Basel Short Stories Von Erasmus bis Iris von Roten

Kurator: Dr. Josef Helfenstein

Die Ausstellung Basler Short Stories richtet einen Blick auf die umfangreiche und in mancher Hinsicht weltberühmte Sammlung des Kunstmuseums Basel, mit der Absicht, auch weniger bekannte Aspekte der Bestände in neuen Zusammenhängen zu zeigen. Projektionsfläche und Hintergrund dieser Präsentation sind sowohl illustre wie auch vergessene, private und welthistorische, zum Teil groteske Ereignisse aus der Geschichte der Stadt Basel, die anhand der Bestände des Kunstmuseums reflektiert werden.

Ziel ist es, das ausserordentliche Potenzial der Öffentlichen Kunstsammlung Basel durch den kuratorisch inszenierten Dialog zwischen vergessenen oder selten gezeigten Werken mit Ikonen der Sammlung auf neue Weise ins Bewusstsein der Besucher zu bringen. Die Mannigfaltigkeit der Akteure, Stimmen und Szenen weist das Museum als komplex-unberechenbaren, sich fortlaufend weiter entwickelnden Organismus aus. Kunstgeschichte, die dem Kanon folgt, soll hier in den Hintergrund treten zugunsten einer freieren, assoziativen Gegenüberstellung von Kunstwerken und Dokumenten – basierend auf der reichen Ideen- und Alltagsgeschichte dieser Stadt bzw. den Geschichten von Personen, die mit Basel verbunden sind. Dafür ausgewählt wurden der Humanist Erasmus von Rotterdam, das Gemälde Der tote Christus im Grab von Hans Holbein d.J., die Zeichnerin und Forscherin Maria Sibylla Merian, der Historiker und Kunsthistoriker Jacob Burckhardt, der Philosoph Friedrich Nietzsche, der Basler Friedenskongress von 1912, die Eiskunstläufer Frick und Frack, der Erfinder des LSD Albert Hofmann und die Frauenrechtlerin Iris von Roten.

Die Ausstellung Basler Short Stories wird Bekanntes und Unbekanntes neu präsentieren und sowohl für Museums-Insider wie das allgemeine Publikum neue Einsichten in den unentdeckten Reichtum der Sammlung und deren Entstehungsgeschichte ermöglichen. Die transdisziplinäre Anlage der Ausstellung – Kunst, Wissenschaft, Alltags- und Populärkultur – ermöglicht den Einstieg für eine ganze Bandbreite an Zielgruppen.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die Abbildungen, Zitate und Ausschnitte historischer Texte sowie Texte von Experten aus unterschiedlichen Gebieten gleichwertig behandelt. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm möchte die in der Ausstellung gezeigten Geschichten für und im Austausch mit einem breiten Publikum weiter erzählen.

 

Paul Klee. Musik und Theater in Leben und Werk

In diesem Frühjahr beleuchten drei thematische Ausstellungen das Werk von Paul Klee, einem der bedeutendsten und vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Pinakothek der Moderne in München, das Franz Marc Museum in Kochel und die Münchner Galerie Thomas zeigen – mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten – zusammen insgesamt mehr als 210 Klee-Werke.

Den Anfang des ‚Klee-Frühlings‘ macht die Ausstellung Paul Klee – Musik und Theater in Leben und Werk, die am 22. Februar 2018 um 19 Uhr in der Galerie Thomas in München eröffnet wird. Die rund 40 gezeigten Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen – darunter zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa und den USA – folgen die Paul Klees musikalischen Spuren und seinem großen Interesse an der Oper und dem Theater.

Paul Klee (1879-1940) war bildender Künstler und Musiker. Er hat nicht nur seine Staffelei als Notenständer für das tägliche Geigenspiel genutzt, sondern auch für musikalische Elemente wie Melodie, Rhythmus oder der Polyphonie eine eigene bildnerische Übersetzung entwickelt. Mit tänzerischer Linienführung ließ Klee Musikinstrumente wie Trompeten oder Flöten erklingen und setzte Notenlinien und musikalische Zeichen wie den Violinschlüssel oder die Fermate als bildhafte Akzente ein.

Besondere Leidenschaft verband Klee mit der Oper. So lassen sich in seinen Werken zahlreiche Darstellungen von Figuren wie Carmen, Don Giovanni und Falstaff finden. Mit der Fiordiligi aus Mozarts Oper ‚Così fan tutte‘ hat sich Klee besonders häufig und intensiv auseinandergesetzt. Den Schwerpunkt der Ausstellung in der Galerie Thomas bilden daher Opernfiguren, Sängerinnen und Schauspieler im Werk von Paul Klee.

Die Galerie Thomas veranstaltet begleitend zur Ausstellung fünf Themenabende, die Klees Verbindung zu Musik und Theater vertiefen. Den Anfang macht ein Handpuppentheater, gefolgt von zwei Konzertabenden, einer Lesung mit „singender Geigerin“ und einem weiteren musikalischen Abend mit zwei präparierten Flügeln.
Programm der Klee-Abende in der Galerie Thomas

Im Wienand Verlag erscheint das Katalogbuch ‚Paul Klee – Musik und Theater in Leben und Werk‘ (288 Seiten, 154 Abbildungen, ISBN 978-3-86832-423-5, € 38.-), das neben zahlreichen Photographien aus dem privaten Leben Klees sowie der Theater- und Musikszene der Zeit sämtliche ausgestellten Werke in farbigen ganzseitigen Abbildungen zeigt.

 

 

PAUL KLEE. KONSTRUKTION DES GEHEIMNISSES

Erstmals widmen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen dem Werk Paul Klees mit „Konstruktion des Geheimnisses“ eine große Sonderausstellung, die rund 150 Werke umfasst. Im Mittelpunkt stehen Klees produktive Bauhaus-Zeit sowie die Konflikte der Moderne in den 1920er-Jahren. Die Ausstellung zeigt Klee als „denkenden Künstler“, der in seinen Bildern systematisch die Grenzen des Rationalen auslotet und hin zum Geheimnisvollen und Rätselhaften überschreitet.
Aus bedeutenden öffentlichen und privaten Klee-Sammlungen in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan konnten 130 Leihgaben für diese ausschließlich in München präsentierte Ausstellung gewonnen werden. Dazu zählen selten oder seit Jahrzehnten nicht in Deutschland gezeigte Werke Klees. Der umfangreiche Münchner Bestand, zu dem Meisterwerke wie „Der Vollmond“ (1919), „Wachstum der Nachtpflanzen“ (1922), „Abenteurer-Schiff“ (1927) und „Das Licht und Etliches“ (1931) gehören, ist der Ausgangspunkt von „Konstruktion des Geheimnisses“.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die 1920er-Jahre, in denen Klee einer der prägenden Meister am Staatlichen Bauhaus ist. „Konstruktion des Geheimnisses“ zeichnet nach, wie Klee sich in Weimar und Dessau produktiv mit den neuen Herausforderungen einer technisierten, rationalisierten Welt und deren Auswirkungen auf das künstlerische Schaffen auseinandersetzt. Statt der von den Direktoren Walter Gropius und Hannes Meyer geforderten engen Verbindung zwischen Kunst und Technik betont Klee die Bedeutung von Spiel, Intuition und Genie, und fordert in einem Text mit dem Titel „exakte versuche im bereich der kunst“ sogar zur „konstruktion des geheimnisses“ auf. Die Ausstellung führt vor Augen, wie Klee sich in seinem eigenen Werk dieser paradoxen Verknüpfung von Verstand und Mysterium widmet.
Auch am Bauhaus greift Klee dazu immer wieder auf Motive wie Berge, Gestirne, Leitern und Architekturen oder Konzepte wie den Aufstieg und das Schweben zurück. Ausgehend von Klees Selbstbildnissen verfolgt die Ausstellung diese Leitmotive und -ideen durch das gesamte OEuvre hinweg. Die stetigen Variationen und Entwicklungen von Klees Bildwelt zeigen die formale Konsequenz und Kontinuität seines künstlerischen Schaffens auf.

Die Ausstellung präsentiert Leihgaben aus dem Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, dem National Museum of Modern Art, Tokyo, dem Norton Simon Museum, Pasadena (Kalifornien), dem Zentrum Paul Klee und der Klee-Nachlassverwaltung, Bern, dem Kunstmuseum Basel, dem Museum Berggruen, Berlin, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, sowie zahlreichen weiteren Sammlungen. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine besondere, an die Architektur des Dessauer Meisterhauses angelehnte Ausstellungsszenografie.
Kurator: Dr. Oliver Kase

KATALOG
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreich bebilderter Katalog, der in einer deutschen und einer englischen Ausgabe erhältlich ist. Darin werfen Essays von Régine Bonnefoit, Christine Hopfengart, Wolfgang Kersten, Oliver Kase, Cathrin Klingsöhr-Leroy, Christoph Wagner, Stephen Watson und Gregor Wedekind einen neuen Blick auf Klees Schaffen.
Hirmer Verlag, 39,90 €, ca. 456 Seiten und 385 Abbildungen,
hrsg. von Oliver Kase für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

AUSSTELLUNGSDAUER | 01. MÄRZ 2018 – 10. JUNI 2018