dOCUMENTA (13) veröffentlicht das zweite Künstlerbuch

dOCUMENTA (13) veröffentlicht das zweite Künstlerbuch in Kooperation mit Casco – Office for Art Design and Theory, Utrecht: »seeing studies« von Natascha Sadr Haghighian & Ashkan Sepahvand für das institut für inkongruente übersetzung
dOCUMENTA (13) gibt das Erscheinen der Publikation »seeing studies« bekannt – ein langfristiges Forschungsprojekt, das Natascha Sadr Haghighian und Ashkan Sepahvand für das institut für inkongruente übersetzung entwickelten und das nun in einer Kooperation zwischen dOCUMENTA (13) und Casco – Office for Art, Design and Theory produziert wurde und im Hatje Cantz Verlag erscheint.

Ausgangspunkt des Projektes ist ein Schulbuch, das vom iranischen Bildungsministerium veröffentlicht und an öffentlichen iranischen Schulen für den Kunstunterricht der fünften Klasse verwendet wurde. Als das institut für inkongruente übersetzung mit der Übersetzung dieses Schulbuchs von Farsi ins Englische begann, erforderte dieser Prozess eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten und einander widersprechenden Stimmen. Gesprächspartner aus den Feldern der Kultur und Pädagogik wurden eingeladen, um den Übersetzungsprozess zu einer Debatte über die Bedingungen des Sehens zu erweitern; untersucht wurden die Art und Weise, wie wir sehen lernen, die Konventionen der Wahrnehmung, die Bedingungen, unter denen wir an Bildung teilhaben, sowie weitere Wege, durch die Bedeutungen vermittelt, rezipiert und wieder angewendet werden.

»Schulen des Sehens« werden an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten angetroffen: Entwicklungen der Optik im Bagdad der abbasidischen Dynastie überschneiden sich mit den pädagogischen Reformen und mechanischen Zeichnungen im Frankreich des Fin de Siècle; der »historische Blick« der Renaissance in Florenz korrespondiert mit grundlegenden Auffassungen, die im Khorasan der Seldschuken-Periode in Traktaten zur Bildherstellung formuliert wurden. Im Iran der Kadjaren vertieft die Erforschung der Fotografie und Drucktechniken den Bruch mit der »Tradition«, den ein Ereignis wie der Pariser Herbstsalon des Jahres 1912 darstellt. Wie George Kubler in seinem einflussreichen Buch Die Form der Zeit beschreibt, entstehen sequenzielle und serielle Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen Dingen, wenn man Probleme außerhalb der kulturellen Systeme untersucht, zu denen sie gehören – ob »Osten« oder »Westen«. Diese Querschnitte durch Zeit und Raum verbinden sich zu dynamischen Ketten von Konzepten, Praktiken und Formen.

»seeing studies« ist eine Untersuchung über das Sehen als Problem: als ein fundamentaler »Sinn«, dessen Gemeinsamkeit biologisch vorausgesetzt wird, in dem aber Differenzen kulturell unvermeidlich sind. »Sehen«, mit seinen unmittelbaren Kontexten Kunst, Visualität und Darstellung, wird als ein Problem aufgefasst, das sich auf das erweiterte Feld der gesellschaftlichen Realität auswirkt: darauf, wie Kommunikationsweisen, Weltanschauungen und Prozesse des Lernens (und Verlernens) durch das geprägt werden, was wir für »sichtbar« oder »unsichtbar« halten. »seeing studies« präsentiert die Bandbreite dieses Prozesses als Buch, als räumliche Anordnung und in einer Reihe von Gesprächen im Casco in Utrecht.

Am Samstag, den 22. Januar 2011, wird Carolyn Christov-Bakargiev, künstlerische Leiterin der dOCUMENTA (13), an einem der mehrtägigen Workshops anlässlich der Publikation von »seeing studies« im Casco teilnehmen und über die Wahrnehmung und das Geschichtenerzählen sprechen.

Die Publikation
Herausgegeben von Natascha Sadr Haghighian und Ashkan Sepahvand für das institut für inkongruente übersetzung. Gestaltet von image-shift und Farhad Fozouni. Mit weiteren Beiträgen von Nazgol Ansarinia, Homayoun Askari Sirizi, Mehraneh Atashi, Mahmoud Bakhshi, Daniel Berndt, Binna Choi, Media Farzin, Shahab Fotouhi, Reza Haeri, Zoya Honarmand, Hatem Imam, Sohrab Mohebbi, Mehdi Navid, Molly Nesbit, Oya Pancaroglu, Tina Rahimi, Setareh Shahbazi, Zeinab Shahidi with Reza Abedini, Jana Traboulsi sowie William Wheeler.

Produziert von der dOCUMENTA (13) mit Casco – Office for Art, Design and Theory und dem institut für inkongruente übersetzung und publiziert vom Hatje Cantz Verlag (www.hatjecantz.com).

ISBN 978-3-7757-2972-7

Preis 39,80 Euro
Englisch / Farsi
304 Seiten, 21 x 26 cm.

Die Publikation wurde ermöglicht durch die zusätzliche finanzielle Unterstützung des Fonds BKVB for Electric Palm Tree, der Hessischen Kulturstiftung und Extra City Kunsthal Antwerpen

 

Link: http://www.hatjecantz.com