Dancing with Myself – Werke aus der Sammlung Pinault

07.10.2016 - 15.01.2017
Museum Folkwang
Museumsplatz 1, Essen
http://www.museum-folkwang.de

Die Auseinandersetzung des Künstlers mit sich selbst, als Akteur und zugleich als Material für die eigene Arbeit, bildet den thematischen Bogen der großen Herbstausstellung. Gezeigt werden rund 100 Arbeiten von aus der Pinault Collection und dem Museum Folkwang. Darunter eine Vielzahl von Werken, die nun erstmals in Deutschland präsentiert werden.

Einen eigenen Raum widmet die Ausstellung den Fotografien von Cindy Sherman (*1954). Darunter die jüngsten Arbeiten aus Shermans „untitled“-Werkgruppe, die nach der bislang einzigen Präsentation in New York nun auch erstmalig in Europa zu sehen sein werden. Sie treffen auf frühe Arbeiten der jungen Fotografin, in denen Shermans unverwechselbares Spiel mit Maskeraden, Identitäten und Rollen bereits unverkennbar ist. In der Gegenüberstellung der neun Arbeiten und Werkgruppen wird nicht nur die Metamorphose durch das Spiel sichtbar, sondern auch durch das Alter und die Zeit.

Nicht minder eindrucksvoll sind die Arbeiten des amerikanischen Künstlers Bruce Nauman (*1941). Die international viel beachtete Videoinstallation „For Beginners (all the combinations of the thumb and fingers)“ von 2010 thematisiert die Schwächen und Kontrollmechanismen des eigenen Körpers. Flankiert von seinen frühen Meisterwerken wie „Bouncing in the Corner No.1“ (1968) und „Lip Sync (1969) wird die raumgreifende Videoprojektion „For Beginners“ zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sein.

Deutschland-Premieren feiern auch zwei junge Künstlerinnen: Die amerikanische Fotografin LaToya Ruby Frazier (*1982), deren Arbeiten bereits in großen Einzelausstellungen in französischen Museen zu sehen waren, zeigt ihre preisgekrönte Serie „The Notion of Family“ (2002-ongoing). Frazier reflektiert – mit autobiografischem Blick – das Leben einer afroamerikanische Familie in Pennsylvania während der ökonomischen Krise.

Viel Aufmerksamkeit für ihre Arbeit hat zuletzt auch die französische Künstlerin Lili Reynaud-Dewar (*1975), bekommen. Für die Videoperformance „I Am Intact and I Don’t Care“ (2013), tritt sie, in Anlehnung an Josephine Baker, schwarz geschminkt und nackt auf und tanzt durch das nächtliche Centre Pompidou. Wie auch in den Arbeiten anderer junger Künstler in der Ausstellung, z.B. Adel Abdessemed (*1971) und Paulo Nazareth (*1977) wird der eigene Körper zum Erfahrungsraum und zur Projektionsfläche unterschiedlichster Fragestellungen zum Zusammenhang von sozialer, geografischer, ethnischer Herkunft, kultureller Identität und individueller Freiheit.

Die Ausstellung eröffnet somit ein Panorama der Auseinandersetzung mit dem Selbst jenseits des klassischen Selbstporträts. Sie zeigt in den vielfältigsten Formen die leibliche Präsenz des Künstlers im eigenen Werk: Körper, Biografie, soziale oder sexuelle Identität, Humor oder Melancholie, alle diese Aspekte sind Akteur oder Material für die künstlerische Arbeit. „Dancing with Myself“ arbeitet heraus, welche ungeheure Produktivität (und auch Provokation) die künstlerische Befragung des Selbst entwickeln kann.

Diese Ausstellung ist die erste umfassende Präsentation der Pinault Collection in Deutschland überhaupt.

Zu sehen sind rund 100 Arbeiten von Schlüsselfiguren der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts: Adel Abdessemed, Alighiero Boetti, Claude Cahun, Maurizio Cattelan, John Coplans,
Urs Fischer, LaToya Ruby Frazier, Gilbert & George, Robert Gober, Nan Goldin, Félix González-Torres, Rodney Graham, David Hammons, Roni Horn, Kimsooja, Martin Kippenberger,
Urs Lüthi, Steve McQueen, Boris Mikhaïlov, Bruce Nauman, Paulo Nazareth, Helmut Newton, Roman Opalka, William Pope.L, Arnulf Rainer, Charles Ray, Lili Reynaud-Dewar, Ulrike Rosenbach, Allan Sekula, Cindy Sherman, Hito Steyerl, Rudolf Stingel, Alina Szapocznikow

Im Steidl Verlag erscheint ein reich illustrierter Katalog mit Texten von u.a. Abigail Solomon-Godeau, Sabine Flach, Kito Nedo und Sabine Weier (ca. 40 Euro).

Die Ausstellung wird kuratiert von Martin Bethenod, Florian Ebner, Anna Fricke und Stefanie Unternährer