RONI HORN. PI

Die 45-teilige Fotoarbeit „PI“ ist inspiriert von der engen Verbindung der Künstlerin zu Island, wo sie auch zeitweise lebt. In alltäglich anmutenden, sich in Variationen wiederholenden Motiven zeichnet sie ein eindrückliches Bild der geografischen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Verfasstheit, der sie begegnet. Landschafts- und Naturaufnahmen, Fotografien ausgestopfter Seevögel, Porträts von Anwohnern, aber auch Fernsehbilder aus einer beliebten amerikanischen TV-Soap, mal in Farbe, mal in Schwarzweiß, treten in ein wechselhaftes Spannungsverhältnis zueinander. Trotz des seriellen Charakters ist die Arbeit nicht narrativ aufgebaut, sondern macht in zahlreichen Facetten den spezifischen Charakter dieses genau beobachteten und gedanklich durchdrungenen Ortes anschaulich, mit dem sich Horn parallel auch in ihrem mehrteiligen, als work in progress konzipierten Buchprojekt „To Place“ auseinandersetzt. Die 45 über Augenhöhe gehängten Bilder umkreisen die Betrachtenden und erzeugen in ihrer rhythmischen Setzung eine skulptural anmutende Rauminstallation. „Island“ so Roni Horn selbst, „ ist ein Verb und seine Tätigkeit besteht im Zentrieren“.

Die in New York und auf Island lebende Amerikanerin Roni Horn (*1955) zählt zu den einflussreichten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihr konzeptuell ausgerichtetes Werk umfasst nicht nur Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, sondern auch fotografische Serien und Künstlerbücher. Ein zentrales Interesse Roni Horns gilt dem Porträt, sowohl eines Menschen wie eines Ortes, das sich mit grundlegenden Fragen nach Identität, deren Zuschreibung und Veränderlichkeit verbindet. In ihren Werken finden sich häufig Motive wie Wasser oder Wetterbeobachtungen, aber auch liquide Materialen wie Glas, und immer wieder umfängliche Serien, die nur einem Sujet gewidmet sind. Vor allem in den letzten Jahren wurde Horn mit mehreren umfassenden Ausstellungen geehrt, so in der Fondation Beyeler Basel, der Schirn Frankfurt, der Kunsthalle Hamburg, der Sammlung Goetz München oder der Tate Modern, London.

 

Hans Josephsohn

Große Retrospektive präsentiert existenzielle Plastiken
Hans Josephsohn (1920–2012) gehört zu den großen Bildhauern der europäischen Moderne nach 1945. Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht die menschliche Figur. Die Ausstellung Existenzielle Plastik wird vom 30. März bis zum 24. Juni 2018 im Museum Folkwang präsentiert. Diese erste große Werkschau in Deutschland versammelt mehr als 70 zum Teil großformatige Plastiken und Reliefs des Künstlers von den frühen Werken der 1950er Jahre bis zum fulminanten Spätwerk seit den 1990er Jahren. Zusätzlich veranschaulichen Gipsmodelle und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen seine Arbeitsweise.
Hans Josephsohn konzentrierte sich in seiner Arbeit auf einige Grundformen der menschlichen Figur: Kopf, Halbfigur, Stehende, Liegende. „Skulptur kann nicht viel.“, äußerte Josephsohn einmal. Dennoch strebte er ein Leben lang danach, die menschliche Existenz mit den Mitteln der Bildhauerei zu erfassen. Die Suche nach der richtigen Form bestimmte seine Arbeit. Gips war dabei sein bevorzugtes Material. Mit Gips, dem „weichen Stein“, konnte er seine Werke immer wieder neu bearbeiten und durch Hinzufügen und Wegnehmen von Material weiterentwickeln.
Josephsohns Werke bestehen aus nacheinander aufgetragenen Schichten; die Oberflächen wirken mitunter brüchig und zerklüftet, immer wieder gibt es Spuren des nachträglichen Glättens. Diese prozesshafte Arbeitsweise ist auch in den Messinggüssen erkennbar. Die raue Oberfläche ist notwendiger Bestandteil seiner Plastiken. Sie ist das Ergebnis eines langen, manchmal jahrelangen, Prozesses, bei dem Josephsohn die Werke immer wieder bearbeitet hat. Die Ausstellung vollzieht anhand der Präsentation von Gipsmodellen diese spezifische Arbeitsweise Josephsohns explizit nach. In einem Filmraum sind die Dokumentationen Stein des Anstosses (Jürg Hassler, 1977) und Josephsohn Bildhauer (Matthias Kälin/ Laurin Merz, 2007) zu sehen. Sie zeigen Josephsohn bei seiner täglichen Arbeit an Figuren und Reliefs.
Josephsohn arbeitete meist nach Modell und suchte für jedes Werk das richtige Maß zwischen Körperlichkeit und Abstraktion. Einige seiner frühen Arbeiten sind schmal wie Stelen, andere Plastiken geben akkurat die Gesichtszüge und Körperhaltung des Modells wieder. Josephsohns späte Halbfiguren sind dagegen überlebensgroße Werke aus Messing, deren Körperformen nur noch ansatzweise erkennbar sind.
Pressekontakt Anna Littmann, T +49 201 8845 160, anna.littmann@museum-folkwang.essen.de
Pressebilder Download unter www.museum-folkwang.de
Pressemitteilung
Auch bei seinen Reliefs, die das Dynamische menschlicher Beziehungen und Konflikte abbilden, verzichtete er auf eine detaillierte Darstellung. Wohl auch deshalb erscheint die Spannung zwischen den Figuren mit ihren rauen Oberflächen aus Messing im Wortsinn greifbar. 40 Reliefs und Reliefskizzen verdeutlichen in der Ausstellung Josephsohns intensive Beschäftigung mit dem menschlichen Miteinander.
Mehr als sechzig Jahre war Josephsohn als Bildhauer tätig. Bis ins hohe Alter blieb er produktiv und arbeitete regelmäßig in seinem Zürcher Atelier. Dort bewahrte er seine Werke, die Reliefskizzen und Zeichnungen auf, in denen er mit schnellem Strich die Grundformen seiner geplanten Werke festhielt. Fast 30 Zeichnungen dokumentieren in der Ausstellung Josephsohns Ideen. Mit einem Augen-zwinkern kommentierte der Künstler seinen Platz in der Kunstgeschichte: „Ich bin nicht ein Künstler des 20., sondern des 21. Jahrhunderts.“
Die Retrospektive würdigt eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit der figurativen Bildhauerei des
20. Jahrhunderts: Sein bildhauerisches Werk stellt auf eigentümliche und unverwechselbare Weise Fragen nach der existenziellen Verfassung des Menschen. Mit großer Beharrlichkeit erprobte der Schweizer Künstler seine bildhauerischen Mittel und deren Wirkmöglichkeiten. Die Ausstellung Existenzielle Plastik vom 30. März bis zum 24. Juni 2018 im Museum Folkwang ist die größte Josephsohn-Ausstellung in Deutschland und zeigt einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk dieses einzigartigen Künstlers.
In Kooperation mit dem Kesselhaus, St. Gallen,
Unterstützt durch die Sparkasse Essen und gefördert von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
Es erscheint ein Katalog in der Edition Folkwang/Steidl (Preis 25 €).

Bacon – Giacometti

Mit Alberto Giacometti und Francis Bacon präsentiert die Fondation Beyeler vom 29. April bis 2. September 2018 zwei herausragende Protagonisten der Moderne, Freunde und Rivalen gleichermassen, deren Vision die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute stark beeinflusst. Zum ersten Mal überhaupt widmet sich eine Museumsausstellung diesen beiden Künstlerpersönlichkeiten gemeinsam und beleuchtet ihre Beziehung zueinander. So unterschiedlich ihr Schaffen auf den ersten Blick scheint, werden durch diese überraschende Gegenüberstellung erstaunliche Gemeinsamkeiten offenbar. Die Ausstellung umfasst selten gezeigte Werke beider Künstler und wird ergänzt mit bekannten Schlüsselwerken. Besonders hervorzuheben sind eine Reihe von Originalgipsen aus Giacomettis Nachlass, die noch nie zuvor der Öffentlichkeit gezeigt wurden sowie die Präsentation von vier grossen Bacon Triptychons. Ein Multimediaraum bietet überraschenden Einblick in die Ateliers beider Künstler. Die Ausstellung wurde organisiert von der Fondation Beyeler in Zusammenarbeit mit der Fondation Giacometti, Paris.

 

Maria Lassnig Zwiegespräche

Kuratorin: Anita Haldemann
Das Kunstmuseum Basel zeigt unter dem Titel Zwiegespräche rund 90 Zeichnungen und
Aquarelle der vor vier Jahren verstorbenen Künstlerin Maria Lassnig. In der als Retrospektive
angelegten Ausstellung sind neben Schlüsselwerken auch nie gezeigte Blätter zu sehen.
Es sind tiefgreifende Empfindungen, die im Zentrum des Schaffens der österreicherischen
Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) stehen. Das Sichtbarmachen von körperlichen Emotionen
und das Nachspüren der Körperwahrnehmung bilden den Mittelpunkt ihrer Body-Awareness-
Arbeiten. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos erkundete die Künstlerin ihre
Selbstempfindung auf Papier. Nicht was sie sah, sondern wie sie spürte, wurde zum Bild.
Parallel zu ihrer introspektiven Körperwahrnehmung blieb Lassnig im Aussen verankert. Ihre
Porträts basieren auf gründlichem Studium der Realität. Dennoch gehen die sensiblen
Beobachtungen von Tieren und Menschen weit über die Wiedergabe des rein Sichtbaren hinaus
und enthalten das Wesentliche der jeweiligen Charaktere und spüren dem Einzigartigen im
Gegenüber nach.
Diese Zwiesprache mit innen und aussen, mit Gefühlswelten und Realitäten, entwickelte Lassnig
besonders anschaulich auf dem Papier. Die Zeichnung wird als intimes Medium zum
Experimentierfeld spontan gesetzter Linien und Farbfelder. Sie eröffnet neue Perspektiven und
erschliesst sich neue Themen. Trotz aller Intimität des Zeichnerischen tendiert die Künstlerin
dazu, Werke auf Papier in monumentalen und bildmässigen Kompositionen anzulegen. Längst
ist die Idee der Skizze und des ersten Entwurfs bei Lassnig gesprengt und in eine autonome
künstlerische Aussage auf Papier verwandelt. Schliesslich geht auch ihre Malerei in der
Intensität der Zeichnung, der Energie der einzelnen Linie wie auch der Strahlkraft der Aquarelle
sicht- und spürbar weiter.
Lassnig zählt mit Louise Bourgeois, Joan Mitchell und Eva Hesse zu den wichtigsten
Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Bereits früh machte sie ihren eigenen Körper zum
Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körperbewusstsein und das Verhältnis von Mann und Frau
zentrale Themen der internationalen Avantgarde wurden.
Vier Jahre nach ihrem Tod würdigt das Kunstmuseum Basel die Künstlerin mit einer
Retrospektive der Werke auf Papier und führt rund 90 der eindrücklichsten Zeichnungen und
Aquarelle von Lassnig aus dem Besitz der Maria Lassnig Stiftung und der Albertina Wien
zusammen. Bislang völlig unbekannte Blätter erweisen sich in der Schau als Schlüsselwerke.
Gemeinsam mit Vertrautem werfen sie neues Licht auf ihr Konzept der Body-Awareness und
erschliessen neue Einblicke in das vielseitige und wegweisende Werk der Österreicherin.
Der Ausstellungskatalog Maria Lassnig. Zwiegespräche: Retrospektive der Zeichnungen und Aquarelle enthält Beiträge von Antonia Hoerschelmann, Anita Haldemann, Barbara Reisinger und ein Gespräch geführt von Ralph Ubl mit Miriam Cahn.
Die Ausstellung wird unterstützt durch:
KPMG AG
Roswitha Haftmann Stiftung
Werner Sutter & Co AG
Maria Lassnig Stiftung
Stiftung für das Kunstmuseum Basel
Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel entstand in Kooperation mit der Albertina in Wien.
Parallel zeigt das Kunstmuseum St. Gallen mit Be-Ziehungen (5. Mai – 23. September 2018) eine Ausstellung, die einen konzentrierten Einblick in die Entwicklung des malerischen Schaffens von Maria Lassnig mit Beispielen aus allen Entwicklungsphasen umfasst.

Raqs Media Collective

Die Auseinandersetzung mit Zeit, Sprache und Geschichte ist das Zentrum der
künstlerischen Arbeit von Raqs Media Collective. In Neu Delhi 1992 gegründet, vereint
die Künstlergruppe in den verschiedensten Medien zeitgenössische Kunstpraxis mit
historischer und philosophischer Spekulation, mit Geschichtsforschung und Theorie. Die
drei Raqs-Mitglieder, die neben ihrer Haupttätigkeit als Künstler in unterschiedlichsten
Tätigkeiten wie Kuratoren, Buchautoren oder Filmemacher auftreten, nehmen soziale
und politische Bedingungen im globalen Kontext in den Blick. Mit Ausstellungen in den
USA, Europa und Asien sind Jeebesh Bagchi (*1966), Monica Narula (*1969) und
Shuddhabrata Sengupta (*1968) auf der internationalen Bühne aktiv. Nicht selten
arbeiten sie mit Experten anderer Disziplinen wie Architekten oder Programmierern
zusammen.
Ausgangspunkt der Ausstellung, die als erste Museumspräsentation von Raqs auf dem
europäischen Kontinent vom 21. April bis zum 12. August 2018 im K21 gezeigt wird, ist
die andauernde Faszination für das Phänomen Zeit, ein Thema, das die drei Künstler
bereits seit den Anfängen ihrer Zusammenarbeit intensiv beschäftigt.