Die Sommerakademie Venedig vergibt 9 Stipendienplätze

Die Internationale Sommerakademie für Bildende Künste und Medien | Venedig findet mitten in Venedig im Renaissancepalast Palazzo Zenobbio statt. Von 20. Juni bis 17. Juli werden 14 unterschiedliche Meisterklassen angeboten. Die Sommerakademie vergibt dieses Jahr 9 Stipendienplätze an junge talentierte Künstler für die Klassen mit den Schwerpunkten Innovation und Experiment: Skulptur I mit Willie Bester, New Media Art mit Jens Barth und Art & Performance mit Jay Pather.

Die Einreichfrist ist der 31. Mai 2016.

Statement Prof. Karlheinz Essl

Schließung des Ausstellungsbetriebes: Statement Prof. Karlheinz Essl
Es tut mir sehr leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass das Essl Museum mit 1. Juli 2016 den Ausstellungsbetrieb schließen wird. Leider war es uns – trotz intensiver Bemühungen – nicht möglich, eine Finanzierungslösung für das Museum zu erreichen. Meine Frau und ich haben das Essl Museum im November 1999 eröffnet. Unser Ansinnen war es, die Sammlung Essl, die einen großen Teil der österreichischen Kunstgeschichte nach 1945 und ihrer internationalen Vernetzungen abdeckt, weithin sichtbar und für die Menschen langfristig zugänglich zu machen. Aus diesem Grund haben wir das Essl Museum nach internationalen Standards ausgerichtet, von der Sammlungspflege über die Restaurierung und Forschung bis hin zu Ausstellungen und Publikationen. Die attraktiven und vielfältigen Kunstvermittlungsprogramme wurden von den BesucherInnen intensiv und mit Begeisterung genutzt. Damit haben wir einen wichtigen Beitrag zur künstlerischen Bildung in unserer Gesellschaft geleistet.
Das Essl Museum war von Anfang an ein offenes Haus der Begegnung von Kunst und Menschen. In 17 Jahren sind uns viele maßgebliche Ausstellungen gelungen. Der Schwerpunkt lag immer auf der Sichtbarmachung der österreichischen Kunst, die wir regelmäßig mit Themen-, und Gruppenausstellungen, vor allem aber mit Personalen – etwa von Maria Lassnig, Arnulf Rainer, VALIE EXPORT, Hermann Nitsch, Kurt Kocherscheidt, Erwin Wurm, Heimo Zobernig, Elke Krystufek, Deborah Sengl, Martin Schnur und viele mehr – in den Mittelpunkt gestellt haben. Weil aber Kunst keine Grenzen kennt, hätte es gar keinen Sinn gemacht, nur österreichische Kunst zu präsentieren. Vielmehr wollten wir zeigen, wie vernetzt und grenzenlos Kunst agiert. Internationale Positionen und Strömungen waren ein fixer Bestandteil unseres Programms, vieles davon haben wir erstmals in Österreich gezeigt. Dazu zählen die aktuelle Kunst aus China und Indien, Aboriginal Art aus Australien, die Neue Leipziger Schule der Malerei aus Deutschland, die junge Kunstszene Ex-Jugoslawiens nach den Kriegen, die erste gemeinsame Museumsausstellung von israelischen und palästinensischen KünstlerInnen – und natürlich zahlreiche Personalen, etwa von Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Alex Katz, Neo Rauch und Rosa Loy, Cecily Brown und viele mehr.

Es war uns enorm wichtig, jungen KünstlerInnen ein Podium zu bieten, weil diese viel zu selten in Museen gezeigt werden. So haben wir junge Kunst aus Österreich und aus anderen Regionen der Welt wie New York oder Indien gezeigt. Regelmäßig haben wir den Fokus auf die jungen Kunstszenen unserer Nachbarländer gerichtet. Der Essl Art Award für Zentral- und Südosteuropa zählt mittlerweile zu den wichtigsten Kunstförderinstrumenten in den Nachbarregionen. Viele heute bekannte KünstlerInnen hatten ihre erste Museumsausstellung im Essl Museum.
Die Interdisziplinarität war in der Gestaltung unserer Programme eine wesentliche Prämisse. So gab es im Essl Museum seit 1999 ein international viel beachtetes Programm für Neue Musik und ab 2011 ein ambitioniertes Programm für aktuelle Literatur. Mit vielen großen und kleinen Museen auf der ganzen Welt gab es eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit. In den vergangenen 17 sind wir auch zu einem von der Wissenschaft anerkannten Kompetenzzentrum für zeitgenössische Kunst geworden. All dies hat das Haus als Museum der Kunst unserer Zeit international bekannt gemacht. Für viele Menschen ist es heute aus der Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken.
Viele innovative Projekte konnten wir nur durchführen, weil wir all die Jahre unabhängig und privat waren. Nur dadurch war es uns möglich, flexibel zu agieren, frei Entscheidungen zu treffen und unabhängig von allen politischen Einflüssen zu bleiben. Die Kunst braucht unbedingt solche Felder, wo es keine Zwänge gibt, keine Einschränkungen, keine Selbstzensur und wo die Programmatik nicht von den Gesetzen des Marktes, den Besucherzahlen eines Hauses, den gerade regierenden Moden oder anderen hinderlichen Faktoren bestimmt wird. Kunst kennt keine Grenzen, also haben wir auch mit dem Essl Museum keine geografischen oder inhaltlichen Grenzen gezogen.
Die Familie Essl hat den Bau des Essl Museums und alle laufenden Kosten für Betrieb und Ausstellungen 17 Jahre lang aus eigenen Mitteln finanziert. Dies ist nun leider nicht mehr möglich. Zum weiteren Betrieb des Essl Museums wären zusätzliche Finanzierungsquellen oder Unterstützung von Seiten der öffentlichen Hand notwendig gewesen. Das Land Niederösterreich hatte sich bereit erklärt, einen wesentlichen Beitrag zu leisten, wenn der Bund Mittel im selben Ausmaß zur Verfügung gestellt hätte. Leider hat es von Seiten des Bundes keine positive Zusage gegeben. Ich bedaure es sehr, aber diese Situation zwingt uns nun, den Ausstellungsbetrieb zu schließen. Die Sammlung Essl wird daher ab Juli 2016 nicht mehr sichtbar für die Menschen sein.
Die Sammlung Essl selbst bleibt von der Schließung des Ausstellungsbetriebes unberührt. Das Essl Museum wird weiterhin als Depot für die Sammlung Essl genützt, was seit 1999 eine wichtige Aufgabe des Hauses ist. Die Sammlung Essl wird wie bisher gut betreut. Archiv, Restaurierung und Technik bleiben erhalten. Der internationale Leihverkehr bleibt aufrecht.
Die vergangenen 17 Jahre waren eine große Zeit. Wir haben mit dem Essl Museum vieles bewegt, Menschen mit der Kunst eine Freude gemacht, Diskussionen angeregt, große Momente mit Künstlerinnen und Künstlern teilen dürfen und unzählige schöne Begegnungen mit unseren Besucherinnen und Besuchern erlebt. Dafür möchte ich allen ein herzliches Dankeschön sagen.

Ich möchte mich bei allen Besucherinnen und Besuchern, die uns über die Jahre hinweg treu waren, herzlich bedanken. Den Künstlerinnen und Künstlern danke ich für das Vertrauen und die hervorragende Zusammenarbeit, die zu unvergesslichen Ausstellungen geführt haben. Mein ganz besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Essl Museums, die immer ihr Bestes gegeben und wesentlich zum Erfolg beigetragen haben. Bis einschließlich 30. Juni ist das Essl Museum noch geöffnet. Im Rahmen eines großen Finales mit zahlreichen Kunstvermittlungs- und Kulturangeboten möchten wir noch einmal die Vielfalt des Essl Museums aufleben lassen. Ich möchte alle Menschen sehr herzlich einladen, das Essl Museum noch einmal zu besuchen.
Meine Frau und ich werden auch weiterhin aktiv am Kunstgeschehen teilnehmen, denn unser Herz schlägt nach wie vor für die Kunst. Prof. Karlheinz Essl, Klosterneuburg am 5. April 2016

Das Essl Museum schließt mit 1. Juli 2016 den Ausstellungsbetrieb

Mit 1. Juli 2016 schließt das Essl Museum nach fast 17 Jahren den Ausstellungs-betrieb. Bis zu diesem Zeitpunkt finden alle geplanten Veranstaltungen und Ausstellungen noch statt. Überdies wird es ein großes Finale mit Open Days und umfangreichen Kunstvermittlungsangeboten geben.
„Die Familie Essl hat den Bau des Essl Museums und alle laufenden Kosten für Betrieb und Ausstellungen 17 Jahre lang aus eigenen Mitteln finanziert. Dies ist nun leider nicht mehr möglich. Zum weiteren Betrieb des Essl Museums wären zusätzliche Finanzierungsquellen oder Unterstützung von Seiten der öffentlichen Hand notwendig gewesen. Das Land Niederösterreich hatte sich bereit erklärt, einen wesentlichen Beitrag zu leisten, wenn der Bund Mittel im selben Ausmaß zur Verfügung gestellt hätte. Leider hat es von Seiten des Bundes keine positive Zusage gegeben. Es tut mir sehr leid, aber diese Situation zwingt uns nun, den Ausstellungsbetrieb zu schließen. Die Sammlung Essl wird daher ab Juli 2016 nicht mehr sichtbar für die Menschen sein, bleibt aber von der Schließung des Ausstellungsbetriebes unberührt. Das Essl Museum wird weiterhin als Depot für die Sammlung Essl genützt, was seit 1999 eine wichtige Aufgabe des Hauses ist. Die Sammlung wird wie bisher gut betreut. Archiv, Restaurierung und Technik bleiben erhalten. Der internationale Leihverkehr bleibt aufrecht. Den vielen BesucherInnen, KünstlerInnen und MitarbeiterInnen, die dieses Museum viele Jahre lang zu einem offenen, spannenden und schönen Ort der Kunst und des Dialogs gemacht haben, möchte ich von ganzem Herzen danken“, so Prof. Karlheinz Essl.
Bis zum 30. Juni werden die Ausstellungen Rendezvous und Body & Soul mit bedeutenden Werken aus der Sammlung Essl zu sehen sein. Am 4. Mai eröffnet die letzte Ausstellung im Essl Museum, die ebenfalls bis 30. Juni läuft. Die Sammlung
eSeL ist ein partizipatives Ausstellungsprojekt des Wiener Kunstnetzwerkers, Wissensproduzenten und Künstlers Lorenz Seidler alias eSeL und zeigt eine mehrere Räume übergreifende Collage, in der das Wiener Kunstgeschehen der vergangenen 15 Jahre thematisiert wird.
Zu den letzten beiden großen Sammlungsausstellungen Rendezvous und Body & Soul sowie zur Geschichte des Essl Museums werden in den kommenden Wochen noch Publikationen erscheinen.
Das Essl Museum verabschiedet sich mit einem großen Finale mit drei Ausstellungen, zahlreichen Kunstvermittlungsangeboten, Konzerten und Lesungen von den BesucherInnen. Das Museum ist noch bis 30. Juni zu den bisher bekannten Zeiten (Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr, freier Eintritt ab 18 Uhr) geöffnet. Von 24. bis 30. Juni finden die Open Days bei freiem Eintritt statt (täglich von 10 bis 18 Uhr, auch am Montag, 27.06.)

Mehr Infos auf unserer Website www.essl.museum
Folgen Sie dem Essl Museum:
ESSL MUSEUM – KUNST DER GEGENWART
An der Donau-Au 1, A-3400 Klosterneuburg / Wien +43 (0)2243 370 50 150, info@essl.museum, www.essl.museum Öffnungszeiten: DI – SO 10.00 – 18.00, MI 10.00 – 21.00 Eintrittspreise: Erwachsene 9 Euro und ermäßigt 7 Euro

Gutes böses Geld. Eine Bildgeschichte der Ökonomie

Gutes böses Geld. Eine Bildgeschichte der Ökonomie

Das Buch zeichnet anhand einer Vielzahl historischer und aktueller Werke nach, wie Künstler Geld und den Umgang damit ins Bild gesetzt haben. Umfangreiche Texte thematisieren die vielfältigen emotionalen, psychologischen und moralischen Implikationen von Geld durch die Präsentation einer Bildgeschichte der Ökonomie — mit Hilfe von mehr als 120 Arbeiten von 1264 bis 2016.

Herausgeber: Johan Holten
Texte von Hendrik Bündge, Romina Farkas, Luisa Heese, Johan Holten, Antje Oswald, Moritz Scheper, Ana Siler

Gestaltung von Jens Rudolph
23,00 x 33,00 cm, 320 Seiten
Hardcover, hochwertiger Leineneinband (3/4) mit Goldprägung und rückseitig eingelassenem Titelschild

Geld ist untrennbar mit der Geschichte verbunden. In einem Jahrhundert erscheint es gut, in einem anderen böse, dann fast unsichtbar. Der umfangreiche Katalog zur Landesausstellung zeigt wie unterschiedlich Künstler über 750 Jahre hinweg das liebe Geld und den Umgang damit darstellen. Während die Renaissance-Kaufleute ihren Reichtum als Zeichen des Erfolges und Fortschritts zur Schau stellen, wird die Darstellung von Münzen in der Barockzeit zum Symbol des flüchtigen irdischen Reichtums. Zuletzt spornte 2008 die Finanzkrise internationale Künstler wieder zur Kritik am Kapitalismus an. Geld und Wirtschaft, Macht und Moral –das Darstellungsspektrum reicht von gesellschaftspsychologischen oder sachlich analytischen Blickwinkeln bis hin zur emotionalen Auseinandersetzung.

Künstlerliste
Adel Abdessemed, Pieter van Anraedt, Adriana Arroyo, Bartholomeus van Bassen, Joseph Beuys, Bewegung NURR, Margaret Bourke-White, Benedikt Braun, Peeter van Bredael, Bartholomeus Bruyn d. Ä., Ioë Bsaffot, Christoph Büchel, Giovanni Carlone, Pieter Codde, Edwaert Collier, Lucas Cranach d. Ä., Hanne Darboven, Abraham Diepraem, Dosso Dossi, Maria Eichhorn, Öyvind Fahlström, Hans-Peter Feldmann, Georg Flegel, Sylvie Fleury, Mark Flood, Zachary Formwalt, Cornelius Norbertus Gijsbrechts, Jim Goldberg, Otto Edmund Günther, Johann Peter Hasenclever, John Heartfield, Johann Heiss, Ernst Henseler, Damien Hirst, Karl Wilhelm Jochen Höller, Hübner, Liu Jianhua, Hunter Jonakin, Yves Klein, Ludwig Knaus, Gabriel Kuri, Alicja Kwade, Christin Lahr, Dorothea Lange, Cildo Meireles, Aernout Mik, Pieter de Neyn, Pratchaya Phinthong, Anahita Razmi, Marinus van Reymerswaele, Hans Richter, Jacob August Riis, Theodoor Rombouts, RYBN.org, Hugh Scott-Douglas, Dietisalvi di Speme, Axel Stockburger, Superflex, David Teniers d. J., Cheyney Thompson, Timm Ulrichs, Adriaen van Utrecht, Lucas van Valckenborch, Pietro della Vecchia, Jan Verkolje, Andy Warhol, Jan Wierix

Ausstellung: 05.03. – 19.06.2016, Staatliche Kunsthalle, Casino und Stadtmuseum Baden-Baden

Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch

Anlässlich des 500. Todesjahres von Hieronymus Bosch beleuchtet das Bucerius Kunst
Forum, wie seine phantastischen Szenerien der Hölle und drastischen Schilderungen des
Sündhaften die niederländische Kunst des 16. Jahrhunderts prägten. Gezeigt werden rund 90
Arbeiten von Künstlern der folgenden Generation, die Boschs Bildsprache aufgriffen, über die
Druckgraphik verbreiteten und weiterentwickelten. Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von
Hieronymus Bosch macht anschaulich, wie sich diese Rezeption mit der
geistesgeschichtlichen Entwicklung vom Ende des Mittelalters bis ins 17. Jahrhundert
veränderte. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden.
Die modernsten und wirkungsmächtigsten Aspekte im Werk von Hieronymus Bosch (1450-1516)
waren Darstellungen der Hölle und die Einbeziehung volksnaher Themen in die Kunst. Seine
Bildfindungen und Sujets wurden von Künstlern der folgenden Generation rezipiert und erreichten vor
allem über die Druckgraphik eine enorme Reichweite. Bis heute faszinieren die nach Entwürfen von
Hieronymus Bosch oder Pieter Bruegel d. Ä., seinem wichtigsten Nachfolger, geschaffenen
Kupferstiche. Sie zeigen die irrwitzigen Monster der Unterwelt, mahnen vor Sünden und Lastern,
illustrieren Sprichwörter und ironisieren menschliche Dummheiten. Als um 1600 die Angst vor
Verdammnis und Hölle nachlässt, richten sich die moralisierenden Szenen auf das Diesseits, und die
erschreckenden Mischwesen wandeln sich zu unterhaltsamen Grotesken.
In acht Kapiteln beleuchtet die von Dr. Michael Philipp konzipierte Ausstellung im Bucerius Kunst
Forum, wie Boschs Nachfolger seine Bilderwelt über die Druckgraphik verbreiteten und vor dem
ideengeschichtlichen Hintergrund des 16. Jahrhunderts weiterentwickelten. Dabei stehen Themen wie
die Vorhölle, die sieben Todsünden, Heilige und Narren oder Redewendungen im Mittelpunkt.
Insgesamt umfasst Verkehrte Welt. Das Jahrhundert von Hieronymus Bosch etwa 80 Kupferstiche und
Radierungen. Diese werden ergänzt durch rund zehn Gemälde, die zum Teil erstmals öffentlich
gezeigt werden.

Der Katalog mit Beiträgen von Kathrin Baumstark, Stephanie Buck, Nils Büttner, Nora Haubold, Sebastian Oesinghaus, Michael Philipp, Stephanie Porras, Laura Ritter, Jaco Rutgers, Gary Schwartz und Bram van den Hoven van Genderen erscheint im Hirmer Verlag, München (ca. 240 Seiten mit farbigen Abbildungen aller ausgestellten Werke, 29 € in der Ausstellung).

In Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Banksy – King of Urban Art @ Munich

Banksy ist eine Marke. Jeder kennt seine Bilder, die er lässig bei Nacht und Nebel sprüht. Wer sich wirklich hinter dieser längst hochgehandelten Kunst verbirgt, weiß man nicht. Wurde der große Unbekannte früher von Polizisten und Putzkolonnen verfolgt, sind es jetzt die Sammler. Und die müssen schnell sein, echte Banksys sind rar. Schon deshalb ist die Ausstellung „Banksy – King of Urban Art @ Munich“ in der Galerie Kronsbein eine Sensation: Rund 40 Werke kommen hier zusammen, das ist die erste umfangreiche Präsentation in Deutschland.

Ausgesuchte Originale und Editionen treffen hier in einer reizvollen Mischung aufeinander. Da wären zum einen – man darf ruhig sagen – Ikonen wie die Gangster- oder „Paparazzi Rat“, aber auch die Hommage an den großen Vorgänger Keith Haring und dessen Hund unter dem Titel „Chose Your Weapon“. Zum anderen werden komplexere Arbeiten zu sehen sein wie die beiden Versionen von „Toxic Mary“, die den Jesusknaben mit einem Fläschchen füttert, auf dem ein Totenkopf pappt (in der Ausstellung wird ein Original gezeigt).

Typisch Banksy ist das, der Street-Art-Hero kennt keine Tabus. Die Queen – und das kommt im Vereinigten Königreich der Gotteslästerung gleich – erscheint in der Ausstellung als Schimpansendame im royalen Ornat und zur Abwechslung mit Ziggy-Stardust-Blitz überm Antlitz. Auf einer gut sichtbaren Fassade knutschen zwei Bobbys, und Premierminister Winston Churchill muss sich eine giftgrüne Irokesenbürste gefallen lassen, die wie ein Staublappen über seiner erhöhten Stirn liegt. Man hört förmlich die näselnden Proteste distinguierter Gentlemen aus den diversen Londoner Clubs.

Das öffentliche Ärgernis war mit solchen Stencils (Schablonenbilder) perfekt, und doch haben sich die Briten amüsiert. Königlich. Denn Banksy liefert keine plumpen Demontagen, was er anzumerken hat, ist herrlich ironisch, raffiniert, oft genug scharfsinnig auf den Punkt gebracht. Zwischendurch gibt es dann aber auch wieder so wunderbar poetische Szenen wie das Girl „Nola“, von deren Schirm pinkfarbener bis gelber Regen fällt – Kronsbein präsentiert hier einen Artist’s Proof. Doch natürlich geht es bei vielen der bis ins Detail ausgeklügelten Sprayaktionen um soziale Ungerechtigkeit – da ist Banksy eine moderne Mischung aus Robin Hood und Zorro –, um Gewalt und Waffenwahnsinn. Für den steht in der Ausstellung übrigens ein Elefant mit mächtiger Rakete auf dem Rücken („Heavy Weapon“).

Und da wir mit dieser Symbolik schon fast im Krieg sind: Vor fast zehn Jahren hat die in der israelischen Westbank entstandene Arbeit „Donkey Documents“ nicht nur im Nahen Osten für Diskussionsstoff gesorgt. Denn sie führt einen Soldaten mit Maschinengewehr vor Augen, der die Ausweisdokumente eines Esels kontrolliert. Das Bild ist ein Paradebeispiel für Banksys subversiven Humor, der zugleich in tiefen Empfindlichkeiten rührt und ein jahrzehntelanges Politikum mit einfachen Figuren und einem simplen Sachverhalt aufs Tableau bringt.

Genau das macht die Qualität des Guerillasprayers aus. Deshalb sind Kunstagenten und potente Sammler hinter seinen Stencils her. Und es verwundert nicht, dass zu diesem Zirkel auch Hollywoodstars gehören, wie Leo DiCaprio („Titanic“ bis „The Revenant“) und das Powerpaar Angelina Jolie und Brad Pitt, der sich regelmäßig auf der Art Basel blicken lässt. Oder Coldplay-Frontmann Chris Martin, der bei einer Auktion von Banksys geradezu romantischem „Herz-Ballon“-Mädchen Bette Midler und Kevin Bacon eiskalt aus dem Rennen warf. Und dann wäre da noch Model-Elfe Kate Moss, die nicht nur Banksys sammelt, sondern vom Meister als Marilyn Monroe à la Andy Warhol verewigt wurde („Girl with Balloon“ und „Kate Moss“ werden in der Kronsbein Ausstellung zu sehen sein).

Man könnte die Reihe endlos fortführen, und auch Künstlerkollegen greifen gerne zu, wenn sich die Chance bietet. Damien Hirst war nicht nur von Anfang an überzeugt, dass Banksy „ein ganz Großer“ ist. Der Mann, der durch einen in Formaldehyd eingelegten Haifisch schillernde Berühmtheit erlangt hat, besitzt mit „Napalm“ auch eines der härtesten Werke Banksys: Mickey Mouse und Ronald McDonald führen das schreiende nackte Mädchen Kim Phuc ab, das 1972 bei einem Bombenabwurf im Vietnamkrieg schwerste Verbrennungen erlitten hat.

Aber was weiß man nun über diesen Master of Urban Art? Eigentlich nur, dass er um die 40 sein muss und aus Bristol stammt. Wenn Fotos vom angeblich echten Banksy auftauchen, folgt sofort das Dementi. Und immer wieder kommt die Vermutung auf, dass es sich nicht um einen einzelnen Akteur, sondern um ein Künstlerkollektiv handelt. Das würde zumindest die inzwischen weltweiten Einsätze erklären.

Eindeutig ist dagegen Banksys soziale wie politische Haltung. Und die reicht über seine Stencils hinaus. Einem in Finanznot geratenen Jugendclub seiner Heimatstadt vermachte er das Bild „Mobile Lovers“. Das Liebespaar, das bei der Umarmung aufs jeweilige Smartphone schaut, soll dem Sportclub eine sechsstellige Summe eingebracht haben. Damit können junge Leute in Bristol nun weiterhin boxen – was Banksy wahrscheinlich auch hier getan hat.

Nicht zuletzt aufgrund dieses Engagements begleitet die Münchner Ausstellung eine Charity-Aktion zu Gunsten der Initiative Sport Chance (sport-chance.de). Durch den Verkauf von Banksy-Marketing-Artikeln wird ein Projekt gefördert, das Jugendliche in schwierigen Situationen über den Boxsport motiviert und unterstützt. Weil das Konzept unter dem Dach des Sportvereins der Stadtwerke bestens ankommt, soll es nun international ausweitet werden.

Schließlich demonstriert gerade das Mysterium Banksy, dass der Weg zum Erfolg nicht immer über die komfortabelsten Straßen führt und selbst das kurioseste Konzept funktionieren kann. Jüngstes Beispiel wäre die gruselig-böse Trash-Version eines Freizeitparks im tristen englischen Ferienort Weston-super-Mare: „Dismaland“ zog in nur fünf Wochen rund 150 000 Besucher an, die begrenzten Kartenkontingente waren dauernd ausverkauft und brachten der Stadt 27 Millionen Euro ein. Das muss Banksy auch erst einer nachmachen.

 

 

 

Die Maya – Sprache der Schönheit

Von den großartigen künstlerischen Ausdrucksformen der Maya erzählt diese Ausstellung. Mit einer Sammlung von rund 350 Kunstwerken, darunter viele Nationalschätze, zeigt die Ausstellung „Die Maya. Sprache der Schönheit“ grundlegende Aspekte der prähispanischen Kunst: den Körper. Die Maya stellten ihre Vision des Lebens mit verschiedenen Materialien und Techniken in ihren Alltags-, Prunkbauten und Kunstwerken dar. Sie beschrieben ihr Verhältnis zu den Göttern, ihr tägliches Leben, ihr Schrifttum, ihre Astronomie, ihre Musik und ihre Tänze. In diesen Werken dominiert eine oft idealisierte Menschenfigur, mit der die Maya nicht nur ihr Menschenbild und Schönheitsideal, sondern auch die Verortung des Menschen im Kosmos festhielten.

Poesie der Veränderung Werke aus den Sammlungen Mönchsberg

Dem poetischen Potenzial in Zeiten des Wandels widmet sich die neue Präsentation der Sammlungen am Museum der Moderne Salzburg. Eigens für die Ausstellung produziert wird eine aktuelle Version von Hans Haackes World Poll, einer Besucherbefragung, die im vergangenen Jahr auf der Biennale di Venezia zu sehen war und für Salzburg überarbeitet wird.
Mit Poesie der Veränderung wird in Partnerschaft mit der Generali Foundation auf der Ausstellungsebene Mönchsberg [2] eine neue thematische Präsentation aus den reichhaltigen Sammlungen des Museum der Moderne Salzburg eingerichtet. In der Ausstellung sind zahlreiche Spitzenwerke aus eigenen Beständen und dem Museum anvertrauten Sammlungen – der Sammlung MAP, der Fotosammlung des Bundes und der renommierten Sammlung Generali Foundation – zu sehen, darunter Neuankäufe und Neuentdeckungen. In Form von mehreren großen Installationen und Arbeiten in den Medien Druckgrafik, Fotografie, Malerei und Skulptur widmet sich die Ausstellung dem poetischen Potenzial, das Künstlerinnen und Künstler in gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Veränderungsprozessen entdecken. „Die neue Sammlungspräsentation unterstreicht die ästhetischen und bildreichen Eigenschaften von konzeptuellen und sozialkritischen Werken und verweist damit auf ihr poetisches Moment“, erläutert Sabine Breitwieser, Direktorin und Leiterin des kuratorischen Teams. „In den ausgewählten Arbeiten reagieren die Künstlerinnen und Künstler auf Prozesse der Veränderung, auf Umgestaltungen unseres unmittelbaren Lebensraumes und Verschiebungen der eigenen Identität, aber auch auf Neuerungen innerhalb der Kunstgeschichte. Einige bringen sogar Änderungsvorschläge im Hinblick auf eine alternative Zukunft vor.“ In der Ausstellung sind rund sechzig Werke von knapp dreißig Künstlerinnen und Künstlern aus neun Ländern zu sehen.
Strukturwandel ist eines der Themen des neu zusammengestellten Sammlungsrundgangs. Eindrücklich demonstriert die bosnische Architektin und Künstlerin Azra Aksamija, was Eigeninitiative bewirken kann. Ihre Arbeit Arizona Road (2002) über einen offiziell gegründeten Schwarzmarkt, der sich zur Stadt entwickelt, entstand als Studie in den ersten Jahren nach Kriegsende in ihrem Heimatland. Die Bedingungen und Konsequenzen der Privatisierung von öffentlichem Raum zeigen Dan Graham und Robin Hurst 1987 anhand der damaligen Situation in New York mit ihrer Arbeit Private ‘Public’ Space: The Corporate Atrium Garden auf. Unsere heutige Arbeits- und Lebensumwelt, in der mittels Laptop und Internet unabhängig vom Aufenthaltsort gearbeitet werden kann, nimmt Hans Hollein in den 1960er-Jahren vorweg: Sein Erweiterungsvorschlag für die Wiener Universität ist 1966 nicht als Gebäude, sondern als Steckdosenanschluss konzipiert, und sein Mobiles Büro von 1969 kann aus einem Koffer ausgepackt und als pneumatischer Raum überall und jederzeit aufgestellt werden. Die sich rapide verändernde Stadt als Quelle der Inspiration ist in Isa Genzkens
Collagebüchern mit dem Titel I Love New York, Crazy City (1996) abzulesen. Um die Art des menschlichen Zeitvertreibs in der Stadt geht es in der Skulptur Divertissement (nach Pascal) aus dem Jahr 1987 von Franz West. Das Werk wird seit seiner letzten Präsentation in der Generali Foundation 1997 nun erstmals wieder einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Poesie der Veränderung ist auch in Nilbar Güreş Werken spürbar, die zu den Neuerwerbungen der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg zählen und erstmals präsentiert werden. In Ihren Arbeiten setzt sich die Künstlerin mit Geschlechterverhältnissen auseinander und entwirft ein differenziertes Gegenbild über herrschende Stereotype und Rollenklischees. Die Arbeiten dieser noch relativ jungen und bereits ungemein erfolgreichen Künstlerin sind einer Installation der US-amerikanischen Künstlerin Ree Morton gegen übergestellt, die sich innerhalb der männlich dominierten Minimal-Art-Szene im New York der 1960er-Jahre eine eigene Arbeitsmethode und Sprache erarbeitete. Die Kritik an der Vergangenheit, die Ablösung von alten Normen und zugleich die Akzeptanz einer veränderten Gegenwart ist ein wiederkehrendes Thema in einigen der ausgestellten Werke. Elke Krystufek konfrontiert uns in ihrer 1993 erstellten Fotomontagen-Reihe mit dem Titel Elke Krystufek liest Otto Weininger mit frauenfeindlichen Zitaten aus dem Buch Geschlecht und Charakter des österreichischen Philosophen Otto Weininger von 1903.
Neben das Thema des Wandels und Visionen von der Lebenswelt treten Umwälzungen durch Grenzüberschreitungen und Situationen von Reaktion und Aktion, wie sie etwa von Günter Brus provoziert werden. Sein Wiener Spaziergang als „lebendes Bild“, eine Reaktion auf eine Ausstellung, in der seine aktionistischen Werke ausgespart werden sollten, endete am 5. Juli 1965 mit der Verhaftung des Künstlers. Zu dieser Gruppe zählt auch die Mappe der Hundigkeit aus dem Jahr 1968 von VALIE EXPORT und Peter Weibel sowie Fotoarbeiten von Arnulf Rainer mit dem Titel Nervenkrampf, die zwischen 1969 und 1970 entstanden.
Die poetischen, positiven oder auch Wandel anstoßenden Stimmen werden von ebenso kritischen Auseinandersetzungen mit den Folgen der Veränderung, zum Beispiel im Bereich der Massenmedien und der Arbeitswelt, begleitet. In Richard Kriesches Audio-Video-Installation 14 Minuten im Leben von aus dem Jahr 1977 steht der Mangel an Veränderung oder – verschärft gesprochen – die Monotonie im Vordergrund: Industriearbeit in Realzeit wird anhand der immer gleichen Handgriffe einer Arbeiterin der Puch-Fahrradfabrik gezeigt. Einsehbar sind 14 Minuten aus jedem Tag der Woche, womit die Konsequenzen von industriellem Fortschritt als individuellem Rückschritt verdeutlicht werden.
Die Beschäftigung mit den Möglichkeiten und Folgen von Veränderung spiegelt sich auch in den künstlerischen Strategien und Techniken wie dem Prinzip von Collage und Assemblage oder etwa bei Oswald Oberhuber wider, der die „permanente Veränderung“ zum Prinzip seiner Kunst erklärt hat. Oberhuber richtet sich gegen die Entwicklung eines einheitlichen und wiedererkennbaren künstlerischen Stils und stellt damit sich selbst und seine
Ausdrucksmittel immer wieder erneut infrage. Die Transformation spielt auch bei Gerhard Rühm, einem der wichtigsten Vertreter der sogenannten Wiener Gruppe (1954–1964), eine zentrale Rolle. In seinen zwischen 1955 und 1963 entstandenen Typocollagen sind es Buchstaben und Worte aus Zeitungen, die er in poetische Anordnungen überführt. Auch die polnische Künstlerin Ewa Partum setzte in ihrem Video Aktive Poesie (1971/1973) Buchstaben ein: Indem sie sie auf einem Feld verstreut oder ins Meer schüttet, wird die Natur zu ihrer Partnerin beim Verfassen eines neuen Gedichts. Sprache spielt auch im Werk des Künstlers Josef Strau eine große Rolle. In seinem für die Besucherinnen und Besucher begehbaren Objekt J: Inside the Letter-Hole (Josef for Children), einer Art Tunnel in Form eines auf die Größe eines Kindes abgestimmten Buchstabens, wird die alttestamentarische Geschichte über Josef aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.
„Das tausendteilige Porträt ist ein fotografisches Monument meiner Mutter. Ihre Gedanken streifen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, schreibt Friedl Kubelka über die 1980 produzierte Arbeit. Was auf den ersten Blick wie das immer gleiche Passfoto einer fremden Person aussieht, offenbart sich als Möglichkeit für eine Studie über die Veränderungen eines Individuums und dessen Beziehung zur ganz persönlichen Um- und Erfahrungswelt. Dass sich etwas verändern kann und welche Eigenschaften in kausaler Verbindung mit Veränderung stehen, hat Robert Barry mit den zwanzig Aussagen seiner Diainstallation It can change… (1970/71) versucht festzuhalten. Dem gegenüber finden sich 27 kleinformatige Papierarbeiten von Heimo Zobernig, der die Veränderung einer einzelnen Form mittels Farbe und Farbauftrag systematisch durcharbeitet.
Mit Hans Haackes World Poll wird eine seiner jüngsten Arbeiten präsentiert, die auf der Biennale von Venedig 2015 in Fortsetzung seiner bereits in den 1960er-Jahren durchgeführten Besucherbefragungen präsentiert wurde. Mittels iPads können die Besucherinnen und Besucher an der von Haacke für Salzburg überarbeiteten „Weltumfrage“ teilnehmen und deren stetig aktualisierte Ergebnisse einsehen. Veränderung ist hier als aktiver Prozess der direkten Beteiligung erfahrbar und auch am technologischen Fortschritt sichtbar: Bereits seit 1969 setzt Haacke Fragebögen und Stimmzettel ein, um soziale und politische Systeme zu entlarven und zu kritisieren. Deutlich wird die Veränderung anhand eines Vergleichs mit den Dokumenten und Resultaten der Befragung Visitors’ Profile, Directions 3: Eight Artists, Milwaukee Art Center, June 19 through August 8 von 1971, einer in Salzburg erstmals präsentierten Arbeit aus der Sammlung Generali Foundation.
Mit Werken von Fareed Armaly (1957 Iowa City, IA, US – Berlin, DE), Azra Aksamija (1976 Sarajevo, BA – Boston, MA, US), Robert Barry (1936 New York, NY, US – Teaneck, NJ, US), Gottfried Bechtold (1947 Bregenz, AT – Hörbranz, AT), Günter Brus (1938 Ardning, AT – Graz, AT), VALIE EXPORT (1940 Linz, AT – Wien, AT) / Peter Weibel (1944 Odessa, UA – Wien, AT, und Karlsruhe, DE), Isa Genzken (1948 Bad Oldesloe, DE – Berlin, DE), Dan Graham (1942 Urbana, IL, US – New York, NY, US) / Robin Hurst,
Nilbar Güreş (1977 Istanbul, TK – Wien, AT), Hans Haacke (1936 Köln, DE – New York, NY, US), Hans Hollein (1934 – 2014 Wien, AT), Richard Kriesche (1949 Wien, AT – Graz, AT), Elke Krystufek (1970 Wien, AT), Friedl Kubelka (Friedl vom Gröller) (1946 London, UK – Wien, AT), Markus Lüpertz (1941 Reichenberg, heute Liberec, CZ – Berlin, DE), Ree Morton (1936 Ossining, NY, US – 1977 Chicago, IL, US), Oswald Oberhuber (1931 Meran, IT – Wien, AT), Ewa Partum (1945 Grodzisk Mazowiecki, PL – Berlin, DE), Arnulf Rainer (1929 Baden/Wien, AT – Enzenkirchen, AT), Gerhard Rühm (1930 Wien, AT – Köln, DE, und Wien, AT), Curt Stenvert (1920 Wien, AT – 1992 Köln, DE), Josef Strau (1957 Wien, AT – Berlin, DE, und New York, NY, US), Franz West (1947 – 2012 Wien, AT) und Heimo Zobernig (1958 Mauthen, AT – Wien, AT)

Kuratorinnen: Sabine Breitwieser, Direktorin und Leiterin des kuratorischen Teams; Antonia Lotz, Kuratorin Sammlung Generali Foundation; Christina Penetsdorfer, Assistenz-Kuratorin

Alexander Calder & Fischli/Weiss

Die Fondation Beyeler präsentiert vom 29. Mai bis 4. September 2016 eine umfassende Ausstellung zum amerikanischen Künstler Alexander Calder und den Schweizer Künstlern Peter Fischli und David Weiss, die als Partner unter dem Namen Fischli/Weiss agierten. Nach der erfolgreichen Präsentation der „Calder Gallery I-III“ (2012-2015) in der Fondation Beyeler und der Zusammenarbeit mit der Calder Foundation eröffnet die Ausstellung „Alexander Calder & Fischli/Weiss“ einen neuen und besonderen Zugang zu Calders Schaffen.

Im Zentrum der bahnbrechenden Ausstellung steht das Moment des fragilen Gleichgewichts, eines prekären und gleichzeitig glücksverheissenden, immer nur temporären Zustands. In exemplarischer Weise hatten Alexander Calder (seit Anfang des 20. Jahrhunderts) und Peter Fischli und David Weiss (seit Ende) Formulierungen dieses Moments gefunden. Diese könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein, erweisen sich aber bei genauerer Betrachtung doch nur als zwei Seiten einer Münze, als Ergebnis unterschiedlicher Perspektiven, die in verschiedenen Zeiten auf das gleiche Thema gerichtet wurden.

Ausgewählte Werkgruppen Calders gehen in der Ausstellung einen offenen und raumübergreifenden Dialog mit einzelnen Werken von Peter Fischli und David Weiss ein. Die Schwerpunkte, entlang denen sich die Präsentation entfaltet, folgen entscheidenden historischen Momenten in Calders Schaffen. Sie erstrecken sich von Cirque Calder aus den 1920er Jahren über den Schritt zur Abstraktion und die Erfindung des Mobile Anfang der 1930er Jahre, bis hin zum souveränen und fulminanten Spiel mit den formalen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben haben. Als Kontrapunkte treten die Werke von Peter Fischli und David Weiss auf und verleihen der Ausstellung ihren besonderen Charakter.

In der unerwarteten Verbindung erhalten die Momente des Tüftelns, des Beobachtens und Experimentierens ein eigenständiges Gewicht, die Wechselbeziehung von Schwerkraft und Schwerelosigkeit wird dadurch als ungemein lebendiger Prozess in einer neuen Perspektive erfahrbar. Leichtigkeit und Schwere, das Ausloten der Grenzen des Spiels, Scheitern und Zufall als künstlerische Praxis, das Pendeln entlang der feinen Linie zwischen Humor und Poesie, der Seiltänzer als Prototyp für eine existentielle Realität – es gibt viele Berührungspunkte, die die Werke von Alexander Calder und Fischli/Weiss gemeinsam und dennoch eigenständig wirken lassen. Nur einmal wird es in den Räumen des Museums zu einer direkten Begegnung der Arbeiten von Fischli/Weiss und Calder kommen, welche die Ausstellung und ihre Erzählung öffnen wird.

Calder (1898-1976) ist der Meister des fragilen Gleichgewichts in der Kunst der Moderne. Mit der wegweisenden Schöpfung des Mobiles hat er die sich stetig verschiebende Balance zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit anschaulich werden lassen. Sein gesamtes Werk ist der Suche nach Balance gewidmet. Die Faszination seines Werkes liegt in der Gleichzeitigkeit von jedes Mal neu angestrebter und meist erreichter faktischer Balance und ihrer in vielfältigen Formen realisierten Visualisierung.

Peter Fischli (geb. 1952) und David Weiss (1946-2012) haben dem Thema der prekären Balance in ihrem gemeinsamen Schaffen ab 1979 eine ikonische Form ganz anderer Art gegeben. Mit der gleichen lustvollen Unermüdlichkeit entwickelten sie – in Filmen und Skulpturen, mit Sprache, Fotografie und Malerei – ein unwiderstehliches Wechselspiel von Balance, Klarheit und Übersicht, in dem allerdings Unwägbarkeiten und Stolpersteine gegenüber der Eleganz und dem Selbstverständnis der grossen Geste der Moderne – wie sie das Mobile verkörpert – oft die Oberhand gewinnen.

 

Die Ausstellung ist von Theodora Vischer kuratiert, Senior Curator an der Fondation Beyeler, und entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Calder Foundation in New York und dem Künstler Peter Fischli.

 

Isa Genzken: Mach dich hübsch!

Isa Genzken (1948) zählt zu den bemerkenswertesten Künstlerinnen Deutschlands. Ihr Werk hat seine Wurzeln im Medium Skulptur und zeichnet sich durch eine sich ständig entfaltende visuelle Sprache und den ungezwungenen Einsatz von Medien aus. Genzkens Werk umfasst Skulptur, Installation, Film, Video, Malerei, Werke auf Papier, Kollagen und Fotografie. In den 1970ern produzierte sie mit dem Computer entworfene Skulpturen bezogen auf den amerikanischen Minimalismus und Konzeptkunst. Die Retrospektive bietet  einen dynamischen Rahmen für Genzkens unorthodoxe Vision der Welt, die uns umgibt. Die Ausstellung beleuchtet Themen wie Modernität, menschlicher Körper, Portrait, urbane Kultur und Architektur.

Hermann Stenner (1891-1914) Retrospektive

Über den 1891 in Bielefeld geborenen Hermann Stenner sagte der ehemalige Kommilitone
Willy Baumeister im Jahr 1950: “Er wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden“
und charakterisierte damit die ganze Tragik des früh verstorbenen, hochbegabten Künstlers.
Bereits in jungen Jahren verfolgte Stenner (1891-1914) sehr zielstrebig seinen
künstlerischen Weg.
1909 ging er zunächst zur Ausbildung nach München an die Knirr-Schule, den Sommer
verbrachte er bei dem Landschaftsmaler Hans von Hayek (1869-1940) in Dachau.
Gelungene Landschaftsbilder im impressionistis
chen Stil kennzeichnen diese Phase seiner
Ausbildung. Bereits im März 1910 verließ er München und wechselte nach Stuttgart zu
Christian Landenberger (1862-1927). Die 1911 auf der Sommerexkursion zum Ammersee
entstandenen Arbeiten bilden einen ersten Höhepunkt im Werk Stenners. Starkfarbig und
expressiv angelegt, nehmen diese Gemälde den Betrachter durch eine eigenwillige
Bildsprache gefangen.
Auf Vermittlung Landenbergers wechselte Stenner im Herbst 1911 in die Komponierklasse
von Adolf Hölzel (1853-1934). Innerhalb kurzer Zeit verinnerlichte Stenner die Farb- und
Kompositionslehre von Hölzel. Er schuf abstrahierende, innerhalb einer Farbfamilie
angelegte Kompositionen, die seinen souveränen Umgang mit den Stilmitteln der Moderne
bewiesen und einen eigenen künstlerischen Weg vorzeichneten.

Ausstellungsbeteiligungen 1912 in Stuttgart, Bielefeld und München sowie 1913 in Berlin
verhalfen dem jungen Künstler zu erster überregionaler Anerkennung. Im August 1914
meldete sich Stenner freiwillig zum Kriegsdienst, Anfang Dezember 1914 fiel der 23-jährige
in Polen.
Anlässlich des 125. Geburtstags Hermann Stenners präsentiert das Museum Moderner
Kunst eine Retrospektive des Künstlers, die ca. 70 Gemälde und 30 Arbeiten auf Papier
umfasst. Die Ausstellung versucht, das kurze, intensive und eindrucksvolle Künstlerleben
Stenners durch seine wichtigsten Werke nachzuzeichnen.
Die Entwicklung in der Darstellung des Mensche
nbildes wird an Hand einiger Selbstporträts
sowie markanter Frauendarstellungen vorgestellt. In der Landschaftsmalerei wird Stenners
Weg vom Dachauer Spätimpressionismus über expressive Bilder zu summarisch
aufgefassten Flächenkompositionen verdeutlicht. Eine bedeutende Werkgruppe bilden die
religiösen Darstellungen, die im Umfeld eines Wettbewerbs innerhalb der Hölzel-Klasse
entstanden und Stenners stilistisches Repertoire um kubistisch-konstruktive Elemente
erweiterten.

Erwin Bohatsch

Erwin Bohatsch, geboren 1951, zählt zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern seiner Generation. Die Albertina würdigt Bohatsch, dessen vielseitiges Oeuvre bereits seit den 1980er Jahren internationale Anerkennung findet, nun mit einer Personale.

Bohatschs Werk ist geprägt vom steten Pendeln zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Farbe und Nichtfarbe sowie zwischen Linie und Fläche. Es umkreist die bis heute brisante Frage nach der Aktualität von Malerei. Die Ausstellung erschließt ein facettenreiches Kaleidoskop von vier Dekaden des einzigartigen und konsequenten Schaffens des Künstlers.

Kulturszene protestiert gegen AfD-Kulturpoltitik

Nach dem Wahlerfolg der AfD bei drei Landtagswahlen im März 2016 hat Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Berliner Akademie der Künste, vor dieser Partei gewarnt und eine Beobachtung durch die Verfassungsschutzbehörden eingefordert. Auch der Deutsche Kulturrat wandte sich vehement gegen die kulturpolitischen Vorstellungen der AfD: Die Bühnen „sollen stets auch klassische deutsche Stücke spielen“, hatten die Rechtspopulisten im sachsen-anhaltinischen Wahlkampf gefordert. Auch Museen und Orchester sollten aus Sicht der AfD künftig einen „positiven Deutschland-Bezug“ fördern. Der Deutschlandfunk brachte diese Idee einer deutschtümelnd anmutenden Kulturpolitik auf die Formel: „Richard Wagner statt Giuseppe Verdi, Andrea Berg statt Madonna: So ungefähr lautet das kulturpolitische Wahlprogramm der AfD.“ Die Kulturkonferenz von Sachsen-Anhalt, in der sich 19 Kultureinrichtungen zusammen geschlossen haben, sieht das „Grundrecht der Kunstfreiheit“ bedroht, wenn Intendanten nicht mehr autonom über den Spielplan von Opernhäusern und Theatern bestimmen könnten. Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat verweist auf die bewährte strikte strukturelle Trennung zwischen denjenigen, die Kunst produzieren, und denjenigen, die sie finanzieren. Dass sich geldgebende Kulturämter oder Sponsoren in die inhaltliche Gestaltung einer Ausstellung oder eines Konzertprogramms einmischen, war im demokratischen Deutschland bislang strikt verpönt. Nach den Erfahrungen mit zwei Diktaturen will hier zu Lande aus gutem Grund keiner mehr staatliche Instanzen haben, bei denen man sich als Autor oder Verlag z.B. erst einmal einem „Druckgenehmigungsverfahren“ unterziehen müsste wie in der DDR ab 1956, wo es zwar offiziell keine Zensur gab, wo aber gleichzeitig ohne grünes Licht seitens der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur kein Theaterstück und kein Gedichtband publiziert werden durfte. Natürlich werden auch künftig an hiesigen Bühnen z.B. Friedrich Schillers „Die Räuber“ und die Oper „Porgy and Bess“ von George Gershwin gespielt, ohne dass ein AfD-Kulturfunktionär letzteres verhindern könnte. Aber wenn es um eine deutsche Leitkultur gehen soll, dann kann diese eben nur in einem europäischen Kontext verankert sein, d.h. in einer Traditionslinie der französischen und britischen Staatstheorien der Aufklärung im 18. Jh., der Ideale der Französischen Revolution 1789 und der Demokratiebewegungen in Deutschland seit dem Vormärz nach 1830. Die konkrete rote Linie dazu, die nicht überschritten werden darf, weder von religiösen Eiferern noch von Nationalkonservativen, wird von den ersten 19 Artikeln unseres Grundgesetzes vorgegeben. Zu dieser verfassungspatriotischen Leitkultur (d.h. „Verfassungspatriotismus“ im Sinne des Politologen Dolf Sternberger und des Philosophen Jürgen Habermas) gehören als Conditio sine qua non u.a. das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2), die Gleichheit aller vor dem Gesetz, daraus folgernd dann ebenso die Gleichberechtigung in der Gesellschaft (Art. 3), und die Freiheit der Kunst (Art. 5). Dass in der Kulturszene so vehement gegen die AfD-Kulturpolitik polemisiert wird, hat sehr viel mit den unguten Erfahrungen aus der jüngeren Geschichte zu tun, die – anders als in Frankreich, wo wohl ein gewisser Konsens darüber zu bestehen scheint, dass per Gesetz die Radiosender dazu verpflichtet sind, 40 Prozent ihres Programms mit französischsprachiger Musik zu bestreiten – eben für viele kein unbefangenes Verhältnis zu einem Begriff von Nationalkultur zulässt, vor allem dann nicht, wenn er politisch aufgeladen ist. Was der NS-Ideologe Alfred Rosenberg 1929 in seinem Kampfbund-Manifest „Die Geisteswende. Kulturverfall und seelische Wiedergeburt“ niederschrieb und dann von 1933 bis 1945 als eine Rückbesinnung auf „arteigene“ deutsche Kulturwerte in Deutschland als offizielle kulturpolitische Leitlinie propagiert wurde, galt nach 1945 als obsolet. Damit dies auch künftig so bleibt, rufen Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann, der Künstler Philipp Ruch vom „Zentrum für politische Schönheit“ und andere Repräsentanten der Kulturszene zu Protest und Widerstand auf. Quelle: Kunstforum

Der Künstler und sein Ich

Das abstrahierte Selbstporträt in der Fotografie von 1960 bis 2000

Die Ausstellung zeigt rund 20 teilweise großformatige Selbstporträts etablierter Künstler aus der reichen Fotosammlung der Staatsgalerie Stuttgart, die den Künstlerkörper thematisieren. In den Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien von Didier Bay, Joseph Beuys, Bernhard Blume, Marcel Broodthaers, John Coplans, VALIE EXPORT, Robert Filliou, Jürgen Klauke, Camill Leberer, Friederike Pezold, Arnulf Rainer, Klaus Rinke sowie einem Objekt aus dem Archiv Sohm von Timm Ulrichs präsentiert sich der „Künstler und sein Ich“.
In einer Zeit, in der sich die Präsentation und Inszenierung der eigenen Person besonders in Verbindung mit den »Social Networks« immer weiter verbreitet, gewinnen auch die Selbstporträts und Selbstinszenierungen von Klassikern der Fotokunst neue Aktualität. Egal, ob der Körper dabei lediglich abgebildet oder inszeniert und dekonstruiert wird, der Ausgangspunkt ist immer die Beschäftigung mit dem Ich.
Der Besucher erlebt eine Welt von Selbstabbildung und Selbstinszenierung. Jeder der ausgestellten Künstler setzt den eigenen Körper mit unter-schiedlichen Voraussetzungen und Motiven individuell ins Bild. Sie schlüpfen in selbst gewählte Rollen, stellen die Verfremdung des Künstlerbildnisses durch malerische und technische Mittel in den Vordergrund oder zeigen einzelne Körperteile, die unterschiedlich inszeniert oder präsentiert, für den ganzen Künstlerkörper stehen. Indirekte Künstlerporträts, die Gegenstände, Lokalitäten oder Szenen darstellen, die den menschlichen Körper ersetzen, ergänzen die Präsentation.