Ein Spanier in Paris Antoni Clavé

07.02.2015 - 03.05.2015
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1 , 48143 Münster
http://www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Antoni Clavé darf als einer der bedeutendsten spanischen Künstler des 20. Jahrhunderts gesehen werden und doch scheint er im Laufe der Jahre fast in Vergessenheit geraten zu sein. Das Picasso-Museum widmet dem 1913 in Barcelona geborenen und 2005 im südfranzösischen Saint Tropez gestorbenen Maler und Bildhauer die Sonderausstellung „Antoni Clavé – Ein Spanier in Paris“. Die Schau deckt mit rund 70 Werken von 1939 bis 2003 den gesamten Schaffenszeitraum des Künstlers ab. Monumentale Triptychen, Collagen, Gemälde, Skulpturen, Radierungen und Druckplatten laden in Münster zu einem Wiedersehen mit Antoni Clavé ein.
Clavés Werke sprechen eine kraftvolle, materialbetonte Sprache und spiegeln seine Freude am Experimentieren mit Farben, Formen, Textilien und Papier. „Große internationale Ausstellungen, darunter die Documenta und die Biennale in Venedig, feierten Clavé von den 1960er bis 1990er-Jahren als Großmeister der Collage und Assemblage-Technik“, erinnert Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Nachdem ihm in Deutschland schon seit Jahrzehnten keine monografische Ausstellung mehr gewidmet wurde, laden wir mit dieser Präsentation dazu ein, den katalanischen Maler wiederzuentdecken.“
Vom Handwerker zum Künstler
Wie vielseitig Clavés künstlerisches Schaffen ist, zeigt ein Blick auf seine Vita: Er beginnt seine kreative Laufbahn im Jahre 1927 handwerklich mit einer Ausbildung als Fassadenmaler, in der ihn vor allem die Arbeitsmaterialien und die Farbzubereitung faszinieren. In den 1930er-Jahren tritt seine künstlerische Ader erstmalig auch beruflich in den Vordergrund, als er anfängt, Kino- und Werbeplakate zu entwerfen und als Zeichner für die republikanische Regierung tätig wird. Auf der Flucht vor dem Franco-Regime zieht es den Spanier 1939 nach Paris, dessen Kunstwelt bald auf seine Bühnen- und Kostümgestaltungen aber auch auf seine außergewöhnlichen Grafiken aufmerksam wird.
Clavé trifft Picasso in Paris
In Paris trifft Clavé 1944 auch auf Pablo Picasso, von dem er sich begeistert zeigt: „Das war eine fantastische Offenbarung. Er hat mir viele Dinge gezeigt. Als ich den Mann sah und seine Werke, habe ich eine Menge verstanden an jenem Tag. Und ich habe nicht begriffen, was ich in der Malerei machen sollte, sondern ich habe begriffen, was ich nicht machen sollte. Ich bin vollkommen verwandelt daraus hervor gegangen.“ Seine Bekanntschaft mit Picasso prägt den Künstler in den folgenden Jahren ebenso wie die Freundschaft zu seinem katalanischen Landsmann Joan Miró.
Ab 1946 feiert er öffentliche Erfolge als Buchillustrator und Bühnenbildner in Paris, München, London und New York. Unter seinen Entwürfen für internationale Ballett- und Theateraufführungen ist auch sein weltberühmtes Bühnenbild für das Ballett „Carmen“.
1954 gibt Antoni Clavé seine Arbeit als Bühnenbildner und Illustrator auf, um sich ganz der Malerei zu widmen. Er erzielt in den folgenden Jahrzehnten internationale Erfolge vor allem in Europa und Asien. Zweimal stellt er auch auf der Documenta in Kassel aus (1959 und 1964). 1978 widmet ihm das Pariser Centre Pompidou eine große Retrospektive und sechs Jahre später bespielt er den spanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig.
Die Ausstellung Antoni Clavé – Ein Spanier in Paris zeigt Werke aus Privatbesitz. Clavés künstlerisches Schaffen ist in dieser Qualität und Dichte seit Jahrzehnten nicht mehr in Deutschland zu sehen gewesen.

Picasso – Mythos Carmen (7. Februar – 3. Mai 2015)
Parallel zur Ausstellung über Antoni Clavé zeigt das Picasso-Museum auch Werke aus seinem eigenen Bestand zum Thema „Carmen“, eine der berühmtesten Frauenfiguren der Literatur- und Operngeschichte. Alexander Gaude, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Picasso-Museums und Kurator der Ausstellung, beschreibt sie als „Idealtypus der stolzen, von Leidenschaft getriebenen Femme fatale“. Ob in der künstlerischen Inszenierung seiner Musen als selbstbewusste Andalusierinnen, in der Interpretation des Stierkampfes als tödlichem Liebesduell oder in der theatralisierenden Darstellung von fahrenden Künstlern – immer wieder thematisiert Pablo Picasso Motive der populären Tragödie um Liebe, Tod und Eifersucht in seinem künstlerischen Schaffen.

Die Ausstellung mit Werken aus dem Eigenbestand spürt dem Mythos Carmen in seinen vielfältigen Verwandlungen im Schaffen Picassos nach und spannt damit den thematischen Bogen zu seinem spanischem Künstlerkollegen Antoni Clavé, dessen Kostüm- und Bühnenentwürfe zu „Carmen“ Weltruhm erlangten.