Die Website des Kunstprojekts Grill5 von Pipilotti Rist und Käthe Wal

Kunst ist schön aber macht viel Arbeit. Das hat Karl Valentin ganz richtig bemerkt. Im Falle Grill5, einem Installationskunstprojekt, das im Rahmen der Landesgartenschau in Singen entstand, war die Arbeit gleich auf zwei Feldern verteilt: direkt vor Ort, wo die „Damen vom Grill“ (die Schweizer Künstlerinnen Pipilloti Rist und Käthe Walser, unterstützt von den Schweizer Kunsthistorikerinnen Eva Keller und Annemarie Bucher) Beete anlegten, Gartenhäuschen einrichtetetn und fleißig pflanzten und parallel im großen World-Wide-Web.

Grill5 schaffte für die kommenden Monate einen realen Raum: die Gärten der vermeintlich existenten Damen Norma Lilienthal und Astrid Blütenstaub. Norma und Astrid stehen stellvertretend für zwei unterschiedliche Lebenskonzepte, die in diesem Fall ihre Umsetzung in der Anlage eines Schrebergartens fanden. Grill5 ist aber kein Objekt, das man nur von außen betrachten kann. Grill5 lädt ein darin zu leben. Die Gärten von Astrid und Norma können über eine zentrale Buchungstselle der Landesgartenschau gemietet werden. für DM 80.- kann eine Familie oder eine Freundes-Clique für einen Tag gärtnern, grillen und in Astrids oder Normas Garten leben. Der „Mieter“ wird Teil des Projektes.

Neben den realen Räumen von Astrid und Norma sollten das Erlebnis und die Themen Garten, im Garten leben, Gärtnern und Kunst und Garten aber auch für Menschen außerhalb von Singen erlebbar werden. Den virtuellen Gartenraum als Addapption von Grill5 in Singen, schafften die Künstlerinnen darum in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur LilianeLerch.com (Venice, Californien), camp cogito und dem Team Cyware Neue Medien (www.cyware.com), welche das Web-Site Projekt umsetzte und als Sponsor mitunterstützt.

Im Netz wuchs eine kritisch-heitere Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch und Garten. Die Künstlerinnen sammelten Texte und Bildmaterial, lieferten schmunzelnde Grilltips und nicht wirklich ernstgemeinte Gartenordungen, die in fröhlichen, teils schrill-bunten html-out-fits auf den Bildschirm springen. Die Grill5-Seite wartet nicht mit technischen Raffinessen auf, dafür aber mit einem Augenzwinkern. Wie der Garten selbst ist auch die Umsetzung von Grill5 im Netz „…als wichtiger privater und öffentlicher Lebens-und Ausstellungsraum“ zu begreifen. www.Grill5.org muss keinen informellen Nutzen haben, sondern soll Spass machen und ein Spannungspotential bieten: ein Spiel zwischen Begrenzung und Entgrenzung.

Link: http://www.grill5.org