Ein Bild aus Wien 4

Das auf Publikumsmagneten spezialisierte Kunstforum schließt nach einer Präsentation der Werke von Kasimir Malewitsch mit der aktuellen Ausstellung „Nolde und die Südsee“ in der Hoffnung auf einen weiteren Publikumserfolg an ihre Folge von Personalausstellungen der Klassischen Moderne an.

Nach dem regen Ausstellungsreigen um Paul Gauguin, dessen „Sehnsucht nach dem Paradies“ den Maler nach 1891 zu längeren Aufenthalten auf Tahiti bewogen hatte und dessen künstlerische Produkte ihm im ausgehenden 20. Jahrhundert zahlreiche vielbeachtete Großausstellungen, u.a. 1999 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin bescherten, folgt nun ein weiteres Ausstellungsprojekt, das die aus der Begegnung eines malenden Europäers mit den sogenannten primitiven Kulturen resultierenden künstlerischen Zeugnissen, in einer vielversprechenden Themenausstellung vorführen möchte.

An die Erfolge der Gauguin-Ausstellungen scheinen die Kuratoren des Kunstforums und ihres Ausstellungspartners, der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München, vielleicht gedacht haben, als Sie sich bei ihrem jüngsten Projekt thematisch für „Nolde und die Südsee“ entschieden haben.

Nolde, verbrachte im Vergleich zu dem Älteren, zwar nur eine relativ kurze Spanne seines langen Lebens fernab der Heimat in der tropischen Inselwelt. Die reichen Einflüsse hingegen, die die Reise nach Papua-Neuguinea auf sein künstlerisches Werk hatte, versucht die Wiener Schau in einer opulenten, über 50 Gemälde und 200 Aquarelle und Zeichnungen umfassenden Ausstellung zu dokumentieren.

Als Teilnehmer der vom Berliner Reichskolonialamt veranstalteten „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“, die die Gesundheitsverhältnisse der Eingeborenen in verschiedenen Teilen des Bismarck-Archipels zu untersuchen hatte, war Nolde, wenngleich auf eigene Kosten, für das stammeskundliche Zeichnen vor Ort verantwortlich.

Bereits um 1911/12 läßt sich ein verstärktes Interesse Noldes an der Kunst der Naturvölker beobachten. Damals besuchte der in den Wintermonaten meist in Berlin weilende Maler das dortige Völkerkundemuseum. Ausstellungsstücke des Berliner Instituts regten Nolde zu einem Block von Studienzeichnungen an, der in der Wiener Ausstellung erstmals präsentiert wird.

Werke, die der Maler auf der Hinreise schuf, Bildnisse von Russen und Sibiriern, die Nolde auf seiner Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn beobachtete, chinesische und japanische Impressionen, Theaterszenen und Dschunkenfahrten im Gelben Meer, nehmen ein weiteres Kapitel der Ausstellung für sich ein. Noldes, in leuchtendem Kolorit und in starken Farbkontrasten aufgebaute Arbeiten aus der Südsee bilden das Zentrum der Ausstellung. Schließlich werden die Einflüsse, die die Südsee-Erlebnisse in Form von großen Leinwandbildern auf Noldes späteres Werk hatten, anhand verschiedener Arbeiten dokumentiert. Die Ausstellung klingt aus mit einer Gruppe von Stilleben, zu der Nolde durch Masken, Figurinen und Fetische, die er von der Reise mitgebracht hatte, angeregt wurde. Diese Sammlung, und das ist eine der wirklich schönen und die Wiener Präsentation belebenden Ideen, wird zusammen mit Noldes Werken gezeigt und durch weitere Stücke aus dem Wiener Völkerkundemuseum ergänzt. Daß die Erlebnisse dieser Reise und die vielfältigen Impressionen sich nachhaltig in Noldes Œuvre niedergeschlagen haben, beweist die Ausstellung anhand der zahlreichen Dokumente ohne Zweifel. Eine stringentere Auswahl auf Kosten des Umfangs hätte Anspruch und Ergebnis jedoch in einem noch überzeugenderem Gesamtbild Gestalt annehmen lassen.

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Wien I, Freyung 8
http://www.kunstforumwien.at

Ausstellungsdauer: 13. Dezember 2001 bis 3. März 2002

Täglich 10-19 Uhr
Samstag 10-21 Uhr