RONI HORN. PI

Die 45-teilige Fotoarbeit „PI“ ist inspiriert von der engen Verbindung der Künstlerin zu Island, wo sie auch zeitweise lebt. In alltäglich anmutenden, sich in Variationen wiederholenden Motiven zeichnet sie ein eindrückliches Bild der geografischen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Verfasstheit, der sie begegnet. Landschafts- und Naturaufnahmen, Fotografien ausgestopfter Seevögel, Porträts von Anwohnern, aber auch Fernsehbilder aus einer beliebten amerikanischen TV-Soap, mal in Farbe, mal in Schwarzweiß, treten in ein wechselhaftes Spannungsverhältnis zueinander. Trotz des seriellen Charakters ist die Arbeit nicht narrativ aufgebaut, sondern macht in zahlreichen Facetten den spezifischen Charakter dieses genau beobachteten und gedanklich durchdrungenen Ortes anschaulich, mit dem sich Horn parallel auch in ihrem mehrteiligen, als work in progress konzipierten Buchprojekt „To Place“ auseinandersetzt. Die 45 über Augenhöhe gehängten Bilder umkreisen die Betrachtenden und erzeugen in ihrer rhythmischen Setzung eine skulptural anmutende Rauminstallation. „Island“ so Roni Horn selbst, „ ist ein Verb und seine Tätigkeit besteht im Zentrieren“.

Die in New York und auf Island lebende Amerikanerin Roni Horn (*1955) zählt zu den einflussreichten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihr konzeptuell ausgerichtetes Werk umfasst nicht nur Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, sondern auch fotografische Serien und Künstlerbücher. Ein zentrales Interesse Roni Horns gilt dem Porträt, sowohl eines Menschen wie eines Ortes, das sich mit grundlegenden Fragen nach Identität, deren Zuschreibung und Veränderlichkeit verbindet. In ihren Werken finden sich häufig Motive wie Wasser oder Wetterbeobachtungen, aber auch liquide Materialen wie Glas, und immer wieder umfängliche Serien, die nur einem Sujet gewidmet sind. Vor allem in den letzten Jahren wurde Horn mit mehreren umfassenden Ausstellungen geehrt, so in der Fondation Beyeler Basel, der Schirn Frankfurt, der Kunsthalle Hamburg, der Sammlung Goetz München oder der Tate Modern, London.

 

Hans Josephsohn

Große Retrospektive präsentiert existenzielle Plastiken
Hans Josephsohn (1920–2012) gehört zu den großen Bildhauern der europäischen Moderne nach 1945. Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht die menschliche Figur. Die Ausstellung Existenzielle Plastik wird vom 30. März bis zum 24. Juni 2018 im Museum Folkwang präsentiert. Diese erste große Werkschau in Deutschland versammelt mehr als 70 zum Teil großformatige Plastiken und Reliefs des Künstlers von den frühen Werken der 1950er Jahre bis zum fulminanten Spätwerk seit den 1990er Jahren. Zusätzlich veranschaulichen Gipsmodelle und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen seine Arbeitsweise.
Hans Josephsohn konzentrierte sich in seiner Arbeit auf einige Grundformen der menschlichen Figur: Kopf, Halbfigur, Stehende, Liegende. „Skulptur kann nicht viel.“, äußerte Josephsohn einmal. Dennoch strebte er ein Leben lang danach, die menschliche Existenz mit den Mitteln der Bildhauerei zu erfassen. Die Suche nach der richtigen Form bestimmte seine Arbeit. Gips war dabei sein bevorzugtes Material. Mit Gips, dem „weichen Stein“, konnte er seine Werke immer wieder neu bearbeiten und durch Hinzufügen und Wegnehmen von Material weiterentwickeln.
Josephsohns Werke bestehen aus nacheinander aufgetragenen Schichten; die Oberflächen wirken mitunter brüchig und zerklüftet, immer wieder gibt es Spuren des nachträglichen Glättens. Diese prozesshafte Arbeitsweise ist auch in den Messinggüssen erkennbar. Die raue Oberfläche ist notwendiger Bestandteil seiner Plastiken. Sie ist das Ergebnis eines langen, manchmal jahrelangen, Prozesses, bei dem Josephsohn die Werke immer wieder bearbeitet hat. Die Ausstellung vollzieht anhand der Präsentation von Gipsmodellen diese spezifische Arbeitsweise Josephsohns explizit nach. In einem Filmraum sind die Dokumentationen Stein des Anstosses (Jürg Hassler, 1977) und Josephsohn Bildhauer (Matthias Kälin/ Laurin Merz, 2007) zu sehen. Sie zeigen Josephsohn bei seiner täglichen Arbeit an Figuren und Reliefs.
Josephsohn arbeitete meist nach Modell und suchte für jedes Werk das richtige Maß zwischen Körperlichkeit und Abstraktion. Einige seiner frühen Arbeiten sind schmal wie Stelen, andere Plastiken geben akkurat die Gesichtszüge und Körperhaltung des Modells wieder. Josephsohns späte Halbfiguren sind dagegen überlebensgroße Werke aus Messing, deren Körperformen nur noch ansatzweise erkennbar sind.
Pressekontakt Anna Littmann, T +49 201 8845 160, anna.littmann@museum-folkwang.essen.de
Pressebilder Download unter www.museum-folkwang.de
Pressemitteilung
Auch bei seinen Reliefs, die das Dynamische menschlicher Beziehungen und Konflikte abbilden, verzichtete er auf eine detaillierte Darstellung. Wohl auch deshalb erscheint die Spannung zwischen den Figuren mit ihren rauen Oberflächen aus Messing im Wortsinn greifbar. 40 Reliefs und Reliefskizzen verdeutlichen in der Ausstellung Josephsohns intensive Beschäftigung mit dem menschlichen Miteinander.
Mehr als sechzig Jahre war Josephsohn als Bildhauer tätig. Bis ins hohe Alter blieb er produktiv und arbeitete regelmäßig in seinem Zürcher Atelier. Dort bewahrte er seine Werke, die Reliefskizzen und Zeichnungen auf, in denen er mit schnellem Strich die Grundformen seiner geplanten Werke festhielt. Fast 30 Zeichnungen dokumentieren in der Ausstellung Josephsohns Ideen. Mit einem Augen-zwinkern kommentierte der Künstler seinen Platz in der Kunstgeschichte: „Ich bin nicht ein Künstler des 20., sondern des 21. Jahrhunderts.“
Die Retrospektive würdigt eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit der figurativen Bildhauerei des
20. Jahrhunderts: Sein bildhauerisches Werk stellt auf eigentümliche und unverwechselbare Weise Fragen nach der existenziellen Verfassung des Menschen. Mit großer Beharrlichkeit erprobte der Schweizer Künstler seine bildhauerischen Mittel und deren Wirkmöglichkeiten. Die Ausstellung Existenzielle Plastik vom 30. März bis zum 24. Juni 2018 im Museum Folkwang ist die größte Josephsohn-Ausstellung in Deutschland und zeigt einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk dieses einzigartigen Künstlers.
In Kooperation mit dem Kesselhaus, St. Gallen,
Unterstützt durch die Sparkasse Essen und gefördert von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
Es erscheint ein Katalog in der Edition Folkwang/Steidl (Preis 25 €).

Bacon – Giacometti

Mit Alberto Giacometti und Francis Bacon präsentiert die Fondation Beyeler vom 29. April bis 2. September 2018 zwei herausragende Protagonisten der Moderne, Freunde und Rivalen gleichermassen, deren Vision die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute stark beeinflusst. Zum ersten Mal überhaupt widmet sich eine Museumsausstellung diesen beiden Künstlerpersönlichkeiten gemeinsam und beleuchtet ihre Beziehung zueinander. So unterschiedlich ihr Schaffen auf den ersten Blick scheint, werden durch diese überraschende Gegenüberstellung erstaunliche Gemeinsamkeiten offenbar. Die Ausstellung umfasst selten gezeigte Werke beider Künstler und wird ergänzt mit bekannten Schlüsselwerken. Besonders hervorzuheben sind eine Reihe von Originalgipsen aus Giacomettis Nachlass, die noch nie zuvor der Öffentlichkeit gezeigt wurden sowie die Präsentation von vier grossen Bacon Triptychons. Ein Multimediaraum bietet überraschenden Einblick in die Ateliers beider Künstler. Die Ausstellung wurde organisiert von der Fondation Beyeler in Zusammenarbeit mit der Fondation Giacometti, Paris.

 

Maria Lassnig Zwiegespräche

Kuratorin: Anita Haldemann
Das Kunstmuseum Basel zeigt unter dem Titel Zwiegespräche rund 90 Zeichnungen und
Aquarelle der vor vier Jahren verstorbenen Künstlerin Maria Lassnig. In der als Retrospektive
angelegten Ausstellung sind neben Schlüsselwerken auch nie gezeigte Blätter zu sehen.
Es sind tiefgreifende Empfindungen, die im Zentrum des Schaffens der österreicherischen
Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) stehen. Das Sichtbarmachen von körperlichen Emotionen
und das Nachspüren der Körperwahrnehmung bilden den Mittelpunkt ihrer Body-Awareness-
Arbeiten. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos erkundete die Künstlerin ihre
Selbstempfindung auf Papier. Nicht was sie sah, sondern wie sie spürte, wurde zum Bild.
Parallel zu ihrer introspektiven Körperwahrnehmung blieb Lassnig im Aussen verankert. Ihre
Porträts basieren auf gründlichem Studium der Realität. Dennoch gehen die sensiblen
Beobachtungen von Tieren und Menschen weit über die Wiedergabe des rein Sichtbaren hinaus
und enthalten das Wesentliche der jeweiligen Charaktere und spüren dem Einzigartigen im
Gegenüber nach.
Diese Zwiesprache mit innen und aussen, mit Gefühlswelten und Realitäten, entwickelte Lassnig
besonders anschaulich auf dem Papier. Die Zeichnung wird als intimes Medium zum
Experimentierfeld spontan gesetzter Linien und Farbfelder. Sie eröffnet neue Perspektiven und
erschliesst sich neue Themen. Trotz aller Intimität des Zeichnerischen tendiert die Künstlerin
dazu, Werke auf Papier in monumentalen und bildmässigen Kompositionen anzulegen. Längst
ist die Idee der Skizze und des ersten Entwurfs bei Lassnig gesprengt und in eine autonome
künstlerische Aussage auf Papier verwandelt. Schliesslich geht auch ihre Malerei in der
Intensität der Zeichnung, der Energie der einzelnen Linie wie auch der Strahlkraft der Aquarelle
sicht- und spürbar weiter.
Lassnig zählt mit Louise Bourgeois, Joan Mitchell und Eva Hesse zu den wichtigsten
Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Bereits früh machte sie ihren eigenen Körper zum
Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körperbewusstsein und das Verhältnis von Mann und Frau
zentrale Themen der internationalen Avantgarde wurden.
Vier Jahre nach ihrem Tod würdigt das Kunstmuseum Basel die Künstlerin mit einer
Retrospektive der Werke auf Papier und führt rund 90 der eindrücklichsten Zeichnungen und
Aquarelle von Lassnig aus dem Besitz der Maria Lassnig Stiftung und der Albertina Wien
zusammen. Bislang völlig unbekannte Blätter erweisen sich in der Schau als Schlüsselwerke.
Gemeinsam mit Vertrautem werfen sie neues Licht auf ihr Konzept der Body-Awareness und
erschliessen neue Einblicke in das vielseitige und wegweisende Werk der Österreicherin.
Der Ausstellungskatalog Maria Lassnig. Zwiegespräche: Retrospektive der Zeichnungen und Aquarelle enthält Beiträge von Antonia Hoerschelmann, Anita Haldemann, Barbara Reisinger und ein Gespräch geführt von Ralph Ubl mit Miriam Cahn.
Die Ausstellung wird unterstützt durch:
KPMG AG
Roswitha Haftmann Stiftung
Werner Sutter & Co AG
Maria Lassnig Stiftung
Stiftung für das Kunstmuseum Basel
Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel entstand in Kooperation mit der Albertina in Wien.
Parallel zeigt das Kunstmuseum St. Gallen mit Be-Ziehungen (5. Mai – 23. September 2018) eine Ausstellung, die einen konzentrierten Einblick in die Entwicklung des malerischen Schaffens von Maria Lassnig mit Beispielen aus allen Entwicklungsphasen umfasst.

Raqs Media Collective

Die Auseinandersetzung mit Zeit, Sprache und Geschichte ist das Zentrum der
künstlerischen Arbeit von Raqs Media Collective. In Neu Delhi 1992 gegründet, vereint
die Künstlergruppe in den verschiedensten Medien zeitgenössische Kunstpraxis mit
historischer und philosophischer Spekulation, mit Geschichtsforschung und Theorie. Die
drei Raqs-Mitglieder, die neben ihrer Haupttätigkeit als Künstler in unterschiedlichsten
Tätigkeiten wie Kuratoren, Buchautoren oder Filmemacher auftreten, nehmen soziale
und politische Bedingungen im globalen Kontext in den Blick. Mit Ausstellungen in den
USA, Europa und Asien sind Jeebesh Bagchi (*1966), Monica Narula (*1969) und
Shuddhabrata Sengupta (*1968) auf der internationalen Bühne aktiv. Nicht selten
arbeiten sie mit Experten anderer Disziplinen wie Architekten oder Programmierern
zusammen.
Ausgangspunkt der Ausstellung, die als erste Museumspräsentation von Raqs auf dem
europäischen Kontinent vom 21. April bis zum 12. August 2018 im K21 gezeigt wird, ist
die andauernde Faszination für das Phänomen Zeit, ein Thema, das die drei Künstler
bereits seit den Anfängen ihrer Zusammenarbeit intensiv beschäftigt.

 

BUCHHEIM 100

Zum 100. Geburtstag wird dem Künstler, Autor, Verleger, Sammler und Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim eine große biografische Ausstellung gewidmet. An teils noch nie gezeigten Dokumenten, Zeichnungen, Fotos und Modellen wird Buchheims Lebenslauf als paradigmatische deutsche Biografie des zwanzigsten Jahrhunderts verständlich gemacht. Zugleich werden die großen menschlichen Fragen der Verführbarkeit, der Angst, der Schuld und der Sühne thematisiert. Der Schwerpunkt liegt auf Buchheims berühmtestem Werk »Das Boot«. Dank umfangreicher Recherchen können Neuentdeckungen zu den tatsächlichen, historischen Begebenheiten an Bord von U 96 und aus dem Leben des Kriegsberichters Buchheim präsentiert werden. Vier Bücher Buchheims und die vier darin auftauchenden Boote kennzeichnen in der Schau die Kapitel seines Lebens:
Jugend: das Buch »Tage und Nächte steigen aus dem Strom« über die Donaufahrt des 20-Jährigen und sein erhaltenes Faltboot
Adoleszenz: der Roman »Das Boot« und U 96, zu sehen als 11 Meter langes Modell
Reife: der Roman »Der Abschied« und das Nuklearschiff »Otto Hahn«, ebenfalls als Modell vertreten
Alter: das Buch »Museum in den Wolken« und das schiffartig erbaute Buchheim Museum

 

Buchheim: Künstler, Sammler, Despot – Das Leben meines Vaters

Das Portrait eines streitbaren Genies

Er hat mit seinen Romanen „Das Boot“ und „Die Festung“ internationale Bestseller geschrieben. Er war ein talentierter Maler, ein gerissener Fälscher und ein Sammler mit sicherem Gespür für große Kunst. Er war mit den Größen aus Politik und Kultur auf Du und Du.

Yves Buchheim erzählt erstmals die wahre Geschichte seines legendären Vaters, der im Februar 2018 hundert Jahre alt geworden wäre, und räumt auf mit den heldenhaften Mythen und Legenden, die sich um die schillernde Persönlichkeit ranken und an denen Buchheim selbst kräftig mitgestrickt hat. Buchheims Einsatz während des Zweiten Weltkriegs kommt dabei genauso zur Sprache wie seine Liebesgeschichte mit der französischen Untergrundkämpferin Geneviève Militon und der Aufbau seiner riesigen Sammlung expressionistischer Kunstwerke – dunkle Familiengeheimnisse, die hier zum ersten Mal ans Licht gebracht werden. Eine spannende, eine aufsehenerregende Biografie aus erster Hand.

Rubens. Kraft der Verwandlung

Das Städel Museum widmet dem weltbekannten Künstler Peter Paul Rubens (1577–1640) die umfassende Sonderausstellung „Rubens. Kraft der Verwandlung“. Anhand von etwa 100 Arbeiten – darunter 31 Gemälde und 23 Zeichnungen von Rubens – arbeitet die Schau einen bisher wenig beachteten Aspekt im Schaffensprozess des Meisters heraus: Sie zeigt, wie tief Rubens in den Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenossen eintrat und wie dies sein fünfzigjähriges Schaffen prägte. In Rubens’ umfangreichem Œuvre spiegeln sich die Einflüsse antiker Skulptur ebenso wider wie jene späterer Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, von den Meistern des ausgehenden 15. Jahrhunderts bis zu seinen Zeitgenossen. Seine Bezugnahme auf Werke von Künstlern unterschiedlicher Epochen ist häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar – in der aufwendig inszenierten Ausstellung kann der Besucher die zuweilen überraschenden Korrelationen nun im Detail nachvollziehen. Die Gattungsgrenzen überschreitende Schau vereint Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Werke der angewandten Kunst. Neben Originalskulpturen von der Antike bis zur Renaissance werden auch Gemälde und Grafiken von Rubens’ Vorläufern und Zeitgenossen zu sehen sein, darunter Schlüsselwerke von Tizian und Tintoretto, von Goltzius, Rottenhammer und Elsheimer sowie von Giambologna, Van Tetrode und Van der Schardt.

Eine Ausstellung des Städel Museums, Frankfurt am Main, und des Kunsthistorischen Museums Wien.

 

BASQUIAT. BOOM FOR REAL

Im New York der 1970er-Jahre hinter­ließ Jean-Michel Basquiat auf Häuser­wän­den Graf­fiti-Nach­rich­ten, colla­gierte Base­ball- und Post­kar­ten, kreierte seine eigene Klei­dung, malte auf Türen, Fens­ter­rah­men und auf riesi­gen Lein­wän­den. Heute zählt Basquiat (1960–1988) zu den bedeu­tends­ten Malern des 20. Jahr­hun­derts. Aus der sich im Lower Manhat­tan versam­meln­den Kunst­szene des Post-Punk-Under­ground kommend, eroberte das Wunder­kind ohne akade­mi­sche Ausbil­dung die Kunst­welt. Er arbei­tete mit Künst­ler­freun­den wie etwa Andy Warhol, Keith Haring oder auch Blon­die zusam­men.1982 erhielt er als bislang jüngs­ter Teil­neh­mer der Docu­menta inter­na­tio­nale Aner­ken­nung.

Basqui­ats leben­dige, rohe Bilder­welt entspringt einer Bele­sen­heit, die sich in großen Schrift- und Text­frag­men­ten durch das gesamte Werk zieht. Mehr als 30 Jahre nach Basqui­ats letz­ter Präsen­ta­tion in einer öffent­li­chen Samm­lung in Deutsch­land widmet die SCHIRN dem Werk des US-ameri­ka­ni­schen Ausnah­me­künst­lers eine große Einzel­aus­stel­lung und zeigt eine heraus­ra­gende Auswahl von über 100 Werken. Viele der Leih­ga­ben aus inter­na­tio­na­len Museen und priva­ten Samm­lun­gen waren zuvor noch nicht in Deutsch­land zu sehen. Erst­mals wird dabei auch Basqui­ats Bezie­hung zu Musik, Text, Film und Fern­se­hen in einem über­ge­ord­ne­ten kultu­rel­len Zusam­men­hang deut­lich.

Eine Ausstel­lung des Barbi­can Centre, London, in Koope­ra­tion mit der SCHIRN KUNST­HALLE FRANK­FURT

 

William Kentridge. O Sentimental Machine“

Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert einen ganz besonderen Gast: In einem umfassenden Ausstellungsprojekt bringt William Kentridge (* 1955) seine Werke in einen Dialog mit der 5.000 Jahre überspannenden Sammlung des Frankfurter Museums. Die groß angelegte Ausstellung „William Kentridge. O Sentimental Machine“ präsentiert anhand von über 80 teils raumfüllenden Arbeiten und Installationen das ganze Spektrum im Œuvre des südafrikanischen Künstlers. Kentridge ist international für seine Zeichnungen, Filme, Theater- und Opernproduktionen bekannt. Seine bereits in Einzelausstellungen im Museum of Modern Art in New York, in der Albertina in Wien und im Louvre in Paris, aber auch im Rahmen von Operninszenierungen an der Metropolitan Opera in New York, der Scala in Mailand, bei den Salzburger Festspielen oder bei der Documenta gezeigte künstlerische Praxis ist grundlegend interdisziplinär und führt unterschiedliche Medien und Genres zusammen. Die von Sabine Theunissen inszenierte und von Vinzenz Brinkmann und Kristin Schrader kuratierte Ausstellung erstreckt sich über nahezu alle Bereiche und Räume der Liebieghaus Skulpturensammlung: von der Antikensammlung über die Mittelalterräume bis in die Studioli der historistischen Villa Liebieg. Zu erleben ist ein künstlerischer Dialog quer durch das gesamte Museum, in dem die konzeptuellen, narrativen und ästhetischen Intentionen des Künstlers eine enge Verbindung mit der musealen Sammlungspräsentation des Liebieghauses eingehen.

Gefördert durch Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Art Mentor Foundation Lucerne
Medienpartner Frankfurter Allgemeine Zeitung, SLEEK
Kulturpartner hr2-kultur

 

THE SHAPE OF TIME

The Shape of Time zeigt bedeutende Werke aus der Zeit zwischen
1800 und heute. In den Sälen der Gemäldegalerie treten sie mit
unseren Kunstwerken und deren SchöpferInnen in einen Dialog und
fungieren so als Trittsteine auf dem kunstgeschichtlichen Weg von
dort, wo unsere Sammlung endet, bis zu jenem Punkt, an dem wir
heute stehen. AusstellungsbesucherInnen sind eingeladen, zugleich
zurück und nach vorne zu blicken und ihren Blick hin und her
schweifen zu lassen zwischen zwei Objekten, die aus
unterschiedlichen Jahrhunderten stammen und das Potenzial haben,
unsere Erfahrung des jeweils anderen zu verändern.
Zu den wichtigen Leihgaben, die in dieser Ausstellung gezeigt
werden, zählen Werke von J.M.W. Turner, Édouard Manet, Paul
Cézanne, Claude Cahun, Mark Rothko, Maria Lassnig, Eleanor
Antin, Franz West, Felix Gonzalez-Torres, Nusra Latif Qureshi,
Catherine Opie und Steve McQueen. Zusätzlich wurden Peter
Doig und Kerry James Marshall eingeladen, jeweils ein Werk speziell
für diese Ausstellung zu schaffen.

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums
Jasper Sharp, Kurator

 

ALF BACHMANN – ALF LECHNER. HIMMEL WASSER STAHL

 

ALF BACHMANN - ALF LECHNER. HIMMEL WASSER STAHL

Alf Lechner (1925 – 2017) Nach Alf Bachmann WV1813, Ambach 1945, Pastell auf Papier, 20,5 x 29,5 cm  © Alf Lechner Stiftung, Foto: Studio Hetzer

Die Ausstellung Alf Bachmann – Alf Lechner. Himmel Wasser Stahl (25. Februar – 09. September 2018) ist dem Andenken an Alf Lechner gewidmet, der vor einem Jahr, am 25. Februar verstorben ist. Der Künstler zählt mit seinen monumentalen Stahlstehlen und vor allem mit tonnenschweren, scheinbar schwebenden Stahlplatten zu den großen Stahlplastikern, wie etwa Richard Serra und Eduardo Chillida und gilt seit den 1970er Jahren zu den bedeutenden Erneuerern der Plastik des 20. Jahrhunderts.
Im Erdgeschoss des Museums ist jetzt in der neuen Ausstellung die Installation »Labyrinth« (2007-2017) von Alf Lechner zu sehen. Sie ist eine Erweiterung der »Schnittfelder« aus dem Jahr 2007, welche Lechner zu Lebzeiten nie fertigstellen konnte.

Doch die künstlerischen Anfänge Lechners liegen auf ganz anderem Gebiet. Himmel Wasser Stahl stellt erstmals Werke des Lehrers von Alf Lechner, Alf Bachmann, den frühen Pastellen und Ölgemälden seines Schülers gegenüber. Wie sein Lehrer malte auch Lechner stürmische Seestücke und Naturansichten in einem emotional-realistischen Stil. Bachmann hat Lechner die Kunst der Malerei und die Auseinandersetzung mit dem Spiel der Elemente vermittelt.

Die Ausstellung ist somit auch eine Hommage an einen fast vergessenen Maler, der das Talent Alf Lechners als erster erkannte und ihm als Mentor eine solide künstlerisch-handwerkliche Grundlage vermittelte. Alfred Bachmann, der 1863 bei Danzig geboren wurde und seit 1890 seinen Wohnsitz in München hatte, war zu seiner Zeit berühmt für seine Ansichten vom Meer und von einsamen, unberührten Landschaften. Es gelang ihm flüchtige Momente der Natur in ihrer Essenz einzufangen und stimmungsvoll zu verdichten.
Über 50 Ölgemälde und Pastelle von Alf Bachmann und Alf Lechner sowie zahlreiche Zeitdokumente aus dem Besitz der Lechner Stiftung und des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf werden präsentiert. Davon werden viele Werke erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt.

 

TATIANA URBAN- „Arena der stillen Geschöpfe“

Die Künstlerin zeigt ihre kraftvollen natur- und pflanzenartigen Bildwelten. Und während draußen in den noch meist trüben, kalten Monaten März und April die Natur langsam erwacht, können wir hier in ihre spannenden und oftmals rätselhaften wie auch farbenprächtigen Naturwelten eintauchen. Dabei erschließen wir uns ein ganz eigenes Naturerleben und wir verbinden verschiedene Assoziationen mit ihren Bildern.
Tatiana Urban lässt sich sowohl von der realen Natur wie auch von medialen und virtuellen Erscheinungsformen der Natur und Landschaft inspirieren. Dabei setzt sich Urban mit dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur sowie mit dem Dualismus von Naturentfremdung und Natursehnsucht auseinander und ist speziell fasziniert von der fragilen, unvollkommenen Natur, die uns umgibt.
Sie thematisiert die Nähe von „Schönheit und Zerfall“, das Spiel mit Zweideutigkeiten und die Verbindung von Artifiziellem mit Organischem und sagt selbst über ihre Bilder: „Meinen oftmals zwischen Abstraktion und Figuration pendelnden Bildwelten ist ein Naturbild gemeinsam, in dem der Umbruch zum Dauerzustand wird. Natur löst sich in Strukturen auf, wird zum Schattenbild, verliert sich in der Leere oder im Chaos und soll neben aller Fragilität doch auch Dynamik und Stärke zeigen.“

Klaus Staeck Sand fürs Getriebe

Klaus Staeck im Museum Folkwang Umfassende Retrospektive zum 80. Geburtstag des politischen Aktivisten
Das Museum Folkwang würdigt den politischen Aktivisten im Jahr seines 80. Geburtstags mit einer seiner größten Einzelausstellungen überhaupt. Mit seinen Plakaten hat Klaus Staeck eine Wirkung erzielt wie kaum ein anderer vor ihm. Vom 9. Februar bis 8. April 2018 zeigt die Ausstellung Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe rund 200 der bekanntesten Plakate, Postkarten und Multiples und gibt erstmals einen umfangreichen Überblick über die frühe Druckgrafik des Plakatgestalters.
Seit den 1960er Jahren kommentiert der Heidelberger Grafiker, Jurist, Verleger und Plakatprovokateur Klaus Staeck (*1938) pointiert und scharfsinnig gesellschaftliche Themen und Krisen. Seine Kunst – Plakate, Postkarten, Aufkleber und Multiples – ist nicht vom aktuellen Zeitgeschehen zu trennen und
ist Ausdrucksform seiner politischen Ansichten: Mit fast jedem Entwurf enthüllt Staeck einen Missstand und regt damit zum Nachdenken über Gesellschaft, Kunst und Politik an. Die Brisanz von Klaus Staecks wirkmächtigen Motiven und satirischen Slogans führte zu 41 Prozessen, von denen er bis heute keinen verlor. Sein Name wurde in Deutschland zum Synonym für provokative Plakatkunst, das „Staeck-Plakat“ zu einer Marke.
Klaus Staecks spätere, auflagenstarke Plakatproduktion ist ohne die Auseinandersetzung mit der Druck-grafik nicht denkbar. Ein besonderer Akzent der Retrospektive liegt daher auf den frühen abstrakten Holzschnitten und gesellschaftskritischen Siebdrucken, die den Weg zum ersten Plakat des Künstlers, Sozialfall von 1971, ebneten. Das bekannte Plakat zeigt ein Bild von Albrecht Dürers Mutter, begleitet von dem Slogan „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“, und traf im Kontext des Nürnberger Dürer-Jubiläums und des damaligen Wohnungsmangels den Nerv der Zeit. Der weitreichende Erfolg der Plakat-Aktion veranlasste Staeck dazu, das Medium des Plakats aufgrund der Reproduzierbarkeit und hohen Reichweite zum Informationsträger seiner politischen Aktionen zu machen.
Sand fürs Getriebe präsentiert vom 9. Februar bis 8. April 2018 Klaus Staecks mehr als fünf Jahr-zehnte umfassendes Werk und gibt Einblicke in den technischen Entwicklungsprozess der Plakat-produktion im vordigitalen Zeitalter. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Staecks Abkehr von der künstlerischen Auseinandersetzung mit Druckgrafik und seiner Hinwendung zum Plakat. Sieben chronologisch gegliederte Ausstellungkapitel ermöglichen mit frühen grafischen Arbeiten, rund 200 Plakate aus dem Zeitraum 1971 bis 2017, neun Stunden dokumentarisches Filmmaterial, zwei Groß-installationen und einer in den1980er Jahren entstandenen Fotoserie über Bitterfeld einen Überblick über Staecks politisches Engagement bis heute. Der Veranstaltung „Aktion für mehr Demokratie“ in
der Essener Grugahalle (1983) sowie weiteren politischen Aktionen ist ein eigener Ausstellungsraum
gewidmet. Postkarten, Archivdokumente, aber auch Plakate zu Ausstellungen, Theater und Film er-gänzen die Schau. Unterstützt wird die Ausstellung mit Materialien aus den Archiven des Gestalters und seines langjährigen Druckers Gerhard Steidl.
Klaus Staeck wurde 1938 in Pulsnitz bei Dresden geboren und wuchs in Bitterfeld auf. Er absolvierte sein Jura-Studium in Heidelberg, Hamburg und Berlin, gefolgt von mehrjähriger Arbeit als Anwalt. Seine künstlerische Tätigkeit hat Staeck parallel zum Studium begonnen. Bereits 1965 gründete er
den Verlag Edition Tangente, die spätere Edition Staeck. Die Plakate des politisch aktiven Staeck haben sich seit den 1970er Jahren in das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland eingebrannt. Seine Arbeiten wurden in mehr als 3000 Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Von 2006 bis 2015 hatte Staeck das Amt des Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin inne und ist seitdem ihr Ehrenpräsident.
Zur Ausstellung Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe erscheint ein 256-seitiger Ausstellungskatalog in der Edition Folkwang / Steidl. Mit Beiträgen von René Grohnert, Tobias Burg, Gerhard Steidl und einem Interview von Monte Packham mit Klaus Staeck. ISBN 978-3-95829-435-6, Preis 20 €

The Concept of Lines. Richard Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn.

Das Programm des Kunstfoyers startet 2018 mit einer Ausstellung
hochästhetischer Fotografien von drei Großmeistern des Metiers: Richard
Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn. Jeder einzelne dieser
Fotografen stellt für sich bereits ein unschlagbares Highlight der
amerikanischen Fotografiegeschichte dar. Die subtile Handhabung der Linie
eint als signifikantes Merkmal die Arbeiten dieser drei Stars, ist dabei
aber stilistisch sehr unterschiedlich definiert. Gezeigt werden Porträts
prominenter Persönlichkeiten, u.a. von Miles Davis, Marlene Dietrich, Greta
Garbo, Gary Cooper, Nastassja Kinski, Allen Ginsberg, Veruschka, Truman
Capote, John Ford, Joe Lewis, Jean Cocteau, Jean Genet, Igor Strawinsky
etc., zudem außergewöhnliche Modeinszenierungen, Akte und Körperbilder.

Die Ausstellung wird von Dr. Sabine Schnakenberg, Deichtorhallen Hamburg,
Sammlungskuratorin Haus der Photographie, für das Kunstfoyer München als
exklusive zweite Station kuratiert. Alle ausgestellten Arbeiten stammen aus
der berühmten Sammlung F.C. Gundlach, mit deren Stifter das Kunstfoyer
bereits Ausstellungen über Martin Munkacsi (2011) sowie Peter Keetman
(2017) realisiert hat.