Alles Digital oder was???

Zum 21sten Mal seit 1979 fand im oberösterreichischen Linz das Ars Electronica Festival statt. Die schiere Zahl von 2800 Bewerbern aus 80 Ländern zeigt welchen Rang dieses Festival inzwischen erreicht hat. Linz mausert sich zu einem Multimedia-Center von internationalem Rang und sieht sich längst auf Augenhöhe mit der documenta.

Seit 1996 das Ars Electronica Center in einem architektonisch gelungenen Gebäude in prominenter Lage am Donauufer gelegen in Betrieb ging, zieht es durch The Museum of the Future jährlich nicht nur zur Festivalzeit zigtausende Besucher an. Der Landeshauptmann und der Oberbürgermeister strahlen bei der Verleihung des Prix Ars Electronica, einer goldenen, geflügelten Nike um die Wette mit den Sponsoren der Preisgelder: Auch die Voest-Alpine freut sich, dass ein „großes Kulturangebot vor Ort auch die Anwerbung qualifizierter Manager erleichtert.“

Linz ist seit den Tagen der Hermann-Göring-Werke und den Plänen eines vergangenen deutschen Reichskanzlers, der der geliebten Stadt ein schönes Museum erbeuteter Kunst im Stile Albert Speers zukommen lassen wollte, etwas ganz anderes geworden: eine weltoffene und zukunftsgewandte Stadt mitten im geeinten Europa. Diesen Imagewechsel soll die Ernennung Linz zur europäischen Kulturhauptstadt 2008 endlich abschließen.

Da das Festival seit 1986 jährlich stattfindet gibt es in Linz nicht nur wegen steigender Bewerbungszahlen und Preisträgern ganzjährigen Betrieb. Das Ars Electronica Center positioniert sich zudem neben dem permanenten Ausstellungsbetrieb und dem Festival verstärkt als Initiator von künstlerischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen. Natürlich gibt’s auch Computerkurse und andere Angebote und das nicht nur international, sondern auch fürs eher oberösterreichische Publikum.

Die Jury, die aus der Unmenge von Bewerbern auszuwählen hatte, war ebenfalls international zusammengestellt und auch die mit der Festival-Trophäe Nike in den sechs Feldern Net Vision, Net Excellence, Computeranimation-Visual Effects, Interaktive Kunst, Digital Musics, Cybergeneration – U19 freestyle computing oder mit einem Award of Distinction ausgezeichneten Teilnehmer auf den zweiten und dritten Plätzen kommen aus aller Welt.

Die Webpräsenz des Centers ist vorbildlich in Gestaltung wie Inhalt, die Archivkomponente besonders ergiebig. Die Seite zum Festival 2002 erleichtert es dem Besucher jedoch nicht gerade an die Arbeiten der Gewinner außerhalb der Felder Net Vision und Net Excellence zu gelangen. Da muss man mit Suchmaschine oder Phantasie selber ran, sollte aber nicht erwarten, dass etwa der Gewinner der Nike im Feld Computeranimation-Visual Effects, die Pixar.Inc Ausschnitte des Disneyfilms „Monster Inc.“ ins Netz stellt.

Auch die gute Site, die das Landesstudio des ORF zum Festival eingerichtet hat, lässt einen hier allein. Von den tollen Sachen, die man während der Übertragung der Preisverleihung am 9. September in 3sat sehen konnte – etwa BUF/Columbia Pic´s „Dark Room“ oder den megakomischen animierten 3D-Kurzfilm „Arena“ des jungen Oberösterreichers Philipp Luftensteiners, ist allerdings im Web nichts zu finden. Aber der ORF hat vorgesorgt: das Meiste ist unter der Marke CyberArts2002 beim ORF auf Video, DVD oder CD zwischen €12 und € 50 zu haben und online bestellbar.

Link: http://www.aec.at/festival2002/