Creation in Form and Color: Hans Hofmann

05.11.2016 - 05.03.2017
Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Straße 5 , Bielefeld
http://www.kunsthalle-bielefeld.de

Die Ausstellung „Creation in Form and Color: Hans Hofmann“ ist in Zusammenarbeit des Berkley Art Museum and Pacific Film Archive der University of California (BAMPFA) und der Kunsthalle Bielefeld entstanden. Sie basiert auf einer präzisen Werkauswahl von ca. 60 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen, die die gesamte Schaffenszeit des Künstlers von den 1920er- bis in die frühen 1960er-Jahre umspannen und aus dem Berkeley Art Museum sowie bedeutenden amerikanischen und europäischen Museen und Privatsammlungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt werden. Die Ausstellung setzt sich insbesondere zum Ziel, Hans Hofmann als einen der wichtigsten Künstler und Kunstlehrer der amerikanischen Moderne des 20. Jahrhunderts sowohl vor dem Hintergrund seiner europäischen Tradition zu verstehen, als auch seine Auseinandersetzung mit den Einflüssen und Erfahrungen seiner amerikanischen Wahlheimat zu gewichten und mit seiner Lehre und seinem Werk seine besondere Bedeutung als künstlerischer Mittler zwischen den Kontinenten zu betonen. Trotz seiner grundlegenden Bedeutung für die Entwicklung der modernen Kunst in Amerika, wo ihm schon zu Lebzeiten bedeutende Ausstellungen gewidmet wurden, gehört Hans Hofmann in Deutschland und Europa immer noch zu den weniger bekannten Avantgardisten der Moderne. Im ersten Obergeschoss der Kunsthalle wird die Ausstellung ergänzt durch die Sammlung amerikanischer Kunst der Kunsthalle Bielefeld. Die Sammlung besteht aus bedeutenden Gemälden, Skulpturen und Grafiken und ist in diesem Umfang zum ersten Mal zu sehen.
Hans Hofmann wurde 1880 in Weißenburg in Bayern geboren, er starb 1966 in den USA. Nach einem Kunststudium in München zog er im Jahr 1904 nach Paris, wo er bis 1914 lebte. In der europäischen Hauptstadt der Kunst lernte Hofmann die revolutionären neuen Entwicklungen in der Malerei intensiv kennen. Freundschaften verbanden ihn mit Picasso, Braque, Matisse, den Fauves und mit Robert und Sonia Delaunay. Einen weitreichenden Einfluss auf Hofmann hatte das Werk Cézannes, dessen Retrospektive 1907 in Paris einen unauslöschlichen Eindruck bei ihm hinterließ. Als der erste Weltkrieg begann, musste Hofmann Paris verlassen und gründete in München seine erste Kunstschule. Dort wurde er zum Vermittler der europäischen Moderne. Seine Schule erlangte bald internationale Aufmerksamkeit und zog junge Künstler aus aller Welt an. Auf Einladung ehemaliger amerikanischer Schüler, die mittlerweile im Kunstbetrieb ihres Heimatlandes arriviert waren, reiste Hofmann 1930 und 1931 zu Gastvorträgen in die USA und entschloss sich
aufgrund der politischen Entwicklungen in Deutschland zur Neugründung seiner Schule in New York. Mit seiner Vermittlung moderner Malereitheorie europäischer Prägung wurde Hans Hofmann daraufhin zu einem der einflussreichsten Lehrer einer neuen Künstlergeneration in den USA, die den Abstrakten Expressionismus der New York School geprägt hat. Künstler wie Jackson Pollock, Lee Krasner oder Helen Frankenthaler wurden durch Lehre und Werk Hans Hofmanns entscheidend beeinflusst. Trotz seines großen Erfolges als Lehrer sah Hofmann sich selbst vor allem als Maler, und ab dem Jahr 1958 widmete er sich ausschließlich der Malerei. In seinem eigenen Werk verfolgte und entwickelte er den Gedanken des autonomen Bildes. Seine Malerei thematisiert die Eigengültigkeit der bildnerischen Mittel ebenso wie die Autonomie der geistigen Schöpfung. Selbst wenn viele seiner Bilder auf den ersten Blick abstrakt scheinen, bleibt in Hofmanns Werk doch immer eine Anbindung an die Natur bestehen. Nach seiner Vorstellung schafft der Künstler aus der Anschauung der Natur und seiner daraus resultierenden eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen ein gänzlich eigenständiges Werk, das unabhängig ist von äußeren Aufgaben der Abbildung oder Wiedergabe eines Motivs. Hofmanns große Leidenschaft galt der Farbe, in einem 1955 veröffentlichten Essay schrieb er: «In der Natur schafft das Licht die Farbe; im Bild erzeugt die Farbe das Licht». In dem von ihm formulierten Prinzip des «push and pull» drängen farbstarke Areale in den Vordergrund dynamischer Oberflächen aus einander überlappenden Formen, während andere zurücktreten. Hans Hofmann war gut eine Generation älter als viele dem Abstrakten Expressionismus zugerechnete Künstler, viele von ihnen waren seine Schüler gewesen, aber seine Malerei erschien Kritikern als mindestens ebenso kompromisslos. Der einflussreiche Kunstkritiker Clement Greenberg erzählt, er habe die Dripping-Technik 1943 bei Hofmann gesehen. Erst vier Jahre später begann Jackson Pollock mit seinen Drip-Paintings, mit denen er weltbekannt wurde. Hofmanns persönlicher Stil, seine künstlerische Stimme, entwickelte sich mit zunehmender Eigenständigkeit in den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren. Nach der Schließung seiner Schulen 1957 begann im Alter von 77 Jahren für Hofmann eine fruchtbare Phase, in der er einen erstaunlichen Korpus an energiegeladenen, meisterhaften Gemälden schuf. Ganz gestische und aktionale Malerei, bezog sich die Bildoberfläche nicht mehr auf die äußere Welt, sondern verwandelte sich in eine expressive, unabhängige und eigenständige Realität, eine kontinuierliche Gegenwart vibrierender Farben und Formen. «Mein Ziel beim Malen» erklärte er 1962 «ist es, pulsierende, leuchtende und offene Oberflächen zu schaffen, die ein allein aus der Farbe heraus entwickeltes mystisches Licht ausstrahlen und im Einklang mit meiner tiefsten Lebens- und Naturerfahrung stehen.»
Die Ausstellung wird gefördert von dem Renate, Hans and Maria Hofmann Trust und der Stiftung der Sparkasse Bielefeld. Kuratoren: Lucinda Barnes, Curator Emerita, Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive und Jutta Hülsewig-Johnen, Kunsthalle Bielefeld Kuratorische Assistenz: Henrike Mund, Kunsthalle Bielefeld
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag.