in der Antike
begründeten idealen, zeitlosen Schönheit. In der Ausstellung wird der Kult um Schönheit, der das Modell
zur Ikone stilisiert, thematisiert. Von Feuerbach sind über vierzig Arbeiten vornehmlich aus den Jahren
1860-70 in der Ausstellung zu sehen. Die Werke sind Leihgaben aus dem Feuerbachhaus Speyer,
sowie aus deutschen, schweizerischen und österreichischen Museen und Privatsammlungen. Karl Lagerfeld
schuf speziell für die Ausstellung eine Serie von rund sechzig Schwarz-Weiß-Photographien.
Die präsentierten Werke sind überwiegend großformatig und wurden in einem aufwändigen Verfahren
auf silber- und goldfarbenes Gewebe gedruckt.
Anselm Feuerbach (1829–80), einer der bedeutenden deutschen Maler der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts, lebte ab 1856 in Rom. Die Stadt war mit ihrer Prachtarchitektur und der umliegenden
heroischen Landschaft ein Sehnsuchtsort, der wie kein zweiter geeignet schien, die klassischen Ideale
der Antike künstlerisch wiederzubeleben. Feuerbach widmet sich antiken Sujets und füllt sie zugleich
mit Phantasie und persönlichem Empfinden. Am spannungsreichsten zeigt sich dies in der 1860 begonnenen
Serie von einzigartigen Bildnissen, welche die von Feuerbach als Modell und Muse verehrte
Anna Risi, genannt Nanna, darstellen. Der Künstler malte Nanna in unterschiedlichsten Rollen und feinfühlig
gestalteten Inszenierungen, die von einer nahezu kultischen Verehrung für sein Modell zeugen.
Nachdem Nanna Feuerbach 1865 verließ, folgte ihr das Modell Lucia Brunacci. Ähnlich wie Nanna
entsprach sie mit ihrem griechischem Profil und dem vollen dunklen Haar dem klassischen Schönheitsideal
der Zeit. Lucia inspirierte Feuerbach zu imposanten Darstellungen mythologischer Themen, die
den Höhepunkt seines Oeuvres bilden.

Der Bilderzyklus Moderne Mythologie (2013) von Karl Lagerfeld widmet sich der antiken Liebesgeschichte
von Daphnis und Chloe und zeigt Models wie Baptiste Giabiconi und Bianca Balti, die Lagerfeld
über mehrere Jahre bei der Arbeit begleiteten. Die Geschichte des Dichters Longus erzählt von
einem Jungen und einem Mädchen, die elternlos bei Hirten aufwachsen und im Laufe der Jahre eine
große Zuneigung füreinander entwickeln. Die Photographien sind vor der malerischen Naturkulisse
Südfrankreichs entstanden. Seit der Renaissance ist die Erzählung von Daphnis und Chloe vielfach
künstlerisch aufgegriffen worden. Lagerfelds Aufnahmen stehen in einer Reihe mit Werken von
François Boucher, Pierre Bonnard oder Aristide Maillol, welche die antike Textquelle als Sinnbild idyllischen
Lebens präsentieren. Das von Lagerfeld inszenierte Ideal männlicher und weiblicher Körper
kann dabei seine Modernität und Nähe zur Mode nicht leugnen. Die einstudierten Blicke und Posen,
die Schminke und die Frisuren der Models zitieren die schöne Figur aus der Antike in einer Weise, in
der die Szenen fern aller Natürlichkeit wirken und einen Grenzgang zwischen Kunst und Kitsch, Ironie
und Spiel, Ewigkeit und Flitter wagen.
Die Ausstellung Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models wirft Fragen nach dem Verhältnis von Kunst
und Mode auf, die Karl Lagerfeld schärfer zuspitzt als manch anderer Modephotograph oder Photokünstler.
Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Direktor der Hamburger Kunsthalle und zusammen mit Luisa
Pauline Fink Kurator der Ausstellung, fühlt sich an Charles Baudelaires Charakterisierung des Flaneurs
erinnert, der im Vorübergehen versucht, „von der Mode das loszulösen, was sie im Flüchtigen an Ewigem
enthalten mag“. Gaßner: „Lagerfelds kreative Haltung als Moderschöpfer und Photograph gleicht
jenem Flaneur, der die Stile und Bilderschöpfungen aus den letzten dreihundert Jahren frei nutzt, um seiner
Sicht der Moderne eine Form zu geben.“
Zur Ausstellung erscheinen mehrere Publikationen, die in den Museumsshops und unter www.freundeder-
kunsthalle.de erhältlich sind: Ein Katalog zu Anselm Feuerbach, der gemeinsam mit dem Museum
Wiesbaden veröffentlicht wurde und die Gemälde und Zeichnungen Feuerbachs aus kunstwissenschaftlicher
Perspektive vorstellt (29,80 €). Ein Textband zum Ausstellungspart von Karl Lagerfeld mit
Longus` mythologischer Erzählung von Daphnis und Chloe, der als bibliophiles Lesebuch mit Illustrationen
von Lagerfeld von dem Verleger Gerhard Steidl aufwendig produziert wurde (15,80 €). Ebenfalls
im Steidl Verlag erscheint ein großes Photobuch mit der in der Ausstellung gezeigten Bildserie (48 €).
Für die Besucher gibt es zusätzlich die Möglichkeit ein Booklet zu erwerben, das kurze Kommentare zu
den ausgestellten Werken Feuerbachs und Lagerfelds enthält (3,50 €).
Kuratoren: Prof. Dr. Hubertus Gaßner und Luisa Pauline Fink