40 Jahre Sammlung – 10 Jahre Museum Frieder Burda

12.07.2014 - 26.10.2014
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8 b, 76530 Baden-Baden
http://www.museum-frieder-burda.de

Burda

„Die Malerei dieser Zeit ist nicht ins Konzept abgewandert“

Von Picasso über Richter, Polke und Baselitz bis zu Neo Rauch: Zum 10 jährigen Jubiläum präsentiert das Museum Frieder Burda Highlights seiner hochkarätigen Sammlung.
Aus Faszination an der Farbe und ihren emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten begann Frieder Burda vor rund 40 Jahren mit dem Sammeln von Kunst. Mittlerweile umfasst seine Sammlung rund 1.000 Werke der Klassischen Moderne sowie der zeitgenössischen Kunst. Anlässlich seines 10jährigen Bestehens präsentiert das Museum Frieder Burda in der großen Jubiläumsausstellung Highlights der Sammlung. Wie bei der Eröffnungsausstellung im Jahr 2004 werden die ausgewählten Arbeiten wieder sowohl in den eigenen Räumen als auch in der benachbarten Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden gezeigt, was die besondere Partnerschaft zwischen öffentlichem Kulturauftrag und privatem Kunstengagement unterstreicht. Die Ausstellung wird von Götz Adriani und Helmut Friedel kuratiert.
Gemeinsame Schlüsselfigur ist in beiden Präsentationen die Malerei Gerhard Richters. Welche Rolle spielt er in der Sammlung Frieder Burda?
Götz Adriani: Die Sammlung Frieder Burda bietet sich geradezu an, in der Ausstellung Schwerpunkte zu setzen und spannende Konfrontationen zu inszenieren. Einer dieser Schwerpunkte wird im großen Saal des Hauses  in der Tat die abstrakte Malerei Gerhard Richters sein. Wie ein roter Faden wird sich dann das Werk Richters mit weiteren Bildern in immer neuen Kontexten durch die gesamte Ausstellung ziehen.
Helmut Friedel: Die Sammlung Frieder Burda ist für mich gerade deshalb so spannend, weil sie erlaubt, neben vielem anderen, vor allem auch der starken Bedeutung des Bildes in der deutschen Malerei der letzten 50 Jahre nachzugehen. Sie zeigt ein Spektrum, das von den großen Figurationen Bas elitz` und Polkes über Lüpertz und Kiefer weiterreicht bis hin zu der zentralen Position Gerhard Richters und seinen außergewöhnlichen Abstraktionen. Die Amerikaner wie Copley, aber auch Positionen wie die Picassos bieten zu diesem großen Gefüge Kontrapunkte, sie machen das Beziehungsgeflecht spannend. Nicht zu vergessen ZERO, das wiederum mit Kiefer das Materielle im Bild zulässt, wenn nicht feiert.
Also wird es längst nicht nur Richter und die großen deutschen Malerfiguren geben?
Götz Adriani: In den oberen Räumen konfrontiere ich bewusst und ausgehend vom Deutschen Expressionismus von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner oder August Macke den Abstrakten Amerikanischen Expressionismus der 50er Jahre, das heißt zentrale Werke von Jackson Pollock, Mark Rothko, Willem de Kooning oder Clyfford Still, mit den unmittelbar danach auftretende n gegenständlichen Tendenzen der Pop Art eines Robert Rauschenberg mit Malcolm Morley und Alex Katz.
Wie reagiert Ihre Auswahl auf die spezifische Architektur der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, Herr Friedel?
Helmut Friedel: Insgesamt geht es bei meinem Konzept auch darum, die Bedingungen der Architektur für die Präsentation von Malerei zu erkunden und zu hinterfragen. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden mit ihrem Oberlicht ist ein wunderbarer Ort der Kunstpräsentation, vor allem aber von Malerei, auch im spannenden Gegensatz zu dem strengen, lichten Richard Meier-Bau mit seinen besonderen Qualitäten. Wie behaupten sich die Maler und ihre Malerei unter den verschiedenen Bedingungen? Die beiden Gebäude in ihrer zweifellos bestehenden, wenn auch unterschiedlichen Qualität werden dabei aber nicht gegeneinander ausgespielt, sondern belebend kontrastiert.
In wie weit erfahren Sie die Sammlung auch als einen Spiegel ihrer Zeit?

Götz Adriani: Da die Sammlung einen Zeitraum von rund 100 Jahren umfasst, spiegeln sich in ihr auch die unterschiedlichen Zeiten mit all ihren Veränderungen und Auseinandersetzungen, ihren Vereinnahmungen und geschichtsträchtigen Brüchen. Die wunderbare, unter bestimmten historischen Voraussetzungen entstandene Abfolge von Kunstwerken zeigt ein Länder und Kontinente übergreifendes Konglomerat aus Vergangenem und Gegenwärtigem, das auch Aspekte des Zukünftigen offenhält.
Helmut Friedel: In der Sammlung ist vor allem der Geist der frühen BRD vertreten, mit ihren Altlasten, aber vor allem mit ihrem Optimismus.  Die Adenauer-Ära, die Bonner Republik steht für den wirtschaftlichen Aufstieg, aber auch für die ersten Lektionen, die man dafür in Empf ang nehmen musste, wie zum Beispiel die beginnenden Studentenunruhen. Trotzdem ist die Malerei dieser Zeit nicht ins Konzept abgewandert, sondern ist genau da verblieben, wo Konflikte ausgehandelt wurden und auch werden mussten. Sie hat die alte Idee des Bildes hochgehalten und die auftretenden Spannungen ausgehalten – und genutzt, um das Konzept des gemalten Bildes, das Medium der Malerei noch einmal mehr auszureizen.