Klaus Staeck Sand fürs Getriebe

Klaus Staeck im Museum Folkwang Umfassende Retrospektive zum 80. Geburtstag des politischen Aktivisten
Das Museum Folkwang würdigt den politischen Aktivisten im Jahr seines 80. Geburtstags mit einer seiner größten Einzelausstellungen überhaupt. Mit seinen Plakaten hat Klaus Staeck eine Wirkung erzielt wie kaum ein anderer vor ihm. Vom 9. Februar bis 8. April 2018 zeigt die Ausstellung Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe rund 200 der bekanntesten Plakate, Postkarten und Multiples und gibt erstmals einen umfangreichen Überblick über die frühe Druckgrafik des Plakatgestalters.
Seit den 1960er Jahren kommentiert der Heidelberger Grafiker, Jurist, Verleger und Plakatprovokateur Klaus Staeck (*1938) pointiert und scharfsinnig gesellschaftliche Themen und Krisen. Seine Kunst – Plakate, Postkarten, Aufkleber und Multiples – ist nicht vom aktuellen Zeitgeschehen zu trennen und
ist Ausdrucksform seiner politischen Ansichten: Mit fast jedem Entwurf enthüllt Staeck einen Missstand und regt damit zum Nachdenken über Gesellschaft, Kunst und Politik an. Die Brisanz von Klaus Staecks wirkmächtigen Motiven und satirischen Slogans führte zu 41 Prozessen, von denen er bis heute keinen verlor. Sein Name wurde in Deutschland zum Synonym für provokative Plakatkunst, das „Staeck-Plakat“ zu einer Marke.
Klaus Staecks spätere, auflagenstarke Plakatproduktion ist ohne die Auseinandersetzung mit der Druck-grafik nicht denkbar. Ein besonderer Akzent der Retrospektive liegt daher auf den frühen abstrakten Holzschnitten und gesellschaftskritischen Siebdrucken, die den Weg zum ersten Plakat des Künstlers, Sozialfall von 1971, ebneten. Das bekannte Plakat zeigt ein Bild von Albrecht Dürers Mutter, begleitet von dem Slogan „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“, und traf im Kontext des Nürnberger Dürer-Jubiläums und des damaligen Wohnungsmangels den Nerv der Zeit. Der weitreichende Erfolg der Plakat-Aktion veranlasste Staeck dazu, das Medium des Plakats aufgrund der Reproduzierbarkeit und hohen Reichweite zum Informationsträger seiner politischen Aktionen zu machen.
Sand fürs Getriebe präsentiert vom 9. Februar bis 8. April 2018 Klaus Staecks mehr als fünf Jahr-zehnte umfassendes Werk und gibt Einblicke in den technischen Entwicklungsprozess der Plakat-produktion im vordigitalen Zeitalter. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Staecks Abkehr von der künstlerischen Auseinandersetzung mit Druckgrafik und seiner Hinwendung zum Plakat. Sieben chronologisch gegliederte Ausstellungkapitel ermöglichen mit frühen grafischen Arbeiten, rund 200 Plakate aus dem Zeitraum 1971 bis 2017, neun Stunden dokumentarisches Filmmaterial, zwei Groß-installationen und einer in den1980er Jahren entstandenen Fotoserie über Bitterfeld einen Überblick über Staecks politisches Engagement bis heute. Der Veranstaltung „Aktion für mehr Demokratie“ in
der Essener Grugahalle (1983) sowie weiteren politischen Aktionen ist ein eigener Ausstellungsraum
gewidmet. Postkarten, Archivdokumente, aber auch Plakate zu Ausstellungen, Theater und Film er-gänzen die Schau. Unterstützt wird die Ausstellung mit Materialien aus den Archiven des Gestalters und seines langjährigen Druckers Gerhard Steidl.
Klaus Staeck wurde 1938 in Pulsnitz bei Dresden geboren und wuchs in Bitterfeld auf. Er absolvierte sein Jura-Studium in Heidelberg, Hamburg und Berlin, gefolgt von mehrjähriger Arbeit als Anwalt. Seine künstlerische Tätigkeit hat Staeck parallel zum Studium begonnen. Bereits 1965 gründete er
den Verlag Edition Tangente, die spätere Edition Staeck. Die Plakate des politisch aktiven Staeck haben sich seit den 1970er Jahren in das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland eingebrannt. Seine Arbeiten wurden in mehr als 3000 Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Von 2006 bis 2015 hatte Staeck das Amt des Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin inne und ist seitdem ihr Ehrenpräsident.
Zur Ausstellung Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe erscheint ein 256-seitiger Ausstellungskatalog in der Edition Folkwang / Steidl. Mit Beiträgen von René Grohnert, Tobias Burg, Gerhard Steidl und einem Interview von Monte Packham mit Klaus Staeck. ISBN 978-3-95829-435-6, Preis 20 €

The Concept of Lines. Richard Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn.

Das Programm des Kunstfoyers startet 2018 mit einer Ausstellung
hochästhetischer Fotografien von drei Großmeistern des Metiers: Richard
Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn. Jeder einzelne dieser
Fotografen stellt für sich bereits ein unschlagbares Highlight der
amerikanischen Fotografiegeschichte dar. Die subtile Handhabung der Linie
eint als signifikantes Merkmal die Arbeiten dieser drei Stars, ist dabei
aber stilistisch sehr unterschiedlich definiert. Gezeigt werden Porträts
prominenter Persönlichkeiten, u.a. von Miles Davis, Marlene Dietrich, Greta
Garbo, Gary Cooper, Nastassja Kinski, Allen Ginsberg, Veruschka, Truman
Capote, John Ford, Joe Lewis, Jean Cocteau, Jean Genet, Igor Strawinsky
etc., zudem außergewöhnliche Modeinszenierungen, Akte und Körperbilder.

Die Ausstellung wird von Dr. Sabine Schnakenberg, Deichtorhallen Hamburg,
Sammlungskuratorin Haus der Photographie, für das Kunstfoyer München als
exklusive zweite Station kuratiert. Alle ausgestellten Arbeiten stammen aus
der berühmten Sammlung F.C. Gundlach, mit deren Stifter das Kunstfoyer
bereits Ausstellungen über Martin Munkacsi (2011) sowie Peter Keetman
(2017) realisiert hat.

 

EVA & ADELE – L’AMOUR DU RISQUE

EVA & ADELE – L’AMOUR DU RISQUE

EVA & ADELE – L’AMOUR DU RISQUE präsentiert in einer retrospektiven Gesamtinstallation Werke des Künstlerpaares der letzten 25 Jahre. Die Ausstellung erläutert die konzeptuelle Haltung sowie die Bildwelten von EVA & ADELE. Erstmals werden dafür im me Collectors Room vom 27.04. – 27.08.2018 in Berlin ganze Werkkomplexe aus ihren wichtigsten Werkgruppen in den Medien Zeichnung, Malerei, Fotografie, Video und Skulptur sowie ihre selbstentworfenen Kostüme und Kostümpläne gezeigt. Sie verdeutlichen die, radikal Grenzen überschreitende, hoch differenziert ausgearbeitete, künstlerische Existenz von EVA & ADELE. Teil des Konzeptes sind auch eigens für die Ausstellung entwickelte limitierte Produkte wie ein Parfum aus Grasse, eine handsignierte Uhr von Swatch und Handtaschen des Labels PB 0110 von Philipp Bree.

Um gewohnte Sichtweisen, Begriffe und Zusammenhänge zu hinterfragen, leben EVA & ADELE seit 1991 zusammen und erschaffen ein gemeinsames, konzeptionell angelegtes Werk: Indem sie stets zusammen, gleich gekleidet, lächelnd in der internationalen Kunstwelt auftreten. Die Künstlerinnen kommen von ihrem Selbstverständnis aus der Zukunft, denn mit ihrer permanenten Futuring-Performance leben sie eine radikale Gemeinschaftsexistenz, um die Vision einer neuen Rollendefinition aufzuzeigen. In ihrer Idee vom FUTURING gibt es deshalb auch keine gespielten Rollen des Weiblichen oder des Männlichen. EVA & ADELE sind mit ihrem konzeptuellen Anspruch „Over the Boundaries of Gender“ gleichsam „in der Kunst und in der Natur.“ Diese Haltung veranschaulicht u.a. ihre große Dreikanal-Videoinstallation Watermusic (1997/2003).
Der Titel der Ausstellung L’AMOUR DU RISQUE verdeutlicht nicht nur ihre Liebe und das gemeinsam getragene Risiko, sich mit ihrer gewählten Lebensweise den äußeren und inneren Gefahren bis heute auszusetzen, sondern auch, wie sie die gemeinschaftliche Existenz leben. Ihr Konzept FUTURING zeigt ebenso ihren Mut wie die Kühnheit, mit Energie und Verwegenheit buchstäblich im Laufschritt ihre Ideen um die Welt zu tragen.
Ein wichtiger Komplex in der Ausstellung ist daher ihrem internationalen Wirken gewidmet: Die glamourösen WINGS-Kostüme (1992, 1995, 1997) und ihre darauf basierenden Videoarbeiten WINGS I,II,III (1997,1998) sind als Rauminstallation inszeniert. Erstmals überhaupt ausgestellt ist der gesamte dazugehörige Komplex an Kostümplänen mit 162 Blättern. Darin halten EVA & ADELE seit Jahrzehnten, akribisch jedes Outfit mit den dazugehörigen Paar Strümpfen, Schuhen, Handtaschen und Schirmen etc. fest.
Von ihren weltweiten Auftritten und der daraus resultierenden Presse und Medienpräsenz erzählen sie mit einem Augenzwinkern – da die Kaktusblüte ja auch nur einen Tag erblüht – in der fortlaufenden Serie MEDIAPLASTIC CACTUSBLOSSUM (2012). Dafür setzen sie ihre Fotoaufnahmen aus Tageszeitungen und Magazinen in Malerei um. Auch die Malerei der Werkgruppe Cum basiert auf Fotografien, die EVA & ADELE von Ausstellungsbesuchern zugesandt wurden, in denen sie gemeinsam fotografiert wurden.
EVA & ADELE existieren im Zustand der Permanenz. In diesem leben sie ihre Performance 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, ohne Anfang oder Ende, tagein, tagaus. Ihre Videoarbeit Kisses in the Supermarket aus dem Jahr 1997 beispielweise setzte sich humorvoll mit der Idee auseinander, dass sie selbst in einem New Yorker Supermarkt beim Einkauf von Lebensmitteln, ihren Alltag als Performance leben, indem sie stets proklamieren: „Wherever we are is Museum“.
Aus dem intimen Themenkomplex Eros & Tod werden sehr persönlich geprägte Zeichnungen, die die Chimären der Erotik beschwören, gezeigt. Beispielsweise die Blumenzeichnungen ADSILA (2014) oder die 45 Papierarbeiten mit Totenkopfsymbolik aus der Werkgruppe SAVOUDRIJA, die 2005 entstanden ist.
Auch Biographische Skulpturen, darunter ein Bett und Mieder aus ihrem persönlichen Besitz sowie Arbeiten der Werkgruppe Transformer-Performer sind ausgestellt. Diese Werke setzen sich aus dem Herzlogo von EVA & ADELE mit den beiden aneinander gesetzten Köpfen zusammen. Der Malgrund des Logos bilden Collagen aus Arbeiten auf Papier, von denen mit dem Skalpell die Signaturen entfernt wurden. Diese spiegeln nicht nur die Schatten, Gespenster und Abgründe, in denen sie leben, sondern zeigen auch das empfindsame Zusammenspiel der beiden auf. Auch die Videoarbeit Eurotrash (1998) ist eine wichtige Arbeit die verdeutlicht, wie international EVA & ADELE verstanden werden. Die Arbeit kombiniert Szenen aus der gleichnamigen Britischen Kultserie, in der sie zwischen 1998-2001 aufgetreten sind.

Die gesamte Ausstellungsfläche und die Wunderkammer im me Collectors Room Berlin werden in das Gesamtkunstwerk von EVA & ADELE einbezogen und zeigen eine umfassende Schau ihres Jahrzehntewährenden Lebens und Schaffens für die Kunst.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und ein umfassendes Begleitprogramm.
06.05., 15 Uhr: Kuratorinnenführung mit Dr. Heike Fuhlbrügge
26.05., 16 Uhr: Vortrag von Dr. Marcus Steinweg
09.06., 16 Uhr: Talk mit EVA & ADELE und Dr. Heike Fuhlbrügge
27.06., 19 Uhr: Art & Dinner mit EVA & ADELE
Kuratiert von Dr. Heike Fuhlbrügge

 

PROOF: FRANCISCO GOYA, SERGEI EISENSTEIN, ROBERT LONGO

Mit Werken von Francisco Goya (1746–1828), Sergei Eisenstein (1898–1948) und Robert Longo (1953) stellt die Ausstellung PROOF drei wesensverwandte Künstler vor, die die sozialen, kulturellen und politischen Komplexitäten ihrer jeweiligen Zeit in bildgewaltige Werke überführen.

Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert erfahren diese drei Künstler über zwei Kontinente hinweg sowohl die Turbulenzen eines Jahrhundertwechsels als auch die seismischen Auswirkungen von Revolution, Bürgerrechtsbewegungen und Krieg. Goya wählte im 18./19. Jahrhundert das Medium Druckgrafik für seine gesellschaftskritischen Werkzyklen und eindringlichen Kriegsbilder. Eisenstein thematisiert seit den 1920er Jahren die russische Geschichte in Filmklassikern wie »Panzerkreuzer Potemkin« (1925) oder »Iwan der Schreckliche« (1945). Der New Yorker Künstler Robert Longo setzt sich in seinen bis zu 7,5 Meter breiten Kohlezeichnungen mit brennenden Themen der Gegenwart wie Terrorismus, Flüchtlingsbewegungen und moderne Kriegsführung wie auch den Symbolen der Macht auseinander. Aufklärung, Moderne und Postmoderne treffen in dieser Ausstellung zusammen.

»Mit der Wahrhaftigkeit des Werks des Spaniers Goya, den wirbelnden Bildfolgen des russischen Filmpioniers Eisenstein und dem Licht der Röntgenstrahlen in den Arbeiten des amerikanischen Künstlers Longo fordert die Ausstellung ihr Publikum mit komplexen Sinneseindrücken heraus«, so Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg. Zudem repräsentieren alle drei Werksammlungen und ihre Techniken die Geschichte der Medien. Die Druckplatte und die Kamera stehen repräsentativ für das Aufkommen der Massenmedien, während Longos Zeichnungen, die er anachronistisch mit Kohle anfertigt, eine hyperreale, verlangsamte Antwort auf die Fotografie darstellen. Die enge Beziehung zwischen den Werken der Künstler zeigt sich in der visuellen Struktur: Alle drei Künstler zählen zu den großen Bilddramatikern ihrer Zeit. Sie nutzen die Kraft der optischen Täuschung, um das Mysterium der Leidenschaftlichkeit, die Kälte der Mach t, die Last des menschlichen Schicksals sowie ihre jeweilige, kulturell beeinflusste Wirklichkeit abzubilden.

Die Ausstellung PROOF beinhaltet mehr als vierzig Skizzen Eisensteins, ausgeliehen vom Russian State Archive of Literature and Art, neben einer Auswahl seiner Filme, die raumgreifend in Slow Motion projiziert werden, so dass jedes Einzelbild in seiner Eigenständigkeit erlebbar wird. Über fünfzig Aquatinta-Radierungen aus allen vier Werkzyklen Goyas aus dem Morat-Institut, Freiburg treffen auf eine konzentrierte Auswahl von Longos großformatigen Zeichnungen der letzten sieben Jahre aus internationalen Sammlungen.

Die Ausstellung PROOF wurde vom Garage Museum of Contemporary Art, Moskau initiiert und von Kate Fowle, Chef Kuratorin Garage, in Zusammenarbeit mit Robert Longo kuratiert. Die Deichtorhallen sind die einzige deutsche Station der internationalen Tournee, die von Moskau über New York nach Hamburg führt.

 

GEORG BASELITZ zum 80. Geburtstag

Retrospektive Werkschau in der Fondation Beyeler, Riehen | Basel
Am 23. Januar wird Georg Baselitz (geb. 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz, Sachsen) 80 Jahre. Mit einer der bisher größten Werkschauen des Künstlers, die rund 90 Gemälde und 12 Skulpturen aus über sechs Jahrzehnten von 1959 bis 2017 vereint, feiert die Fondation Beyeler, Riehen | Basel vom 21. Januar bis 29. April 2018 den Künstler.

Es wird die einzige Retrospektive in Europa zu diesem Jubiläum sein. Sie vereint zahlreiche Leihgaben von bedeutenden europäischen und amerikanischen Institutionen, Werke aus internationalen Privatsammlungen, sowie neue, bisher noch nicht gezeigte Arbeiten aus dem Besitz des Künstlers. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, wo sie im Sommer 2018 in veränderter Form gezeigt wird. Die Ausstellung wird kuratiert von Martin Schwander (Curator at Large, Fondation Beyeler), der für die Fondation Beyeler bereits 2013 die Edgar Degas – und 2015 die Paul Gauguin – Ausstellung konzipiert hat.

Georg Baselitz ein deutscher Ausnahmekünstler
Georg Baselitz, so Martin Schwander, ist ein deutscher Sonderfall, ein Künstler, der die Konventionen der Zeit herausfordert. Sein Werk wird bis heute kontrovers diskutiert, von der ersten Galerie-Ausstellung in Berlin 1963 bis zur Ausstellung im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 1980, wo der Künstler seine erste, großformatige, aus Holz gehauene und bemalte Figur präsentierte. Die Skulptur, die ebenfalls in der aktuellen Ausstellung in der Fondation Beyeler zu sehen ist, löste damals einen kulturpolitischen Skandal aus.
In der Kunstgeschichte der Bundesrepublik Deutschland nimmt Georg Baselitz einen festen Platz ein, zwischen Sigmar Polke und Gerhard Richter, zwischen Markus Lüpertz und Jörg Immendorf. Ausstellungen wie A New Spirit in Painting, 1981 in London, die documenta 7 in Kassel 1982 und Zeitgeist ebenfalls 1982 in Berlin, etablierten ihn als einen der führenden Gegenwartskünstler endgültig auch im internationalen Umfeld. Aufgrund seiner stark expressiven, gestischen Malweise gilt er als Vorläufer und Wegbereiter der Neoexpressionisten in Deutschland und den USA.

Mit zentralen Werken aus allen Schaffensperioden offenbart die Ausstellung den inhaltlichen und stilistischen Reichtum von Baselitz‘ Oeuvre. Exemplarische Hauptwerke der 1960er Jahre, wie die „Helden- und Fraktur-Bilder“, sind in der Fondation Beyeler ebenso vertreten, wie „Mann im Baum“ von 1969, das als das erste Bild gilt, das die „Welt als Kopfstand“ zeigt (Werner Spies).
Eines seiner Schlüsselwerke aus den 1980er Jahren, das als Hommage an die expressionistische Dresdner Künstlergruppe Die Brücke gesehen werden kann, ist sein Bild „Der Brückechor“ von 1983, das bis heute den Auktionsrekord eines Werkes von Baselitz hält. Es wird jetzt erstmals seit vielen Jahren wieder in Europa gezeigt.

„Baselitz‘ Bildkosmos funktioniert wie ein Spiegelkabinett, in dem erinnerte und imaginierte Bilder, eigene Bilder und kunsthistorische Vor-Bilder kontinuierlich zu neuen Bildfindungen amalgamieren, die ihrerseits wieder in neue Bildfindungen aufgehen werden. Umso bemerkenswerter ist, dass Baselitz‘ Kunst bis heute weder in Routine noch in selbstverliebtem Manierismus erstarrt ist“, so Martin Schwander in seinem Vorwort.

Baselitz – Der Katalog

Zur Ausstellung ist im Verlag Hatje Cantz der Katalog Baselitz erschienen,
Hrsg. Martin Schwander für die Fondation Beyeler, Riehen | Basel,
Text(e) von Stéphane Aquin, Rudi Fuchs, Steven Henry Madoff, Eva
Mongi-Vollmer, Norman Rosenthal, Carla Schulz-Hoffmann,
Martin Schwander, Christian Spies, Gestaltung von Hans Werner Holzwarth, 280 Seiten, 178 Abb.,
58.00 Euro, 62.50 CHF
ISBN 978-3-7757-4388-4

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REINHOLD NÄGELE. Chronist der Moderne

Reinhold Nägele (Murrhardt 1884 – 1972 Stuttgart) erweist sich in vielen seiner Werke als präziser Beobachter historischer Ereignisse sowie des technischen Fortschritts im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Ausstellung »Reinhold Nägele. Chronist der Moderne« im Kunstmuseum Stuttgart rückt mit einer Auswahl von rund 90 Gemälden, Radierungen und Hinterglasmalereien besonders den städtebaulichen Wandel Stuttgarts in den Fokus.
Reinhold Nägele war zeitlebens eng mit der Region Stuttgart verbunden. In den Werken der 1910er- bis 1930er-Jahre thematisiert er die architektonische Gestalt der sich rasant verändernden Großstadt und ihrer Umgebung. Gerade vor dem Hintergrund heutiger Stuttgarter Bauvorhaben sind diese Bilder aktueller denn je. Präsentiert werden in der Ausstellung außerdem Arbeiten, in denen der Maler und Grafiker einen besonderen, zuweilen ironischen und kuriosen Blick auf Episoden des kulturellen und politischen Lebens sowie verschiedene zeitgeschichtliche Ereignisse wirft.
Das Kunstmuseum Stuttgart besitzt mit 116 Werken einen der umfangreichsten öffentlichen Bestände des Künstlers, der für die Ausstellung um wichtige Leihgaben ergänzt wird. Im Zuge der Recherchen konnten Neuentdeckungen in Privatbesitz gemacht werden, die bislang nicht im Werkverzeichnis zu Nägele aufgeführt und erstmals öffentlich zu sehen sind.

 

OFFENER BRIEF ZUR ZUKÜNFTIGEN STRUKTUR DER DOCUMENTA

Offener Brief zur zukünftigen Struktur der documenta
Stellungnahme zur Trennung der documenta gGmbH von Annette Kulenkampff
Open Letter On the Future Structure of Documenta
Statement on documenta gGmbH’s separation from Annette Kulenkampff
(English version: see below)
An die Mitglieder des Aufsichtsrats der /
To the members of the board of
documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Oberbürgermeister Christian Geselle (Vorsitzender)
Staatsminister Boris Rhein (stellv. Vorsitzender)
Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann
Stadtverordneter Dr.Rabani Alekuzei
Stadtverordneter Marcus Leitschuh
MdL Karin Müller
Stadtverordneter Axel Selbert
Stadtverordneter Gernot Rönz
Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes
Alexander Farenholtz, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes
Staatsminister Axel Wintermeyer
Staatssekretär Dr. Martin J. Worms

14. Januar 2018
Wir möchten an dieser Stelle unsere Sorge darüber ausdrücken, dass mit den jüngsten
Überlegungen und Maßnahmen des Aufsichtsrates der documenta eine international agierende und
einflussreiche Kulturinstitution in Deutschland in ihrem Image erheblich beschädigt wird und damit
auch das Bild Deutschlands im Ausland.
Die Lokal- und Landespolitik, die insbesondere den Aufsichtsrat stellt und Gesellschafter der
documenta gGmbH ist, nimmt ein von ihr selbst lanciertes, finanzielles Defizit1 zum Anlass, offen
über die Umstrukturierung der documenta im Sinne einer reinen Kommerzialisierung und
Vermarktung der Marke documenta zu debattieren. Eine erste Konsequenz aus diesen
Überlegungen war die Auflösung des Vertrags mit der Geschäftsführerin Annette Kulenkampff. Ein
anderer Grund hierfür ist nicht bekannt, da ihr an dem erwähnten Defizit, das aus einer von allen
Beteiligten gemeinsam getragenen Programmkonzeption entstanden ist, keinerlei Schuld
nachgewiesen wurde.
Es sind darüber hinaus dieselben Politiker, die sich außer Stande sahen, auf die Entgleisungen der
AfD zu reagieren, die ein Kunstwerk von Olu Oguibe als „entstellte Kunst“ bezeichneten und damit
eindeutig auf faschistische Terminologien zurückgriff.
Die nun lancierten Überlegungen reichen von einer Aufhebung des gemeinnützigen Status der
documenta gGmbH über eine Eingliederung der Öffentlichkeitsarbeit in das Stadtmarketing bis zu
1 Für den ehemaligen Stadtkämmerer Christian Geselle, dem jetzigen Oberbürgermeister, war es andererseits in seiner
Funktion als Ratsmitglied des Hessentags 2013 kein Problem ein Defizit zu vertreten. Der Hessentag ist ein dreitägiges
Event regionaler Provenienz, das 2013 in Kassel stattfand und ein Defizit von 4,63 Mio. Euro hinterließ.
https://www.op-online.de/hessen/hessentag-beschert-regel-defizit-6969761.html
einer Neuverteilung der finanziellen Risikolast. Das heißt letztendlich, Verantwortung zu verlagern,
die Einnahmen auf die öffentliche Hand zu konzentrieren und zugleich die Freiheit der Kunst zu
minimieren. Die geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen bedeuten nichts Anderes, als die
Ausrichtung der konzeptionellen wie künstlerischen Freiheit an rein haushälterischen Maßstäben.
Den Nutzen einer international einmaligen Veranstaltung mit ca. 900.000 Besucher_innen, deren
Stellenwert für die Kunstvermittlung mit keinem anderen Ereignis vergleichbar ist, kann niemand
ernsthaft bezweifeln. In dieser Relation erscheint es geradezu absurd, dass sich die „documenta-
Stadt“ Kassel und das Land Hessen anmaßen, ein in Jahrzehnten gewachsenes, bereits in
Geschichtsbüchern beschriebenes Erfolgsmodell in Frage zu stellen, weil sich gegen eine einzige
Ausgabe des Projekts besonders gut politisch Stimmung machen lässt, weil es teilweise im
europäischen Ausland stattfand. Bürgermeister und Land lassen gegen den Rat aller Experten
Bedenken aufkommen, ob Kassel noch der richtige Standort für die documenta ist.
Dabei ist die Schuldzuweisung für das Defizit der d14 an Annette Kulenkampff und den zweiten
Standort Athen schlicht falsch.2 Dass die gemeinsame Wahl eines zweiten Standortes Zusatzkosten
verursachen kann, war allen Beteiligten bekannt. Das Kostenrisiko wurde rechtzeitig kommuniziert.
Man kann deshalb keinen anderen Grund für den vehementen Eingriff durch die lokale und regionale
Politik erkennen, als den Versuch, sich einer unabhängigen Struktur zu bemächtigen und sich dabei
mit Annette Kulenkampff zuerst jener Person zu entledigen, die auf besonders unbequeme Art für
die künstlerische und wissenschaftliche Autonomie der documenta gebürgt hatte.
Ihre zukunftsweisenden Planungen zur wissenschaftlichen Aufbereitung und Vermittlung des
documenta Archivs, zur sachgerechten Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum und der
zeitgemäßen Erneuerung der documenta als eine global operierende Institution werden mit dieser
fehlgeleiteten Diskussion ebenso konterkariert wie das Anliegen der documenta-Ausstellungen seit
1997, nicht-westlichen und nicht-marktkonformen Positionen eine Bühne zu geben und diese Bühne
im Verbund mit anderen Standorten zu betrachten.
Wenn sich Kassel auch zukünftig als Standort der international unersetzlichen documenta begreifen
will, gilt es folgende Forderungen zu erfüllen:
1. Der Aufsichtsrat wird um einen internationalen Expert_innenbeirat erweitert, der in enger
Verbindung mit der documenta gGmbH einen zukunftsweisenden, verbindlichen
Kriterienkatalog für die documenta entwirft.
2. Der Rechtsstatus als gemeinnützige GmbH wird beibehalten.
3. Die zukunftsweisenden Planungen der wissenschaftlichen Aufbereitung und Vermittlung
des documenta Archivs, zur sachgerechten Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum und
der zeitgemäßen Erneuerung der documenta werden fortgesetzt.
4. Das Budget der documenta wird an die Anforderung eines globalen, weltweit wirksamen
Kunstereignisses, das in seiner Dimension einzigartig ist, angepasst.
5. Der Aufsichtsrat sollte die Fortbeschäftigung Annette Kulenkampffs beschließen, da sie die
documenta vielversprechend ausgerichtet hat.
2 Dieses Bild gerät zudem in eine erhebliche Schieflage, wenn man die ökonomische Wertschöpfung von Stadt und Land in
das Bild miteinbezieht.
http://www.hessenschau.de/wirtschaft/so-viel-geld-spuelt-die-documenta-nach-kassel,documenta-wirtschaft-100.html

Erstunterzeichner_innen / First signatories:
Marion Ackermann (Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)
Silke Albrecht (Geschäftsführerin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Lotte Arndt, Theoretikerin, Kunsthochschule Valence, Paris
Inke Arns (Künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVereins, Dortmund)
Michael Arzt (Halle 14 Leipzig, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Elke aus dem Moore (Leiterin Kunst, Institut für Auslandesbeziehungen, Stuttgart)
Zdenka Badovinac (Director of Moderna Galerija + Museum of Modern Art, Ljubljana)
Nuit Banai (Professorin für neuste Kunstgeschichte, Wien)
Bassam El Baroni (Lecturer Dutch Art Institute, NL, and Independent Curator – Manifesta 8, 36th Eva
Int. Ireland’s Biennial)
Ute Meta Bauer (Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art, Singapur)
Meike Behm (Direktorin Kunsthalle Lingen, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher
Kunstvereine, ADKV)
Ralf Beil (Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg)
Andreas F. Beitin (Direktor des Ludwig Forum für internationale Kunst, Aachen)
René Block (Leiter der Kunsthalle 44Moen, Askeby)
Monica Bonvicini (Künstlerin, Berlin)
Reinhard Braun (Künstlerischer Leiter, Camera Austria, Graz)
Sabeth Buchmann (Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der
Akademie der bildenden Künste Wien)
Manon Bursian (Vorstand und Stiftungsdirektorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt)
Binna Choi (Director of Casco – Office for Art, Design and Theory, Utrecht)
Hans D. Christ (Direktor des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Cosmin Costinas (Executive Director / Curator of Para Site, Hong Kong)
Alice Creischer, Andreas Siekmann (Künstler_innen, Professor_innen an der Kunsthochschule Berlin
Weißensee, MA Raumstrategien)
Janneke de Vries (Direktorin der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen)
Ekaterina Degot (Intendantin des Steirischen Herbst, Graz)
Chris Dercon (Intendant der Volksbühne, Berlin)
Ulrich Domröse (Leiter der fotografischen Sammlung, Berlinische Galerie, Berlin)
Iris Dressler (Direktorin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Katja Diefenbach (Professorin für Ästhetische Theorie an der Merz Akademie, Stuttgart)
Ines Doujak (Künstlerin, Wien)
Helmut Draxler (Professor für Kunsttheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien)
Övül Ö. Durmusoglu (Guest Professor for Curatorial Theory and Praxis, Nuremberg Academy of Fine
Arts)
Bettina von Dziembowski (Kunstverein Springhornhof)
Yilmaz Dziewior (Direktor des Museum Ludwig, Köln)
Silvia Eiblmayr (Kunsthistorikerin, Kuratorin, Wien)
Charles Esche (Director of the Van Abbemuseum, Eindhoven)
Matthias Flügge (Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden)
Martin Fritz (Rektor der Merz Akademie Stuttgart)
Katya García-Antón (Direktorin des OCA, Office for Contemporary Art Norway)
Gerrit Gohlke (Künstlerischer Leiter des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam, Vorstand der
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Cristina Gómez Barrio, Wolfgang Mayer / Discoteca Flaming Star (Künstler_innen, Professor_innen
für Bildende Kunst und Intermediales Gestalten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste,
Stuttgart)
Søren Grammel (Leiter des Museums für Gegenwartskunst, Basel)
Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart
Elke Gruhn (Leiterin Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft
Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Krist Gruijthuijsen (Direktor des KW Institute for Contemporary Art Berlin)
Jan Peter Hammer (Künstler, Berlin)
Hou Hanru (Artistic Director, MAXXI, National Museum of 21st Century Arts, Rome)
Annette Hans (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Harburger Bahnhof)
Markus Heinzelmann (Direktor des Museum Morsbroich, Leverkusen)
Fatima Hellberg (Künstlerische Leiterin des Künstlerhaus Stuttgart)
Gabriele Horn (Direktorin der Berlin Biennale)
Hans Dieter Huber (Professor für Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie an der
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart)
Lanna Idriss, Member of the Board of BHF Foundation
Gregor Jansen (Direktor der Kunsthalle Düsseldorf)
Jean-Baptiste Joly (Direktor der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart)
Alice Kögel (Konservatorin für Gegenwartskunst, Staatsgalerie Stuttgart)
Alexander Kluge (Autor und Filmemacher, München)
Alexander Koch (Die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, KOW Galerie)
Kasper König (Kurator, u.a. künstlerischer Leiter von Skulptur.Projekte Münster 1977-2017)
Christian Kravagna (Professor für Postcolonial Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Andres Kreuger (Senior Curator, M HKA, Antwerp)
Katia Krupennikova (Freischaffende Kuratorin, Amsterdam)
Elisabeth Lebovici (Art critic, Paris)
Mathias Lindner (Direktor Neue Sächsische Galerie, Neue Chemnitzer Kunsthütte, Vorstand der
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Thomas Locher (Künstler, Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)
Dirk Luckow (Intendant Deichtorhallen Hamburg)
Mark Nash (Co-curator of Documenta 11)
Antje Majewski (Künstlerin, Professorin der Muthesius Kunsthochschule, Kiel)
Florian Malzacher (Kurator, Impulse Theater Festival 2013-17)
Nina Möntmann (Kunsttheoretikerin und Kuratorin)
Matthias Mühling (Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München)
Vanessa Joan Müller (Dramaturgin der Kunsthalle Wien)
Heike Munder (Direktorin des Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich)
Joanna Mytkowska (Direktorin des Museum of Modern Art Warschau)
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Künstlerischer Leiter von SAVVY Contemporary, Berlin)
Anh-Linh Ngo (Mitherausgeber von ARCH+)
Olaf Nicolai (Künstler, Berlin)
Ruth Noack (Kuratorin der Documenta 12, 2007)
Angelika Nollert (Direktorin Die Neue Sammlung – The Design Museum, München)
Hannelore Paflik-Huber (Kunstwissenschaftlerin, Vorsitzende des Künstlerhauses Stuttgart)
Peter Pakesch (Vorstandsmitglied der Maria Lassnig Privatstiftung, Wien)
Christine Peters (Kuratorin des Kunstgebäude Stuttgart, 2017)
Britta Peters (Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr; Kuratorin der Skulptur.Projekte
Münster 2017)
Philippe Pirotte (Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule in Frankfurt
am Main)
Elizabeth A. Povinelli, Franz Boas Professor of Anthropology & Gender Studies, Columbia University
Raqs Media Collective (Monica Narula, Jeebesh Bagchi & Shuddhabrata Sengupta, New Dehli)
Oliver Ressler (Künstler und Filmemacher, Wien)
David Riff (Schriftsteller, Kurator, Künstler, Berlin)
Walid Raad (Künstler, Professor an der Cooper Union, New York)
Kathrin Romberg (Sammlungsdirektorin Erst Bank Österreich, Wien)
Anda Rottenberg (Direktorin emeritus Zachenta National Gallery of Art, Warschau)
Rasha Salti (Independent Curator of Art & Film, Curator of La Lucarne for ArteFrance)
Hedwig Saxenhuber (springerin, Wien)
Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien
Georg Schöllhammer (tranzit.at, Wien)
Ursula Schöndeling (Direktorin des Heidelberger Kunstvereins, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft
Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Sabine Schulze (Direktorin des Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg)
Nathalie Boseul Shin (Chief curator of Total Museum of Contemporary Art, Seoul)
Andrei Siclodi (Direktor des Künstlerhauses Büchsenhausen, Innsbruck)
Jennifer Smailes (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Harburger Bahnhof)
Ruth Sonderegger (Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der
bildenden Künste Wien)
Björg Stefánsdóttir (Direktor des Icelandic Art Center, Reykjavik)
Simon Sheikh (Programme Director, MFA Curating Department of Art Goldsmiths College, London)
Bettina Steinbrügge (Direktorin des Kunstvereins in Hamburg)
Barbara Steiner (Leiterin des Kunsthaus Graz)
Hito Steyerl (Künstlerin, Professorin für Experimentalfilm und Video an der Universität der Künste
Berlin)
Wolfgang Suttner (Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Nina Tabassomi (Direktorin des Taxispalais Kunsthalle Tirol)
Michael Taussig (Professor at Columbia University, New York)
Ana Teixeira Pinto (Autorin, Kulturtheoretikerin, Berlin)
Thomas Thiel (Direktor des Bielefelder Kunstvereins, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher
Kunstvereine, ADKV)
Haakon Thuestad (Director of the Bergen Assembly)
Wolfgang Tillmans (Künstler, Berlin, London)
Nasan Tur (Künstler, Berlin)
Wolfgang Ullrich (Freier Autor und Kunstwissenschaftler, Leipzig)
Philippe Van Cauteren (Director of S.M.A.K., Museum for Contemporary Art, Ghent)
Anton Vidokle (Artist, founder of e-flux, New York/Berlin)
Christoph Vogtherr (Direktor der Hamburger Kunsthalle)
Marianne Wagner (Kuratorin für Gegenwartskunst des Landesmuseum für Kunst und Kultur,
Münster)
Joanna Warsza (Kuratorin, Public Art Munich 2018)
Peter Weibel (Vorstand und Direktor des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe)
Thomas Weski (Kurator der Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt)
What, How and for Whom / WHW (Ivet Ćurlin, Ana Dević, Nataša Ilić and Sabina Sabolović)
Axel John Wieder (Direktor, Index – The Swedish Contemporary Art Foundation)
Matthias Winzen (Professor für Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Hochschule der Bildenden
Künste Saar, Saarbrücken)
Florian Wüst (Film- und Videokurator der Transmediale, Berlin)
Regina Wyrwoll (Kuratorin Peter und Irene Ludwig Stiftung / Findungskommission documenta X)
Misal Adnan Yildiz (Direktor des Artspace NZ in Auckland, 2014–2017)
Octavio Zaya (Director and Executive Editor of atlanticajournal.com, Cocurator of Documenta 11)
Nina Zimmer (Direktorin des Kunstmuseum Bern, Zentrum Paul Klee Bern)
Franciska Zólyom (Direktorin der GfzK, Leipzig

http://www.wkv-stuttgart.de

FRITZ WINTER

Als Auftakt zur Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“
(01. März – 10. Juni 2018) zeigt die Fritz-Winter-Stiftung 18 Arbeiten aus dem Frühwerk des wohl bekanntesten Klee-Schülers. Damit wird erstmals eine kleine Auswahl des neuen Kernbestandes der Fritz-Winter-Stiftung vorgestellt, der den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit 2017 als unbefristete Leihgabe zur Verfügung steht. Höhepunkt der Präsentation sind zwei Neuerwerbungen aus Fritz Winters berühmter Werkgruppe „Triebkräfte der Erde“ (1944).
Fritz Winter (1905 -1976) zählt zu den wichtigsten deutschen Vertretern der zweiten Generation abstrakter Maler. Ausgebildet am Bauhaus in Dessau bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, galt seine Kunst im Nationalsozialismus als „entartet“. Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft gründete er 1949 mit Willi Baumeister, Rupprecht Geiger und anderen in München die „Gruppe der Gegenstandslosen“, später „ZEN 49“. Seit den 1950er-Jahren erhielt Winter zahlreiche bedeutende Kunstpreise und feierte internationale Erfolge.
Das maltechnisch und formal vielseitige Gesamtwerk Fritz Winters steht in einer Tradition, die der Kunst des Blauen Reiter wie dem Bauhaus gleichermaßen verpflichtet ist. Mit seiner weitestgehend gegenstandslosen Formensprache suchte der Maler einen übergeordneten Bezug zur Natur, um die verborgenen elementaren Kräfte und Strukturen der Schöpfung sichtbar zu machen: „Es bedarf eines grösseren Glaubens und einer grösseren Kraft, Unsichtbares in freier Gestaltung sichtbar zu machen, als Sichtbares und Fassbares immer nur als solches zu bestätigen.“
Die Präsentation in Saal 15 der Pinakothek der Moderne vereint 18 Werke Fritz Winters von den späten 1920er- bis in die 1940er-Jahre. Großformatige Monotypien und Ritzzeichnungen zeugen von dem experimentellen Lernen in der freien Malklasse Paul Klees. In den abstrakten Stillleben, „Zellen-“, „Stern-“ und „Kristallbilder“ der 1930er-Jahre ging Winter Fragen von Raum, Licht und Wachstum nach. Als Soldat an der Ostfront zeichnete er komplex abstrahierte Naturstudien auf kleinstem Format. Mit der Werkgruppe der „Triebkräfte der Erde“, die während eines Genesungsaufenthaltes nach einer Kriegsverletzung entstand, schuf er 1944 eines der eindrücklichsten Zeugnisse künstlerischen Überlebenswillens. Die „Triebkräfte“ wurden in der Nachkriegszeit als Schlüsselwerke abstrakten Formenreichtums gefeiert und stehen bis heute für die Qualität und das Wirkungsvermögen in „innerer Emigration“ entstandener Kunstwerke.

Judith Hopf + Trix & Robert Haussmann

Judith Hopf
Stepping Stairs
10. Februar – 15. April 18

Seit den 1990er Jahren hat sich Judith Hopf (*1969 in Karlsruhe, DE) eine unabhängige künstlerische Sprache erarbeitet, die sich in Form von Skulptur, Film, Zeichnung, aber auch Bühnenbild und Performance über die Jahre hinweg beständig aufs Neue behauptet hat. Ihre Arbeiten sind tief verwurzelt in dem Gebrauch alltäglicher Materialien wie Ziegel, Beton, Glas, Verpackungsmaterialien und einfach nachvollziehbaren Produktionsprozessen, mit denen Hopf die in unsere gebaute Umwelt eingeschriebenen, gesellschaftlichen Dynamiken und deren Einfluss auf Verhaltensweisen, Machtstrukturen und gesellschaftliche Codes ergründet.
Für ihre Ausstellung Stepping Stairs in den KW setzt Hopf ihre Beschäftigung mit dem Material des Ziegelsteins fort. Die gemauerten Ziegelarbeiten, die den Ausstellungsraum gliedern und ergänzen, nehmen eine prägnante Zwischenstellung innerhalb ihres Werkes ein, das von Skulptur bis (Ausstellungs-) Architektur fluktuiert. In den KW werden die Ziegelsteine mit älteren Arbeitszyklen kontrastiert, u.a. mit einer überarbeiteten Version von Hopfs Laptop-Skulpturen. Die Künstlerin verweist damit auf humorvolle Weise auf unseren Umgang mit Computern und die Tendenz, diese zunehmend als Teil unseres Körpers wahrzunehmen, während wir gleichzeitig als Spezies immer mehr auf Implantate und Prothesen angewiesen sind.
Neben den skulpturalen Arbeiten umfasst die Ausstellung in den KW einen neuen Kurzfilm sowie eine großflächige Auftragsarbeit für die Fassade im Innenhof der KW. Bei diesen Arbeiten treten zwei historische KünstlerInnen als direkte Inspirationsgeber hervor: Zum einen der amerikanische Architekt und Architekturtheoretiker John Hejduk (1929–2000) und zum anderen die deutsche Künstlerin und frühere Weggefährtin Hopfs Annette Wehrmann (1961–2010). Im 3. Obergeschoss der KW werden vom 10. Februar bis zum 11. März 2018 neben einer Installation der Luftschlangen von Wehrmann Audioaufnahmen ihrer Texte präsentiert.

Parallel zur Ausstellung entsteht ein umfassendes Kompendium, in dem neue und bereits existierende Texte von Judith Hopf und zentralen WegbegleiterInnen ihrer Arbeit zusammengetragen werden. Die Ausstellung wird kuratiert von Anna Gritz.

Trix & Robert Haussmann
The Log-O-Rithmic Slide Rule: A Retrospective
10. Februar – 29. April 18

Trix (*1933 in Chur, CH) & Robert Haussmann (*1931 in Zürich, CH) gehören zu den wohl wichtigsten Schweizer ArchitektInnen des 20. Jahrhunderts. Als Architektur- und Design-Duo haben sie während ihrer beruflichen Laufbahn gemeinsam über 650 Projekte realisiert, darunter die legendäre Da Capo Bar, Shopville im Zürcher Hauptbahnhof, die Boutique Weinberg, die bekannte Bar Kronenhallen sowie erfolgreiche Experimente künstlerisch und handwerklich gefertigter Möbel. Seit der gemeinsamen Gründung der „Allgemeinen Entwurfsanstalt“ im Jahr 1967 wurden Trix & Robert Haussmann zu Pionieren ihrer Zeit, indem sie fortwährend die Prämissen moderner, kanonischer Ordnung und Ansätze zur spielerischen Umdeutung linguistischer, architekturtheoretischer Dogmen brachen. Während sie dem Diktum „form follows function“ ausweichen, verfolgen ihre Entwürfe einen „manierismo critico“ (einen „kritischen Manierismus“), der es ihnen erlaubt, das Alte und das Neue miteinander zu verschmelzen, Kontroversen zu erzeugen und innerhalb dessen mit Ambiguität, Widerspruch und Zufall zu arbeiten. Diese zugleich engagierte und sorgfältige Auseinandersetzung mit ästhetischen Konventionen war stets ihrer Zeit voraus und leistet auch heute noch einen wichtigen Beitrag zum zeitgenössischen Kunst- und Architekturdiskurs.

In den KW werden Trix & Robert Haussmann die erste und zweite Etage bespielen. Ihre Ausstellung in den KW ist die erste große Übersichtsausstellung ihres Werkes in Europa und präsentiert zentrale Werke aus dem Privatarchiv von Trix & Robert Haussmann sowie Hauptarbeiten aus der Sammlung des Museums für Gestaltung in Zürich, aus der Privatsammlung Peter Röthlisberger und Beispiele ihrer innenarchitektonischen Designs. Die Ausstellung wird kuratiert von Fredi Fischli und Niels Olsen und wird um installative Arbeiten von Inside Outside / Petra Blaisse, Liam Gillick und Karl Holmqvist ergänzt. Die Ausstellung wird anschließend im Nottingham Contemporary gezeigt.

 

A Muslim, A Christian and a Jew. Eran Shakine

In seiner aktuellen Serie setzt sich der israelische Künstler Eran Shakine humorvoll-kritisch mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der drei großen Weltreligionen Islam, Christentums und Judentum auseinander.
In skizzenhaften Zeichnungen aus Ölwachskreide erkunden ein Muslim, ein Christ und ein Jude als äußerlich nicht unterscheidbares Trio das Leben. Auf der Suche nach den gemeinsamen Ursprüngen ihrer Religion geraten sie in alltägliche und absurde Situationen.
Der lockere Strich der Zeichnungen täuscht auf den ersten Blick: Die scheinbar flüchtig gezeichneten Bildgeschichten führen gängige Ressentiments mit hintergründigem Humor ad absurdum, an ihre Stelle rückt der interreligiöse Dialog als sein ernsthaftes Anliegen.

DER KÜNSTLER

Eran Shakine malt, zeichnet und schafft Skulpturen im öffentlichen Raum. Er wurde 1962 in Israel als Sohn eines französischen und einer ungarischen Schoa-Überlebenden geboren. Er lebt und arbeitet in Tel Aviv.

 

Obelisk von der Documenta wird verkauft

Die Stadt Kassel will die Obelisk-Skulptur für 600.000 Euro ankaufen, die der Künstler Olu Oguibe im vergangenen Jahr zur Documenta auf dem Königsplatz aufstellte. Der Obelisk enthält in mehreren Sprachen ein Zitat aus dem Neuen Testament „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“. Die Preissumme entspricht dem Marktwert vergleichbarer Objekte im Kunsthandel. Das Geld soll durch Spenden gesammelt werden.

Franzisca Zólyom kuratiert deutschen Pavillon in Venedig 2019

Franzisca Zólyom ist Kuratorin des deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig 2019. Das ifa-Institut für Auslandsbeziehungen teilte mit, dass die Leiterin der Galerie für Zeitgenössische Kunst von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel dazu berufen wurde. Das ifa betreut seit 1971 den Pavillon kommissarisch. Die aus Budapest gebürtige Kunsthistorikerin war drei Jahre lang Direktorin des Institute of Contemporary Art – Dunaújváros in Ungarn.

 

DAS WIENER AQUARELL

Transparenz, Strahlkraft der Farben und atmosphärische Wirkung sind die besonderen Qualitäten der Wiener Aquarellmalerei des 19. Jahrhunderts. Virtuose Stadtansichten und Landschaften, detailverliebte Porträts, Genrebilder und Blumenstücke bilden den reichen Motivschatz.

Den Höhepunkt erreicht das Wiener Aquarell im Biedermeier: Jakob Alt, Matthäus Loder, Thomas Ender, Peter Fendi und Moritz Michael Daffinger zählen zu den bedeutendsten Künstlern dieser Zeit, später Anton Romako und August von Pettenkofen.
Überragend sind auch die Werke von Rudolf von Alt aus seiner mehr als siebzigjährigen Schaffenszeit. Sie zählen zu den erlesensten Beispielen der Aquarellmalerei und begleiten den großen Bogen der Kulturgeschichte vom Biedermeier bis zur Kunst um 1900.

 

PAUL KLEE. LANDSCHAFTEN

Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis

Paul Klee, dessen Oeuvre über 10.000 Werke umfasst, hat sehr viele Landschaften gemalt. Dies ergibt zumindest ein Blick in sein Werkverzeichnis, wo der Begriff „Landschaft“ in zahlreichen Bildtiteln vorkommt. Nur sehr selten wird er allerdings auf konkrete Orte bezogen, wie es bei einem traditionellen Verständnis der Bildgattung zu erwarten wäre.

Aber Landschaft ist bei Paul Klee kein wirklicher, sondern ein imaginärer Ort, der die allgemeine Vorstellung von Landschaft als Folie nutzt, um eine Reise ins Land der besseren Erkenntnis zu unternehmen. Mit etwa 50 Exponaten zeigt die Ausstellung eine kleine Landschaftstypologie Paul Klees. Von dem „Blick auf einen Fluß“ (1912) und „Die Erinnerung an Romanshorn“ (1913) über die „Burglandschaft m.d. schwarzen Blitz“ (1920) bis hin zum „Orientfest“ (1927), einer rotglühenden Landschaft bei Sonnenuntergang.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Fondazione Gabriele e Anna Braglia auf der Basis der wichtigen Klee-Bestände beider Museen.

Die Ausstellung findet zudem in Kooperation mit der Sammlung Moderne in der Pinakothek der Moderne statt. Dort wird parallel vom 01.03. – 10.06.2018 „Paul Klee, Konstruktion des Geheimnisses“ gezeigt. Die beiden Projekte verbindet ein gemeinsames Begleitprogramm.

Max Beckmann. Welttheater

Motive des Zurschaustellens prägten das Werk Max Beckmanns (1884–1950) seit den frühen 1920er Jahren: Varieté- und Jahrmarktkünstler, Akrobaten, Clowns und Schauspieler. Beckmann sah diesen Themenkreis als Ausdruck des Welttheaters. Damit stellte er sein Schaffen in die Tradition der barocken Idee, die das Weltgeschehen als scheinhaftes Spiel begreift, das auf eine dahinterliegende Macht verweist. Max Beckmann. Welttheater ist die erste Ausstellung zu diesem zentralen Thema im Werk des Malers.

Max Beckmann gehört zu den bedeutendsten Malern der Klassischen Moderne. In den zwanziger Jahren stand er der Neuen Sachlichkeit nahe. Mit seinen schwarzen Konturen und leuchtenden Farben galt er später als Expressionist, der früh internationale Beachtung fand. Viele seiner berühmten Triptychen hängen in Museen in den USA. Darunter befindet sich das Schauspieler-Triptychon aus dem Fogg Art Museum der Harvard University, das im Zentrum der neuen Ausstellung im Museum Barberini steht. Max Beckmanns Gemälde, Skulpturen und Druckgraphik zeigen oft Szenen, die auf oder hinter der Bühne spielen: Zu sehen sind Varieté- oder Zirkusnummern, Schauspieler in der Garderobe oder Schausteller auf dem Jahrmarkt. Hinzu kommen Selbstportraits, in denen sich Beckmann als Clown oder Artist präsentiert. Für Beckmann war die Rolle des Zuschauers eine Möglichkeit, das Weltgeschehen zu kommentieren und persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Angesichts seiner persönlichen Erfahrungen und der dramatischen Entwicklungen auf der politischen Weltbühne – 1933 wurde ihm sein Lehramt an der Frankfurter Städelschule gekündigt, nach 1937 befand er sich im Exil in Amsterdam – galt Beckmann das Welttheater als Sinnbild für das aktuelle Geschehen. Er suchte die Wahrheit hinter der Maskerade, und dafür lieferten Zirkus und Theater die Vorlagen: das Leben ist nicht nur für Seiltänzer ein Balanceakt und nicht nur für Schauspieler ein Rollenspiel.

Die Ausstellung versammelt 112 Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen und Privatsammlungen wie der Nationalgalerie Berlin, der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, dem Museum Ludwig, Köln, der Tate, London und dem St. Louis Art Museum. Unter den gezeigten Werken sind auch zwei großformatige, bisher kaum in Europa präsentierte Triptychen aus amerikanischen Sammlungen. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen realisiert, die eine der größten Beckmann-Sammlungen Deutschlands besitzt.