Dance for All in Barrydale

Dance for All in Barrydale Dance for All wurde 1991 als Ballettschule „Ballet for All“ für die Kinder der Townships von Kapstadt gegründet. Philip Boyd trat damit die Erbschaft von David Poole an, der Mitte der achtziger Jahre begann Ballett in den Townships von Kapstadt zu unterrichten. Boyd, damals erster Tänzer des Balletts der Stadt Kapstadt, hat erlebt, dass bis 1994 in diesem Ballett ein einziger schwarzer Tänzer engagiert war. Es gab auch keine aktive Anwerbung schwarzer Tänzer oder gar ein Programm, das zum Ziel hatte, afrikanische Kinder und Jugendliche zum Ballett zu bringen.

„Ballet for All“ begann mit 34 teilnehmenden Kindern in einem Lehrraum des Sivuyile Technical College in der Township Gugulethu. Mit der Anwerbung weiterer Tanzlehrer wuchs diese Zahl rasch an. Boyd erweiterte das klassische Ballettprogramm 1995 auch um andere Tanzformen und so wurde 1995 aus „Ballett for All“ der Name „Dance for All“. Heute unterrichtet die DFA etwa 400 Kinder in den Townships Gugulethu, Nyanga, Khayelitsha und Athlone. DFA unterrichtet mehr als nur Tanz: Der Unterricht befähigt die Kinder über ihre physische Statur hinauszuwachsen, denn der therapeutische Gewinn des Tanzes äußert sich in steigendem Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Kreativität und Selbstdisziplin. Das alles hat wohl auch den Friedensnobelpreisträger und emeritierten Erzbischof Desmond Tutu bewogen, die DFA 2003 unter sein Patronat zu nehmen. Aus der DFA ist eine angesehene und erfahrene Tanzschule geworden, die erfolgreich eine neue Generation afrikanischer Tänzer trainiert. 2005 konnte die DFA eine eigene Jugendtruppe aus vier Tänzern und zwei Tänzerinnen bilden. Alle sechs haben das Training Programm der DFA erfolgreich absolviert. Bekannte Choreographen aus Südafrika und Europa werden für diese Jugendgruppe ein aufregendes neues Repertoire erarbeiten. Die Premiere wird am 9. November 2005 auf der Bühne des Artscape Theatre in Kapstadt stattfinden. Seit drei Jahren geht die ganze Truppe auf Tour im Western Cape und gastierte im April 2004 zum ersten Mal in den Städten Swellendam, Montagu und Barrydale. Am 1. April 2005 sind sie nun wieder nach Barrydale gekommen und der große Saal im Versammlungsraum neben der Kirche war ausgebucht. Die Bühne wurde im letzte Jahr renoviert, so dass die Tänzer eine gute Tanzfläche vorfanden und die Bühnentechniker ihr mitgebrachtes Gerät optimal einsetzen konnten. Nach einer kurzen Einführung des Managers von DFA, Philip Boyd, öffnete sich der weinrote Bühnenvorhang. Der Abend begann mit klassischen, von Pyhillis Spira, der früheren Primaballerina des Kapstädter Balletts choreographierten Szenen „Soirees Musicales“ zur Musik von Britten und Rossini. Wer es bisher nicht wusste oder nicht glauben wollte konnte nun sehen und erkennen, dass auch schwarze Tänzer klassische, „weiße“ Ballettszenen ausgezeichnet tanzen können. Mit dem zweiten Stück „Phepezela“, getanzt zur Musik von Mango Groove und choreographiert von Hope Nongqongqo wird der Zuschauer zurückgeführt nach Afrika, den Gesten und Posen der Township. Mit „One“ einem Stück aus dem erfolgreich verfilmten Broadway-Musical „Chorus Line“ fühlt man sich nach New York und mit „Uno, due y tres“, einem Bolero nach Südspanien versetzt.

In den Pausen zwischen den Szenen sorgt der Rhythmus der afrikanischen Trommeln, geschlagen unter der Leitung des DFA-Drummers Nobuntu Nqolase dafür, dass man sich nicht zu sehr in der Geografie verliert. Denn auch im zweiten Teil des Abends geht die Reise zwischen Afrika und der weißen Welt weiter. Besonders ergreifend dabei „Kol Nidrei“ zur Musik von Max Bruch: Zwei schwarze Tänzer und zwei schwarze Tänzerinnen stehen um einen Tisch, um Yom Kippur zu begehen, der auch Schabbath der Schabbathe genannt wird, der höchste der jüdischen Feiertage. Er steht am Ende einer 40-tägigen Zeit der Reue und Buße für die Erschaffung und Anbetung des Goldenen Kalbes am Fuß des Berges Sinai. Die Strenge der Choreographie, die Klarheit der Tanzszenen und die behutsam eingesetzten Beleuchtungseffekte machen „Kol Nidrei“ zu einer der eindruckvollsten Szenen des Abends.


Doch auch hier bringen uns die Trommler mit „Ithongo“, was soviel heißt wie Vorfahre zurück nach Afrika. Bei „Let´s Dance“ und „Dudumbayi“ bebt der Bühnenboden noch einmal so kräftig wie die Trommeln. Das folgende „Trio, song without words“ einem sehr ausdruckstarken Tanz zur Musik von Felix Mendelsohn ist wie ein kurzes Durchatmen vor dem „Finale“, in dem die ganze Truppe in der Choreographie von Hope Nongqongqo in afrikanischem Rhythmus und Farbenpracht über die Bühne wirbelt, als ob die Schwerelosigkeit eine weiße Erfindung ist.

Dance for All ist keine virtuelle Truppe. Sie leben auf dem teuren Boden des Western Cape. Die Kulturförderung des National Council of Arts deckt nur einen kleinen Teil des Ausgaben, aber sie finanziert keine Stipendien, weder für Lehrer noch Schüler. Das geschieht zum großen Teil über Spenden. Auch die Räume müssen unterhalten werden, Möbel erneuert werden etc. Es besteht zum Teil direkte, aber auch einfach zu lindernde Not. Näheres dazu kann man auf der deutschen Homepage finden www.danceforall.de und in Englisch www .danceforall.co.za Die Halle in Barrydale hat jedenfalls den Härtetest gut bestanden und so ist es nur folgerichtig, daß DFA in Barrydale beginnen will, Klassen aufzubauen, zu denen auch die jungen Menschen aus den Städten Montagu, Swellendam und Ladismith eingeladen sind. Doch solche Einladungen auszusprechen kostet Geld, denn für die oft mittellosen Kinder aus den Townships dort ist das ein weiter und kostspieliger Weg.