Ein Fest des Staunens Charlotte Moorman und die Avantgarde, 1960–1980

04.03.2017 - 18.06.2017
Museum der Moderne – Rupertinum
Mönchsberg 32 , Salzburg
http://www.museumdermoderne.at

Als einzige Station in Europa präsentiert das Museum der Moderne Salzburg eine umfangreiche Schau über das Werk und den Einfluss der US-amerikanischen Musikerin und Performance-Künstlerin Charlotte Moorman. Ihr künstlerisches Schaffen und ihre Rolle als Vermittlerin von Avantgardekunst werden in dieser Ausstellung erstmals umfassend gewürdigt und Moorman in ein neues Licht gerückt.
Das Museum der Moderne Salzburg widmet die Ebene [3] am Mönchsberg der Ausstellung Ein Fest des Staunens. Charlotte Moorman und die Avantgarde, 1960–1980, die von der New York Times zu den besten Ausstellungen des Jahres 2016 gewählt wurde. Sie umfasst Werke in ganz unterschiedlichen Medien und Bereichen: Musik, Film, Performancekunst, Audio- und Videoinstallation, Fotografie, Literatur und Materialien aus dem Archiv der 1991 in New York City verstorbenen Künstlerin. Die Ausstellung ist in zwei Hauptthemen gegliedert: Moormans Repertoire als Künstlerin und ihre Arbeit als Gründerin und Organisatorin des Annual New York Avant Garde Festivals. Diese beiden Bereiche werden von einem Abschnitt über den Einfluss ihrer Konzertreisen nach Europa verknüpft.
Nach einer klassischen Ausbildung als Cellistin an der berühmten Juilliard School in New York wendet sich die 1933 in Little Rock, Arkansas, geborene Charlotte Moorman früh der experimentellen Musik zu. Der Komponist Edgar Varèse bezeichnet sie als „Jeanne d’Arc der Neuen Musik“. Moorman organisiert zahlreiche Konzerte für zeitgenössische Musiker_innen wie Joseph Byrd, La Monte Young, Toshi Ichiyanagi und Yoko Ono. Ihre Beteiligung an radikal neuen Formen der Kunst beschränkt sich jedoch nicht auf das Gebiet der Musik. Sie arbeitet mit Allan Kaprow, Otto Piene, Carolee Schneemann, Yvonne Rainer und Joseph Beuys.
Ausgehend von ihrer intensiven Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik, Kunst, Literatur, Tanz und innovativen genreübergreifenden Ausdrucksformen engagiert sie sich dafür, diese auch einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Zwischen 1963 und 1980 organisiert sie insgesamt 15-mal das Annual New York Avant Garde Festival. Ab 1966 versammelt das legendäre Festival die Avantgarde der Welt an öffentlichen Orten New Yorks wie dem Central Park (1966), der Staten Island Ferry (1967) oder dem Grand Central Terminal (1973). Parallel dazu entwickelt Moorman ein sehr persönliches Repertoire an Stücken, die sie wiederholt aufführt. Dazu zählen Werke von John Cage, Giuseppe Chiari, Philip Corner, Jim McWilliams, Yoko Ono und Nam June Paik. Ihre Arbeit führt sie auch nach Europa, wo sie unter anderem 1965 am 24-Stunden-Happening in Wuppertal, 1973 an der Bochumer Kunstwoche und 1982 am Ars Electronica Festival in Linz teilnimmt. „Moorman spielte nicht nur eine herausragende Rolle in der New Yorker Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre, sie knüpfte auch Verbindungen zwischen der US-amerikanischen und europäischen Szene. Die Dokumentationen ihrer Performances in Linz und Wuppertal sind ein Stück österreichischer und deutscher Fernsehgeschichte“, unterstreicht Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg.
Ihre teilweise nackte Aufführung der Opera Sextronique von Nam June Paik führt 1967 in New York zu ihrer Verhaftung und Anklage wegen unsittlichen Verhaltens. Charlotte Moorman wird für die Öffentlichkeit zur „Topless Cellist“, was ihr Image stark prägte – ein Umstand, der mit dieser Ausstellung korrigiert wird. Aus ihrer Zusammenarbeit mit Nam June Paik sind weitere Werke eng mit ihren Namen verbunden, da sie exklusiv für sie geschaffen, von ihr getragen bzw. gespielt wurden: das berühmte TV Cello (1971/1973) ist in der Ausstellung zu sehen. Einige Performances, die rund um die Welt aufgeführt wurden und als ikonische Bilder zirkulieren, werden anhand von unterschiedlichen Materialien vermittelt: so etwa ihre Aufführung von Jim McWilliams Sky Kiss – Moorman spielt an Heliumballons in der Luft hängend das Cello – und 26′ 1.1499“ for a String Player von John Cage – Moorman streicht unter anderem mit dem Bogen über eine auf einem nackten Männerrücken gespannte Cellosaite und erweitert ihr Instrumentarium um eine Reihe von Gegenständen, von einer Badeente bis hin zu einer zu einem Cello umfunktionierten Bombe.
Charlotte Moorman war eine begeisterte Archivarin. Die Ausstellung schöpft aus reichen Materialien, die einen Einblick in Moormans persönliches Leben bieten, ihre Verbindungen zu anderen Künstler_innen der Zeit aufzeigen und ihre unermüdlichen Anstrengungen zur Vermittlung der Avantgarde sichtbar machen. Teile des Archivs von Moorman, das sich an der Northwestern University in Chicago befindet, werden in dieser Ausstellung zum ersten Mal gezeigt.
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Mary and Leigh Block Museum of Art, Northwestern University, und den Northwestern University Libraries. Die Ausstellung in Salzburg wird ermöglicht durch großzügige finanzielle Mittel der Terra Foundation for American Art. Weitere maßgebliche Unterstützung gewährten: Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, National Endowment for the Arts, Elizabeth F. Cheney Foundation, Alumnae of Northwestern University, Colonel Eugene E. Myers Foundations, Illinois Arts Council Agency, Dean of Libraries Discretionary Fund, Charles Deering McCormick Fund for Special Collections, Florence Walton Taylor Fund, Block Museum Science and Technology Endowment.
Direktorin: Sabine Breitwieser, Museum der Moderne Salzburg
Kuratorenteam: Lisa G. Corrin, Direktorin, Block Museum; Corinne Granof, Kuratorin des akademischen Programms, Block Museum; Scott Krafft, Kurator der Charles Deering McCormick Library of Special Collections, Northwestern University Libraries; Michelle Puetz, Pick-Laudati-Kuratorin für Medienkunst, Block Museum; Joan Rothfuss, beratende Kuratorin; und
Laura Wertheim Joseph, Assistenz der beratenden Kuratorin; Tina Teufel, Kuratorin, Museum der Moderne Salzburg
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
A Feast of Astonishments: Charlotte Moorman and the Avant-Garde: 1960s–1980s
Hg. von Lisa Graziose Corrin und Corinne Granof, Vorwort von Lisa Graziose Corrin, Lynn Gumpert und Sabine Breitwieser sowie Texte von Lisa Graziose Corrin, Ryan Dohoney, Corinne Granof, Hannah B. Higgins, Rachel Jans, Scott Krafft, Kathy O’Dell, Jason Rosenholtz-Witt, Joan Rothfuss, Kristine Stiles und Laura Wertheim Joseph
Softcover, 25,4 x 22,9 cm, 224 Seiten
Northwestern University Press
Englische Ausgabe ISBN 978-0-8101-3327-3
€ 48