Der Brancusi-Effekt

12.06.2014 - 21.09.2014
Kunsthalle Wien
Karlsplatz, Wien

Der rumänische Bildhauer Constantin Brancusi (1876–1957) zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts.

Mit seinen Überlegungen zum
Verhältnis von Sockel und Werk initiierte er eine Neuorientierung der Beziehung
zwischen Objekt, Betrachter und Raum, die von entscheidendem Einfluss auf die
Minimal Art, aber auch die Ästhetik der Installation insgesamt war.
Darüber hinaus gilt das Werk Brancusis als Initialpunkt der Reflexion der historischen
und institutionellen Verortung des Kunstwerks. Die Ausstellung Der Brancusi-
Effekt
trägt diesem Potential ebenso Rechnung wie dem stark dokumentarischen
Aspekt, der Brancusis künstlerischer Praxis implizit ist und in einer großen Zahl von
Aufnahmen aus seinem Atelier Ausdruck gefunden hat. Mit originalem fotografischen
Material sowie ausgewählten Positionen der Gegenwartskunst, die sich auf Brancusi
beziehen, schafft die Ausstellung
Der Brancusi-Effekt eine imposante räumliche
Installation aus unterschiedlichen Skulpturen, welche die neuerliche Aktualität des Bildhauerischen innerhalb der zeitgenössischen Kunst wiederspiegelt.Fotografien von Brancusi aus seinem Atelier in der Impasse Rosin in Paris zeigen, wie er seine Werke in installativen Arrangements als räumliches Gesamtkunstwerk präsentierte.  Auch einzelne Werke fotografierte Brancusi selbst, um die spezielle Aura
seiner Skulpturen in das Medium Fotografie zu übersetzen. Die Leihgaben aus dem
Kunsthaus Zürich ermöglichen einen faszinierenden Einblick in das Denken und die
Produktionsweise dieses Künstlers, der zwischen Tradition und Moderne ein Werk
von großer Singularität innerhalb der europäischen Avantgarde geschaffen hat.
Weiteren Einblick in das Werk Brancusis gibt die Arbeit Les 58 numéros flotents:
DerKünstler Alessio delli Castelli präsentiert in einer Installation historische Ansichten, die
Marcel Duchamp 1933 von einer Ausstellung Brancusis in einer New Yorker Galerie
anfertigen ließ. Diese Fotografien zeigen die bekannten Skulpturen in einer überaus
eigenwilligen Platzierung im Raum, die letztlich mehr über Duchamp verrät als über
Brancusi, für dessen Rezeption in der amerikanischen Nachkriegskunst aber von
großer Bedeutung war.
Die zeitgenössischen Positionen in der Ausstellung zeichnen sich durch eine große
Heterogenität aus, teilen aber das Interesse an dem Verhältnis von Werk und Sockel,
Werk und Raum und dem modularen Prinzip, das eines der bekanntesten Werke von
Brancusi, die Endlose Säule, charakterisiert. Auch die Kombination unterschiedlicher
Materialien, das Nebeneinander unterschiedlicher Volumina und die Auflösung
der Vorstellung eines tragenden Sockels zugunsten eines intergralen skulpturalen
Bestandteils prägen die ausgewählten Werke der internationalen Künstler/innen.