[Ausstellungsprojekt] Automatic

06.11.2014 - 28.11.2014
Kunstraum München e.V.
Holzstraße 10, Rgb. , 80469 München

Gesine Grundmann Michael Klöfkorn Björn Kuhligk Rolf Poellet

Ausgangspunkt für die Ausstellung ist das Interesse an der Gegenüberstellung von Bildender
Kunst und Text. Dabei geht es um mehr als die rein visuellen Qualitäten von Schrift im Bild
oder der Entstehung von Bildern im Kopf durch Texte. Ausgewählt wurden vielmehr
künstlerische Positionen, die mit textuellen Strukturen arbeiten. Der Versuch, mit Serialität im
weitesten Sinn komplexe Ausdrucksformen zu entwickeln, verbindet die Arbeiten von
Michael Klöfkorn, Björn Kuhligk und Rolf Poellet. Als „statische“ Differenz sind die Arbeiten
von Gesine Grundmann zu sehen. Den Serien steht hier das Einzelne in seiner reinen
Materialität, im Grunde als möglicher Kristallisationspunkt, gegenüber.
Das entstehende Gefüge der Positionen schafft einen Raum, in dem die Begriffe Text und
Bild in gegenseitigen Referenznahmen erzeugt werden. Die Grenzen zwischen den Begriffen
werden zu Gunsten einer übergeordneten Struktur verschoben, die näher an tragfähige
Selbstbefragungsstrategien heranreicht.
Kunst verharrt hier nicht nur einem Aggregatzustand, sondern entfaltet sich über Gattungsund
Genregrenzen hinweg. Der Zusammenhang, in dem die verschiedenen
Ausdrucksformen stehen, ist als osmotisch zu verstehen, seine Durchlässigkeit führt zu
gegenseitigen Inspirationsrückkopplungen. Es sollen neue Räume eröffnet werden, auch
und gerade auf die grundsätzlichen Fragen hin: Warum Text und Kunst? Schrift und Bild?
Und was hat das mit Malerei oder Objekten zu tun?“
Rolf Poellets Malerei beschäftigt sich mit einer Reduktion des Gegenständlichen; die
Pinselstriche erlauben eine Auflösung der Form, die den Bildgegenstand zu einem
abstrakten macht, um doch die Form der Figur und des Bildaufbaues nicht zu verleugnen.
Der Betrachter wird mit in den Reduktionsprozess und in die Dechiffrierung hineingezogen.
Ein weiteres wichtiges Moment der Malerei von Rolf Poellet ist die ornamentale Auffassung
von Fläche und Kontur, die eine Autonomie gegenüber dem Bildgegenstand erreicht, so
dass dieser keine außerbildliche Realität bezeichnet, sondern selbst Ausdruck des Bildes ist.
Grundlage der bildhauerischen Arbeiten von Gesine Grundmann bilden Materialien, zum
Beispiel Stoff, Metall, Holz oder auch Kunststoff, die sie in ihrer unmittelbaren Umgebung
vorfindet. Ganze Objekte oder auch nur Fragmente unterzieht sie einer differenzierten
Betrachtung. Ihre minimalistischen Arbeiten oszillieren zwischen industrieller
Massenfertigung und Handarbeit, Hoch- und Minderwertigkeit, Design- und Alltagsobjekt und
lassen den Betrachter im unsicheren Raum zwischen Schein und Sein.
Der Filmemacher Michael Klöfkorn zeigt auch Objekte und Arbeiten auf Papier, die unser
Auge auf die Probe stellen, indem das Ausgangsmaterial einer gezielten Dekonstruktion
unterzogen wird. Klöfkorn zerschneidet beispielsweise Bildteile in dünne Streifen und webt
diese neu zusammen. Für den Animationstreifen „Liquid Paper“ schnitt er mit dem Cutter
Figuren in mehrere Bildbände, die abgespielt einen neuen Bilderrausch ergeben. Der
Filmrhythmus ist ein Stakkato, das den Betrachter in die Buchseiten hineindrängt in einen
Reigen aus Textpassagen, Buchstaben und Bildern.
Die bildenden Künstler reagieren explizit auf den Raum. In der Ausstellung selbst wird ein
speziell dafür verfasster Text von Björn Kuhligk, eingelesen vom Autor selbst, dauerhaft
präsent sein.
Kuratiert von Dr. Patricia Drück
Buchseite Richardson Wters
Buchseite Richardson Wters