Das Wunder des Lebens Jos de Gruyter & Harald Thys

07.02.2014 - 04.05.2014
Museumsplatz 1, Wien
http://www.kunsthallewien.at

Seit einigen Jahren betreten die belgischen Künstler Jos de Gruyter und Harald
Thys als Meister eines einzigartigen episch-absurden Theaters mit ihren
Videoarbeiten, Foto-Serien und skulpturalen Installationen die großen Bühnen
der internationalen Kunstszene. Mit Das Wunder des Lebens zeigen sie ihre erste
große Einzelpräsentation in Österreich. Deren Hauptteil bildet eine weiträumige
Installation, zu deren Konzeption sie im Vorfeld schrieben: „Wir haben den großen
Ausstellungsraum als einen Ort der Stille vor Augen, in dem es nur das leise
Geräusch eines Brunnens zu hören und 400 (schweigende) Zeichnungen zu sehen
gibt. In der gesamten Ausstellung wird es keine Farbe geben. Nur Schwarz und
Weiß“.
Zu sehen gibt es auf diesen Zeichnungen dafür so ziemlich alles, was die
moderne Welt zu bieten hat, von Wetterkarten und Stadtansichten über Autos,
Flugzeuge, Menschengruppen, Wäschebeutel, Herrenschuhe bis zu Malereimern,
Restaurantszenen, Schokocreme-Rezepten, Unterwasserwelten und
Hundeschulen … Im Gegensatz zu herkömmlichen Bild-Enzyklopädien wird hier
aber auf jede Systematisierung oder Hierarchisierung der Zeichen verzichtet:
vom Nahen zum Fernen oder vom Einfachen zum Komplizierten – das gibt es
bei De Gruyter & Thys nicht. Alles wird allen gezeigt, alles ist gleich wichtig.
So entbehren auch die Zeichnungen einer persönlichen, das jeweilige Sujet
differenziert behandelnden Handschrift.
Streng organisiert hingegen ist das System, das die Bleistiftzeichnungen trägt: In
Reih und Glied geordnete Raum-Barrikaden formieren sich als Bilder-Wände zu
einem Geviert, an dessen Ecken je ein überlebensgroßes
White Element
gleichsam
Wache steht. Aus der Mitte der Formation ragen
Die drei Naseweisen empor – ein dreiköpfiger Brunnen, dessen maskenartige Gesichter – vergrößerte Wiedergaben
von Styroporköpfen aus einer deutschen Geschäftsauslage – das weitgehend laut-
und farblose Szenario in alle Richtungen überblicken.

Seit Ende der 1980er Jahre arbeiten Jos de Gruyter und Harald Thys als
Künstlerduo zusammen. Ihr Werk erschließt sich dem Publikum selten auf
den ersten Blick. Ihre rigoros reduzierten, die Sinnhaftigkeit des Gezeigten
in der Wiederholung infrage stellenden Szenarien beanspruchen erhöhte
Aufmerksamkeit, um sich uns als Verdichtungen von Realität und Fiktion, von
Geschichte und Gegenwart, kritischer Reflexion und schwarzem Humor zu
erschließen.
Das stets gesellschaftskritische bis subversive Potenzial ihrer Kunst verbirgt sich
auch hinter der Installation Das Wunder des Lebens : Von der Farbe Weiß dominiert,
klar strukturiert und präzise angeordnet, entfaltet die Ausstellung eine ähnlich
doppelbödige Ästhetik wie sie bereits im Ausstellungstitel Das Wunder des Lebens
angelegt ist. Dieser rekurriert auf eine 1935 in Berlin eröffnete nationalsozialistische
Propaganda-Schau zur „deutschen Rassenhygiene“.
Die Installation in der oberen Halle wird durch ein in der Lounge im Untergeschoß
gezeigtes Programm ausgewählter Videofilme der Künstler ergänzt.
In Kooperation mit dem Museum van Hedendaagse Kunst / M HKA, Antwerpen
Kuratoren Kunsthalle Wien: Lucas Gehrmann, Nicolaus Schafhausen

Jos de Gruyter
(*1965 in Geel) und
Harald Thys
(*1966 in Wilrijk) leben in Brüssel,
Belgien, und arbeiten seit Ende der 1980er Jahre zusammen.
Ausstellungen u. a.: M HKA, Antwerpen; 55. Biennale di Venezia; Mu.ZEE,
Oostende; Kestnergesellschaft, Hannover; Neuer Aachener Kunstverein;
Culturgest Lissabon und Porto; Kunsthalle Basel; 5. Berlin Biennale; Manifesta 7,
Trento.