Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500 nach Nürnberg

Stellungnahme der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zur Diskussion um die Ausleihe von Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500 nach Nürnberg

 

Jedes bedeutende Museum verfügt über einen Bestand kostbarster Kunstwerke, die untrennbar mit dem jeweiligen Haus verbunden werden und nicht für eine Ausleihe zur Verfügung stehen. So zählt Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500 zu den herausragenden Gemälden unserer Sammlung und prägt international das Profil der Alten Pinakothek. Darüber hinaus befindet sich das auf Holz gemalte „Selbstbildnis“ in einem konservatorisch höchst fragilen Zustand. 1971 wurde es gegen den entschieden vorgetragenen Rat der Restauratoren zur damaligen Dürer-Ausstellung nach Nürnberg ausgeliehen und kam mit einer geöffneten Fuge sowie dadurch entstandenen Farbverlusten wieder nach München zurück.

 

Die Bayerischen Staatgemäldesammlungen haben das Nürnberger Forschungsprojekt „Der junge Dürer“ seit den Vorgesprächen 2006 auch mit den Forschungsergebnissen aus dem eigenen Dürer-Projekt und den Erkenntnissen der Dürer-Ausstellung von 1998 unterstützt. In der bisherigen Diskussion blieb völlig unbeachtet, dass die Bayerischen Gemäldesammlungen für die Nürnberger Ausstellung

–          Dürers großartiges Bildnis des Oswolt Krel von 1499

–          sowie die große Holztafel mit der Darstellung des „Apostelabschieds“ eines Nürnberger oder Bamberger Malers in der Zeit um 1490 zur Verfügung stellen.

 

Darüber hinaus möchten wir darauf hinweisen, dass sich 223 Dauerleihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befinden, darunter 50 Gemälde der Wittelsbacher Landesstiftung und 119 Werke des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Dazu zählen auch die drei bedeutenden Werke Albrecht Dürers

–          Beweinung Christi (Holzschuhersche Beweinung), um 1500 bzw. 1506/07

–          Bildnis Michael Wolgemut, 1516

–          Herkules im Kampf mit den Harpyen, 1500

 

Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ 1500, ist Eigentum der Wittelsbacher Landesstiftung und die Entscheidung über eine Ausleihe liegt in der Verantwortung eines dreiköpfigen Vorstands.

 

Die gegenwärtige politische Diskussion über Dürers „Selbstbildnis“ stellt in beispielloser Weise die Kompetenz und die Autorität der in der Kultur verantwortlich Tätigen in Frage. Denn Dürers „Selbstbildnis“ zählt nicht nur zu den kostbarsten Werken in der Alten Pinakothek, sondern gilt auch international unbestritten als eines der bedeutendsten Meisterwerke der Deutschen Renaissancemalerei. Unabhängig von allen Begehrlichkeiten, kann niemand dem Museum und dem Vorstand der Wittelsbacher Landesstiftung die Verantwortung dafür abnehmen, dass die wichtigsten Zeugnisse unserer Kulturgeschichte in ungeschmälertem Zustand an die nächste Generation weitergegeben werden.

 

 

Prof. Dr. Klaus Schrenk

Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen

Link: http:// www.pinakothek.de