Ein Bild aus Wien 11

RICHARD JACKSON
BANK JOB

BAWAG FOUNDATION
bis 30. Juni 2002

Mit „vier neuen erfrischend witzigen Installationen“ wirbt die Bawag Foundation für ihre derzeitige Personale mit Werken des kalifornischen Künstlers Richard Jackson. Stolz bezeichnet sich die Institution als die Veranstalterin der ersten österreichischen Einzelausstellung des Künstlers und betont – um den hierzulande nicht geläufigen Namen von vornherein in eine international anerkannte Künstlerschaft einzureihen – seine freundschaftliche Bindung zu Bruce Nauman. „Bank Job“ – „Banküberfall“ betitelt der Kalifornier seine Schau, die in kabinettartig voneinander abgegrenzten Bereichen, jeweils eine raumfüllende Installation präsentiert. Gleich zu Beginn begrüßt eine kleine Versammlung grauer, lebensgroßer und auf Holzsockeln montierter Plastikbären, die aufrecht stehen, auf dem Kopf balancieren und unter der Decke hängen. An ihre Körperöffnungen hat der Künstler trichterförmige Gegenstände und Schläuche montiert, durch die sich anscheinend die flüssige Farbe ergoß, die die unmittelbare Umgebung der Bärengruppe, mit Klecksen auf Boden und Wänden, bedeckt.

Ein weiteres Beispiel für den „Farbverspritzungsdrang“ des Künstlers ist die Installation „The Bedroom“. Hierbei handelt es sich um eine Box mit einem Doppelbett, das vom Künstler mit großen Mengen flüssiger Farbe übergossen wurde. Mit Hilfe einer rotierenden Hebebühne wird die Liegestatt bis unter die Decke befördert, wo der getränkte Überzug eine rotgelbe, verschmierte Farbscheibe hinterläßt.

In „Accidents in Abstract Painting“ (2002) bindet Jackson seine Farbexplosionssphantasien auf pseudo-aktuelle Weise in ein Arrangement, das den Flug einer Chessna-150 dokumentiert, deren mit Farbe gefüllter Tank kurz nach dem Start explodiert und während des kurzen Absturzes die Landschaft mit Farbe besprengt. Rechts und links der Videoprojektion findet sich die Vergrößerung einer Fotografie, von einer in ein Bürogebäude gekrachten Cessna und der schematisierten Zeichnung eines Flugzeugs, die mit einem Belag von Farbtropfen und -spritzern überzogen ist.
Für Jackson, der all seine Gegenstände, wie er nicht müde wird zu betonen, in langwieriger Arbeit selbst herstellt, „ist wichtig, dass ich alles allein mache, weil ich nicht so viele gute Ideen habe und ich glaube, die meisten Künstler haben nicht sehr viele“. Mit lakonischer Ironie erklärt der Konzeptkünstler seinen Impetus: „Es ist bloß eine Art, mir die Zeit zu vertreiben. Was zu tun zu haben, wenn ich nicht jagen gehe“.

Mit viel gutem Willen könnte man hinter all dem einen weiteren Beitrag zur Malereidebatte vermuten, einer „Malerei als Aktion“, wie sie bespielsweise sein jüngerer Kollege Paul McCarthy mit seinen ironischen, sexuell aufgeladenen und den Kunstmarkt kritisierenden Inszenierungen praktiziert. Das Betrachten der Werke von Richard Jackson hingegen ist immer von dem Erlebnis eines „Déjà-vu“ begleitet, vom Gefühl, das soeben in Augenschein Genommene, an anderer Stelle und in anderem Gewand schon einmal gesehen zu haben.

Wen Jacksons Vorstellung trotz allem beeindruckt oder wer diese sogar „erfrischend witzig“ findet, dürfte zur Gruppe der Ausstellungsbesucher mit heiterer Gemütsverfassung gehören, deren mangelnde Kritikfähigkeit allein mit der derzeit von Kastanienduft geschwängerten Wiener Luft zu erklären ist.

BAWAG FOUNDATION
Tuchlauben 7 a
A-1010 Wien

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr

Katalog: Richard Jackson – Bank Job, hrsg. Von der BAWAG FOUNDATION, dt/ engl., EURO 14,53.