CYBERDAY Kunstportal wird nach 20 Jahren eingestellt

Lieber Freunde und Wegbegleiter vom CYBERDAY Kunstportal, liebe Besucher,

fast 20 Jahre ist es her, dass ich mit meinem Onkel das CYBERDAY Kunstportal eröffnet habe. Mit viel Herz, Liebe und Zeit haben wir Informationen zur Kunst veröffentlicht, Künstlern eine Plattform gegeben und tolle Online-Veranstaltungen abgehalten.
Nun, 2018 ist die Zeit gekommen sich von dem Format zu lösen, was nicht mehr so recht in die schnelllebige, durch Social-Media bestimmte Zeit passt. Mit Facebook, Instagram, Blogs etc. gibt es nun Medien, die besser darauf ausgerichtet sind, das Angebot von CYBERDAY abzubilden.
Konkret werden wir CYBERDAY.de nicht weiter fortführen. Die Zeit, die wir hier investieren, steht nicht in dem Verhältnis des Gegenwerts, den wir dafür bieten können. Wann und ob wir die Seite komplett abschalten, steht aktuell noch nicht fest, aber wir werden keine weiteren Veröffentlichungen mehr tätigen.

Herzlichen Dank allen,
Simon Huck

Kasimir Malewitsch – Die Welt als Ungegenständlichkeit

Kuratorin: Britta Tanja Dümpelmann

Kasimir Malewitsch, der Schöpfer des schwarzen Quadrats, das längst zur Ikone der Moderne geworden ist, publizierte 1927 im Verlag des Bauhauses seine Vision einer Welt als Ungegenständlichkeit. Zu Lebzeiten die einzige Publikation des Künstlers in westlicher Sprache, lautete der Titel damals, etwas ungenau übersetzt, Die gegenstandslose Welt. Zum ersten Mal seit langem zeigt das Kupferstichkabinett die Zeichnungen aus eigenem Bestand, die als Vorlagen für die Illustrationen im Buch dienten. Der Katalog zur Ausstellung legt eine englische und deutsche Neuübersetzung des begleitenden Künstlertextes vor und setzt sich intensiv mit der Entstehungsgeschichte des Werks auseinander: Wann und wo sind Illustrationen und Texte entstanden, welchen Punkt in Malewitschs künstlerischer Entwicklung spiegeln sie wider? Malewitschs Welt als Ungegenständlichkeit erweist sich so als Momentaufnahme eines grenzenlosen künstlerischen Universums.

Sylvette, Sylvette, Sylvette. Picasso und das Modell

Im Frühling 1954 traf Picasso die junge Sylvette David in Vallauris an der Côte d’Azur. Für mehrere Monate wurde die Neunzehnjährige Picassos Muse und Quelle der Inspiration. Während der Sitzungen entstanden mehr als 50 Porträts in einer Vielzahl von künstlerischen Medien. Voller Schaffensdrang nutzte Picasso all seine technischen und stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten: Mühelos variierend zwischen realistischen Abbildungen und kubistischen Abstraktionen, schuf der Künstler Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen aus gefaltetem und bemaltem Blech wie auch Keramiken.

Schon 1954 wurde die Sylvette-Serie zur Mediensensation: Renommierte Künstlerfotografen und Reporter hatten die schöpferische Zusammenkunft von weltberühmtem Maler und jungem Modell in Vallauris dokumentiert. Hochgewachsen und mit blondem Haar entsprach Sylvette nicht nur dem weiblichen Schönheitsideal dieser Zeit – sie formte dieses Ideal selbst. Man sagt, die junge, bis dahin kaum bekannte, Brigitte Bardot habe ihr äußeres Erscheinungsbild nach Sylvettes Vorbild verändert und ihr braunes Haar blond gefärbt, als sie von Picassos neuester Werkgruppe las.

Bereits 1955 erwarb die Kunsthalle Bremen ein bedeutendes Gemälde aus dem Sylvette-Zyklus. Mit herausragenden Leihgaben aus aller Welt widmet das Museum nun, 60 Jahre nach Entstehung der Serie, dieser wichtigen Werkgruppe in Picassos Schaffen erstmalig eine eigene Ausstellung. Die Ausstellung stellt die Sylvette-Serie in den historischen Kontext der 1950er Jahre und präsentiert Picassos Werk dieser Zeit als greifbaren Ausdruck des ästhetischen und populärkulturellen Zeitgeistes. Sylvette werden Porträts von Françoise Gilot und Jacqueline Roque sowie Variationen über das Thema Maler und Modell gegenübergestellt.

Elliott Erwitt – Eine Retrospektive

Elliott Erwitt – Eine Retrospektive
Der 1928 in Paris geborene US-amerikanische Fotograf Elliott Erwitt gehört zu den bedeutensten Vertretern seiner Zunft. In seinen markanten, kontrastreichen schwarz-weiß Fotografien dokumentiert er – häufig ironisch – den amerikanischen Alltag. Er wird als der „Woody Allen der Fotografie“ bezeichnet. Als Mitglied der legendären Fotoagentur Magnum sind auch insbesondere seine journalistischen Arbeiten, in denen er beispielweise Kennedy oder Nixon porträtierte, von hoher ästhetischer wie zeitdokumentarischer Bedeutung. Seiner Geburtsstadt setzte er in zahlreichen Kampagnen ein fotografisches Denkmal.
Die Ausstellung ist eine Kollaboration mit Magnum Photos

Parallel:

Picasso sieht fern!
In den 1960er Jahren hält ein Fernsehgerät Einzug in Picassos südfranzösische Wohnsitze und beeinflusst nachhaltig die 1968 entstandene Radierfolge der Suite 347. So schlagen sich neben tagespolitischen Ereignissen wie den Studentenprotesten oder Ansprachen de Gaulles insbesondere italienische Sandalenfilme und französische Mantel-und-Degen-Serien in seinem künstlerischen Schaffen nieder. In dieser in Deutschland erstmalig präsentierten Sonderausstellung werden Grafiken sowie Film- und Fernsehausschnitte auf einzigartige Weise miteinander vereint.

theRED

http://www.galerie-lisihaemmerle.at/red.htm
http://www.nammkhah.at/Mag3/theRedB.html
http://kultur-online.net/?q=node/26672

Dass der die Farbe ROT thematisierende Text aus der “Zur Kritik der Politischen Ökonomie" von Karl Marx stammt, war wohl den KünstlerInnen auf den ersten Blick nicht ersichtlich und auch nicht wirklich erkennbar. Dass das Textfragment einer Gesellschaftsbeschreibung entstammt, welche einer materialistischen Darstellung und umfassenden Kritik eines Systems gewidmet ist, das nach wie vor mit seinen periodisch vorkommenden verheerenden krisenhaften Eruptionen seinem Höhepunkt zustrebt, welches nicht nur ökonomisch sich bemerkbar macht, sondern auch ökologisch (also auch die Physis des Menschen zu vernichten droht!), ist vielleicht einigen der teilnehmenden KünstlerInnen bekannt, wohl aber weniger bewusst, dass auch wir als Produktions- und Zirkulationsagenten uns darin tummeln.

Wie die teilnehmenden KünstlerInnen mit ihrer speziellen Arbeit auf das Thema reagiert haben ist in dieser Ausstellung zu sehen. Es befinden sich darunter Klang- und Videoobjekte sowie Skulpturen, Postkarten und Kuverts in gezeichneter, collagierter sowie gemalter Form, Texte und Konzeptarbeiten, fotografische, malerische und zeichnerische Arbeiten, ja sogar kleine bis mittlere Installationen.

theRED war im Projektraum MAG3 in Wien im April 2013 in Form einer
den gesamten Raum umfassenden Installation zu sehen.

Zbyněk Baladrán – The Measures Taken

Zbyněk Baladrán (1973, Prag), vertrat bei der letzten Biennale in Venedig
die Tschechische Republik und gehört derzeit zu deren bedeutendsten
internationalen Künstlern.
Sein erstes Solo-Projekt in Deutschland, The Measures Taken, wird vom 3.
bis 30. März 2014 im Kunstraum München präsentiert. Die Ausstellung
befasst sich mit den Chancen der künstlerischen Produktion und Methoden
als Instrumente der totalen Erneuerung, der drastischen Veränderung der
Gesellschaft, aber auch der Möglichkeit ihres Scheiterns.
Ironie und das Thema des Versagens sind bereits im Titel der Ausstellung
enthalten, der von Bertold Brechts Drama The Measures Taken (Die
Maßnahme) stammt; ein Theaterstück, das neben der Aufhebung der
traditionellen Dualität von Bühne und Zuschauer die radikale
Veränderung einer Welt zum Thema hat, die unmittelbar davor ist, die
Protagonisten von Verhandlungen und Kompromissen zu akzeptieren.
Ausgangspunkt für die verschiedenen methodischen Ansätze, die in dieser
Ausstellung zum Tragen kommen, sind Texte und Arbeiten von mehreren
Autoren wie J. P. Eckermann, Sigmund Freud, Bertold Brecht und Dziga
Vertov, die zum Teil von  Zbyněk Baladrán neu bearbeitet wurden.

Zbyněk Baladrán (Prag, 1973 in Prag), ist Autor, bildender Künstler und
Kurator.
Er studierte Kunstgeschichte an der  Karls-Universität in Prag von
1992-1996 und von 1997-2003 visuelle Kommunikation an der Prager Akademie
der bildenden Künste. Er ist einer der Mitbegründer und Kuratoren der
Galerie display, die 2001 in Prag gegründet wurde und 2007 mit tranzit.cz
in tranzitdisplay fusionierte.. Zusammen mit Vít Havranek kuratierte er
Monument toTransformation, ein dreijähriges Forschungsprojekt zur
sozialen Transformation, das im Jahr 2009 an der Prager City Gallery
präsentiert wurde und bis 2013 an mehrere Stationen in Europa gereist
ist. Baladrán zählte 2010 zum Kuratorenteam (tranzit.org) für die
Manifesta 8,  Murcia, Spanien. Seine Arbeiten sind inzwischen Teil
verschiedener internationaler privater und öffentlicher Sammlungen.

ww.zbynekbaladran.com/en/about

In Zusammenarbeit mit dem Tschechischem Zentrum München
Kuratiert von Emily Barsi


made in austria

>made in austria< ist die titelgebende Ausstellung für das Jahresmotto 2014 des Essl Museums.
Karlheinz Essl, der die Ausstellung selbst kuratiert, zeigt seine persönlichen Schwergewichte der
jüngeren österreichischen Kunstgeschichte.

Der Kern der Sammlung
„Museen sind das kollektive kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft. Oft hörte ich, dass wir nun
für zeitgenössische Kunst jene Aufgabe erfüllen, welche viele öffentliche Museen für alte Kunst
innehaben. Unsere Sammlung ist natürlich gewachsen, auf heute mehr als 7000 Kunstwerke. Sie
bildet einen Großteil dessen ab, was seit dem Ende des Krieges in der österreichischen Kunst in
einem internationalen Kontext geschehen ist. Im 15. Jahr unseres Bestehens möchten wir diesen
österreichischen Kern ins Zentrum des Ausstellungsgeschehens rücken. Mit >made in austria<
präsentiere ich meinen ganz persönlichen Blick auf dieses Kunstgeschehen“, so Karlheinz Essl.
Der Sammler zeigt jene Künstlerinnen und Künstler, die für ihn ihre Spuren deutlich in der
österreichischen, aber auch in der internationalen Kunstwelt hinterlassen und das weltweite
Kunstgeschehen beeinflusst haben. In der Ausstellung stellt Karlheinz Essl spannungsvolle
Bezüge zwischen den einzelnen künstlerischen Positionen und Kunstwerken her – mit Dialogen,
aber auch Reibungspunkten, mit unerwarteten Einblicken und Überraschungen.
Alle Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung kennen Agnes und Karlheinz Essl seit langen
Jahren persönlich, mit vielen verbindet sie eine langjährige Freundschaft. Das Sammlerpaar hat
sie oft in den Ateliers und bei Ausstellungen besucht, ihre künstlerische Entwicklung
leidenschaftlich mitverfolgt und immer wieder auch Werke für die Sammlung angekauft.
Im Jahr 2014 feiert das Essl Museum sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund wird das
Ausstellungsprogramm der österreichischen Kunst, dem Kern der Sammlung Essl, gewidmet.
Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat den Ehrenschutz für das gesamte Ausstellungsjahr im Essl
Museum übernommen.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen. Karlheinz Essl gibt in zwei Essays einen persönlichen
Einblick in seine Kunstleidenschaft und in das Konzept der Ausstellung, Chefkurator Andreas Hoffer schildert die
Entwicklung von Museum und Sammlung. Zu den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern wurden Kurztexte verfasst,
flankiert von großformatigen Porträts u.a. von Erika Schmied.

Musée à vendre pour cause de faillite

Die Sammlung Annick und Anton Herbert ist eine der bedeutendsten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Das belgische Ehepaar begann im Sog der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der späten 1960er-Jahre erste Ankäufe zu tätigen. Seine Begeisterung und Interesse galten jenen künstlerischen Entwicklungen, die – parallel zu den gesellschaftlichen Erneuerungsbestrebungen der Zeit – die Erweiterung des Kunst- und Werkbegriffs vorantrieben. Mit besonderem Feingefühl und Know-how erwarben die Herberts bedeutende Werke von amerikanischen wie europäischen Vertretern der Minimal Art sowie konzeptueller Tendenzen – darunter Arbeiten von Carl Andre, Marcel Broodthaers, Hanne Darboven, Donald Judd, On Kawara, Sol LeWitt, Michelangelo Pistoletto, Niele Toroni und Lawrence Weiner wie auch von Art & Language, Dan Graham, Bruce Nauman oder Gerhard Richter. Ab Mitte der 1980er-Jahre kamen mit Werken von Martin Kippenberger, Franz West und Mike Kelley noch wesentliche Werkgruppen einer späteren KünstlerInnengeneration hinzu. Der letzte in die Sammlung aufgenommene Künstler ist Heimo Zobernig. Seit Juni 2013 macht das Paar seine Bestände in einer ehemaligen Industriehalle in Gent jeweils im Sommer der Öffentlichkeit zugänglich. CMusée à vendre pour cause de faillite (Museum zu verkaufen wegen Konkurs) zu Jahresbeginn 2014 wird die letzte umfassende Präsentation außerhalb dieses Rahmens sein. Bereichert durch einzelne, von Annick und Anton Herbert ausgewählte Schlüsselwerke aus den Beständen des mumok wird die Sammlung in Wien so umfassend wie nie zuvor gezeigt.

Kuratorin
Eva Badura-Triska

Smiling at You Sharone Lifschitz: Works 2000―2014

Seit der Jahrtausendwende hat Sharone Lifschitz (geboren 1971 in Israel; wohnhaft in London) ein überzeugendes Werk zu den Themen Erinnerung, Identität und Sprache geschaffen. Unter Verwendung durchaus unterschiedlicher Medien wie Fotografie, Video, Druckgrafik und Installation untersucht Lifschitz unsere Beziehung zu unserer individuellen und kollektiven Vergangenheit.

Dabei geht sie den vielfältigen Aspekten menschlicher Wechselbeziehungen sowie der Sprache, die diese ermöglicht, nach und hat zu diesem Zweck fantasiereiche Strategien entworfen, um sich in die Welt zu begeben. Sie tut dies mittels Zeitungsinseraten und systematischen Reisen per Bahn, Bus und U-Bahn. So reiste sie durch Deutschland, Belgien, Nordirland und Großbritannien, ebenso wie nach Israel und in die Vereinigten Staaten, trat mit einer Vielfalt von Menschen in Kontakt und unterhielt sich mit ihnen.

Diese Interaktionen haben sie mit dem Rohstoff für einen Großteil ihrer künstlerischen Arbeit versorgt, die durch Einfühlungsvermögen, Humor und einen spielerischen Umgang mit Sprache gekennzeichnet ist. Dem Münchner Publikum ist bereits ihre Intervention "Speaking Germany" bekannt, die 2007 die gesamte Stadt einbezog und die Eröffnung des Jüdischen Museums begleitet hat. An der Fassade des Museums besteht ein Element dieser Arbeit noch weiter.

"Smiling at You" stellt dieses viel bewunderte Projekt in einen größeren Zusammenhang. Auf einem Stockwerk präsentiert die Ausstellung eine Auswahl an Performance-, Studio- und Video-Arbeiten. Auf einem weiteren Stockwerk werden Projekte zur Schau gestellt, die Deutschland und der Stadt München gewidmet sind. Deren Höhepunkt bildet die Premiere der Videoarbeit "If I Were to Forget You", die eigens für diese Ausstellung erarbeitet wurde — eine Meditation über das Verhältnis zwischen München, wie es sich heute darstellt, und den Erinnerungen mehrerer jüdischer Flüchtlinge aus dieser Stadt.

Mischa Kuballs Projekt: New Pott – Neue Heimat im Revier

Mischa Kuballs Projekt „New Pott  –  Neue Heimat im Revier“ hat eine neue Heimat im Revier  – im Lehmbruck Museum.

Menschen und ihre Familien aus aller Welt, die heute in der Region zwischen Duisburg und Dortmund wohnen, sind in dem Projekt zu Teilnehmern geworden. Mischa Kuball schenkte Ihnen eine Lampe, die ihren Privatraum erhellte und in eine Bühne verwandelte, auf der sich der Künstler und die Menschen aus 100 unterschiedlichen Herkunftsländern begegneten. Sie erzählen ihre Migrations- und Lebensgeschichte, von ihren Erfahrungen zwischen den Kulturen. Der Fotograf Egbert Trogemann hielt die Begegnungen fotografisch fest.

Die Rauminstallation, bestehend aus 100 Fotografien, den dazu gehörigen Lampen und Videodokumentationen der Gespräche mit den Familien, ist ab 22. Februar in einer musealen Erstpräsentation im Lehmbruck Museum zu sehen. Multimediale Dokumentationen der Begegnungen ermöglichen den Nachvollzug der Gespräche zwischen dem Künstler und den Menschen aus 100 verschiedenen Herkunftsländern. Das partizipatorische Projekt ist im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas 2010 entstanden.

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT / WILLIAM KENTRIDGE / CONSTANTIN LUSER

Die Kunst der Linie steht im Fokus der Frühjahrsausstellungen der Kunsthalle Krems, die sich dem faszinierenden Medium der Zeichnung widmen, das durch seine Ursprünglichkeit, Unmittelbarkeit und Spontaneität als Essenz künstlerischer Tätigkeit gelten kann.

Im Mittelpunkt stehen die rund 260, erstmals in Österreich präsentierten Papierarbeiten der Sammlung Klüser, die außergewöhnliche Einblicke in die Zeichenkunst vom 16. bis ins 21. Jahrhundert bieten. Zeichnungen von Parmigianino, Giovanni Battista Tiepolo, Anthonys van Dyck, Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix, Paul Cézanne, Henri Matisse, Alberto Giacometti, Andy Warhol, Cy Twombly, Joseph Beuys, Blinky Palermo, Tony Cragg oder Jorinde Voigt u. a. offenbaren die Zeichnung als Experimentierfeld für Ideen ebenso wie als intime Form der Weltdeutung. Als Medium der Transformation vermag sie seit Jahrhunderten Sichtbares wie Nichtsichtbares, Konstrukt wie Realität auf Papier zu bannen.
Die flankierenden Präsentationen belegen die Reichweite der grafischen Spur im Kontext anderer Medien. Erweckt William Kentridge die Zeichnung im Animationsfilmzyklus „Ten Drawings for Projection“ in zehn poetischen wie gesellschaftskritischen Kurzfilmen zum Leben, erobert Constantin Luser mit seinen auf die Wände des Oberlichtsaales gezeichneten Bild- und Ideengeflechten die vorhandene Architektur.

Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models

Mit der Ausstellung Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models präsentiert die Hamburger Kunsthalle eine
ungewöhnliche Doppelschau zu Anmut, Erotik und der Verehrung von Musen und Models, indem sie
Gemälde von Anselm Feuerbach mit noch nie gezeigten Photographien von Karl Lagerfeld zusammenführt.
Auf ähnliche Weise suchen Feuerbach und Lagerfeld nach einer Aktualisierung der in der Antike
begründeten idealen, zeitlosen Schönheit. In der Ausstellung wird der Kult um Schönheit, der das Modell
zur Ikone stilisiert, thematisiert. Von Feuerbach sind über vierzig Arbeiten vornehmlich aus den Jahren
1860-70 in der Ausstellung zu sehen. Die Werke sind Leihgaben aus dem Feuerbachhaus Speyer,
sowie aus deutschen, schweizerischen und österreichischen Museen und Privatsammlungen. Karl Lagerfeld
schuf speziell für die Ausstellung eine Serie von rund sechzig Schwarz-Weiß-Photographien.
Die präsentierten Werke sind überwiegend großformatig und wurden in einem aufwändigen Verfahren
auf silber- und goldfarbenes Gewebe gedruckt.
Anselm Feuerbach (1829–80), einer der bedeutenden deutschen Maler der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts, lebte ab 1856 in Rom. Die Stadt war mit ihrer Prachtarchitektur und der umliegenden
heroischen Landschaft ein Sehnsuchtsort, der wie kein zweiter geeignet schien, die klassischen Ideale
der Antike künstlerisch wiederzubeleben. Feuerbach widmet sich antiken Sujets und füllt sie zugleich
mit Phantasie und persönlichem Empfinden. Am spannungsreichsten zeigt sich dies in der 1860 begonnenen
Serie von einzigartigen Bildnissen, welche die von Feuerbach als Modell und Muse verehrte
Anna Risi, genannt Nanna, darstellen. Der Künstler malte Nanna in unterschiedlichsten Rollen und feinfühlig
gestalteten Inszenierungen, die von einer nahezu kultischen Verehrung für sein Modell zeugen.
Nachdem Nanna Feuerbach 1865 verließ, folgte ihr das Modell Lucia Brunacci. Ähnlich wie Nanna
entsprach sie mit ihrem griechischem Profil und dem vollen dunklen Haar dem klassischen Schönheitsideal
der Zeit. Lucia inspirierte Feuerbach zu imposanten Darstellungen mythologischer Themen, die
den Höhepunkt seines Oeuvres bilden.

Der Bilderzyklus Moderne Mythologie (2013) von Karl Lagerfeld widmet sich der antiken Liebesgeschichte
von Daphnis und Chloe und zeigt Models wie Baptiste Giabiconi und Bianca Balti, die Lagerfeld
über mehrere Jahre bei der Arbeit begleiteten. Die Geschichte des Dichters Longus erzählt von
einem Jungen und einem Mädchen, die elternlos bei Hirten aufwachsen und im Laufe der Jahre eine
große Zuneigung füreinander entwickeln. Die Photographien sind vor der malerischen Naturkulisse
Südfrankreichs entstanden. Seit der Renaissance ist die Erzählung von Daphnis und Chloe vielfach
künstlerisch aufgegriffen worden. Lagerfelds Aufnahmen stehen in einer Reihe mit Werken von
François Boucher, Pierre Bonnard oder Aristide Maillol, welche die antike Textquelle als Sinnbild idyllischen
Lebens präsentieren. Das von Lagerfeld inszenierte Ideal männlicher und weiblicher Körper
kann dabei seine Modernität und Nähe zur Mode nicht leugnen. Die einstudierten Blicke und Posen,
die Schminke und die Frisuren der Models zitieren die schöne Figur aus der Antike in einer Weise, in
der die Szenen fern aller Natürlichkeit wirken und einen Grenzgang zwischen Kunst und Kitsch, Ironie
und Spiel, Ewigkeit und Flitter wagen.
Die Ausstellung Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models wirft Fragen nach dem Verhältnis von Kunst
und Mode auf, die Karl Lagerfeld schärfer zuspitzt als manch anderer Modephotograph oder Photokünstler.
Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Direktor der Hamburger Kunsthalle und zusammen mit Luisa
Pauline Fink Kurator der Ausstellung, fühlt sich an Charles Baudelaires Charakterisierung des Flaneurs
erinnert, der im Vorübergehen versucht, „von der Mode das loszulösen, was sie im Flüchtigen an Ewigem
enthalten mag“. Gaßner: „Lagerfelds kreative Haltung als Moderschöpfer und Photograph gleicht
jenem Flaneur, der die Stile und Bilderschöpfungen aus den letzten dreihundert Jahren frei nutzt, um seiner
Sicht der Moderne eine Form zu geben.“
Zur Ausstellung erscheinen mehrere Publikationen, die in den Museumsshops und unter www.freundeder-
kunsthalle.de erhältlich sind: Ein Katalog zu Anselm Feuerbach, der gemeinsam mit dem Museum
Wiesbaden veröffentlicht wurde und die Gemälde und Zeichnungen Feuerbachs aus kunstwissenschaftlicher
Perspektive vorstellt (29,80 €). Ein Textband zum Ausstellungspart von Karl Lagerfeld mit
Longus` mythologischer Erzählung von Daphnis und Chloe, der als bibliophiles Lesebuch mit Illustrationen
von Lagerfeld von dem Verleger Gerhard Steidl aufwendig produziert wurde (15,80 €). Ebenfalls
im Steidl Verlag erscheint ein großes Photobuch mit der in der Ausstellung gezeigten Bildserie (48 €).
Für die Besucher gibt es zusätzlich die Möglichkeit ein Booklet zu erwerben, das kurze Kommentare zu
den ausgestellten Werken Feuerbachs und Lagerfelds enthält (3,50 €).
Kuratoren: Prof. Dr. Hubertus Gaßner und Luisa Pauline Fink

1514 MACHT GEWALT FREIHEIT

Am 8. Juli 1514 wurde zwischen Herzog Ulrich von Württemberg und den Landständen Württembergs der Vertrag zu Tübingen geschlossen – ein Abkommen, das der bürgerlichen Oberschicht umfassende Freiheitsrechte und Mitbestimmung bei der Regierung gegenüber dem Herzog gewährte. Bis ins 19. Jahrhundert hinein prägte das Ringen um die Einhaltung der im Vertrag zu Tübingen festgelegten Rechte und Pflichten die Württemberger und legte somit wichtige Bausteine für ihr demokratisches Selbstverständnis. Anlässlich der 500-jährigen Wiederkehr der Vertragsunterzeichnung zeigen die Universitätsstadt Tübingen und die Kunsthalle Tübingen die bislang umfassendste Ausstellung zu diesem für ganz Württemberg bedeutenden Dokument.
Mit rund 280 hochkarätigen Exponaten aus den großen Museen, Archiven und Sammlungen des In- und Auslandes, unter anderem aus Berlin, München, Stuttgart, Wien, Graz und Innsbruck, beleuchtet die bislang umfassendste Ausstellung zum Vertrag zu Tübingen in der Kunsthalle Tübingen die Zeit um 1514 und erzählt von dessen Protagonisten und dessen Nachwirkungen bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Mythos Chanel

Coco Chanel (1883-1971) ist eine der bekanntesten Modeschöpferinnen des 20. Jahrhunderts. Bereits in den 1910er
Jahren gehört sie zu den Verfechtern von schlichter, bequemer Kleidung und ebnet damit einem Stil den Weg, der bis in
der Modewelt von großer Bedeutung ist. Mit ihrer Person sind so bedeutende Modeklassiker wie das kleine Schwarze, das
Chanel-Kostüm und die Chanel-Tasche verbunden. Seit den Anfängen 1913 baut Chanel ein internationales und bis heute
außerordentlich erfolgreiches Modeimperium auf. Erst 1983 tritt mit Karl Lagerfeld eine ähnlich strahlkräftige Person
ihre Nachfolge an. Coco – eigentlich Gabrielle – Chanel lanciert zu Beginn der 1920er Jahre ihr Parfum „Chanel N° 5“,
dessen großer Verkaufserfolg ihr zeitlebens finanzielle Unabhängigkeit sichert. Sie kombiniert selbstbewusst Mode- mit
Echtschmuck und lässt sich von namhaften Fotografen wie Man Ray oder Horst P. Horst porträtieren. „Mythos Chanel“
geht der Frage nach, warum Coco Chanel als Person und die durch sie begründete Marke bis heute so große
Aufmerksamkeit erfahren. Die Biografie der Modedesignerin und das Image, das sie von sich kreiert hat, werden dabei
ebenso beleuchtet wie die geniale Weise, mit der Karl Lagerfeld (*1933) seit 1983 dieses Erbe mit den Strömungen des
jeweiligen Zeitgeschmacks verbindet. Die Ausstellung zeigt insgesamt über 200 Exponate aus bedeutenden Sammlungen,
darunter Kostüme, Accessoires, Schmuck, Werbegrafik, historische Fotografien und über 75 Modemagazine aus der Zeit
von 1920 bis 1971. Neben 54 originalen, teils mehrteiligen Outfits aus dem Haus Chanel, darunter 38 aus der Zeit der
Modeschöpferin, und über 50 Schmuck-Kreationen sind erstmals über 35 Adaptionen der Chanel-Klassiker zu sehen, die
auf ihre ganz eigene Art und Weise den „Mythos Chanel“ spürbar werden lassen.
Die Ausstellung nähert sich dem „Mythos Chanel“ in drei Kapiteln. Der erste Teil dokumentiert mit 38 originalen
Kleidungstücken, Accessoires und über 50 Modeschmuck-Objekten aus der Zeit zwischen 1925 und 1971 das Schaffen der
Modedesignerin. Zu Chanels Schaffensperiode vor dem zweiten Weltkrieg zählen Abend- und Tagesmode und das
Parfüm „Chanel N° 5“, von dem ein Originalflakon zu sehen ist. Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1954 führt Chanel ihr
Haus bis zum ihrem Tod 1971 weiter. Aus dieser Zeit zeigt die Ausstellung unter anderem rund 10 Kleidungsstücke, die
Chanel für die Schauspielerin Marlene Dietrich entworfen hat, darunter Tageskleidung und Kleidung für repräsentative
Anlässe. Außerdem ist eine große Anzahl Modeschmuck zu sehen, ergänzt durch originale Fotografien.
Das zweite Kapitel beleuchtet die bis heute anhaltende große Bedeutung der Chanel-Klassiker. So stehen historischen
Originalen des Chanel-Kostüms rund 20 verschiedene Adaptionen gegenüber, darunter Modelle anderer Modehäuser,
unbekannter Ateliers und Konfektionären. Der Reigen der „Lookalikes“ und „entfernten Verwandten“ endet dabei nicht
mit der Lebenszeit von Chanel, sondern bezieht die aktuelle Mode mit ein. Auch wird ein Ausschnitt aus den unendlichen
Variationen des Kleidertypus des schwarzen Kleides von den 1920er Jahren bis heute gezeigt, etwa von Designern wie
Yves Saint Laurent, Max Heyman und Issey Miyake oder Nina Ricci. Sie sind dabei keineswegs als Kopien von Modellen
von Chanel zu verstehen. Das kurze schwarze Kleid passt zum modernen, dynamischen Lebensstil der 1920er Jahre.
Später darf es in keinem Kleiderschrank fehlen und ist in den fünfziger und sechziger Jahren der Inbegriff des Pariser
Chics.
Im dritten Abschnitt steht das Schaffen von Karl Lagerfeld für das Haus Chanel im Mittelpunkt. Er hat es verstanden, die
Marke zu modernisieren, ohne ihre typischen Merkmale zu verleugnen. Die Ausstellung zeigt insbesondere Stücke, die
Chanel-Klassiker zitieren, oder mit Details der berühmten Vorgängerin Referenz erweisen. Auch diese Auswahl wird
durch Modeschmuck ergänzt. Der Kreis schließt sich, da auch Lagerfelds aktuelle Winterkollektion 2013/14 mit der
legendären Anfangszeit Coco Chanels spielt. In der Ausstellung sind auch über 100 historische Modemagazine aus den
Jahren 1920 bis 1971 zu sehen, darunter eine Ausgabe der amerikanischen Vogue vom 1. Oktober 1926, in dem das
„Kleine Schwarze“ abgebildet ist. Sie sind das wichtigste Medium für die Verbreitung und Rezeption der Mode Chanels
und können von den Besuchern auf dem Tablet-Computer durchgeblättert werden.
Coco Chanel: Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Gabrielle Chanel gründet – nachdem sie sich 1908 als
Modistin selbstständig gemacht hatte – 1913 ihren ersten Couture-Salon in Paris. 1919 zieht sie um in die Rue Cambon
31, die Adresse, an der sich das Modehaus Chanel bis heute befindet. Mit dem Kriegsausbruch 1939 endet Coco Chanels
erste Schaffensphase. 15 Jahre bleibt ihr Couture-Haus geschlossen, bis sie 1954, im Alter von 70 Jahren, ihr Comeback
wagt. Die Ausstellung zeigt Kreationen Chanels aus beiden Schaffensphasen. Das „Kleine Schwarze“ wird zu ihrem
Markenzeichen. Weitere Modelle der Tages- und Abendkleidung zeigen, wie sehr die Modeschöpferin am Puls der Zeit
arbeitet, und belegen zugleich die hohe Qualität ihrer Entwürfe in Design und Ausführung. In den 1950er und 1960er
Jahren sind es vor allem ihre Kostüme, die Furore machen, allen voran das „Chanel-Kostüm“, das sie erstmals 1957 auf
dem Laufsteg präsentiert. Ihre berühmte gesteppte Handtasche, im Februar 1955 lanciert und schlicht „2.55“ genannt,
zählt längst zu den Klassikern und fehlt bis heute in keiner Kollektion des Luxuslabels. Ergänzt werden ihre Kollektionen
stets durch passenden Modeschmuck. Bis heute ist Coco Chanel eine schillernde und faszinierende Persönlichkeit, der
zahlreiche Filme und Bücher gewidmet sind. Ihre Verbindungen zu Entscheidern des Dritten Reiches werden heute
kontrovers diskutiert.
Das kleine Schwarze und Kostüme von Chanel – die Rezeption: Die Mode und der Stil Coco Chanels werden bereits zu
ihren Lebzeiten in großem Umfang rezipiert. Ein Vergleich mit konkurrierenden Couturiers zeigt, dass Coco Chanel eine
großzügigere Modellschutzpolitik betreibt: Mit Einverständnis der Modeschöpferin dürfen ihre Entwürfe bis zu einem
bestimmten Grad kopiert und nachgeahmt werden: Für sie ist es eine Bestätigung ihrer Bedeutsamkeit, wenn sich Frauen
weltweit in ihrem Stil kleiden – ein nicht zu unterschätzender Aspekt für den „Mythos Chanel“, der in dieser Ausstellung
erstmals untersucht wird. Im Oktober 1926 bezeichnet die amerikanische Vogue ein kurzes schwarzes Kleid von Chanel
als The Chanel „Ford“ – the frock that all the world will wear (der „Ford“ von Chanel – das Kleid, das die ganze Welt
tragen wird). Damit wird dieses Kleid von Chanel in seiner Universalität und Modernität mit einer der wichtigsten
Erfindungen der Zeit gleichgesetzt und ihm wird eine große Zukunft vorausgesagt. Das „Kleine Schwarze“ ist geboren.
Und obwohl Chanel nicht das allererste schlichte schwarze Tageskleid entworfen hat, bleibt es untrennbar mit ihrem
Namen verknüpft. Selbst das vielleicht berühmteste „Kleine Schwarze“, das Audrey Hepburn in dem Filmklassiker
„Frühstück bei Tiffany“ trägt, wird fälschlicherweise oft Chanel zugeschrieben. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des
Modeklassikers von den 1920er Jahren bis heute. Als Ikone ist auch das „Chanel-Kostüm“ mit kastigem, kragenlosem
Jäckchen und oft kontrastierendem Bortenbesatz in die Modegeschichte eingegangen. Der Begriff „Chanel-Kostüm“ ist
sogar als Schlagwort im Duden verzeichnet. Dass Coco Chanel eine Vielzahl verschiedener Kostüme gefertigt hat, die
andere Modehäuser oder auch Hausschneiderinnen adaptierten, veranschaulichen die gezeigten Exponate. Ob die
einzelnen Modelle in Lizenz gefertigt wurden oder ob es sich um Interpretationen beziehungsweise Kopien handelt, lässt
sich heute meist nicht mehr klären. Unabhängig davon ist jedoch sicher, dass alle Modelle ihren Beitrag zum „Mythos
Chanel“ leisteten.

Chanel nach Chanel: Nach Coco Chanels Tod im Jahr 1971 versuchen verschiedene Entwerfer ihr Erbe mit dem aktuellen
Zeitgeist zu verbinden. Es ist jedoch niemandem so überzeugend und erfolgreich gelungen wie Karl Lagerfeld, der 1983
Chanels kongenialer Nachfolger wird. Bis heute versteht er es, das Charakteristische ihres Stils stets aktuell zu halten. Im
Haus Chanel werden ausschließlich Damenkollektionen für Haute Couture und Prêt-à-Porter entworfen. Auch das
„Kleine Schwarze“ und das Chanel-Kostüm sind bis heute fest in den Kollektionen des Modehauses verankert, werden
stetig erneuert und zitiert. Darüber hinaus „spielt“ Lagerfeld mit Versatzstücken wie beispielsweise Coco Chanels Profil,
der Kamelie als ihrer Lieblingsblume oder ihrer Glückszahl „5“. Nicht zuletzt sind aber auch seine zahlreichen Chanel-
Illustrationen sowie die 2012 gezeigte Ausstellung „The Little Black Jacket“, die eine Hommage an die große
Modeschöpferin darstellen und zugleich Stoff bergen für den „Mythos Lagerfeld“.
Die Ausstellung wird von einem breit angelegten Vermittlungsprogramm mit Workshops, einer exklusiven Tour durch
Hamburger Modeateliers, einer interaktiven Mitmachstation, einem Ferienprogramm und einem Mode-Blog begleitet.
Parallel zeigt das MKG die Ausstellung „Neue Frauen. Die Sammlung Fotografie im Kontext“ mit einer Auswahl historischer
Fotografien aus der 1920er Jahren über den neuen Typus der selbstbewussten, arbeitenden und sportlichen Frau.