Maria Lassnig

Maria Lassnig (1919 – 2014) gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Mit einer umfassenden Retrospektive würdigt das Museum Folkwang ihr epochales Werk anhand von herausragenden Gemälden und Filmen.

Ausgangspunkt und Gegenstand von Lassnigs Schaffen ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Körperempfindungen und deren Umsetzung ins Bild. Den Kern der Präsentation bilden Lassnigs Selbstporträts, ihre Reflexionen des Malprozesses im Bild sowie ihre eindrucksvollen Darstellungen von Körpern, die mit Gegenständen verschmelzen.

GUTE AUSSICHTEN JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE 2016/2017

HAUS DER PHOTOGRAPHIE / DEICHTORHALLEN HAMBURG

Deutschlands bedeutendster Wettbewerb für Absolventen im Bereich Fotografie, »gute aussichten- junge deutsche fotografie«, ist  vom 10. März bis 1. Mai 2017 wieder zu Gast im Haus der Photographie der Deichtorhallen. Aus 77 Einsendungen von 32 Institutionen kürte die Jury sieben Preisträger, darunter mit Andreas Hopfgarten und Julia Steinigeweg zwei Hamburger Absolventen.

Die Auseinandersetzung mit dem Eigenen, dem Fremden und dem Fremden als Teil von sich selbst scheint das unabgesprochene Thema von »gute aussichten 2016/17« zu sein. Preisträger, wie die in Finnland geborene Miia Autio und der aus Tübingen stammende Holger Jenss, sind nach Afrika gereist, wo sie selbst zu Fremden wurden.

Andere, wie Chris Becher, Julia Steinigeweg und Andreas Hopfgarten, haben in ihrer Umgebung Ungewohntes entdeckt und in ihren Bildern festgehalten. Carmen Catuti, in Rumänien geboren, in Berlin lebend, war in Georgien unterwegs – eine bildgewaltige Ausbeute. Quoc-Van Ninh, in Deutschland geboren und aufgewachsen, der Vater Vietnamese, die Mutter Chinesin, hat zwar Vietnam besucht, doch die Fremde, die er immer in sich trägt, war dort genauso vorhanden wie hier – dunkel und verklärt.

Allen gemein ist: Sie, die Fremden, finden im Fremden immer einen Teil von sich selbst – das Eigene. Was ihnen – und uns – auf den ersten Blick, den ersten Klick, entwurzelt, mystisch oder rätselhaft scheint, verkehrt sich bei genauer Betrachtung ins Gegenteil. Fremd bleibt nur das, wovor wir die Augen verschließen.

Insgesamt präsentiert die Ausstellung über 280 Motive, sechs Videos, drei Publikationen, zwei Diaprojektionen, ein Buch und erstmals 78 laubgesägte Holzbäume, einen Duschvorhang und einen Baum aus Papier & Tusche als Objekt.

Preisträger/innen
•    Miia Autio (Fachhochschule Bielefeld)
•    Chris Becher (Kunsthochschule für Medien Köln)
•    Carmen Catuti (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)
•    Andreas Hopfgarten (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
•    Holger Jenss (Kunsthochschule Kassel)
•    Quoc-Van Ninh (Hochschule für Künste Bremen)
•    Julia Steinigeweg (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)

Jury
Zur Jury gehörten in diesem Jahr neben der »gute aussichten«-Gründerin Josefine Raab, Stefan Becht (Neustadt/W.), Journalist und Mitbegründer von gute aussichten, Dr. Wibke von Bonin (Köln), Autorin, Kulturjounalistin und Kunsthistorikerin, Herlinde Koelbl (München), international renommierte Fotografin, Mario Lombardo, Art Director, Bureau Lombardo (Berlin), Thomas Neumann (Düsseldorf), Fotograf und gute aussichten 2004/2005 Preisträger, Amélie Schneider (Hamburg), Bildchefin des Magazins NEON sowie Ingo Taubhorn, Kurator am Haus der Photographie, Deichtorhallen (Hamburg).

BUCH
Zu gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2016/2017 ist der gleichnamige Katalog (Deutsch/Englisch) im Sieveking Verlag erschienen, herausgegeben von Stefan Becht & Josefine Raab, der die sieben Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt.: 224 Seiten, ca. 350 Abbildungen, Readerformat 16,5 cm x 24 cm, broschiert, ISBN 978-3-944874-54-8, 24,90 Euro

Prof. Dr. Susanne Gaensheimer wird Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport
teilt mit:

Prof. Dr. Susanne Gaensheimer wird Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Die Kunsthistorikerin, die zuletzt acht Jahre das MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt leitete, wechselt zum
1. September 2017 nach Düsseldorf. Sie folgt damit auf Prof. Dr. Marion Ackermann, die im vergangenen Jahr die Aufgabe der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlung Dresden übernahm. Eine von Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf geleitete Findungskommission hat die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Susanne Gaensheimer vorgeschlagen. Die Empfehlung der Kommission ist durch das Kuratorium der Kunstsammlung NRW bestätigt worden. Das Landeskabinett unter der Leitung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat der Berufung von Susanne
Gaensheimer ebenfalls zugestimmt. „Mit Susanne Gaensheimer haben wir eine zugleich erfahrene wie engagierte und äußerst kompetente Museumsleiterin gewinnen können. Frau Gaensheimer genießt darüber hinaus hohe internationale Anerkennung. Die Landesregierung freut sich, die Leitung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen an eine hervorragende Persönlichkeit übertragen zu können“, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

 Susanne Gaensheimer, 1967 in München geboren, studierte Kunstgeschichte in München und Hamburg. Von 1995 bis 1996 absolvierte sie das Independent Study Programme des Whitney Museum of American Art in New York. 1998 wurde sie mit einer Dissertation über Bruce Naumann promoviert. Ab 2001 leitete sie sieben Jahre die Sammlung für Internationale Kunst nach 1945 in der Städtischen Galerie im Münchner Lenbachhaus. Seit Januar 2009 ist sie Direktorin des MMK Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main. In dieser Zeit ist es ihr gelungen, das Museum für Moderne Kunst um eine Dependance, das MMK 2, zu erweitern.

 In Nordrhein-Westfalen war Susanne Gaensheimer bereits von 1999 bis 2001 als Direktorin des Westfälischen Kunstvereins in Münster tätig.

 „Susanne Gaensheimer ist der klassischen Moderne ebenso verpflichtet wie der zeitgenössischen Kunst. Eine ihrer großen Herausforderungen wird es sein, die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer, die wir mit großem finanziellen Kraftaufwand erwerben konnten, zu präsentieren und zu erforschen. Darüber hinaus freue ich mich auf neue, spannende Impulse für die Kunstsammlung NRW“, betonte Kulturministerin
Christina Kampmann zur Berufung von Susanne Gaensheimer.

„Die Kunstsammlung NRW gehört zu den international bedeutendsten Sammlungen der klassischen Moderne, der Nachkriegsmoderne und der Gegenwartskunst, und es ist für mich eine große Freude und Ehre, die Verantwortung für diese besondere Sammlung sowie für das K 20 und das K 21 übernehmen zu können“, erklärte Susanne Gaensheimer. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag am Kunstgeschichtlichen Institut an der Goethe-Universität Frankfurt und ist dort seit 2016 Honorarprofessorin. Sie brachte ihre Expertise ein in zahlreiche Kommissionen und Jurys, darunter die Turner Prize-Jury sowie die Findungskommissionen für die Kuratorinnen der 7. und 8. Berlin Biennale 2012/14.

Oh… Jakob Lena Knebl und die mumok Sammlung / Hannah Black Small Room

Jakob Lena Knebl
17. März bis 22. Oktober 2017
Auf Schubladendenken lässt sich die Künstlerin Jakob Lena Knebl nicht ein, weder im Leben, noch in der Kunst. Entsprechend frei geht sie auch die Neuaufstellung der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst im mumok an, die sie gemeinsam mit eigenen, neu konzipierten Arbeiten und Mut zum Exzentrischen präsentiert.

Hannah Black
Small Room

17. März bis 18. Juni 2017
Für ihre Personale im mumok entwickelt die Künstlerin Hannah Black eine Videoinstallation auf der Grundlage von Bildern, mit denen Prozesse innerhalb einzelner biologischer Zellen visualisiert werden. Die Ausstellung setzt sich mit Fragen der kollektiven Identität, der Abstraktion von „Leben“ sowie der Instrumentalisierung von Herkunft und Abstammung auseinander.

Horst Bartnig | konkret: unterbrechungen

Nur zwei strukturelle Prinzipien ermöglichen Horst Bartnig, seine Malerei in einen Kosmos von kaum vorstellbarer Vielfalt zu dehnen: die variationen und die daraus hervorgegangenen unterbrechungen.
Zählt im Einzelbild seiner Malerei die Geometrie mit ihren klaren Farbwechseln, ist es in der Begegnung mit mehreren Bildern genau umgekehrt.
Es sind keine spontanen oder zufälligen Bilder, die bei Horst Bartnig entstehen. Sie basieren auf computergestützten Berechnungen. Damit ist er ein künstlerischer Sonderfall. Mit seinen Experimenten
in der Computerkunst und der Systematik seiner farb-geometrischen Malerei zählte er international zu einem sehr kleinen Kreis von Künstlern. Bis heute beweist sein Werk, trotz unzähliger Trends
und Strömungen in der Kunst, welche Lebendigkeit und Frische eine solche Malerei verkörpert. Ihre visuellen Möglichkeiten scheinen grenzenlos zu sein. Dabei ist die Menge der Formen eng begrenzt. 
Der künstlerische Weg führte den 1936 in Militsch (Schlesien) Geborenen zunächst nach Magdeburg, an die Fachschule für angewandte Kunst. Danach war er in Berlin als Bühnenmaler tätig.
Einen wichtigen Impuls für die konsequente Hinwendung zur Konkreten Kunst erhielt er 1964 durch die Lektüre der Programmschrift von Kasimir Malewitsch, „Die gegenstandslose Welt“, in der Staatsbibliothek Berlin.
Die Magdeburger Ausstellung rückt nicht nur das einzelne Bild in den Fokus, sondern vielmehr die komplexen Beziehungen der Werke untereinander. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Horst Bartnig

geb. 1936 in Militsch/Schlesien; 1954-1957 Fachschule für angewandte Kunst, Magdeburg; seit 1959 in Berlin, Tätigkeit als Bühnenmaler z.B. am Berliner Ensemble; 1979 Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Rechentechnik und Informatik in Berlin-Adlershof; 1984 Preis der 7. Norwegischen internationalen Grafik Biennale, Fredrikstad; erste grafische unterbrechungen mit Hilfe des Computers; 1993 Will-Grohmann-Preis, Akademie der Künste Berlin; 2001 Hannah-Höch-Preis der Berlinischen Galerie 
Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland, u.a. Forum konkrete Kunst Erfurt; Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig; Haus Konstruktiv – Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst Zürich; Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder); Berlinische Galerie; Neues Museum Nürnberg

Ein Fest des Staunens Charlotte Moorman und die Avantgarde, 1960–1980

Als einzige Station in Europa präsentiert das Museum der Moderne Salzburg eine umfangreiche Schau über das Werk und den Einfluss der US-amerikanischen Musikerin und Performance-Künstlerin Charlotte Moorman. Ihr künstlerisches Schaffen und ihre Rolle als Vermittlerin von Avantgardekunst werden in dieser Ausstellung erstmals umfassend gewürdigt und Moorman in ein neues Licht gerückt.
Das Museum der Moderne Salzburg widmet die Ebene [3] am Mönchsberg der Ausstellung Ein Fest des Staunens. Charlotte Moorman und die Avantgarde, 1960–1980, die von der New York Times zu den besten Ausstellungen des Jahres 2016 gewählt wurde. Sie umfasst Werke in ganz unterschiedlichen Medien und Bereichen: Musik, Film, Performancekunst, Audio- und Videoinstallation, Fotografie, Literatur und Materialien aus dem Archiv der 1991 in New York City verstorbenen Künstlerin. Die Ausstellung ist in zwei Hauptthemen gegliedert: Moormans Repertoire als Künstlerin und ihre Arbeit als Gründerin und Organisatorin des Annual New York Avant Garde Festivals. Diese beiden Bereiche werden von einem Abschnitt über den Einfluss ihrer Konzertreisen nach Europa verknüpft.
Nach einer klassischen Ausbildung als Cellistin an der berühmten Juilliard School in New York wendet sich die 1933 in Little Rock, Arkansas, geborene Charlotte Moorman früh der experimentellen Musik zu. Der Komponist Edgar Varèse bezeichnet sie als „Jeanne d’Arc der Neuen Musik“. Moorman organisiert zahlreiche Konzerte für zeitgenössische Musiker_innen wie Joseph Byrd, La Monte Young, Toshi Ichiyanagi und Yoko Ono. Ihre Beteiligung an radikal neuen Formen der Kunst beschränkt sich jedoch nicht auf das Gebiet der Musik. Sie arbeitet mit Allan Kaprow, Otto Piene, Carolee Schneemann, Yvonne Rainer und Joseph Beuys.
Ausgehend von ihrer intensiven Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik, Kunst, Literatur, Tanz und innovativen genreübergreifenden Ausdrucksformen engagiert sie sich dafür, diese auch einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Zwischen 1963 und 1980 organisiert sie insgesamt 15-mal das Annual New York Avant Garde Festival. Ab 1966 versammelt das legendäre Festival die Avantgarde der Welt an öffentlichen Orten New Yorks wie dem Central Park (1966), der Staten Island Ferry (1967) oder dem Grand Central Terminal (1973). Parallel dazu entwickelt Moorman ein sehr persönliches Repertoire an Stücken, die sie wiederholt aufführt. Dazu zählen Werke von John Cage, Giuseppe Chiari, Philip Corner, Jim McWilliams, Yoko Ono und Nam June Paik. Ihre Arbeit führt sie auch nach Europa, wo sie unter anderem 1965 am 24-Stunden-Happening in Wuppertal, 1973 an der Bochumer Kunstwoche und 1982 am Ars Electronica Festival in Linz teilnimmt. „Moorman spielte nicht nur eine herausragende Rolle in der New Yorker Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre, sie knüpfte auch Verbindungen zwischen der US-amerikanischen und europäischen Szene. Die Dokumentationen ihrer Performances in Linz und Wuppertal sind ein Stück österreichischer und deutscher Fernsehgeschichte“, unterstreicht Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg.
Ihre teilweise nackte Aufführung der Opera Sextronique von Nam June Paik führt 1967 in New York zu ihrer Verhaftung und Anklage wegen unsittlichen Verhaltens. Charlotte Moorman wird für die Öffentlichkeit zur „Topless Cellist“, was ihr Image stark prägte – ein Umstand, der mit dieser Ausstellung korrigiert wird. Aus ihrer Zusammenarbeit mit Nam June Paik sind weitere Werke eng mit ihren Namen verbunden, da sie exklusiv für sie geschaffen, von ihr getragen bzw. gespielt wurden: das berühmte TV Cello (1971/1973) ist in der Ausstellung zu sehen. Einige Performances, die rund um die Welt aufgeführt wurden und als ikonische Bilder zirkulieren, werden anhand von unterschiedlichen Materialien vermittelt: so etwa ihre Aufführung von Jim McWilliams Sky Kiss – Moorman spielt an Heliumballons in der Luft hängend das Cello – und 26′ 1.1499“ for a String Player von John Cage – Moorman streicht unter anderem mit dem Bogen über eine auf einem nackten Männerrücken gespannte Cellosaite und erweitert ihr Instrumentarium um eine Reihe von Gegenständen, von einer Badeente bis hin zu einer zu einem Cello umfunktionierten Bombe.
Charlotte Moorman war eine begeisterte Archivarin. Die Ausstellung schöpft aus reichen Materialien, die einen Einblick in Moormans persönliches Leben bieten, ihre Verbindungen zu anderen Künstler_innen der Zeit aufzeigen und ihre unermüdlichen Anstrengungen zur Vermittlung der Avantgarde sichtbar machen. Teile des Archivs von Moorman, das sich an der Northwestern University in Chicago befindet, werden in dieser Ausstellung zum ersten Mal gezeigt.
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Mary and Leigh Block Museum of Art, Northwestern University, und den Northwestern University Libraries. Die Ausstellung in Salzburg wird ermöglicht durch großzügige finanzielle Mittel der Terra Foundation for American Art. Weitere maßgebliche Unterstützung gewährten: Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, National Endowment for the Arts, Elizabeth F. Cheney Foundation, Alumnae of Northwestern University, Colonel Eugene E. Myers Foundations, Illinois Arts Council Agency, Dean of Libraries Discretionary Fund, Charles Deering McCormick Fund for Special Collections, Florence Walton Taylor Fund, Block Museum Science and Technology Endowment.
Direktorin: Sabine Breitwieser, Museum der Moderne Salzburg
Kuratorenteam: Lisa G. Corrin, Direktorin, Block Museum; Corinne Granof, Kuratorin des akademischen Programms, Block Museum; Scott Krafft, Kurator der Charles Deering McCormick Library of Special Collections, Northwestern University Libraries; Michelle Puetz, Pick-Laudati-Kuratorin für Medienkunst, Block Museum; Joan Rothfuss, beratende Kuratorin; und
Laura Wertheim Joseph, Assistenz der beratenden Kuratorin; Tina Teufel, Kuratorin, Museum der Moderne Salzburg
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
A Feast of Astonishments: Charlotte Moorman and the Avant-Garde: 1960s–1980s
Hg. von Lisa Graziose Corrin und Corinne Granof, Vorwort von Lisa Graziose Corrin, Lynn Gumpert und Sabine Breitwieser sowie Texte von Lisa Graziose Corrin, Ryan Dohoney, Corinne Granof, Hannah B. Higgins, Rachel Jans, Scott Krafft, Kathy O’Dell, Jason Rosenholtz-Witt, Joan Rothfuss, Kristine Stiles und Laura Wertheim Joseph
Softcover, 25,4 x 22,9 cm, 224 Seiten
Northwestern University Press
Englische Ausgabe ISBN 978-0-8101-3327-3
€ 48

BORIS LURIE. ANTI-POP

Der US-amerikanische Künstler Boris Lurie (1924-2008) hat ein radikales Werk hinterlassen,
das in Bild und Wort den bürgerlichen Kunstbegriff attackiert. Ein unbedingter Anspruch auf
Wahrhaftigkeit durchzieht das Schaffen des jüdischen Künstlers, dessen Leben unter dem langen
Schatten des Holocausts stand. Der Künstler, in Leningrad geboren und in Riga aufgewachsen,
überlebte von 1941 bis 1945 verschiedene Lager und KZ; seine Mutter, seine Großmutter,
seine Schwester und seine Jugendliebe wurden Opfer des Holocausts. Nach der Befreiung emigrierten
Vater und Sohn nach New York, wo sich Boris Lurie ab 1946 der Kunst zu widmen begann.
Allen idealistischen Erwartungen an Kunst, jeder Form von Ästhetizismus, aber auch dem
kapitalistischen Kunstmarkt erteilte Lurie eine unmissverständliche Absage. Im Jahre 1959 begründete
der Künstler zusammen mit Sam Goodman und Stanley Fisher die „NO!art“-Bewegung
und trat für eine soziale Kunst ein, die ästhetische Innovation als Nebenprodukt ungehemmten
Ausdrucks erzielt. Ausgesprochen kritisch stand Boris Lurie der Pop Art gegenüber,
die in den 1960er Jahren den Markt und die Museen eroberte.
Früh schon entwickelte er eine sehr eigenständige Kunst, die sich Ende der 1950er Jahre von der
Malerei ab- und der Collage zuwandte. Seine Werke machen es dem Betrachter nicht leicht, da
sie mitunter ästhetische und moralische Erwartungen verletzen. Die Werkserie der Dismembered
Women, aber auch die zahlreichen späteren Arbeiten mit eincollagierten Pin-Ups belegen ein tiefreichendes Trauma, das auch in einem zwiespältigen Frauenbild zum Ausdruck kam. Luries
Verknüpfung von Pornographie und Fotos aus den Vernichtungslagern ist schockierend,
doch als Aufschrei einer gequälten Seele und als Form des Widerstands nachvollziehbar. Gleichzeitig
diente Lurie die Pornographie auch als Metapher für die kapitalistische Gesellschaft.
Um Luries Standort in der Kunstgeschichte zu beleuchten, stellt die Ausstellung seinen Werken
die anderer Künstler an die Seite. Neben den beiden New Yorker „NO!art“-Mitstreitern Sam
Goodman und Stanley Fisher werden auch Arbeiten von H. P. Alvermann, Jean-Jacques Lebel,
Gustav Metzger, Gerhard Richter und Wolf Vostell gezeigt. Solcherart kontextualisiert erweist
sich Luries Schaffen als Psychogramm seiner Zeit, die den Protest und den Widerspruch herausforderte.
„Die Zeit für YES!art liegt noch in weiter Ferne.“

Post-Peace

KünstlerInnen
Lawrence Abu Hamdan, A.S.I. group (Ehsan Fardjadniya), Sven Augustijnen, Ella de Búrca,
Anna Dasović, Köken Ergun, Johan Grimonprez, Alevtina Kakhidze, Yazan Khalili, Jaha Koo,
Lyubov Matyunina, Adrian Melis, Pinar Öğrenci, Dorian de Rijk, belit sağ, Aleksei Taruts,
Anika Schwarzlose, Radek Szlaga, Anastasiya Yarovenko
Kuratorin
Katia Krupennikova

Die Ausstellung Post-Peace, die Werke von rund zwanzig Künstler_innen aus
unterschiedlichen Kulturkreisen umfasst, geht den heutigen
Erscheinungsformen von und Beziehungen zwischen Krieg und Frieden nach.
Wie viel Krieg steckt in unserem Frieden? – so die zentrale Frage.
Die Ausstellung schlägt vor, unsere gegenwärtige Situation, in welcher der
„Frieden“ des globalen Kapitalismus durch kontinuierliche Gewalt und Kriege
teuer erkauft wird, mit dem Begriff des Post-Peace, der „Nachfriedenszeit“ zu
fassen. Dabei spannt Post-Peace einen historischen Bogen, der vom Zweiten
Weltkrieg bis heute reicht. Vor dem Hintergrund, dass die Geschichte
bekanntlich immer von den Siegern geschrieben wird, geht es um einen
kritischen Blick auf unsere Erinnerungskulturen und um eine Neubestimmung
der historischen Diskurse. In Videoarbeiten, Fotografien, Installationen und
Performances beschäftigen sich die Künstler_innen mit dem Kolonialismus
und Faschismus in Europa, dem Holocaust oder dem so genannten
Nahostkonflikt. Die Auswirkungen von 9/11 sind ebenso Gegenstand ihrer
Auseinandersetzungen wie der Zynismus des globalen Waffenhandels, die
gegenwärtigen Formen von Nationalismus und Militarismus, die Konflikte um
die Ukraine oder Kurd_innen.
Post-Peace wurde 2016 im Rahmen eines durch das türkische Kreditinstitut
Akbank ausgelobten Kurator_innen-Preis ursprünglich für Istanbul produziert,
jedoch kurz vor der Eröffnung zensiert und abgesagt. In Stuttgart ist die
Ausstellung nun erstmals und in erweiterter Form zu sehen.
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Arp Gehr Matisse

Die Ausstellung Arp Gehr Matisse stellt das Schaffen von Ferdinand Gehr (1896–1996), einem der aussergewöhnlichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, der in der Schweiz tätig war, erstmals in den Zusammenhang der internationalen Avantgarde.
Mit Hans Arp (1886–1966) und Henri Matisse (1869–1954) tritt er in Dialog mit zwei zentralen Künstlern der Klassischen Moderne.
Die formalen und inhaltlichen Parallelen sind verblüffend und werden einen neuen Blick auf die Bildfindungen und koloristischen Mittel von Ferdinand Gehr eröffnen. Mit Hans Arp verband den Künstler eine persönliche Bekanntschaft, seit der Holzschnitt Geranien (1928) Arps Interesse geweckt hatte und er den Urheber zu Beginn der 1950er Jahre un-bedingt kennenlernen wollte. Eine künstlerische Haltung, die stets auf einen Wesens-kern zielt, ist bei Arp wie bei Gehr Schlüssel zum Verständnis ihrer Kunst. Die organi-schen Formen und die sinnbildliche Einbindung des Menschen in den Kreislauf der Na-tur, in kosmologische und religiöse Zusammenhänge, finden sich in beider Schaffen. Das strahlende Kolorit wie die radikale Reduktion der Form in den späten papiers coupés von HenriMatisse zeigen eine starke Verbindung zur konzentrierten Form und leuchten-den Farbe im Werk Ferdinand Gehrs.
Der herausragende Stellenwert des druckgraphischen Schaffens schliesslich verbindet alle drei Künstler: Arps geistreiche Arpaden (1923), sein Zyklus Le soleil recerclé (1966), Jazz, eines der schönsten Künstlerbücher von Matisse aus dem Jahre 1947, und sämtli-che, seit 1928 entstandenen Farbholzschnitte Gehrs werden in der St.Galler Ausstellung zu sehen sein.
Kurator: Roland Wäspe

 

 

 

 

 

Anne-Mie Van Kerckhoven What Would I Do in Orbit?

Mit der Einzelausstellung »What Would I Do In Orbit?« der belgischen Künstlerin Anne-Mie Van Kerckhoven (*1951, lebt in Antwerpen) präsentiert der Kunstverein Hannover nach den Gruppenausstellungen »Digital Conditions« (2015) und »Digital Archives« (2016) erneut eine Ausstellung, die sich mit digitalen Fragestellungen auseinandersetzt.

Ausgangspunkt des Werkes von Anne-Mie Van Kerckhoven bildet das menschliche Gehirn mit seinen analytischen wie auch irrationalen Möglichkeiten von Wahrnehmung und Erkenntnis. Stets wird Logik bei Van Kerckhoven durch Absurdität und mentale Brüche konterkariert, und dem Analytischen wird das Mystische hinzugefügt, ohne dies als Gegensatz zu verstehen. Die Ausstellung »What Would I Do in Orbit?« im Kunstverein Hannover umfasst Werke aus insgesamt vierzig Jahren der zunächst als Grafikerin ausgebildeten Künstlerin.

Van Kerckhoven beschäftigte sich früh mit Forschungen zu künstlicher Intelligenz, wodurch Bildsprachen bestimmend wurden, die durch wissenschaftliche Bildverfahren geprägt sind: Diagramme, zeichnerische Animationen und Text-Bild-Schemata. Bereits in den 1980er-Jahren benutzte sie gleichwertig digitale und analoge Ausdrucksformen und übertrug die digital konstruierten Welten in den Raum. In Zeichnungen, Malereien, Drucken und Filmen setzt die Künstlerin meist weibliche Körper wie »Selfies« als Protagonistinnen ein. Charakteristisch in ihrem Werk ist der biografische Beginn in der Gegenkultur von Punk, Feminismus und im generationstypischen AntiAkademismus, der einerseits Popästhetik, andererseits eine hochkomplexe Inhaltlichkeit hervorbrachte.

Eigens für die Ausstellung entwickelte Displays unterteilen die insgesamt zwölf Kapitel der Retrospektive. Die einzelnen Kapitel verbinden collageartig Werke aus verschiedenen Jahren, die inhaltlich gebündelt und durch assoziative Texte der Künstlerin kommentiert wurden. Letztendlich funktioniert die gesamte Ausstellung – trotz der linearen Raumabfolge und vermeintlich systematischen Unterteilung – selbst als eine Art Gehirn, in dem das Querdenken leichtfällt.

Jana Sterbak Life-Size. Lebensgröße

Um große Themen wie Liebe, Leben und Tod kreisen die Arbeiten der tschechisch-kanadischen Künstlerin Jana Sterbak (*1955 in Prag). In ihrem poetischen Werk begegnen uns Fleisch, Haut, Haare, Leder, Brot und Eis – Materialien, die unsere eigene Vergänglichkeit spürbar machen. Unter dem Titel „Life-Size. Lebensgröße“ stellt die umfassende Retrospektive im Lehmbruck Museum den Körper und sein Maß in den Mittelpunkt.

In ihrer legendären Arbeit „Vanitas. Flesh Dress for an Albino Anorexic“ von 1987, die im Zentrum der Schau steht, vernähte Jana Sterbak rohes Fleisch zu einem Kleid. Das Motiv des Fleischkleides wurde 2010 international bekannt durch die Popkünstlerin Lady Gaga.

Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Galerie im Taxispalais Innsbruck entstanden ist, gibt erstmals seit 2002 im deutschsprachigen Raum einen retrospektiven Überblick über das Werk einer der bedeutendsten Protagonistinnen der Konzeptkunst.

Jana Sterbaks subversive und ironisch-humorvolle Kunst steckt voller Anspielungen. Neben den eindringlichen Umsetzungen körperlicher Erfahrungen findet sie poetische und rätselhafte Bilder, die entschlüsselt werden wollen. Exemplarisch zeigen Werke aus unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere, wie sie mittels einfacher Eingriffe verfremdete bis groteske Situationen schafft, die unsere von Umbrüchen geprägten Lebensbedingungen grundsätzlich befragen.

Ein umfangreicher zweisprachiger Katalog mit 50 Abbildungen und Texten von Söke Dinkla, Marietta Franke, Michael Krajewski sowie einem Künstlerinterview begleitet die Ausstellung.

In Kooperation mit der Galerie im Taxispalais, Innsbruck.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Sie findet im Rahmen der  38. Duisburger Akzente statt, die in diesem Jahr unter dem Thema „Umbrüche“ stehen.