Einfühlung und Abstraktion Die Moderne der Frauen in Deutschland

31.10.2015 - 28.02.2016
Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Straße 5 , 33602 Bielefeld
http://www.kunsthalle-bielefeld.de

Unter dem Titel «Einfühlung und Abstraktion. Die Moderne
der Frauen in Deutschland» präsentiert die Kunsthalle
Bielefeld malerische Werke von Künstlerinnen seit Ende des
19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre und führt in
ausgewählten Positionen bis zur Malerei der Gegenwart. Die
Ausstellung zeigt den überaus reichen Beitrag der Frauen zur
künstlerischen Entwicklung der vergangenen ca. 120 Jahre
in Deutschland, mit dem Blick auf den immer noch erst zu
entdeckenden weiblichen Teil der Kunstgeschichte.
Anders als beim männlichen Künstler, dem die akademische
Ausbildung selbstverständlich offensteht, beginnt der Weg
einer begabten Künstlerin um 1900 mit dem Ringen um den
Freiraum zu einer selbstständigen künstlerischen Tätigkeit,
um Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Während das
gesellschaftliche Selbstverständnis noch dem
bescheidensten künstlerischen „Genie“ eines Mannes
Respekt und Anerkennung zollt, müssen Künstlerinnen
gegen Ignoranz, Unverständnis, gesellschaftliche Ablehnung
und Familienpflichten allererst ihre Professionalität erringen.
Doch allen Widrigkeiten zum Trotz ist die Liste der
Künstlerinnen, die in Deutschland der Kunst den Weg in die
Moderne gewiesen haben, lang. Sie weist berühmte Namen
auf, von Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker über
Gabriele Münter zu Ida Kerkovius, Hannah Höch, Meret
Oppenheim, neben vielen anderen. Sie repräsentieren heute
die Kunst der deutschen Moderne so selbstverständlich wie
ihre männlichen Kollegen. Noch länger aber ist die Liste
derjenigen Mitstreiterinnen, deren Namen kaum mehr
bekannt und deren Werke mehr oder weniger in
Vergessenheit geraten, verschollen oder zerstört sind. Die
Ausstellung stellt in ihrer Auswahl kaum oder nur noch
wenig bekannte Positionen wie Dorothea Maetzel-
Johannsen, Dodo (Dörte Clara Wolff) und Maria Caspar-Filser
neben die oben genannten und zeigt damit, wie viel es auch
im Bereich der Klassischen Moderne noch zu entdecken gibt.
Wenn man an die Kunst von Frauen in Deutschland nach
dem Zweiten Weltkrieg denkt, so sind dies in der Regel
Künstlerinnen, die seit den 1970er-Jahren mit Fotografie,
Film, Video-, Performance-, Objekt- und Installationskunst
arbeiteten, aber nicht mit Malerei. Allgemein gilt Malerei ab
den 1960er-Jahren in Westdeutschland, auch unter dem
Einfluss von Malerei-fernen Kunstströmungen aus den USA
(Minimal Art, Pop Art, Concept Art), als an ihr historisches
Ende gekommen. Zudem war Malerei, anders als Video und
Performance-Kunst, für feministisch gesinnte Künstlerinnen
nicht das provokante Medium, um dem männlich
dominierten Kunstbetrieb entgegenzutreten. Die Kunsthalle
Bielefeld zeigt im ersten Obergeschoss anhand von
ausgewählten Beispielen von Meret Oppenheim, Maria
Lassnig, Christa Näher, Leiko Ikemura, Karin Kneffel und
Sophie von Hellermann, dass auch Malerinnen einen
bemerkenswerten Beitrag zur Kunst der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts leisteten. Wie ihre künstlerischen
Vorgängerinnen der Klassischen Moderne wurden auch diese
Malerinnen teils lange übersehen. Unbeirrt folgten sie ihrer
Profession im Malerei-fernen Kunstkontext der Zeit und
stellen heute wichtige Positionen zeitgenössischer Kunst in
Deutschland dar.

Künstlerinnen:
Ella Bergmann-Michel (1895-1971), Maria Caspar-Filser
(1878-1968), Dodo (Dörte Clara Wolff) (1907-1998), Helene
Funke (1869-1927), Ida Gerhardi (1862-1927), Lilly
Hildebrandt (1887-1974), Dora Hitz (1856-1924), Hannah
Höch (1889-1978), Leiko Ikemura (*1957), Ida Kerkovius
(1879-1970), Karin Kneffel (*1957), Käthe Kollwitz (1867-
1945), Frieda Kretschmann-Winckelmann (1870-1933), Maria
Lassnig (1919-2014), Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940),
Jeanne Mammen (1890-1976), Dorothea Maetzel-Johannsen
(1886-1930), Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Gabriele
Münter (1877-1962), Christa Näher (*1947), Meret
Oppenheim (1913-1985), Anita Rée (1885-1933), Clara
Siewert (1862-1944), Maria Slavona (1865-1931), Sophie von
Hellermann (*1975), Marie von Malachowski-Nauen (1880-
1043), Julie Wolfthorn (1864-1944)
Kuratorinnen:
Jutta Hülsewig-Johnen, Henrike Mund