BRITTA THIE. TRANSLANTICS

Trans­lan­tics, ein digi­ta­les Kammer­spiel einge­bet­tet ins Netz, erzählt die Geschichte von drei jungen Frauen in Form einer Web–Serie. Trans­lan­tics handelt vom Vorspu­len, Umschal­ten zwischen Städ­ten, Ländern, Spra­chen, Jobs, Lebens­pha­sen, Gefüh­len und Part­nern. Die drei Freun­din­nen bewe­gen sich in einem Freun­des­kreis aus inter­na­tio­na­len Expats, über­dreht und eupho­risch, irgend­wie alle gemein­sam globa­li­siert und doch gefan­gen in ihrem eige­nen kultu­rel­len System.

Die Expat-Kids schwan­ken zwischen Heim­weh und Erobe­rungs­ge­füh­len, spie­len sich selbst oder viel­leicht auch nur eine der vielen Versio­nen ihrer selbst. Man trifft sich nachts und im Netz, man schlägt sich irgend­wie durch mit obsku­ren Jobs und Ibupro­fen, schlägt sich ein Knie auf bei einem exis­ten­zi­el­len Foto Shoo­ting oder sich gegen­sei­tig die Brille von der Nase. Man bricht sich tagtäg­lich das Herz in der über­er­reg­ten Bezie­hungs­welt von sozia­len Netz­wer­ken und Auto-Updates.

Aber was passiert mit echter Inti­mi­tät, wenn Emotio­nen, Zunei­gung und Ideen zu Produk­ten auf einem uner­sätt­li­chen Markt­platz werden? Bezie­hun­gen entwi­ckeln sich in einer pastell­far­be­nen Shop­ping Mall in Neukölln; auf dem Weg in die heimat­li­chen Klein­städte in der Provinz, in semi-erfolg­rei­chen Gale­rien mit New Yorker Import-Kunst, zwischen den Wolken­krat­zern im Frank­fur­ter Banken­vier­tel oder auf der ande­ren Stra­ßen­seite in Berlin: Diese Stadt, die trans­na­tio­nale Entde­cker und Krea­tive magne­tisch anzieht, die sich aber trotz­dem weigert, den Sprung von der Peri­phe­rie zu einer echten Metro­pole zu machen. Every throw­back is a throw-forward.

Trans­lan­tics kann man als Portrait der Gene­ra­tion ’89 verste­hen, plus-minus. Eine Gene­ra­tion in der Beta Phase, sie testet sich selbst und einan­der. Die Gegen­wart: durch­sich­tig, tempo­rär, im Dazwi­schen, zwischen hier und da, ihr und ihm, hier und jetzt. Bild­auf­lö­sun­gen über­tref­fen sich auf dem SmartTV, Pixel reiben anein­an­der und werden dabei so scharf, dass der Garten­teich auf dem Handy­vi­deo wie eine 3D Anima­tion aussieht, der Hyper-Realis­mus lässt die Reali­tät künst­lich erschei­nen. Geschich­ten fassen sich schnel­ler in Bilder als in Worte, Skype-Fens­ter öffnen sich für Job Inter­views, Kame­ras werden zu den Kontakt­lin­sen des inne­ren Auges, unse­rer menta­len Unschärfe.

Anmerkung der Redaktion: Unbedingt ansehen!!!!

Link: http:// WWW.​SCHIRN.​DE/​TRANSLANTICS