Die 1001 Chinesen sind abgereist

Die letzte Gruppe der 1001 chinesischen Gäste, die in den vergangenen Wochen die documenta 12 und Kassel besucht und damit zu Ai Weiweis künstlerischer Arbeit Fairytale beigetragen haben, ist abgereist. Sie haben sich wieder auf den Weg nach Peking, Shanghai oder in die chinesische Provinz gemacht. Im Gepäck vielfältige Bilder und Erfahrungen, die auf dieser experimentellen Reise entstanden sind, die auch die „GastgeberInnen“ in Kassel nicht unverändert lässt.
Mit dem Enthusiasmus, der den BesucherInnen entgegengebracht wurde, war nicht zu rechnen: Fahrräder wurden gesammelt, Fußballturniere organisiert, Schnellkurse in Chinesisch belegt. Und täglich trafen neue Einladungen für gemeinsame Aktivitäten mit den chinesischen Gäste ein. In der Nordstadt, Wohnort der 1001 Gäste und ein Kasseler Stadtteil mit viel Reise- und Migrationserfahrung, war das Engagement besonders spontan und selbstverständlich: die Beschilderung wurde um chinesische Schriftzeichen ergänzt, die Dönerkneipe in eine Karaokebar verwandelt.
Ai Weiwei bedankte sich ausdrücklich bei den BürgerInnen Kassels für ihre große Gastfreundschaft und Bereitschaft, sich auf die von ihm geplante „Begegnung zweier verschiedener Kulturen“ einzulassen. Auf die Frage, ob er denn wehmühtig sei, jetzt wo alle abgereist sind, antwortet Ai Weiwei: „Nein, alle sind noch hier – in der Erinnerung.“
Und Fairytale reist weiter: In den unzähligen Bildern und Begegnungen, die Fairytale entstehen ließ, wird diese künstlerische Arbeit der documenta 12 weiter bestehen, sich durch Filme und Bücher, die Ai Weiwei plant, auch weiter verändern.

Quelle documenta12, 11.07.07
Johanna Maria Huck-Schade