CHARLES ESCHE, ABDELLAH KARROUM UND VASIF KORTUN TRETEN VOM CIMAM-BOARD ZURÜCK

Die Direktoren dreier renommierter Kunstinstitutionen, Charles Esche, Vasif Kortun und Abdellah Karroum, sind vom Board der CIMAM (Internationale Kommission der ICOM für Museen und Sammlungen moderner Kunst) zurückgetreten, weil deren amtierender Präsident, Bartomeu Marí, nachdem er im Rahmen der vom MACBA und dem Württembergischen Kunstverein koproduzierten Ausstellung „Die Bestie und der Souverän“ ein Kunstwerk zensierte, in seinem Amt bestätigt wurde.

 

„Wir freuen uns sehr über diesen Akt der Solidarität und die klare Positionierung gegen Zensur. Wir hoffen sehr, dass dieser Akt dazu beiträgt, die im März aufgrund von angeblicher Illoyalität gegenüber der Institution entlassenen ehemaligen Kuratoren des MACBA, Valentín Roma und Paul B. Preciado, zu rehabilitieren.“

Iris Dressler und Hans D. Christ, Direktoren des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart

 

Charles Esche, Direktor des Van Abbemuseum in Eindhoven, Abdellah Karroum, Direktor u.a. des Arab Museum of Modern Art in Doha, und Vasif Kortun, Direktor von SALT in Istanbul, sind vom Board der CIMAM (Internationale Kommission der ICOM für Museen und Sammlungen moderner Kunst) zurückgetreten.

Mit ihrem Rücktritt haben sie dem Board und dessen aktuellen Präsidenten, Bartomeu Marí, der im März 2015 als Direktor des MACBA ein Werk der Ausstellung „Die Bestie und der Souverän“ zensiert hatte, ihr Misstrauen ausgesprochen (siehe das Statement von Esche, Karroum und Kortun im Anhang).

Bei der Premiere der vom Württembergischen Kunstverein und dem MACBA koproduzierten Ausstellung in Barcelona war es zu einem Eklat gekommen. Kurz vor Eröffnung entschied Marí, damals Direktor des MACBA, dass eines der Kunstwerke nicht angemessen für eine Präsentation in diesem Museum sei und forderte dessen Entfernung. Es handelte sich um die Skulptur „Not Dressed for Conquering (Für die Eroberung nicht passend gekleidet) / HC 04Transport“ der österreichischen Künstlerin Ines Doujak, die Teil eines langjährigen Projektes zu Fragen der (neo)kolonialen Kontexte der Textilproduktion ist. Neben zahlreichen anderen Referenzen, lässt sich die Skulptur, die zuvor auf der São Paulo-Biennale zu sehen war, auch als eine Anspielung auf und Karikatur des spanischen Ex-Königs, Juan Carlos I., lesen. Weder die KuratorInnen, Hans D. Christ, Iris Dressler (WKV), Valentín Roma und Paul B. Preciado (damals MACBA), noch die KünstlerInnen der Ausstellung waren bereit, diesen Akt der Zensur stillschweigend hinzunehmen. Daraufhin sagte Marí die gesamte Ausstellung am Tag der geplanten Eröffnung ab. Nach einer lokalen wie internationalen Protestwelle wurde sie vier Tage später schließlich doch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Marí trat zurück. Die beiden Kuratoren des MACBA, Roma und Preciado, wurden zuvor jedoch noch von ihm persönlich wegen „Illoyalität gegenüber der Institution“ fristlos entlassen.

Das Board von CIMAM, dessen Präsident Marí seit 2013 ist, meldete kurz danach, dass es an Marís Präsidentschaft festhalte. Genau dieser Umstand ist für Esche, Kortun und Karroum nicht mehr tragbar – wohl auch deshalb nicht, weil CIMAM angekündigt hatte, das Thema Zensur im Rahmen ihres just zu Ende gegangenen Kongresses in Tokio (7.-9.11.2015) offen zu thematisieren. Davon kann keine Rede sein. Weder stellte Marí sich der Diskussion, noch wurden die von seiner Zensur direkt Betroffenen zum Kongress eingeladen – oder zumindest im Vorfeld nach ihrer Position gefragt.

Die Ausstellung „Die Bestie ist der Souverän“, die derzeit (bis 17. Januar 2016) im Württembergischen Kunstverein zu sehen ist, wurde Mitte Oktober mit einer internationalen Konferenz eröffnet, die sich dezidiert mit Fragen der Zensur bzw. der Einflussnahme von Politik und Wirtschaft auf die Programme und Inhalte öffentlicher Kunstinstitutionen auseinandersetzte. Aus der Konferenz soll eine Plattform hervorgehen, die den bestehenden, offenen wie subtilen, konkreten wie allgemeinen Machtverhältnissen und Repressionen im Kunstbetrieb langfristig nachgeht und zugleich auf kollektiver Basis an den Konzepten und Modellen anderer, enthierarchisierter und kritischer Institutionen der Kunst und Wissensbildung arbeitet.
Links
Konferenz „Die Bestie ist der Souverän“

http://www.wkv-stuttgart.de/programm/2015/ausstellungen/die-bestie-und-ist-der-souveraen/konferenz
e-flux conversations
http://conversations.e-flux.com/t/the-socialist-and-the-sovereign-censored-show-opens-at-wurttembergischer-kunstverein/2696
Ines Doujak über ihre Skulptur
http://www.internationaleonline.org/research/alter_institutionality/43_the_noise_of_silence_or_por_que_no_te_callas_why_dont_you_shut_up
Vorauseilender Gehorsam
Interview zum Zensurfall im MACBA mit Hans D. Christ
http://www.art-magazin.de/szene/81683/skulpturenstreit_interview


CIMAM

http://cimam.org

 

Statement von Esche, Karroum, Kortun

https://drive.google.com/file/d/0B4V64d6U7FpAcUVqTm05cjBfLWc/view?pli=1

Link: http://cimam.org