WOMAN FEMINISTISCHE AVANTGARDE + Martin Beck

WOMAN
FEMINISTISCHE AVANTGARDE
DER 1970ER-JAHRE aus der SAMMLUNG VERBUND

6. Mai bis 3. September 2017
Das mumok widmet sich mit dieser Ausstellung einem der wichtigsten kunstgeschichtlichen Phänomene der 1970er-Jahre: dem Aufbruch weiblicher Künstlerinnen, die in einer von Männern bestimmten Kunstwelt erstmals in der Geschichte der Kunst kollektiv ein selbstbestimmtes neues Bild der Frau schufen.

Martin Beck
rumors and murmurs

Mit rumors and murmurs zeigt das mumok eine umfassende Personale des in New York und Wien lebenden Künstlers Martin Beck. Die Schau versammelt Werke der vergangenen 10 Jahre, sowie mehrere für diesen Anlass produzierte Arbeiten.

Maria Lassnig

Maria Lassnig zählt mit Louise Bourgeois, Joan Mitchell und Agnes Martin zu den wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Bereits früh macht sie ihren eigenen Körper zum Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körperbewusstsein und das Verhältnis von Mann und Frau zentrale Themen der internationalen Avantgarde werden.

Drei Jahre nach ihrem Tod würdigt die Albertina Lassnig mit einer Retrospektive des zeichnerischen Werks und führt rund 100 der schönsten Handzeichnungen der Künstlerin zusammen. Bislang völlig unbekannte Blätter erweisen sich in der Schau als Schlüsselwerke – gemeinsam mit Vertrautem werfen sie neues Licht auf ihr Konzept der Body-Awareness und erschließen neue Einblicke in das vielseitige Werk der Österreicherin.

Eine Ausstellung der Albertina in Kooperation mit dem Kunstmuseum Basel.

Thomas Struth – Figure Ground

Die Übersichtsausstellung des wegweisenden deutschen Fotografen Thomas Struth (*1954) ist die bislang umfangreichste Präsentation seines genrebestimmenden Œuvres. Sie umfasst vier Jahrzehnte und jede Phase seiner bedeutenden künstlerischen Karriere. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen dabei die Aspekte seiner gesellschaftlichen Interessen, die die wichtigsten Triebkräfte in Struhts international einflussreicher künstlerischen Entwicklung darstellen. Von seiner ersten Serie Unbewusste Orte, die 1987 publiziert wurde, bis zu seinen jüngsten Arbeiten, die sich mit Wissenschaft und Technologie in einer globalisierten Welt befassen, entfaltet Struths Arbeit ihre eigene analytische Qualität – durch seine Themenwahl, deren fotografische Umsetzung und die Arten der Präsentation. Befragt werden die Relevanz des öffentlichen Raums und die Transformation der Großstadt, der Faktor des sozialen Zusammenhalts durch familiäre Solidarität, die Bedeutung der Beziehung zwischen Natur und Kultur und die Grenzen und Chancen neuer Technologien. Weiterhin sind Struths Zielsetzungen durch einen teilhabenden Impuls charakterisiert, da seine Bilderfindungen und Bildstrategien auf der Basis kollektiven Wissens individuelle Interpretationen zulassen.

Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal frühe Arbeiten sowie Ressourcen zu Struths Themen, die er über Jahrzehnte gesammelt hat, die Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers vermitteln. Zusammen mit den Fotografien beleuchtet dieses Material die über lange Zeit bestehenden Interessen, die den verschiedenen Serien zugrunde liegen, und zeigen den Prozess der künstlerischen Umsetzung bis zur Fertigstellung des Bildes.
Mit rund 130 Werken, zwei Mehrkanal-Videoinstallationen und einer Auswahl von Archivmaterial liefert die Ausstellung im Haus der Kunst den bislang vollständigsten Überblick über Struths künstlerische Entwicklung bis zum heutigen Tag. Seine frühen Ideen werden mit bekannten Serien in Zusammenhang gebracht, darunter Straßen, Unbewusste Orte, Portraits, Museumsbilder, Paradise, und Audiences, die wiederum mit ortsspezifischen Arbeiten wie dem Löwenzahnzimmer in Dialog treten, Fotografien von Landschaften und Blumen für die Krankenzimmer der Klinik Lindberg im schweizerischen Winterthur. Weiterhin vertreten sind Fotografien, die vor kurzem in der Ausstellung Nature & Politics gezeigt wurden. Innerhalb dieses Wechselspiels wird durch die Fähigkeit des Künstlers, Analyse und individuelle Bildfindung in facettenreichen Werken und Techniken zusammenzuführen, eine übergreifende Idee erzeugt, wie den fundamentalen Belangen von heute zu begegnen ist.
Die Ausstellung wird von einem Katalog von Schirmer/Mosel, München, begleitet, den Fernando Gutierrez gestaltet hat und der Texte von Thomas Weski, Ulrich Wilmes und Jana-Maria Hartmann sowie ein Gespräch des Künstlers mit Okwui Enwezor enthält.
Die Ausstellung wird vom Haus der Kunst organisiert und von Thomas Weski kuratiert.

Die Ausstellung „Thomas Struth: Figure Ground“ wurde durch maßgebliche Unterstützung der Alexander Tutsek-Stiftung ermöglicht.

Besonderer Dank für zusätzliche Unterstützung gilt:
Marian Goodman Gallery, New York/London/Paris
Galeria Max Hetzler, Berlin/Paris
Galerie Rüdiger Schöttle, München


Wir danken unseren Gesellschaftern, dem Freistaat Bayern und der
Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst e.V., sowie unserem Hauptförderer, der Alexander Tutsek-Stiftung, für ihre jährliche Unterstützung unseres Programms.

Juergen Teller. Enjoy Your Life!

Juergen Teller, geboren 1964 in Erlangen, zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Seit 1986 lebt er in London. Dort begann er für Musik-, Zeitgeist- und Modemagazine zu fotografieren. Bekannt wurde er 1991 als er die Band Nirvana fotografierte und seine Fotos von Kurt Cobain veröffentlichte. Juergen Tellers Arbeiten bewegen sich seitdem an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie. Rund 250 Bilder geben Einblicke in sein Gesamtwerk.

Richard Serra Films and Videotapes

Kurator: Søren Grammel
Richard Serra (geb. 1938 in San Francisco) zählt zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Er wird meist mit seinen monumentalen Aussenskulpturen aus Stahl in Verbindung gebracht, mit denen er seit den 1970er-Jahren immer wieder öffentliche Debatten provoziert – so auch in Basel, wo er auf dem Theaterplatz mit seiner Skulptur Intersection einen markanten Akzent gesetzt hat. Die von Serra hervorgebrachten Strukturen und Skulpturen lösen komplexe ästhetische Erfahrungen aus, die das Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung – sei diese gebauter, urbaner oder landschaftlicher Natur – und seine Wahrnehmung der Welt direkt betreffen.
Die Ausstellung Richard Serra: Films and Videotapes im Kunstmuseum Basel | Gegenwart legt nun den Fokus auf sein filmisches Schaffen, das seit den Anfängen 1968 bedeutende Impulse für den künstlerischen und experimentellen Umgang mit beiden Medien geliefert hat. Serra hat nicht zuletzt auch eine Reihe von Personen in sein filmisches Schaffen einbezogen, die im Bereich der Kunst- oder Filmgeschichte ihre eigene Bedeutung erlangt haben, beispielsweise Joan Jonas, Nancy Holt oder Babette Mangolte.
Die Ausstellung versammelt sechzehn Filme und Videos, die Richard Serra zwischen 1968 und 1979 angefertigt hat. Alle Werke können im Originalformat betrachtet werden. Richard Serra: Films and Videotapes ist die erste Ausstellung, die in solch umfassender Weise dem gesamten filmischen Schaffen Serras gewidmet ist. Denn obwohl diese Werke von der Kunsttheorie als bedeutende Komponente in Serras OEuvre betrachtet werden, sind sie als ein zusammenhängender Werkkomplex im Ausstellungsbetrieb relativ unterrepräsentiert geblieben – was möglicherweise dem Umstand geschuldet ist, dass es schwierig ist, 16mm-Filmmaterial über einen längeren Zeitraum konstant zu präsentieren. Dem Kunstmuseum Basel aber erscheint es wichtig, dem bewegten Bild in Serras Werk eine Bühne zu geben.
Die Öffentliche Kunstsammlung Basel besitzt sechs Filme und vier Videos von Richard Serra, von denen einige schon 1977 von Franz Meyer, die anderen 1980 von Christian Geelhaar angekauft wurden. Vier Filme sowie eine Videoarbeit werden vom Museum of Modern Art (MoMA) in New York ausgeliehen. Ein weiteres Video kann mit Unterstützung der Stiftung Situation Kunst, Bochum, gezeigt werden.
Mit Ausnahme des Videos China Girl wurden sämtliche Vorführkopien für die Ausstellung mit Unterstützung des MoMA produziert, das seit Längerem an der Entwicklung neuer Restaurierungsverfahren für zelluloidbasierte Kunst arbeitet.
Zur Ausstellung erscheint die Publikation Richard Serra: Films and Videotapes als siebte Ausgabe der Reihe Manual, mit Essays von Tom Holert und Maja Naef sowie einem Vorwort und Werktexten von Søren Grammel.
Die Ausstellung wird unterstützt durch:
Fonds für künstlerische Aktivitäten im Museum für Gegenwartskunst der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Christoph Merian Stiftung
Stiftung für das Kunstmuseum Basel

Foto Kinetik Bewegung, Körper & Licht in den Sammlungen

Die Verbindung von Bewegung, Körper und Licht ist Thema der neuen Sammlungsausstellung in Partnerschaft mit der Generali Foundation am Museum der Moderne Salzburg. Der Bogen der Werke spannt sich vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und schließt die unterschiedlichsten Medien ein: Kinetische Objekte, Performances und Filmarbeiten werden im Zusammenspiel mit Fotogrammen und Fotografien, Lithografien und Zeichnungen gezeigt.
Auf der Ausstellungsebene Mönchsberg [2] wurde eine neue thematische Präsentation aus den reichhaltigen Sammlungen des Museum der Moderne Salzburg eingerichtet, bei der sich die verschiedenen Bestände wieder ideal ergänzen, wie jene der Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg, der Fotosammlung des Bundes, der Sammlung FOTOGRAFIS Bank Austria und der hauseigenen des Museum der Moderne Salzburg. Darunter finden sich jüngste Erwerbungen sowie ein Raum, der allein dem Werk von Gustav Metzger gewidmet ist, dem Begründer der „auto-destruktiven“ Kunst, der kürzlich im 90. Lebensjahr verstorben ist.
Mit der Erfindung von Foto- und Filmkamera eröffneten sich neue Möglichkeiten der künstlerischen Aufzeichnung und Reflexion von Bewegung. Technische Neuerungen erweiterten die Ausdrucksmög-lichkeiten der Künstler_innen maßgeblich, die sich bis heute auch mittels klassischer Techniken wie der Zeichnung der Wahrnehmung und Repräsentation von Bewegung widmen. „Die Auseinandersetzung der Künstler_innen mit Bewegung, insbesondere mit Formen ihrer Darstellung, hinterfragt auch die Grenzen und Voraussetzungen des jeweiligen, oft neuen Mediums. Sie reflektiert Konstanten in der Kunst wie Wahrnehmung von Subjekten und Objekten, die Faktoren Raum und Zeit und die Rolle der Betrachter_innen in diesem Gefüge“, unterstreicht Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg. „Die Begriffe ‚Foto‘ und ‚Kinetik‘ stammen aus dem Griechischen und bedeuten Licht und Bewe-gung. Besonders in den 1950er-Jahren nehmen diese beiden Komponenten eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer kinetischen Kunst ein, die Bilder, Objekte oder auch den Körper des Menschen in Bewegung versetzt“, erläutert Antonia Lotz, Kuratorin Sammlung Generali Foundation. Die Werkauswahl aus in der Regel als statisch betrachteten Kunstformen wie Zeichnung, Malerei oder Fotografie und bewegten Objekten, Performance und Film, umkreist unterschiedliche Aspekte von Bewegung. In der Ausstellung sind über hundert Werke von rund dreißig Künstler_innen aus neun Ländern zu sehen.

Thematischer Rundgang durch die Ausstellung
Die Arbeiten von Dorit Margreiter eröffnen das thematische Feld der Ausstellung: In Margreiters Werk zentrum (cinéma) (2016) verschränkt sich die Utopie von Design und Typografie mit der Idee des Mobile, eines sich ständig in Bewegung befindlichen, und somit immer neue Formen annehmenden Kunstobjekts. Das frei schwebende kinetische Objekt balanciert im Luftzug zwischen Statik und Bewegung und lässt die Betrachter_innen zum Teil des Bildraums werden. Margreiters Serie von „Lichtzeichnungen“, in der sie mit den gleichen Buchstaben arbeitet, die auch im Mobile das Wort „cinéma“ ergeben, hält Bewegungsspuren fest, die die auf Papier gelegten Buchstaben durch Einwirken von Sonnenlicht hinterlassen. Diese Methode und die daraus entstehenden Abstraktionen erinnern an Fotogramme in der Tradition von Bauhaus und Konstruktivismus.
Das künstlerische Arbeiten mit Licht führt zum zentralen Thema einer eigens eingerichteten Wand mit Fotogrammen und Fotografien. Die von Eadweard Muybridge begründete Serienfotografie, die erstmals tierische und menschliche Bewegungsabläufe sichtbar machte, zählt zu den Meilen-steinen der Foto- und Filmgeschichte. Genauso alt wie die Fotografie ist auch die Methode des Fotogramms, bei der durch Anordnung und Aufbelichten von Gegenständen auf lichtempfindliches Material ohne Kamera umrisshafte Darstellungen entstehen, in denen diese Gegenstände weiß auf schwarzem Untergrund erscheinen. In der Anfangszeit der Lichtbildkunst wurde diese Technik immer wieder neu entdeckt und so zählen unter anderem Christian Schad mit seinen Schadografien und Man Ray mit seinen Rayogrammen zu ihren Erfindern. Auch László Moholy-Nagy bediente sich der Methode und trug in den 1920er-Jahren maßgeblich zur Etablierung der neuen Kunstform bei. Ebenso gehört das Werk von Lotte Jacobi zu den kameralosen Fotografien. In ihren „photogenics“ der 1950er-Jahre unterbrach sie den auf Papier einfallenden Lichtschein mittels kleinerer Glasstücke oder verdrehtem Zellophan. Das Interesse an der Technik des Fotogramms reicht weiter über die Arbeiten der späten 1970er-Jahre von Barbara Kasten bis in die Gegenwart mit einer Lichtarbeit von Ernst Caramelle und Adgrafien von Werner Kaligofsky. Mit Fotografien von Francis Bruguière, Jaromír Funke, Heinz Loew und Otto Steinert finden sich darüber hinaus auf der Wand Beispiele fotografischer Stillleben mit Licht und Schatten, verschiedene Licht- und Bewegungsstudien sowie Experimente mit Doppel- und Langzeitbelichtungen.
Die Lichtobjekte von Brigitte Kowanz übersetzen die Beziehung von Licht und Schatten in den dreidimensionalen Raum. Kowanz, die dieses Jahr Österreich auf der Biennale von Venedig vertritt, entdeckte Licht früh als ihr zentrales künstlerisches Medium. Sie überschreitet damit zunächst einen konventionellen Bild- und Malereibegriff, später auch Objektstatus, und realisiert ein auf Ausgleich bedachtes Verhältnis zwischen Werk, Raum und Betrachter_in. Eine Neustrukturierung der Beziehung von Betrachter_in und Werk war zentrales Anliegen verschiedener Kunstströmungen der 1960er-Jahre, im Besonderen auch der Kinetischen Kunst. Marc Adrian integriert Bewegung als optische Illusion in seine Hinterglasmontagen, die die
Betrachter_innen dazu verleiten, vor den Bildern auf und ab zu gehen oder den Kopf hin und her zu bewegen. Auch Alfons Schilling beschäftigt sich mit der Darstellung von Raum und Bewegung in den unterschiedlichsten Medien. In seinen Linsenrasterfotografien, die aus bis zu drei Bildern zusammengesetzt sind, können die verschiedenen Ebenen nur erfasst werden, wenn die Besucher_innen vor dem Bild in Bewegung bleiben.
Den bewegten Körper in Performance und Tanz im Spannungsfeld von Politik und Geschichte thematisiert eine weitere Gruppe von Arbeiten. Die Choreografin und Tänzerin Simone Forti beschreibt sich selbst als „Bewegungskünstlerin“, sie übersetzt ihre bekannte Performance Huddle (1961) in ein Hologramm, das durch das Umkreisen der Zuschauer_innen wieder in Bewegung gebracht wird. Helene von Taussig illusioniert mit zeichnerischen Bewegungsstudien des Tänzers Harald Kreutzberg – in der Gesamtschau einem Daumenkino ähnlich – den Bewegungsablauf des expressionistischen Tänzers. Harald Kreutzberg, der zu den wichtigsten Ausdruckstänzern Deutschlands zählte, konnte seine Karriere bruchlos im nationalsozialistischen Deutschland fortsetzen. Im Gegensatz zu anderen modernen Kunstformen wurde Ausdruckstanz nicht als „entartet“ eingestuft, sondern als „Deutscher Tanz“ gefördert. Mit der Beziehung zwischen Tanz, Ideologie und Politik beschäftigt sich auch die Videoinstallation Truly Spun Never (2016) von Andrea Geyer. Das Werk ist im Auftrag des Museum der Moderne Salzburg im Rahmen der Ausstellung Kunst-Musik-Tanz entstanden und seit kurzem Teil der Sammlung des Hauses. Auch in den Werken von Marko Lulić und Luiza Margan ist die nationalsozialistische Geschichte Teil der künstlerischen Auseinandersetzung. Lulić bezieht sich in seiner Arbeit auf ein von Bogdan Bogdanović entworfenes Denkmal für die antifaschistische Gedenkstätte in Jasenovac in Kroatien und lässt choreografierte Körper einer Gruppe von Tänzer_innen in Dialog mit der Betonskulptur treten. Luiza Margan verlängert Fotos eines Partisanendenkmals in Kroatien durch Einsatz ihres Körpers über das Bild hinaus in die Realität.
Der malerischen, zeichnerischen und fotografischen Darstellung von Bewegung widmen sich einige Künstler_innen, wie Erika Giovanna Klien, Vertreterin des Kinetismus, eines speziellen Wiener Phänomen aus den Jahren 1919 bis 1929. Ihre Mappe mit zwölf Linolschnitten befasst sich mit der Bewegung von Mensch, Tier, Pflanze und Licht. Sie basiert auf ihren Erfahrungen der Lehre bei Franz Čižek an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo der Kinetismus durch die Beschäftigung mit der Formensprache des Kubismus und den Erfahrungen von Bewegung und Rhythmus im Futurismus entstand. Zu den Wiederentdeckungen aus den eigenen Beständen zählen Blätter von Max Ernst, die sich Tanz und Rhythmus mit surrealistischem Ansatz widmen. Surrealismus und Phantastischer Realismus waren Ausgangspunkt des in Wien geborenen Künstlers Curt Stenvert, der sich ab 1946 Ursache, Antrieb und Motivation der Bewegung verschreibt. Stenvert, der sich in seinen Werken auch mit der Repräsen-tation von Musik über die malerische, bewegte Linie beschäftigt, zählt zu den Gründungsmitgliedern des legendären Art Club, der sich in den 1950er-Jahren im Strohkoffer unter der American Bar von Adolf Loos in Wien traf. Ferry Radax nutzt in seiner Fotoserie Art Club, Strohkoffer unter anderem
Mehrfachbelichtung, um das bewegte Leben der Wiener Kunstszene rund um den Jazz einzufangen. Die Beschäftigung mit Musik klingt auch in der Serie der Etüden von Ulrike Lienbacher an. In einer zweiten Werkserie, den Konstellationen, unternimmt Lienbacher eine zeichnerische Bewegungsforschung. Die verschieden großen Blätter bringen den ephemeren Charakter von Tanz zum Ausdruck und zählen ebenfalls zu den jüngsten Ankäufen des Museum der Moderne Salzburg, die aus der letztjährigen Ausstellung Kunst-Musik-Tanz erfolgten. In der Fotoserie von Ian Wallace verbirgt sich eine Choreografie, die an Performance und zeitgenössischen Tanz erinnert. Ziel des Künstlers war es, eine abstrakte Komposition aus der Anordnung von Menschen zu schaffen. Die daraus resultierende Spannung zwischen Abstraktion und Figuration ist kennzeichnend für viele der in der Ausstellung versammelten Werke.
Die Lichtbildinstallation 1991 von Mathias Poledna / Karthik Pandian basiert auf einem 35-mm-Film, der mit einer um 90 Grad gedrehten Kamera aufgenommen wurde, um so ein hochformatiges Porträt des Topmodel Marike Le Roux in hoher Auflösung zu erzielen. Die 24 einzelnen Kader einer Filmsekunde wurden jeweils als Lichtbild gerahmt, der Film somit in seine Grundbestandteile zerlegt. Dabei entschleunigen die Künstler das Filmbild um einen weiteren Schritt, in dem pro Tag ein einziges Lichtbild gezeigt wird, dessen minimale Änderungen nur durch mehrmaligen Ausstellungsbesuch zu erfassen sind.
In Gedenken an den im März 2017 verstorbenen Künstler Gustav Metzger ist seiner Arbeit ein eigener Raum gewidmet. 1959 verfasst Metzger sein Konzept der Auto-Destructive Art, einer autodestruktiven Kunst, in der sich Werke durch biologische, chemische oder technologische Systeme selbst zerstören und als Kunstwerk erst abgeschlossen sind, wenn der Verfalls-prozess beendet ist. Das von Metzger 1966 in London ko-organisierte Destruction in Art Symposium wurde im internationalen Maßstab zum zentralen Ereignis der Auseinandersetzung mit Zerstörung durch die künstlerische Generation der Nachkriegszeit. In seiner Arbeit Mobbile (1970) hat die kinetische Plastik natürliche Bestandteile: Äste und Fleischstücke sind in einem Plexiglaskubus aufgehängt, der auf einem Autodach positioniert, und über einen Schlauch mit dem Auspuff des Wagens verbunden ist. Verdörrt der Inhalt, wird das Automobil zum Mobile-Zerstörer.
Mit Werken von Marc Adrian (1930 – 2008 Wien, AT), Francis Bruguière (1879 San Francisco, CA, US – 1945 London, GB), Ernst Caramelle (1952 Hall, AT – Frankfurt am Main, DE und New York, NY, US), Max Ernst (1891 Brühl, DE – 1976 Paris, FR), Simone Forti (1935 Florenz, IT – Los Angeles, CA, US), Jaromír Funke (1896 Skuteč, CZ – 1945 Kolín, CZ), Andrea Geyer (1971 Freiburg, DE – New York, NY, US), Lotte Jacobi (1896 Toruń, PL – 1990 Deering, NH, US), Werner Kaligofsky (1957 Wörgl, AT – Wien, AT), Barbara Kasten (1936 Chicago, IL, US), Erika Giovanna Klien (1900 Borgo Valsugana, IT – 1957 New York, NY, US), Brigitte Kowanz (1957 Wien, AT), Ulrike Lienbacher (1963 Oberndorf / Salzburg – Salzburg und Wien, AT), Heinz Loew (1903 Leipzig, DE – 1981 London, GB), Marko Lulić (1972 Wien, AT), Luiza Margan (1983, Rijeka, HR – Wien, AT), Dorit Margreiter (1967 Wien, AT), Gustav Metzger (1926 Nürnberg, DE – 2017 London, GB),
László Moholy-Nagy (1985 Bácsborsód, HU – 1946 Chicago, IL, US), Eadweard Muybridge (1830 – 1904 Kingston upon Thames, GB), Mathias Poledna / Karthik Pandian (1965 Wien, AT – Los Angeles, CA, US / 1981 Los Angeles, CA, US), Ferry Radax (1932 Wien, AT), Man Ray (1890 Philadelphia, PA, US – 1976 Paris, FR), Christian Schad (1894 Miesbach, DE – 1982 Stuttgart, DE), Alfons Schilling (1934 Basel, CH – 2013 Wien, AT), Otto Steinert (1915 Saarbrücken, DE – 1978 Essen, DE), Curt Stenvert (1920 Wien, AT – 1992 Köln, DE), Helene von Taussig (1879 Wien, AT – 1942 Ghetto Izbica, PL), Ian Wallace (1943 Shoreham, GB – Vancouver, CA)
Kuratiert von: Antonia Lotz, Kuratorin Sammlung Generali Foundation, unter der Leitung von Sabine Breitwieser, Direktorin Museum der Moderne Salzburg

Teresa Burga Conceptual Installations of the 70s

Teresa Burga (*1935 Iquitos, Peru) ist international als eine der einflussreichsten peruanischen Künstlerinnen anerkannt. Mitte der sechziger Jahre war sie maßgeblich an der Umgestaltung und Erneuerung der Kunstszene in Peru beteiligt. Darüber hinaus trug sie, bedingt durch ihre Arbeit innerhalb der Künstlergruppe Arte Nuevo (1966-67), an der Konsolidierung der avantgardistischen Ströme bei.

Nach ihrem Studium verbrachte sie zwei für sie sehr prägende und intensive Jahre am Art Institute of Chicago. Die hier gesammelten Erfahrungen mit Konzeptkunst, der nordamerikanischen Studentenbewegung und der schwarzen Bürgerrechtsbewegung brachte sie mit zurück in das von einer Militärdiktatur regierte Peru. Nach ihrer Rückkehr nach Lima bediente sie sich experimenteller Prozesse und neuer kreativer Strategien, die sich mit Informationstechnologie, wissenschaftlichen Analysen und Verzeichnissen, sowie mit den Erscheinungsformen konzeptueller Kunst beschäftigten. Ihre Arbeiten erscheinen daher häufig in Form von Berichten, Beschreibungen und Diagrammen, die vergangene Aktionen dokumentieren oder zukünftige Projekte formulieren. Ihre Arbeiten können aber auch die Übersetzung von Realität und Sprache in unterschiedliche Codes beinhalten und bemessen. Die Künstlerin hinterfragt die staatlichen Kontrollmechanismen und ihre inhärente Biopolitik, sowie das Instrument der Datenerfassung, indem sie ihren eigenen Körper vermisst. Soziologische Analysen in Hinblick auf die Rolle der Frau in der peruanischen Gesellschaft werden von ihr mit einer Fülle von Zeichnungen und Objekten aus der Sicht der Künstlerin visualisiert.

Anlässlich des Gallery Weekends Berlin 2017 zeigt die Galerie Barbara Thumm eine der zentralen Installationen von Teresa Burga, die 1970 konzipiert wurde. Die Arbeit Obra que desaparece cuando el espectador trata de acercarse (propuesta III) / Work that Disappears when the Viewer Tries to Approach It (Proposal III) beschäftigt sich mit der konzeptuellen Fragen nach der Rezeption und Wirkungsmöglichkeiten eines Kunstwerkes.
Burga hat dabei nicht nur die direkte Erfahrung des Betrachters vor Augen, sondern auch die gesellschaftliche Relevanz der durch das Kunstwerk vermittelten Information. Die Arbeit verdeutlicht dem Betrachter außerdem Burgas Interesse am Immateriellen sowie an Zeichnungen, als Basis für die Interpretation ihrer Installation.

Die konzeptuelle Zeichnungsserie Borges wird zum ersten Mal seit ihrer Präsentation 1974 in Lima einem Publikum gezeigt. Diese Serie ist ein umfassendes und besonders repräsentatives Beispiel für Burgas Textarbeiten, in denen sie Sprache dekonstruiert und anhand von Diagrammen und mathematischen Mustern neu kodiert. Die Serie basiert auf einem der bekanntesten Gedichte von Borges La noche que en el sur lo velaron / Deathwatch on the southside.

Parallel zu der Berliner Ausstellung präsentiert die Galerie Barbara Thumm Burgas Pop Art Arbeiten in der Spotlight Sektion auf der Frieze New York. Gleichzeitig eröffnet die Soloausstellung der Künstlerin im SculptureCenter, New York. Darüber hinaus wird Teresa Burga dieses Jahr in den Gruppenausstellungen Radical Woman im Hammer Museum (Los Angeles) als auch in der Ausstellung Memories of Underdevelopment im Museum of Contemporary Art San Diego in 2017 zu sehen sein.

Enemy of the Stars

Mitte der 1980er-Jahre erlangte der US-amerikanische Künstler und Kritiker Ronald Jones (*1952) in New York Bekanntheit durch die Verwendung gegensätzlicher formaler und minimaler Sprache zur Erkundung von Geschichte als Medium. Durch die Gegenüberstellung von historischen Begebenheiten, Innovationen, Entdeckungen, Gewalt und Angst untersucht er die komplexe Wechselbeziehung von Begebenheiten, die unsere Selbstwahrnehmung sowie unsere Wahrnehmung der Welt definieren, indem er scheinbar beziehungslose Ereignisse verbindet. Das Verhältnis zwischen modernistischen Kodierungen und Kodierungen von Macht ist ein beständiges Thema seiner Arbeiten.

In Anlehnung an Jones’ Ausstellung im Grazer Kunstverein 2014, die seine Werke erstmals seit seinem Rückzug als Künstler Mitte der 1990er-Jahre der Öffentlichkeit präsentierte, unternimmt Enemy of the stars den Versuch, Jones’ Praxis zu erweitern, indem seine Arbeiten mit Werken von gleichaltrigen Künstlerinnen und Künstlern wie David Hammons, Louise Lawler und Julia Scher sowie mit historischen Werken von Helmar Lerski in engen Austausch gebracht werden. Dabei soll ein kritischer Dialog darüber entstehen, wie politische Ideen in Beziehung zur Biografie stehen, wie Text sich zu Form verhält und in welcher Relation Identität und Subjekt stehen.

Die Ausstellung wird begleitet von der Veranstaltungsreihe Addendum, die neue wie bereits existierende Arbeiten von Jenna Bliss, Sidsel Meineche Hansen, Ishion Hutchinson und K.r.m. Mooney präsentiert. Anhand temporärer Interventionen, Performances, Filmen und Kollaborationen erweitert, verkompliziert und untersucht Addendum das Ausstellungsvorhaben von Enemy of the stars.

Enemy of the Stars wird organisiert von dem Künstler Jason Dodge und Krist Gruijthuijsen, Direktor der KW Institute for Contemporary Art. Addendum wird kuratiert von Anna Gritz, Kuratorin der KW.

Die Ausstellung wird großzügig unterstützt von der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, dem KW Freunde e. V., den Mitgliedern des KUNST-WERKE BERLIN e. V. und der Julia Stoschek Collection. Die Präsentation der Arbeiten von Helmar Lerski wird unterstützt vom Museum Folkwang, Essen. Mit besonderem Dank an Christine König und Christiane Rhein.

 

Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Band 2: Werknummern 199-388 1968-1976 (deutsch/englisch)

DAS VERLEGERISCHE GROSSPROJEKT WIRD FORTGESETZT
GERHARD RICHTER CATALOGUE RAISONNÉ. VOLUME 2
Gerhard Richter erschuf in fünf Jahrzehnten ein stilistisch vielfältiges und komplexes Œuvre. Sein Werk umfasst heute mehr als 3.000 einzelne Arbeiten.
Das sechsbändige Werkverzeichnis
Gerhard Richter Catalogue Raisonné.
versammelt erstmalig alle Arbeiten
des Wahlkölners in einer einzigartigen Gesamtübersicht.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert arbeitet Gerhard Richter an der Erneuerung der Malerei. Sein Œuvre faszin
iert durch ein Spannungsverhältnis von Figu-
ration und Abstraktion, von Bedeutung und Bana
lität. Richter, 1932 in Dresden geboren,
gehört zu den renommiertesten und einflussreichsten Künstlern unserer Zeit. Er studierte
von 1961 bis 1964 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, an der er später auch als
Professor lehrte. Seine Arbeiten sind in zahlreichen bedeutenden Museen und privaten
Sammlungen vertreten. 2002 präsentierte das New Yorker Museum of Modern Art sein
Werk in einer umfangreichen Retrospektive. Anlässlich seines 80. Geburtstages fanden
Ausstellungen in London, Berlin, Paris und D
resden statt. Ebenfalls zum Jubiläum erschien
der erste Band seines auf sechs Titel angelegten Werkverzeichnisses. Vorbereitet wurde
dieses auf Basis jahrelanger Recherchen von He
rausgeber Dietmar Elger, der gleichzeitig
auch das Gerhard Richter Archiv an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
verantwortet.
Elger publizierte bereits 1986 ein Werkverzeic
hnis Richters, sah aber dringenden Bedarf für
eine Neuproduktion mit wissenschaftlichem An
spruch: »1986 waren Besitzer, Ausstellungen
und Literatur gelistet worden, allerdings hatte ich auf Vorschlag von Herrn Richter im
Vorwort noch geschrieben, alle Bilder seien rü
ckseitig nummeriert. Das stimmte so natürlich
nicht. Also war es dringend an der Zeit, das
Werkverzeichnis zum einen zu aktualisieren und
zum anderen auf einen wissenschaftlicheren Stand zu bringen und zusätzliche
Informationen wie die Provenienz der Werke anzugeben, neue Besitzerangaben zu
ergänzen, möglichst komplette Informationen zu Ausstellungen und Literatur sowie einige
Kommentare und Vergleichsabbildungen hinzuzufügen.«
Mit Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 2
ist nun der zweite Band dieser
aufwändigen Reihe erschienen. Im Fokus stehen Richters Farbtafelwerke, Stadt- und
Landschaftsbilder sowie die Serie der sogenannten grauen Bilder aus den Jahren 1968-1978.
Die Bände
Gerhard Richter Catalogue Raisonné. Volume 3
und
Volume 4
sind ebenfalls bereits lieferbar. Die Ausgaben fünf und sechs
sind in Arbeit und folgen in den nächsten
Jahren.

MILLIONENPREIS FÜR SISI-PORTRÄT

Sensationsergebnis von 1,5 Mio. Euro für das Gemälde zur Verlobung der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich im Dorotheum

Carl Theodor von Piloty (1826 – 1886) und Franz Adam (1815-1886) Elisabeth von Österreich als Braut zu Pferd in Possenhofen 1853, Öl auf Leinwand, 128 x 108 cm, versteigert für € 1,540.000

Man hätte eine Stecknadel fallen hören: Nach minutenlangem Bieterduell konnte ein Telefonbieter bei 1.540.000 Euro das im Dorotheum offerierte Sisi-Gemälde unter Applaus für sich gewinnen.

Das von Carl Theodor von Piloty und Franz Adam gemalte historisch bedeutsame Porträtbild „Kaiserin Elisabeth von Österreich als Braut zu Pferd in Possenhofen“ war Spitzenlos der Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ am 27. April 2017 und konnte trotz Ausfuhrsperre des Denkmalamtes diesen Rekordpreis erzielen.

Das Bild war das Weihnachtsgeschenk von Sisi, der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich, an Kaiser Franz Joseph im Verlobungsjahr 1853. Es zeigt die 15jährige Herzogin in Bayern hoch zu Ross vor dem elterlichen Schloss in Possenhofen und dem Starnberger See. Mehr als 150 Jahre war es in Habsburgischem Privatbesitz gewesen. Danach verloren sich für die Öffentlichkeit die Spuren dieses für Kaiser Franz Joseph wohl bedeutendsten persönlichen Gegenstandes – hing das Gemälde doch 60 Jahre lang, bis zum Tod des Monarchen, über seinem Bett in der Wiener Hofburg.

DIE PINAKOTHEKEN IM MAI – Die Sammlung hat sich auf eine Reise ins digitale Zeitalter begeben

Alles neu macht der Mai! Und auch die Pinakotheken befinden sich in Aufbruchstimmung: Unsere Sammlung hat sich auf eine Reise ins digitale Zeitalter begeben – seit einigen Wochen finden Sie unter www.sammlung.pinakothek.de rund 25.000 Werke in digitaler Form. Sie wollen Monets Seerosen bestaunen, aber auch Dürers Selbstbildnis bewundern? Alte Meister kennenlernen und moderne Kunstwerke verstehen? Das alles bietet die PinaCollection – in Sekundenschnelle, mit nur einem Klick.
Unsere Onlinesammlung macht es Ihnen außerdem möglich, zum Kurator Ihrer eigenen Ausstellung zu werden. Kreieren Sie ihre persönliche Online-Galerie aus Lieblingswerken, zusammengestellt ganz nach Ihrem Geschmack. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – probieren Sie es doch einfach mal aus!

10. BERLIN BIENNALE GIBT KURATORISCHES TEAM BEKANNT

Gabi Ngcobo, Kuratorin der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, hat Moses Serubiri (Kampala, UG), Nomaduma Rosa Masilela (New York, US), Thiago de Paula Souza (São Paulo, BR) und Yvette Mutumba (Berlin, DE) eingeladen, mit ihr als kuratorisches Team zu arbeiten. Darüber hinaus hat Gabi Ngcobo den Grafikdesigner Maziyar Pahlevan ausgewählt, der 10. Berlin Biennale ihre visuelle Identität zu verleihen.

Alle Mitwirkenden verfolgen dehnbare, stetige und im Ergebnis offene Forschungsinteressen, die von Politiken der Undurchsichtigkeit bis zu Prognosen zum Leben nach dem Weltende reichen. Sie arbeiten mit unkonventionellen Organisationsmethoden sowie Texten und Veranstaltungsformaten, die sich den Machtdynamiken verordneter Erzählweisen widersetzen. Ihre jeweiligen kreativen Strategien reflektieren historische wie aktuelle Verschiebungen und deren unbehagliche Verwicklungen. In der Vergangenheit war jedes Teammitglied individuell sowie gemeinsam mit Gabi Ngcobo in dynamischen Initiativen zum Aufbau von Gegeninstitutionen und der Anstiftung kreativer Störungen engagiert.

Die 10. Berlin Biennale wird durch diese kollektiven Träume und Aktionen entworfen und geformt. Im Gespräch mit den ausgewählten KünstlerInnen und Mitwirkenden, die mit und durch die Kunst, jedoch auch über sie hinaus agieren, wird die kuratorische Auseinandersetzung den unablässigen Ängsten die Stirn bieten, die durch das falsche Verständnis unserer vielschichtigen Subjektivität festgeschrieben werden. Angesichts des aktuellen und weitverbreiteten Zustandes einer kollektiven Psychose sowie ausgehend von Europa, Deutschland und Berlin – als einer Stadt im Dialog mit der Welt – wird der kuratorische Prozess selektiv und unvollständig sein. Er wird keine kohärenten Lesarten historischer und gegenwärtiger Situationen präsentieren. Entscheidende Ausgangspunkte für das kuratorische Team sind Strategien der Selbsterhaltung, die Herrschaftsstrukturen aktiv demontieren und eine nicht-hierarchische Position aufbauen.

Die 10. Berlin Biennale schlägt einen Plan vor, wie man einem kollektiven Wahnsinn entgegentreten kann.

SAVE THE DATE: 10. BERLIN BIENNALE, 9.6.–9.9.2018

Die Laufzeit für die 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst steht jetzt fest:

Sie findet vom 9. Juni bis 9. September 2018 an verschiedenen Orten in Berlin statt.

Sigmar Polke – Die Editionen

Das gesamte Editionswerk von Sigmar Polke, einem der bedeutendsten Künstler der
Gegenwart, wird mit rund 200 Arbeiten aus der Sammlung Kunstraum am Limes im
me Collectors Room von in Berlin zu sehen sein.
Im künstlerischen Schaffen Sigmar Polkes (*1941 Oels, Niederschlesien, †2010 Köln) nimmt
das Editionswerk einen besonderen Stellenwert ein. Editionen boten ihm eine zusätzliche
Möglichkeit, intensive und exzessive Variationen sowie Erweiterungen seiner Experimente
in Form einer endlosen Auseinandersetzung mit sich und der Welt zu erschaffen. Wie ein
Alchimist erwartete er, dass unterschiedliche Techniken seinem kreativen Ich dienten,
sodass Editionswerke als Objekte, Bücher, Mappen, Fotografien, Fotokopien, Collagen und
zahlreiche Drucke entstanden sind.
Polke ließ sich in seiner künstlerischen Entwicklung nicht von Techniken begrenzen. Zum
Teil verwandelte er identische Drucke durch die Veränderung der Bildebene, des
Hintergrunds oder der Schichtung in Unikate. So befinden sich auch in der Sammlung
Kunstraum am Limes Exemplare aus derselben Edition in mehreren Variationen wie z.B.
Freundinnen I (1967), Reihertanz (1997) oder Sauberes Auto – gute Laune (2002). Andere
Werke sind Kompositionen aus mehreren Schichten und sowohl auf der Vorder- als auch
auf der Rückseite bearbeitet, wie etwa Leave the Lab and enter the Office (1980-91) oder
Eisberg (2001). Bei Figur mit Hand (Es schwindelt…) (1973) und Danneckers Hausgecko
(2009) handelt es sich um Serigraphien bzw. Lithographien, gedruckt auf beflocktem
Strukturpapier mit Schlangenhautprägung. Bei näherer Betrachtung werden durch die
spezifische Oberflächenstruktur Rasterpunkte sichtbar, die ein Markenzeichen der Malerei
von Sigmar Polke sind.

Sigmar Polkes Bilder entstanden aus seinem Universum und seiner Umgebung heraus und
weisen zahlreiche Spuren einer Gesellschaft der Nachkriegsjahre im Wandel auf. Triviale
Szenen, Banalität des alltäglichen Lebens, kleinbürgerliche Ambitionen, nationale und
internationale Politik – alles wurde von ihm unter der Lupe betrachtet und analysiert.
Geliefert wurde so ein einmaliges Bild der Realität, das besetzt ist von Ironie, Humor und
Kritik.
Der Künstler arbeitete simultan mit verschiedenen Techniken, sodass Edition und Malerei
als Symbiose zu verstehen sind. Sie wurden nebeneinander geschaffen, erweitern ihre
Existenz und ernähren sich voneinander.
Parallel wird eine Auswahl von Plakaten Sigmar Polkes präsentiert.
Die Ausstellung wird kuratiert von Tereza de Arruda.

Im Rahmen von Sigmar Polke – Die Editionen erscheint eine Publikation im Verlag Walther
König.