Ein Bild aus Wien 1

MAK Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien
21. November 2001 – 17. Februar 2002

Mit einer großen Personale ehrt das Museum für angewandte Kunst den 1947 in Wien geborenen Künstler Franz West. Der österreichische Bildhauer und Installationskünstler, der derzeit zu den gefragtesten Protagonisten des internationalen Kunstkarussels gehört, hat mit zahlreichen Einzelausstellungen und Beteiligungen bei den wichtigen internationalen Gruppenausstellungen der vergangenen 20 Jahre einen erstaunlichen Karrieresprung zu verzeichnen. Gern wird die Anekdote vom Whiskyflasche und Arbeitsmappe mit sich führenden 30-Jährigen zitiert, wie er hartnäckig allmorgendlich vor dem Eingang der Galerie Nächst St. Stephan wartete und mangels Ausstellungsmöglichkeit und Galerievertretung Passanten auf der Straße seine Werke zu verkaufen suchte.
West, der in den vergangen Jahren verstärkt mit Installationen im öffentlichen Raum aufgefallen ist, macht bereits im Umfeld vor dem Museum mit zwei Installationen auf seine Werkschau aufmerksam. In unmittelbarer Nähe zum Eingang hat West seine zweiteilige, 6.50 m hohe Skulptur CENTRIPETALE in das winterliche Rasenbett gesetzt, die auf ironische Weise mit dem benachbarten Denkmal am Dr.-Karl-Lueger-Platz korrespondiert. Nähert sich der Besucher aus der entgegengesetzten Richtung, begrüßen ihn vier markante Vertreter der aus Aluminium und weißer Lackfarbe gefertigten LEMURENKÖPFE, die an den Pylonen der Stubenbrücke angebracht sind.
Im zentralen Oberlichtsaal des Museums und damit auch im Mittelpunkt der Ausstellung erwartet eine raumgreifende Installation, die West eigens für die Ausstellungshalle entwickelt hat und angeblich seine bisher umfangreichste Arbeit darstellt. WEIGERUNG, so der Titel des zweiteiligen Environments, besteht aus der Skulptur DRAMA und aus KANTINE (25 Tischen und 100 Stühlen). DRAMA, eine pinkfarbiges Röhrenverschlingung ohne Anfang und Ende, gefertigt aus den vom Künstler bevorzugt “armen³ Materialen, ist die ins Monumentale gesteigerte Interpretation eines in sich geschlossenen Darms, eines Verdauungs-Perpetuum-mobile, dessen Inhalt in Ermangelung von Ein- und Ausgang zum Verbleiben und damit zur endlosen Zirkulation gezwungen wird. Wie diese monumentale Installation tragen die meisten der in der Ausstellung gezeigten Exponate als Entstehungsjahr die 2 im ersten Viertel, auch wenn das eine oder andere Objekt Déjà-vu-Erlebnisse auszulösen vermag. So ist DRAMA das Modell einer bereits für einen anderen Ort konzipierten Außenskulptur, allerdings nicht wie üblich verkleinert, sondern dreimal so groß wie das Original. Auch die Collagen, die farbig gefaßten Skulpturen aus Gips und Pappmaché, die sogenannten Passstücke, und schließlich die mit Stoff überzogenen Sofas und Stühle gehören schon seit Jahren zum festen Bestandteil des West`schen ‘uvres. Und dort, wo auf ältere Exponate nicht verzichtet wurde, erhält das Ausstellungsgut mit dem Hinweis “neu arrangiert und ergänzt³, die etwas bemühte anmutende Aktualität.
Zahlreiche Werke zeugen von West` häufiger und enger Zusammenarbeit mit Künstlerfreunden und -kollegen. Neben der Ausstellung im MAK wird ihr neben der Präsentation von Gemeinschaftsarbeiten mit u.an Heimo Zobernik und Bernhard Riff und den Kombinationen mit Arbeiten von anderen Künstlern (Jason Rhoades, Wolfgang Tillmans, Ferdinand Schmatz, Raymond Pettibon, Paul McCarty, Herbert Brandl u.a), auch im Rahmenprogramm in Form von Aktionen und Aktivitäten (Konzerten und einer Lesung) Rechnung getragen.
Als Reminiszenz an seine große Haßliebe – den Wiener Aktionsmus – und als Relikt der Eröffnungsperformance, erwartet schließlich noch Par Bleu (La Limousine Bleu), ein bordeauroter
Maseratti, der anläßlich des Vernissageabends vom Künstler mit der Lieblingsfarbe der Ausstellung – einem pinkfarbenem Lack – übergossen und innerhalb weniger Minuten die Metamorphose vom profanen Luxusgefährt in ein kostspieliges Kunstobjekt erfahren hat. Die Ästhetik, die anklingt, ist hier, wie auch in anderen, von West eingerichteten Environments, in denen beispielsweise Möbel als Skulpturen funktionieren und umgekehrt, geprägt von einer für ihn typischen ambivalenten Haltung seiner Arbeit gegenüber als eigenständiges Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand.
Die repäsentative Schau, mit Installationen, Environments, Möbeln und Videos, den für den menschlichen Körper gemachten und in beliebiger Weise benutzbaren Gebilden ebenso wie den“unanwendbaren Gebrauchsgegenständen³, findet noch bis zum 17. Februar im Museum für Angewandte Kunst ihr temporäres Domizil.

Öffnungszeiten: Dienstag 10.00 – 24.00 Uhr
Mittwoch -Sonntag 10.00 – 18.00, Montag geschlossen

MAK – Österreichisches Museum für Angewandte Kunst
Stubenring 5
A-1010 Wien