DIKE BLAIR + LUTZ BACHER

12.02.2016 - 03.04.2016
secession
Friedrichstraße 12, A-1010 Wien
http://www.secession.at

DIKE BLAIR
Floors/Doors/Windows/Walls.

In der Secession zeigt Dike Blair rund 50 Bilder, die größtenteils zwischen 2010 und 2015 entstanden
sind und, mit wenigen Ausnahmen, die in der nüchternen Aufzählung des Titels erwähnten Motive darstellen.
Drei eigens für die Ausstellung geschaffene Skulpturen des US-amerikanischen Künstlers greifen
die vier titelgebenden Elemente Boden, Tür, Fenster, Wand auf und bilden zugleich eine Antwort auf die
Tatsache, dass die Ausstellung in vier Räumen stattfindet. (Der kleinere vierte Raum, in dem sich keine
Skulptur befindet, ist kleinformatigen Bildern von Cocktails und Aschenbechern, den Sujets des Künstlerbuchs,
gewidmet.) Mit den Skulpturen, die Blair nach einem früheren Besuch in der Secession entwarf,
versucht er, die Betrachtung der Gemälde als eine Art Parcours zu strukturieren. Außerdem mag er das
paradoxe Verhältnis von illusionistischer Darstellung und konkreter Abstraktion. Im Gegensatz zu seinen
Bildern, die immer gegenständlich bleiben, verwandelt Blair in den Skulpturen konkrete Objekte wie eine
(freistehende) Wand, ein Fensterglas, ein Türblatt und Bodenbeläge in abstrakte Kompositionen.
Während die Bilder je eines der besagten Elemente darstellen und in den Ausstellungsräumen in nach
Motiven geordneten Gruppierungen präsentiert werden, verbinden die Skulpturen alle vier zu einem
Ganzen.
Für Dike Blair ist es gerade der Blick auf das Alltägliche und oft Unspektakuläre, das im wörtlichen Sinn
Naheliegende, das ihm die Sujets seiner Bilder liefert. Sein motivisches Repertoire beschränkt sich nicht
auf architektonische Elemente, aber Blair hat die Anzahl seiner Sujets bewusst reduziert und bedient sich
der Wiederholung als konzeptueller Strategie. Zu den immer wiederkehrenden Motiven zählen, neben
den in der Ausstellung zentralen Architekturdarstellungen, Stilleben, vorzugsweise von Cocktails und
Arrangements, die das Ambiente einer Bar evozieren, sowie Landschaften, Blumen und weibliche Augen.
Blair widmet sich seit über 30 Jahren der Gouachemalerei und ist dieser Technik, die mit der Aquarellmalerei
verwandt ist und wie diese stets auf Papier ausgeführt wird, treu geblieben – auch wenn sich
seine Praxis gewandelt hat: Aus der Arbeit vor dem Motiv in der Natur über das Malen aus dem Gedächtnis
entwickelte er eine klassische Studiopraxis, bei der er eigene Schnappschüsse als Vorlage für seine
Malerei verwendet. Fotos, die er mitunter nachbearbeitet und bei denen er den interessantesten Ausschnitt
auswählt, schließlich gibt ein gutes Foto nicht zwingend ein interessantes Gemälde ab. Das
überwiegend kleine Format der Bilder wurde ursprünglich von der Größe der Aquarellpapiere bestimmt.
Blairs Malweise ist annähernd fotorealistisch und die Ausführung der Bilder subtil und zugleich präzise.
Die ausgestellten Werke bezeugen das Interesse des Künstlers an Licht und dessen Reflexionen sowie
seine Faszination für durchscheinende Materialien wie Glas und Wasser. Feine Übergänge und Nuancen,
wie zwischen Hell und Dunkel oder der Verlauf von Farben in Licht- und Schattenzonen und die dabei
kaum wahrnehmbaren Unterschiede sind Thema sowohl seiner Malerei als auch seiner Skulpturen. Die
eigens für die Secession geschaffenen Wandelemente als Basisteile der Skulpturen sind mit zarten
Farbschleiern versehen, deren Übergänge nur bei genauer Betrachtung sichtbar werden.
Bereits seit mehreren Jahren präsentiert Dike Blair seine Malerei häufig in thematischen Paarungen und
im Zusammenspiel mit Skulpturen. Er nutzt diese Gegenüberstellung, um formale Aspekte und gegensätzliche
Ordnungsprinzipien deutlich zu machen. Das Wechselspiel von Fülle und Leere, Natur und
Architektur, Innen und Außen, Zentrum und Peripherie spiegelt die dualistische Arbeits- und Denkweise
des Künstlers wider, mit der er zudem einem Dilemma künstlerischer Produktion begegnet: Da jede
formale Entscheidung auch anders ausfallen und damit zu einem völlig anderen Resultat führen könnte,
arbeitet er oft mit Gemälde- und Skulpturenpaaren, die zwei Versionen darstellen.
Seine frühen Skulpturen legte Blair als Landschaften, Interieurs oder dreidimensionale Malerei an, die er
mit Objekten und Materialien wie Leuchtkörpern, Teppichen und modularen Elementen arrangierte und
die auf die Erzeugung eines bestimmten Ambientes oder einer Stimmung abzielten sowie zum Nachdenken
über formale Entscheidungen anregen sollten. Neuere Werke beziehen sich in ihrer Größe auf die
menschliche Gestalt und vereinen die bis dahin von ihm getrennt behandelten Gattungen Malerei und
Skulptur. Blair wirft Fragen nach grundlegenden Eigenschaften von Bild und Bildträger auf, wenn seine
Skulptur-Objekte malerische Züge annehmen und in ihnen die Funktionen von Objekt und Bildträger
zusammenfallen.
Das Ausstellungsprogramm wird vom Vorstand der Secession zusammengestellt.
Kuratorin: Bettina Spörr

LUTZ BACHER
More Than This

Lutz Bacher
Lutz Bacher lebt und arbeitet in New York.
Ausgewählte Einzelausstellungen:
2015 For the People of New York City, Greene Naftali, New York; 2014 Lutz Bacher, Aspen Art Museum,
Colorado; Into the Dimensional, Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen; 2013 Snow, Kunsthalle
Zürich; Black Beauty, Institute of Contemporary Art, London; Portikus, Frankfurt; 2012 Ratio 3, San
Francisco; Alex Zachary Peter Currie, New York; 2011 Cabinet, London; 2009 MY SECRET LIFE; MoMA
PS1, New York; Do You Love Me?, Kunstverein München; 2008 Spill, Contemporary Art Museum, St.
Louis
Gruppenausstellungen:
2015 Off Cardinal Points, Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin; Greater New York, MoMA PS1, New York;
America is Hard to See, Whitney Museum of Art, New York; 2014 SHIT AND DIE, Palazzo Cavour, Turin;
Farewell to parents, Dänische Nationalgalerie, Kopenhagen; 2013 do it, Stacion – Center for Contemporary
Art Prishtina; Pristina; 24 Spaces—A Cacophony, Malmö Konsthall; 2012, Coming Soon, Centre
D’Art Contemporain, Genf; 2011 Frieze Film, Frieze Art Fair, London
Publikation
Anlässlich der Ausstellung erscheint Lutz Bachers Künstlerbuch the Gift.
Lutz Bacher
the Gift
192 Seiten, Format: 228 x 305 mm
Broschur mit Blindprägung, 191 Abbildungen
Secession 2016
Vertrieb: Revolver Verlag
EUR 36,-