Bakunin www-revisted

Betreff: Bakunin www-revisted

Es war ein Routinevorgang
wie jedes Jahr: Suche nach dem eigenen Namen: Burkhardt J. Huck

Anstelle von Profusion
meanwhile intelliseek und Metager benutzte ich diesmal google.de :
internationale Suche.

Whow!!! Google krault tief
in die Kisten und wirft neben manch bekannter Zitierung etwa von
Informationshandbuch und anderen Nomos-Bänden, Volltexten aus
Wissenschaft&Friedenszeiten-Zeiten, – unter Politikberatung taucht ein alter
Mediatus-Artikel in einem Hamburger Uni-Seminar auf – zu meiner Überraschung
auch eine elektronische Bibliothekskarte mit meine Magisterarbeit am
Geschwister-Scholl-Institut der Uni München von 1980 aus. Das rief nach
action

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: BJ Huck [mailto:bjhuck@cyberday.de]
Gesendet: Samstag, 16. Juni 2001 19:27
An: dada-berlin@iname.com
Betreff: Ergänzungen

DadA-Literatur,
Dok.-Nr.: DA-L0001042

Huck, Burckhardt Joachim
Der Traum von der absoluten
Freiheit
: Eine Studie zur Theorie und Praxis des Anarchismus und
Terrorismus in Leben und Werk Michail Bakunins. - Sozialwiss. Magisterarbeit an
der Ludwig-Maximilians-Universität München. - München, 1980. -
?

Also
das Werk hat 96 Seiten und wenn Ihr es online als pdf-einstellen wollt, bin ich
bereit den Text zur Verfügung zu stellen.

Avanti
populo!

Burkhardt J. Huck M.A.
Senior Counsellor
Cyberday Kunstportal KG
Poststrasse 22
82067 Ebenhausen
0049-8171-17377

bjhuck@cyberday.de

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Jochen Schmück [mailto:JSchmueck@gmx.de]
Gesendet: Sonntag, 17. Juni 2001 12:55
An: BJ Huck
Cc: DadA Köln
Betreff: AW:
Ergänzungen

Hallo
Burkhardt,

danke für
die bibl. Präzisierung Deiner Magisterarbeit und vor allem für das Angebot, sie
online per PDF anzubieten. Wir hatten ohnehin geplant, eine Online-Bibliothek
mit Forschungsarbeiten aufzubauen, so dass Dein Angebot gut in unsere Planung
passt. Du kannst mir die PDF-Datei per eMail schicken und ich werde sie dann als
ersten Titel der DadA-Onlinebibliothek aufnehmen.

Beste
Grüße aus Potsdam,

Jochen Schmück
DadA Berlin - Potsdam
Postfach 800162
D-14427 POTSDAM
Fax: 0331-8716769
eMail: 
dada-berlin@iname.com
Web: http://www.free.de/dada/

Was für ein Vorgang!!! Das
letzte Mal hatte ich diese Arbeit im August 1988 an das Centre international de
recherches sur l´anarchisme, 14 rue de cédres, 1211 Geneve 13 geschickt im
Austausch für die freundliche Zusendung des Bulletin 43.

Etwas vorher gabs noch ein
Hörspiel von Hans Magnus Enzensberger zum Thema Bakunin in Form einer Reportage
vor Ort im Tessin. Die Collage aus Eigentext und Zitierungen aus den Zeugnissen
von Zeit- und Lebensgenossen hat ihren Reiz nicht verloren. Wer eine Kopie von
einer schlechten Aufnahme hören will, möge sich melden!  In der von H M
Enzensberger herausgegebenen Anderen Bibliothek sind bei Greno 1987 außerdem
„Unterhaltungen mit Bakunin“ als deutsche Ausgabe von Arthur Lehning´s
„Bakoenin, een biografie in tijdsdocumenten“ von 1974.  Aber auch diese
wundervolle Kompilation enthält wenig Antworten auf nagende Fragen bezüglich
Zusammenhang von Leben und Werk, den radikalen Positionen und der persönlichen
Lebenswelt eines russischen Lebemannes, den nicht unbedingt finanzielle Sorgen
trieben und der selbst, wenn das der Fall war, immer Freunde fand, die ihn
aufnahmen und unterstützten. Bakunin predigte nicht nur Solidarität, er lebte
von ihr.

Tja det wars dann och nach
langer Jahre zähen Forschens und Sinnierens über die tiefen Leerstellen in
Bakunins Leben, Wirken und Werk.

Und was ist eigentlich
heute in den Zeiten des WehWehWeh´s, zehn Jahre nach dem Untergang des
sowjetischen Imperiums, des großen Reichs aller Slawen wie des internationalen
Proletariats? Enzensberger stellte Anfang der achtziger, als das nicht gerade
populär war, die Frage, ob Bakunin nun wieder kommen solle, ob es wünschbar sei,
dass so ein hemmungsloser Geselle, so ein freiheitsliebender Raufbold zu unseren
Zeiten wieder auferstehen möge, um die heile kapitalistische Welt so richtig
aufzumischen. Das lokale Grundrezept war im ersten Schritt einfach: Zerstörung
der Kataster und Finanzämter.

In Zeichen des WehWehWeh´s und knallharter Globalisierung, das es zur
Zeit der Enzensbergerschen Bakunin-Kasette so noch nicht gab, müsste B. folglich
als einer der gefürchteten Totenkopf-Hacker auftreten, die die amerikanischen
Cyberwar oder Informationwarszenarios bevölkern.

Auch der Medienmensch
Bakunin ist wenig erforscht. Erstaunlich viel muß er mit Verlagen und Druckern
zu tun gehabt haben, die die Herstellung von Schriften, Flugblättern und
Plakaten besorgten und das sicher nicht gefahrlos.

Wie etwa war sein
Verhältnis zu Amerika? Er ist in vier Monaten die 5600 km von San Francisco nach
New York gereist. Was hat er erlebt? Hatte die große Transcontinentale Eisenbahn
SF schon erreicht? Was ist mit dem amerikanischen Bürgerkrieg ein paar Jahre
später? Hat er Tocqueville gelesen? Gibt es Kommentare? Diese merkwürdige
Geschichte mit der Beichte an den Zaren und anschließender Verbannung im
Gouvernat seines Onkels am Amur, dem Außenposten des imperialistischen
Zarenreichs. Pelzhandel, millionenschwer...wo gibt es dazu ein
Fundstellenverzeichnis? Hat er sich doch irgendwo in einem Brief, oder in einem
längeren authentischen Zitat aus verlässlicher Quelle irgendwie mal geäußert zum
Kolonialismus, zum Kolonialsystem.

Welche Art von Demokratie
kannte er eigentlich aus eigener Anschaung, außer die der Schweiz und diesen
Staat wollte er von der Vernichtung aller Staaten ausnehmen...Konnte er mit dem
Erfahrungshorizont und dem Vordergrund der Machtverhältnisse der damaligen Zeit
sich das nicht anders vorstellen als eine Neuaufführung der französischen
Revolution -  ohne Jakobiner, ganz sicherlich. Dazu sollten sie nicht
werden, die werten Mitglieder seiner Geheimgesellschaft, die Logenbrüder, die
den Aufstand anzetteln als Fackelträger der Freiheit.

Ich habe lange gesucht und
auch darauf keine Antwort d.h. keine Fundstelle erlesen: Hat Lenin irgendwo
einmal gestanden, dass er den Katechismus der Revolution und ähnliches gelesen
hat? Abgesehen davon, dass Lenins Hegelexzerpte denen Bakunins sehr ähneln,
bevorzugen beide eine straff organisierte Avantgarde der Revolution, die noch
während des Umsturzes Kader bildet, die die Machtpositionen besetzen, wie später
in St. Petersburg geschehen. Das russische Modell vom starken Zaren, bis heute
zu Präsident Putin, ist es bedingt aus der schieren Größe des Reiches? Seiner
geopolitischen Lage, seiner slavischen Herkunft, seiner Großrussischen
Ausprägung?

Was ist mit Bakunins
grenzenlosen Glauben an den Fortschritt von Wissenschaft und Technik, wenn er
die Ergebnisse der dritten industriellen Revolution und die fortgeschrittene
Maschinengesellschaft erfahren, sehen und beurteilen könnte? Er war jedenfalls
als mobiler Zeitgenosse und Dank seines unsteten Lebens auf der Höhe seiner
Zeit.  Als Zeitgenosse von Jules Vernes träumte er auch von Entwicklung des
Luftverkehrs, der dann auch die vom Land eingeschlossenen Länder an den
Welthandel anschließen würden. Das steht meiner Erinnerung nach in seinem
pessimistischtem Buch: Dem knutogermanischen Kaiserreich irgendwo auf Seite
350ff...

Was gibt es da nicht viel
wünschenswertes für das es doch inzwischen Angebote geben könnte im World Wide
Web und siehe da es ermöglicht vieles von dem, was 1980 etwa undenkbar war. Da
bedeutete so ein Vorhaben zwei Tage Katalogsaal Staatsbibliothek München;
ausfüllen endlos vieler Leihzettel, abgeben, warten, Fernleihe, in zwei Wochen
wiederkommen usf.  Dann endlich mit riesigen Bücherstapeln zu Hause. Die
Arbeit kann losgehen. Weitere Titel raussuchen, die nicht im Münchner Katalog
sind, weil das damals noch kein Verbundkatalog war, neue Zettel ausfüllen,
warten.

Aber dennoch, diese
Bestände kann das World Wide Web noch nicht anbieten, aber es sind viele
Hauptwerke online und es beteiligen sich endlos viele Gruppen und Gruppierungen
weltweit daran, das Andenken Bakunins entsprechend dem klassischen Kanon zu
wahren bzw. zur Selbstmotivation zu nutzen.

Es ist erstaunlich wie
lebendig Bakunin durch diese Webseiten wirkt. Was noch erstaunlicher ist, dass
mit seinem Namen noch immer Ziele als erstrebenswert deklariert werden, die
inzwischen durch die Eigendynamik der bürgerlichen Gesellschaft großenteils
erreicht wurden, was die persönliche Freiheit, die Grund- und Menschenrecht
sowie die bürgerlichen Rechte betrifft. Das sind die Ideale der amerikanischen
Revolution eher denn die der französischen, auch wenn man sich hierzulande
einbildet, man sei näher dran in Europa an egalité, liberté und
fraternité.

Ein buntes weltweites Angebot mischt www.google.de
internationale Suche da zusammen. Angeblich 30.000 hits nun denn, dann gehen wir
doch mal die ersten 600 durch und gucken was es da so gibt zu Michail
Alexandrowich Bakunin, geboren 1814 und seit 125 Jahren tot. Einer hühnenhaften
Gestalt, die den Höhepunkt der politischen Karriere in den wilden Jahren der
48er Revolution erlebt hat und der sich nie um Paulskirche und anderem Kleinkram
abgeplagt hat, sondern für den feststand, dass erst der Bodensatz nach oben
gekehrt werden musste, wenn man eine bürgerliche Gesellschaft schleifen will,
damit aus ihr etwas Neues entstehe, das den Idealen der ersten, großen,
französischen Revolution vor dem sich abzeichnenden Hintergrund der aufkommenden
Industriegesellschaft entspricht.

Die amerikanische Revolution hat er meines Wissens nie sonderlich gewürdigt.
Einer Internetquelle http://www.robercutler.org/  ist allerdings
zu entnehmen, dass ein handgeschriebener Zettel schlummernd in einer
US-Bibliothek entdeckt wurde und ein Mr. Cutler ihn kommentiert und eingeordnet
hat. Bakunins Handschrift kann dort in Faksimile an Hand eines kurzen Schreibens
an R.Solger besehen werden. Aber was hat er noch getrieben, seit er sich aus
Sibirien der Obhut seines Onkels entzog und über Japan nach San Francisco und
von dort irgendwie nach New York reiste. Und wo kam das Geld her. Hat er die
Bahn genommen? Hat er sich zum Massaker an den Indianern geäußert? Zur
Unterdrückung der Neger...zum Bürgerkrieg wie Marx etwa?? Gibt es hier eine
Antwort:

http://home.rmci.net/cwmorse/bakunin_yokohama.htm
Schade! Beruft sich auf E.H. Carr und bei dem ist auch nichts zu
finden.

Und das obwohl es die große
fette CD-edition für 995 Gulden gibt.

Und die neuen Bücher? Die
Rezensionen von M. Grawitz´s seitenstarken Werk von 1990 deuten eher in eine
andere, belletristische Richtung. Wo ist ein neueres Werk über Bakunin, das an
Qualität etwa Friedenthals Biographie von Karl Marx entspräche zu finden?

LET`S SURF!!!!!!!!!!!