Der Winterkönig- Der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz- Amberg-Heid

Eine Ausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte in Zusammenarbeit mit der
Stadt Amberg – 9.Mai-2.November2003

Hoch zu Ross sitzen Friedrich V., der Winterkönig, und seine Frau Elisabeth aus
dem Hause Stuart, beide mit Plumagenhut, Mühlsteinkrause und reich verziertem
Wams und Manteau fein gewandet und führen als Vorhut die höfische
Jagdgesellschaft an.

„Der Winterkönig- der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz“ lautet der Titel
der umfangreichen, wie spannend-erhellenden Bayerischen Landesausstellung, die
im frisch restaurierten Amberger Stadtmuseum von 9.Mai bis 2.November 2003 in
Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung
und Kunst, dem Haus der Bayerischen Geschichte und der Stadt Amberg in
Verbindung mit einem unfangreichen Rahmenprogramm, zu bewundern ist.

Wiewohl die Regentschaft des böhmischen Königs, der eher zu den Unbekannten der
Geschichte gehört, kurz war- nach gerade erst gewonnener Macht wird er
vernichtend von Kurfürst Maximilian von Bayern und Kaiser Ferdinand geschlagen
und gezwungen ins Exil zu gehen- ist seine Vita herausragend und determiniert
bis in die Gegenwart die politische Geographie.

Geboren 1596 in Amberg, heiratet er als letzter Kurfürst der Oberen Pfalz 1613
mit großem Pomp und Gloria die englische Königstochter Elisabeth Stuart, eine
Enkelin der Maria Stuart.
Am 23.05.1618 kommt es zum folgenschweren Prager Fenstersturz: Teilnehmer des
Protestantentages werfen zwei kaiserliche Stadthalter aus Protest gegen das
Verbot der Versammlung, aus dem Hradschin in den Burggraben.
Die evangelischen Stände beschließen, sich militärisch gegen die dominanten
katholischen Habsburger zu erheben.
Folge ist der Dreißigjährige Krieg, der europäische Staatenkonflikt, der auf
deutschem Boden 1618-48 ausgetragen wird. Die Böhmischen Stände erhoffen
Unterstützung von einem Herrscher, der sich gegen Habsburg stellen soll.

Die Wahl fällt auf den Calvinisten Friedrich V., der mit seiner Gemahlin und
großem Hofstaat -genauer 500 Personen und 180 Wagen – von Heidelberg über Amberg
in Richtung Prag reist.

Als Führer der protestantischen Union im Reich wird er 1619 im Prager Veitsdom
zum letzten, von den böhmischen Ständen gewählten, König gekrönt.

Jedoch die Regentschaft währt nur ein Jahr, 1620 wird er in der Schlacht am
Weißen Berg besiegt und die Oberpfalz fällt (1628) an den bayerischen Kurfürsten Maximilian. Der geächtete Friedrich flieht mit seiner
Familie Hals über Kopf und lebt bis zu seinem Tod 1632 im Exil in Den Haag.

Die Ausstellungsfläche umfaßt etwa 1600 qm und lebt von dem vitalen
Kontrast historische Fotos und Exponate versus moderne Aussellungsarchitektur,
Inszenierungen und Multimediastationen, die optische und akustische
Erlebniseinheiten bilden, in denen die historische Epoche lebendig wird.

Der Tenor der Ausstellung liegt neben dem Beziehungsgeflecht bayerischer
pfälzischer, böhmischer und niederländischer Geschichte, v.a. auf der Person des
Winterkönigs, seinem Glauben, seiner Familie und den, durch ihn eingeleiteten
weitreichenden, historischen Folgen.
So ist zum Beispiel die Tatsache, daß die Oberpfalz heute zu Bayern gehört und
auf eine vorwiegend katholisch geprägte Barockkultur verweisen kann, wesentlich
den in der Ausstellung dargestellten Ereignissen zu verdanken.

Kostbare astrologische Instrumente fungieren als zeittypisches
Ausstellungsentree und katapultieren den Besucher ad hoc in die Epoche und
Persönlichkeitsstruktur des Winterkönigs, der mit einer Fülle historischer
Darstellungen und liebevoll recherchierter Details zum Leben erweckt wird.

So findet sich als besonderes Schmankerl neben einem calvinistischen Gebetbuch
sogar sein handgeschriebenes Lateinheft!
Mit Bild- und Textzeugnissen und den prächtigen „Maskes“, einer Mischung aus
Schauspiel, Oper und Ballett wird die grandiose Hochzeitsfeier aufregend
vitalisiert und der Besucher in die Welt des englischen Hofes entführt. Herausragend ist das Originalgemälde Jaques Fouquieres(1620), das den, damals
als achtes Weltwunder gefeierten, manieristischen Hortus Palatinus, von Schloß
Heidelberg minutiös und farbenprächtig einfängt.

Die Ausstellung stellt wichtige Stationen z.B. die „Refinestrierung“ mit
pittoresker Architektur nach und zeigt wertvolle Originalstücke aus zahlreichen
europäischen Museen. Der Krönungsmantel Friedrichs von der Pfalz erinnert an
seine Herrschaft in Böhmen. Deren kriegerisches Ende ist im Schlachtengemälde
von Peter Snayers großformatig festgehalten. Auch die Schicksale der
ehemaligen Untertanen Friedrichs in Böhmen und Kurpfalz sind in der Ausstellung
dokumentiert. Öffentliche Hinrichtungen, Exil und Verteibung werden in
zeitgenössischen Flugblättern dargestellt. Die Bücher, der in Bamberg
konfiszierten, Ketzerbibliothek sind Zeugnisse für die Gegenreformation in der
Oberpfalz. Der siegreiche Kurfürst Maximilian I. von Bayern, Gegenspieler
Friedrichs V., wird als Herrscherpersönlichkeit, anhand von Dokumenten und
Exponaten vorgestellt.

Aufregend ist der, erst kürzlich von Archäologen ausgegrabene „Tilly-Schatz“ aus
Heidelberg, der die Brutalität und Grausamkeit des Dreißigjährigen Krieges
visualisiert. Würdevoll und sinnlich präsentieren sich die Schilderungen auf
hochrangigen niederländischen Gemälden, die einen lebhaften Eindruck vom
glanzvollen Lebensstil des politisch machtlosen Friedrichs im Exil vermitteln.

Dem Schicksal der 10 Kinder Friedrichs ist der Abschluss der Ausstellung
gewidmet, die teilweise grandiose, diplomatische Karrieren machten, wie der in
Prag geborene „Rupert the cavalier“, der Admiral in England wurde, oder Karl
Ludwig, der erneut in der Residenz Heidelberg einziehen konnte.

Link: http://www.hdbg.de