Anohni. My Truth

23.07.2016 - 16.10.2016
Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Straße 5, Bielefeld
http://www.kunsthalle-bielefeld.de

«Anohni» ist der neue, weibliche Name von Antony Hegarty,
der als Musiker, unter anderem mit seiner Band «Antony &
the Johnsons» bekannt wurde. Nach dem spektakulären
Erfolg ihres neuen Albums «Hopelessness», das am 6. Mai
2016 erscheinen ist, stellt Anohni in der Kunsthalle Bielefeld
eine ganz neue Seite ihres künstlerischen Schaffens vor. Seit
etwa zehn Jahren hat Anohni ein bildnerisches Werk
geschaffen, das zum Teil schon auf ihren Albumcovern
Verwendung gefunden hat. Wie ihre Musik ist auch ihr
bildnerisches Werk charakterisiert durch eine Verbindung
von Melancholie, Gewalt und Poesie mit der sie ihre zutiefst
humanitäre Mission vorbringt: ein Bewusstsein zu schaffen
für die Zerstörung unserer Umwelt, namentlich den
Klimawandel und der Verantwortung jedes Einzelnen für
diese Welt.
I am presenting «My Truth» at Kunsthalle Bielefeld in July
2016. It is a survey of the work I have accumulated over the
last 10 years. I have been exploring my sense of this world as
«Paradise», and my sense of vanishing, or «Exodus». I am
circling a notion of our virulence as a species in our
relationship to biosphere and biodiversity. As an effeminate, I
see a parallel between the intention of HIV and our intentions
as a species, and I wonder how conscious a virus is of its
tragic trajectory, and if it could be possible for a virus to
change it’s trajectory. I feel innocent and yet complicit in
committing acts of violence. In a world in which all moments
in time exist simultaneously, I experience my truth as a
cacophony of terrible, gentle beauty. In this exhibition, I am
also sharing the work of Peter Hujar, Kazuo Ohno and James
Elaine: three artists whose work formed me.
Anohni, Berlin Dezember 2015
Im ersten Obergeschoss der Kunsthalle führt Anohni die
künstlerischen Positionen von James Elaine, Peter Hujar und
Kazuo Ohno zusammen. Die Zeichnungen und Skulpturen
des amerikanischen Künstlers James Elaine, geboren 1950,
werden erstmals in Europa gezeigt. James Elaine lebte in den
1980er- und 1990er-Jahren in New York, wo Anohni auf
seine Arbeiten aufmerksam wurde. Er arbeitet mit
vorgefundenen Objekten und schafft Werke von großer
Melancholie. Peter Hujar (1934 – 1987) gilt als der Fotograf
der «Aids-Generation» im New York der späten 1970er- und
1980er-Jahre. Seine Porträts von Künstlern, Musikern,
Intellektuellen und der Schwulen-Szene in Manhattan dieser
Zeit sind empathisch und konzentriert. Die Motive anderer
Fotoserien Hujars können als Metaphern dieser komplexen
Zeit gelesen werden. Schließlich verweist Anohni auf den
japanischen Butho-Tänzer Kazuo Ohno (1906 – 2010), dessen
Kunst japanische Tanztradition mit europäischem
Ausdruckstanz verbindet und maßgeblich die Auftritte von
Anohni geprägt hat.
Im zweiten Obergeschoss sind die Werke von Anohni selbst
zu sehen. Die Ausstellung besteht aus Malerei, Collagen und
Installationen, die einen starken thematischen Fokus auf die
vom Menschen verschuldeten Veränderungen unserer
Umwelt haben. Eine der zentralen Figuren der Ausstellung ist
der Eisbär. Bereits auf dem Cover von Anohnis viertem
Studioalbum «Swanlights» aus dem Jahr 2010 ist die
gleichnamige Collage zu sehen, im Zentrum das Bild eines
getöteten Eisbären, der den Namen «Swanlights» trug.
Eisbären sind aufgrund der globalen Erwärmung vom
Aussterben bedroht.
Eine eigene Werkgruppe bildet Anohnis Malerei in Enkaustik,
eine Technik, bei der erhitztes Wachs als Bindemittel für
Pigmente verwendet wird. Anohni schließt auch gefundenes
Material in das Wachs ein, so dass die Oberfläche der Bilder
geschichtet und zusammengeklebt ist. Manchmal verbrennt
und zerstört sie diese Oberflächen auch wieder.
Drei Hauptthemen der Ausstellung sind «Paradise», «Exodus»
und «Angel of Death». Anohnis «Angel of Death» weist in
eine unsichere Zukunft: Globale Erwärmung, Krieg,
Terrorismus und die Ausrottung ganzer Tierarten durch die
menschliche Zerstörung der Biosphäre. In der
Videoinstallation «Angel of Death» verkörpert Johanna
Constantine, eine Performance- und Body-Paint-Künstlerin,
mit der Anohni seit Jahren zusammenarbeitet, den «Angel of
Death». Sie bewegt sich zu dem gleichnamigen Song in
einem künstlichen Umfeld. Der Stil ihrer Performance ist zart
und schön. Sie erscheint als halb Tier, halb Mensch und
trauert über den «Exodus» der Tierarten, der den «Exodus»
aller Lebewesen vorwegnimmt.
Die AIDS-Krise der 1980er- und 1990er-Jahre machte einen
starken Eindruck auf Anohni, als sie in den frühen 1990er-
Jahren nach New York zog. Peter Hujars ikonisches Bild der
sterbenden transgender Schauspielerin und Andy Warhol
Muse Candy Darling, «Candy Darling on her Deathbed», ziert
das Cover des Albums «I Am a Bird Now“ von Anthony & the
Johnsons, veröffentlicht im Jahr 2005. Künstler und
Aktivisten wie Candy Darling, die Schwulenbewegungs-
Aktivistin und Drag Queen Marsha P. Johnson, Schauspieler,
Sänger und Drag Queen Devine (fka Harris Glenn Milstead);
Hibiscus (fka George Edgerly Harris III.) mit seiner
psychedelischen Theatergruppe «The Cockettes» und
Anohnis eigene Gruppe des «Future Feminism» sind nur
einige der Charaktere und Einflüsse, die in eine Serie von
Totems eingeflossen sind, die in der Ausstellung zu sehen
sein werden. Die Totems sind Collagen aus verschiedenen
Papieren, Magazinartikeln, Postern, Restaurantquittungen,
Flyern, Fotos und Bildern. Die Gruppe der Totems formt
geistige Verwandtschaften und erzählt Geschichten. Sie
formt einen neuen Kontext, in dem Menschen, Tiere,
Pflanzen und Ereignisse sich zu einem utopischen
Stammbaum versammeln. Die Ausstellung, die Anohni für
die Kunsthalle Bielefeld unter dem Titel «My Truth»
konzipiert hat, funktioniert in ähnlicher Weise. Sie führt die
Werke von Peter Hujar, James Elaine und Kazuo Ohno
zusammen, die alle einen starken Einfluss auf Anohni hatten
und, wie sie sagt, sie «geformt» haben.
Die Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung des
Bundes, der Stiftung der Sparkasse Bielefeld, der
Kulturstiftung pro Bielefeld und der Stiftung der Stadtwerke
Bielefeld GmbH.
Kuratoren: Dr. Friedrich Meschede, Anohni
Kuratorische Assistenz: Meta Marina Beeck