APOKALYPSEN – DAHEIM UND AN DER FRONT

17.10.2014 - 11.01.2015
Käthe Kollwitz Museum Köln
Neumarkt 18-24, , 50667 Köln
http://www.kollwitz.de/

Käthe Kollwitz, die deutschen Expressionisten und der Erste Weltkrieg

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal und damit verbunden der
Todestag des jüngeren Sohnes von Käthe Kollwitz. Am 22. Oktober 1914 fiel Peter
Kollwitz als Soldat 18jährig in Flandern. Aus diesem Anlass zeigt das Käthe Kollwitz
Museum Köln eine Sonderausstellung mit rund hundert Leihgaben, die die
Auseinandersetzung der deutschen Expressionisten – u. a. Otto Dix, Ludwig Meidner,
Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, George Grosz – mit dem Ersten Weltkrieg
beleuchtet. Den künstlerisch verarbeiteten Fronterfahrungen ihrer männlichen Kollegen
steht die Position von Käthe Kollwitz als Daheimgebliebene und Soldatenmutter
gegenüber.
Keine Künstlergeneration des 20. Jahrhundert wurde so beeinflusst durch eine vergleichbar
biographische als auch künstlerische Zäsur in ihrem Leben und Wirken, wie die deutschen
Expressionisten durch den Ersten Weltkrieg. Die „Urkatastrophe“ des beginnenden
Jahrhunderts stürzte die jungen Männer in durch die traumatischen Kriegserlebnisse bedingte
existentielle Erfahrungen, die sie künstlerisch zu verarbeiten suchten. Der Anblick des
unermesslichen Grauens auf den Schlachtfeldern, in den Lazaretten und Schützengräbern,
aber auch das durch den Verlust von Freunden und Familie erlittene seelische Leid wurden zum
Auslöser eines unerschöpflichen Schaffensdrangs, der sich durch expressive Gestaltungsmittel
artikulierte und entlud. Dabei war die subjektive Wahrnehmung Ausgangspunkt für das
jeweilige OEuvre, dessen primäre Funktion in der Übermittlung eines psychischen Ausdrucks
bestand und nicht in der Nachahmung der Wirklichkeit.
Die Expressionisten entwickelten durch ihre elementare Formensprache einen
künstlerischen Stil, der es ermöglichte, die Kriegserfahrung auf vielfältige Art und
Weise zu beschreiben. Insbesondere innerhalb der graphischen Medien gelangten
sie zu einzigartigen Schöpfungen, wobei druckgraphische Folgen ein bevorzugtes
Medium darstellten. So beeinflusst Max Pechsteins Teilnahme an der Schlacht an
der Somme im Jahr 1916, die mit über einer Million toter Soldaten die
verlustreichste Schlacht des Ersten Weltkrieges repräsentiert, sein künstlerisches
Schaffen nachhaltig und erreicht seinen Höhepunkt in der vier Jahre später
geschaffenen Radiermappe „Somme 1916“, in der Pechstein schonungslos die
Auswirkungen des technisch-mechanisierten Krieges, aber auch die Brutalität des
Nahkampfes in expressiven Bildkompositionen einfängt.

Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet eine
Auswahl aus Otto Dix´ 1924 entstandenem
Schlachtenepos „Der Krieg“, das an Drastik und
Radikalität in der Kunst der Moderne einen
einzigartigen Stellenwert einnimmt. In kühnen
Bildschöpfungen bannt er den Horror des
Gaskrieges und der Grabenkämpfe, die bis zur
Unkenntlichkeit verstümmelten Invaliden sowie die
Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung.
Die Ausstellung vereint allein über 80 Zeichnungen,
Holzschnitte, Aquarelle, Lithographien und
Radierungen aus den expressionistischen
Sammlungsbeständen führender deutscher Museen
und Privatsammler, die in Interaktion mit dem
Eigenbestand des Hauses treten.

Die Schau wurde zum Anlass des 100jährigen Gedenkens an den Tod von Peter Kollwitz, dem
Sohn Käthes, der am 22. Oktober 1914 in Flandern fiel, konzipiert. Dessen künstlerische
Verarbeitung in dem langjährigen Schaffensprozess des Mahnmals, der Trauernden Eltern, wird
in der Ausstellung eindrucksvoll veranschaulicht. Persönliche Dokumente wie Briefe oder
Tagebücher von Käthe Kollwitz gewähren dem Besucher darüber hinaus einen Einblick in ihre
Trauer sowie ihre Reflexion über Vaterlandsbegriff und Opfertod. Sie treten in einen stillen
Dialog mit der 1922-1923 entstandenen Holzschnittfolge „Krieg“, die bis heute als künstlerisch
singulärer Appell für den Frieden gilt.

Über dieses Werk schreibt Kollwitz 1922 in einem Brief
an Romain Rolland:
„Ich habe immer wieder versucht, den Krieg zu
gestalten. Ich konnte es nie fassen. Jetzt endlich
habe ich eine Folge von Holzschnitten fertig
gebracht, die einigermaßen das sagen, was ich
sagen wollte. […] Diese Blätter sollen in alle Welt
wandern und sollen allen Menschen
zusammenfassend sagen: so war es – das haben
wir alle getragen durch diese unaussprechlich
schweren Jahre.“

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