FERNANDO BOTERO: SANTAS

15.06.2015 - 31.07.2015
Galerie Gmurzynska
Paradeplatz 2, 8001 Zurich
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Galerie Gmurzynska freut sich die Ausstellung “Fernando Botero: Santas”
ankündigen zu dürfen, welche eine neue Serie großformatiger Malereien des
renommierten kolumbianischen Künstlers präsentiert.
Für diese Werkgruppe aus dem Jahr 2014 widmet sich Botero den ikonischen
Darstellungen weiblicher Heiliger des christlichen Kanons welche er anhand seines
unverkennbaren Duktus neu interpretiert. Hierdurch setzt Botero jene verehrten
transzendenten Märtyrerinnen als unverhüllt weltliche Society Ladies neu in Szene.
Das herausragende und ausschließlich weibliche Ensemble beinhaltet insgesamt
zehn Heilige. Botero setzt sich mit diesen mystischen Figuren auseinander, indem er
teilweise die jeweiligen Attribute der Heiligen aufnimmt, welche deren oft qualvollen
Hagiographien sowie ihre Funktion als Schutzheilige für bestimmte soziale
Berufsgruppen symbolisieren. In Boteros Überarbeitung figurieren diese einst
bedeutungsschweren Attribute wie eine Handbibel oder eine Altarkerze als nun
auffällige Accessoires, welche von den kurvenreichen Heiligen wie begehrenswerte
Handtaschen umklammert werden und deren Abendgarderobe abrunden.
In „Santa Barbara“ – vormals durch Peter Paul Rubens und Jan van Eyck dargestellt
wie auch in den zahlreichen Ikonen Griechisch-Orthodoxer Kirchenkunst in der sie
vornehmlich verehrt wird – behält Botero die graphischen körperlichen Blessuren
bei, welche die Heiligen oftmals erdulden mussten und die somit verantwortlich für
deren nachträgliche Heiligsprechung sind. In „Santa Barbara“ ist dies die
verwundete linke Brust, ein Eingriff welcher angeblich von ihrem eigenen Vater
bewilligt wurde wie auch ihre darauffolgende qualvolle Hinrichtung, als Strafe für
Santa Barbaras unbeugsamen Glauben.
Die stoische Mimik von Boteros Version der Santa Barbara zusammen mit dem
nüchtern wiedergegebenem Heiligenschein und ihrer freizügigen und gerüschten
Abendgarderobe erzeugen weiterhin einen augenfälligen Kontrast zu dem
Märtyrertum der eigentlichen historischen Figur.
Jene unerwarteten Diskrepanzen durchziehen die gesamte Werkgruppe der Santas:
die asketische Franziskaner Heilige Santa Klara von Assisi – die Ikone des Ordens
der Klarissen – erscheint als eine aufgeplusterte Dame in pelzverbrämten
Opernhandschuhen, gekleidet in Chiffon; Santa Justa, die bereits Goya als Motiv
eines Bildes diente welches Teil der Sammlung des Prado ist, trägt ihren Märtyrer
Palmwedel gleich einer tropischen Pflanze die sie gerade vom Floristen erworben
hat. Ihre klassische leicht erhobene Handgeste erscheint hier eher als ein
Handzeichen um ihren Chauffeur herbeizurufen.
Durch diese humorvollen Neuauslegungen von Haltung, Gewand, Attributen,
figürlicher Darstellung und Kulisse offenbart Botero die beträchtliche Interdependenz
zwischen Geschichtsschreibung und dem dramatisch fiktionalisierenden und
wirkungsvoll manipulierenden System westlicher Ikonenkunst.
Zur Ausstellung erscheint ein vollständig illustrierter Katalog einschließlich
Archivmaterial sowie einem Essay von Antony Haden-Guest.