Andreas Gursky

03.10.2015 - 24.01.2016
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8 b, D-76530 Baden-Baden
http://www.museum-frieder-burda.de

Sachlich und präzise fängt er die Brennpunkte der modernen Lebenswelten und der globalen Wirklichkeit ein: der in Düsseldorf lebende und arbeitende Fotograf Andreas Gursky. Seine Gesamtkompositionen sind technische und bildnerische Meisterwerke – und längst ins kollektive Bildgedächtnis der Kunstwelt eingeschrieben. Die digitale Bildbearbeitung und das extreme Großformat sind seine charakteristischen Mittel.

 

Die Werke des 1955 in Leipzig geborenen Künstlers sind dabei immer auch bildhaft gewordene Zeugnisse seiner über Jahrzehnte fortgesetzten weltweiten Reisen: Hinter seinen Fotografien verbirgt sich eine imaginäre Landkarte, die die Reiserouten des Künstlers nachzeichnet. Kaum ein Künstler unserer Zeit hat auf eine derart konsequente Weise seine Reisetätigkeit so anschaulich in seinem Werk manifestiert. Dabei hatte Andreas Gursky von Anfang an die genaue Schilderung der Welt, ihrer Konstruktion und Verfassung, im Auge. „Wirklichkeit ist überhaupt nur darzustellen, indem man sie konstruiert“, wie der Künstler selbst einmal notierte. Seine Bilder verstehen sich als Reflexionen über die äußere und die innere Erscheinung der Welt. Ihre augenscheinliche Schönheit und Perfektion verbergen zunächst den reichen Assoziationsraum, der ihnen immanent ist. Gurskys Bilder verführen durch das Gezeigte, ihnen ist aber gleichzeitig die beharrliche Aufforderung mitgegeben, über den Grund und die Ursache ihrer Existenz nachzudenken.

 

Von antiken Stätten über aktuelle Schauplätze gesellschaftlicher und politischen Brennpunkte bis hin zu fiktiv arrangierten Phantasiewelten: Stets erweisen sich Gurskys Bilder als subtile Betrachtungen über den Zustand der globalisierten Welt. Ob international agierende Börsen, das Weltkulturerbe Cheops-Pyramide in Kairo oder Korbflechterinnen im vietnamesischen Nha Trang, ob Flagship-Stores von Prada oder Distributionszentren global operierender Unternehmen, ob Müllhalden in Mexiko oder Massenspektakel im nordkoreanischen Pjöngjang: Das subversive Aufzeigen von Machtstrukturen und globalen Weltordnungen gehören zum reichen Repertoire von Gurskys künstlerischem Werk.

 

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda präsentiert den faszinierenden Bildkosmos von Andreas Gursky in einer Art retrospektiven Überblicksausstellung. Sie spannt den Bogen von den älteren ikonischen Werken des Künstlers bis hin zu seinen jüngsten, bisher noch nicht gezeigten, Bilderfindungen. Dem Besucher eröffnet sich so ein bilderreiches Panorama, das einerseits unsere komplexe Wirklichkeit thematisiert und anderseits eine große Lust am Sehen und Entdecken von Bildern formuliert.

 

Parallel zeigt eine Studioausstellung frühe Papierarbeiten von Sigmar Polke aus der Sammlung Frieder Burda.