Große Werkschau von Thomas Struth

Produktionsanlage, Forschungslabor und Operationssaal, Alltagsarchitektur oder Erlebnispark: Thomas Struth untersucht in seinen Bildern der letzten Jahre, wie menschlicher Wille, Ehrgeiz und menschliche Vorstellungskraft räumliche, objekthafte Wirklichkeit erschaffen.
Die Ausstellung umfasst 34 zum Teil großformatige Fotografien aus den Jahren 2005 bis 2015. Die Bilder zeigen hochkomplexe Apparaturen, Strukturen und Konstruktionen, welche unsere Lebenswelt prägen, aber dem Blick der Öffentlichkeit meist unzugänglich sind. Sie erzählen von Versuchen, die Grenzen des technisch Möglichen zu erweitern und mittels künstlicher Welten die natürliche Wirklichkeit zu überbieten. Struth faszinieren dabei nicht nur die komplexen Strukturen, sondern vor allem auch die geistige Anstrengung, die sich in ihnen abbildet. „Ich wollte den Prozess der Imagination und Fantasie untersuchen. (…) Es geht mir darum, wie etwas, das zuvor nur ein Gedanke war, sich materialisiert und Teil der Wirklichkeit wird. ‚Sich etwas ausmalen‘, dieser Ausdruck beschreibt ja schon die Möglichkeit des Gehirns, in Bildern zu denken.“
Die Fotografien handeln von wissenschaftlich-technischen Errungenschaften: Entwicklungen der Raumfahrt, plasmaphysikalische Experimente, Industrieanlagen wie Bohrinseln oder Hochöfen sind Produkte der Ideen und Entwürfe hoch spezialisierter Experten. Von Menschen hergestellt, werfen die Fotografien die Frage auf, wie Macht und Machtstreben sich in Objekten dokumentieren und sich dadurch politische Geltung verschaffen. Die Bilder thematisieren die Konstruktion, Deutung und die Umdeutung von Wirklichkeit, von Erinnerung und Erfahrungen.
Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und wird von Tobia Bezzola und Brett Abbott kuratiert. Anschließend wird sie im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Danach wandert sie ans High Museum of Art in Atlanta, Georgia, und Saint Louis Museum Art Museum, Missouri.
Der Katalog mit Texten von Dirk Baecker, Tobia Bezzola und Graham Burnett erscheint bei MACK, London (Deutsch: ISBN 9781910164532, 45 €).
Die Ausstellung wird ermöglicht durch die National-Bank AG.

Giorgio de Chirico – Magie der Moderne

In ihrer Großen Sonderausstellung beschäftigt sich die Staatsgalerie
Stuttgart im Frühjahr 2016 mit Giorgio de Chirico (1888–1978) und seiner
Bedeutung für die Kunst der Europäischen Avantgarde. Alle Informationen
rund um die Ausstellung, zum Rahmenprogramm sowie zum Besuch bietet
die neue Website dechirico-staatsgalerie.de.
Anhand von rund 100 hochkarätigen Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken,
u.a. aus dem Metropolitan Museum of Art und dem MoMA in New
York, dem Musée national d’Art moderne in Paris oder der Galleria Nazionale
d’arte moderna in Rom lädt die Präsentation in der Staatsgalerie dazu ein,
einem bedeutenden Wendepunkt in der Kunst des 20. Jahrhunderts nachzuspüren.
Der 1888 in Griechenland geborene Italiener Giorgio de Chirico übte einen
richtungsweisenden Einfluss auf seine Zeitgenossen und die nachfolgenden
Künstlergenerationen in Europa aus. In seiner Malerei entwickelt er in
den 1910er-Jahren eine hochkomplexe Bildsprache, deren vordergründige
Gegenständlichkeit sich bei näherer Betrachtung in eine mysteriöse Welt
voller Symbole und Anspielungen auflöst. Die 1911 in Paris begonnene Phase
seiner metaphysischen Malerei findet ihren konzeptionellen Höhepunkt im
oberitalienischen Ferrara, wo de Chirico ab Mitte 1915 bis Ende 1918 seinen
Militärdienst ableistet.
Als eines der wenigen Museen in Deutschland besitzt die Staatsgalerie
Stuttgart mit »Metaphysisches Interieur mit großer Fabrik« ein Meisterwerk
de Chiricos aus dieser für die Kunstgeschichte so fruchtbaren Periode in
Ferrara. 2016 – 100 Jahre nach seiner Entstehung – bildet es den Ausgangspunkt
für diese Große Sonderausstellung zur »pittura metafisica« und ihrer
Bedeutung für die Kunst der Europäischen Avantgarde.
In der Ausstellung treffen zahlreiche in Ferrara entstandene Schlüsselwerke
von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà, mit dem ihn eine intensive Zusammenarbeit
verband, auf Gemälde und Zeichnungen von Künstlern des
Dadaismus, Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit. So offenbart sich die
unmittelbar nach ihrer Entstehung anschließende internationale Rezeption
der besonderen Bildsprache – der »pittura metafisica«. Auf zahlreichen
Werken wie »So ist der Mensch« (1931) von René Magritte, »Erleuchtete Lüste«
(1929) von Salvador Dalí, »Aquis submersus« (1919) von Max Ernst oder
»Der Diabolo Spieler« (1920) von George Grosz tauchen Motive wie der
gesichtslose »manichino« oder das »Bild im Bild« auf und zeugen von der
intensiven Auseinandersetzung mit de Chirico.

Die Ausstellung wird organisiert von der Staatsgalerie Stuttgart und der
Fondazione Ferrara Arte.
Kuratoren:
Paolo Baldacci und Gerd Roos, Archivio dell’Arte Metafisica, Mailand / Berlin
Staatsgalerie Stuttgart, Prof. Dr. Christiane Lange, in Zusammenarbeit mit
Birgit Langhanke M.A.
Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik Berlin
Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und
Kunst Baden-Württemberg

HeimWeh Zwischen Sehnsucht und Realität

Am Samstag, den 30. April eröffnet ein hochambitioniertes Projekt in der mittelfränkischen Stadt Ansbach, das auf die wachsenden gesellschaftlichen Spannungen eingeht. Das Projekt fragt: Was ist Heimat? Wie prägen geographische, soziale, wirtschaftliche, politische, religiöse oder kulturelle Eigenschaften eines Landes die nationale Identität seiner Einwohner? Was bedeutet Heimat für uns heute, welche Bedeutung hat sie für die Asylsuchenden und Migranten in unserer Stadt? Was bedeutet das für unser Zusammenleben?

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten wird dieses Thema auf vielfältige Art und durch – nach allen Seiten offene – integrative Aktionen und Veranstaltungen in die Öffentlichkeit getragen. Im Vordergrund stehen zwei künstlerische Positionen, die zwei unterschiedliche Orte markieren:

Das CAMP des Kieler Künstlers Tobias Regensburger ist eine mehrdeutige Installation im öffentlichen Raum. CAMP steht für unsere mobile Welt. CAMP spielt auf den gewöhnlichen Freiheitsdrang des Individuums an. CAMP weist auf den alltäglichen Kampf mit sich selber hin. CAMP steht für den militärischen Kampf, für Flucht und Überleben. Letztlich manifestiert sich an ihm die Ambivalenz in der Auseinandersetzung um die Idee von „Heimat“, mit ihren Sehnsüchten und Zwängen.

Das CAMP wird im öffentlich zugänglichen Museumshof gezeigt.

Die fotografische Serie „Über das Hören und das Verstehen“ der international bekannten Fotografin Herlinde Koelbl markiert ein zweites Forum des Austauschs, diesmal im Kirchenraum von St. Gumbertus: 29 Menschen hat Herlinde Koelbl beim Flüstern, Lauschen, Kichern, Witzeln und Nachdenken fotografiert. Es sind 18 Nationalitäten aus fünf Kontinenten in 13 Sprachen von 5 bis 71 Jahren, die sich zuhören und verstehen. 2004 hat Koelbl diese Serie für die Münchner Lichterkette gemacht, ein Verein, der sich seit Jahrzehnten um die Integration ausländischer Mitbürger kümmert.

Die Serie wird in St. Gumbertus, 300 Meter vom CAMP entfernt, gezeigt.

Beide Ort bilden Forum, Kulisse, Versammlungs- und Veranstaltungsort für Gespräche, Lesungen, Konzerte, Poetry Slam, Kinderkreativworkshops und Theateraufführungen.

Cætch

Photography. Aesthetics. Inspiration
CÆTCH ist die ultimative Inspirationsquelle für Kreative und Sammler, die auf der Suche nach neuen Fotografen oder Stylisten sind. Auf 352 Seiten zeigen 141 Künstler ihre vielseitigen Werke aus den Bereichen Fashion, Lifestyle, Advertising, Editorial, People, Still Life und Landscape – ein aufregendes Seh-Erlebnis nicht nur für Professionals, sondern auch für alle an Fotografie Interessierten.

RICOCHET#10

Die Ausstellung Amie Siegel: Double Negative zeigt sieben Werke der amerikanischen Künstlerin, die zwischen 2005 und 2015 entstanden sind.
Die Film, Video, Fotografie und Installation umfassende Ausstellung stellt Korrespondenzen zwischen diesen Arbeiten her, darunter die neue, für die Villa Stuck entstandene Arbeit Double Negative, die der Schau ihren Titel gibt. Die zehnte Ausgabe der Ausstellungsreihe Ricochet inszeniert einen einzigartigen Dialog.

Das Interesse der Künstlerin für die jüngere Vergangenheit, für die Entfaltung von Zeit dient als Ausgangspunkt für die Gliederung der Ausstellung: als eine Reihe von Ritornellos, reflexive Passagen von Wiederholung und Differenz. Siegel »verfertigt, erneuert und zerlegt«, gemäß Gilles Deleuze, ihre Werke »ausgehend von einem schwankenden Horizont, von einem stets dezentrierten Zentrum und einer immer verschobenen Peripherie, die sich wiederholt und differenziert«.

Die Ausstellung zieht sich durch eine Reihe verdoppelter Räume und spiegelt Werke, die Siegels kritische Annäherung an Orte und Objekte zeigen. Im ehemaligen Atelier Franz von Stucks ist die aus mehreren Elementen bestehende Arbeit Provenance (2013) zu sehen. Der Film verfolgt in umgekehrter Richtung den weltumspannenden Handel von modernen Möbeln aus der indischen Stadt Chandigarh: einen Weg von den Wohnsitzen begüterter Sammler über Versteigerungen, Restaurierung und Transport zurück zum Ursprungsort der Möbel, der kontroversen, von Le Corbusier geplanten Stadt. Proof (Christie’s 19 October, 2013) und das Video Lot 248 (2013) dokumentieren die Versteigerung von Provenance bei Christie’s in London und zeigen das Werk selbst als Teil des spekulativen Kreislaufs von Kunst und Kapital, den es beschreibt.

In Berlin Remake (2005) werden Aufnahmen aus DEFA-Filmen heutigen »Remakes« derselben gegenübergestellt, wodurch sich unheimliche Architekturen von An- und Abwesenheit ergeben. Deathstar/Todesstern (2006) stellt verschiedene langsame Kamerafahrten durch die Gänge früher deutscher Bauten der Moderne nebeneinander. The Modernists (2010) verbindet Fotografien und eine Videoprojektion zu einer Sammlung touristischer Schnappschüsse und Super 8-Filme, auf denen ein Mann seine Ehefrau vor modernen Skulpturen auf der Welt verstreut ablichtet. Circuit (2013), eine 360-Grad-Kamerafahrt im Naturkundemuseum von Chandigarh, folgt der Darstellung der Entwicklung der Planeten im Rundbau des Panoramas und spiegelt damit zugleich die umgekehrte Zeitachse von Provenance wider.

In der für die Villa Stuck erstellten Arbeit Double Negative (2015) projizieren zwei 16 mm-Filme gleichzeitig Aufnahmen von Le Corbusiers blendend weißer Villa Savoye außerhalb von Paris und deren Doppelgängerin, einem schwarzen Nachbau in Canberra, Australien. Jeder der beiden Filme wurde als Negativ abgezogen, sodass sich eine Umkehrung von Hell und Dunkel ergibt. Als ethnographisches Institut ist die antipodische schwarze Villa Savoye heute der Herstellung digitaler Duplikate seiner Sammlungen anthropologischer Filme, Fotografien, Dias und Tonaufnahmen gewidmet, was ein HD-Farbvideo im Nebenraum zeigt. Weiße Schwäne in Paris, schwarze Schwäne in Australien. Eine Villa in einer Villa.

Anselm Kiefer

Anselm Kiefer ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit. In einer ersten umfassenden Retrospektive zeigt die Albertina rund 35 monumentale Hauptwerke seiner berühmten Holzschnitte und präsentiert wichtige Bildzyklen und Themengruppen Kiefers, wie die Wege der Weltweisheit: Die Hermannsschlacht, die Rhein-Bilder und Brünhilde – Grane.
Kiefers Werk zeugt von seiner intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, Kulturgeschichte und mit Mythologien. Eine individuelle Collage-Technik, zahlreiche malerische Überarbeitungen und experimentelle Materialien und Techniken machen jedes Werk zu einem für sich stehenden Unikat, das aber inhaltlich wie formal vielschichtig mit seinen Bildwelten vernetzt bleibt.

DR. ANTONIA HOERSCHELMANN | Albertina, Kuratorin der Ausstellung

Affichomanie Toulouse-Lautrec und das Plakat um 1900

Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert in einer umfangreichen Ausstellung die Pioniere und wichtigsten Vertreter der Plakatkunst um 1900. Unter den mehr als hundert Exponaten befinden sich Lithografien aus eigenen Beständen von epochemachenden Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec, Oskar Kokoschka und Egon Schiele.
Im Frühjahr steht das Museum der Moderne Salzburg auf dem Mönchsberg im Zeichen der Plakatkultur und ihres Meisters Henri de Toulouse-Lautrec. Auf der Ausstellungsebene [3] werden über hundert Werke gezeigt, von Entwurfszeichnungen und Farblithografien in Magazinen bis hin zu großformatigen Plakaten. Die Exponate stammen von sechzig Künstlern, darunter Henri de Toulouse-Lautrec, Jules Chéret, Théophile-Alexandre Steinlen, Alfons Mucha, Franz Marc, Gustav Klimt, Franz von Stuck, Egon Schiele und Oskar Kokoschka. „Neben Schlüssel-werken der Belle Époque wie dem Divan Japonais von 1892/93 von Henri de Toulouse-Lautrec oder Théophile-Alexandre Steinlens Tournée du Chat Noir von 1896 bilden expressionistische Plakate aus den Beständen des Museum der Moderne Salzburg einen Höhepunkt der Ausstellung, wie Oskar Kokoschkas berühmtes Selbstbildnis für die Zeitschrift Sturm oder Egon Schieles Plakat Secession. 49. Ausstellung von 1918“, unterstreicht Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg. „Mit wiederentdeckten Plakatentwürfen aus den eigenen Beständen wird ein wichtiges Stück Sammlungsgeschichte unseres Hauses erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, freut sich Sammlungsleiterin Beatrice von Bormann. Als „Galerie der Straße“ adressierten Plakate ein breites Publikum und erweiterten den öffentlichen Raum für Kunst. Die visuelle Intensität der Kunstplakate aus der Zeit um 1900 hat bis heute nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt und spiegelt sich wieder in einer ungebrochenen Begeisterung für diese Werke.
Um 1900 galt das Plakat nicht nur als wirksames Werbemittel, sondern längst auch als neue Kunstform. Die Entstehung zahlreicher Plakatkunst-Vereine zeugte von der „affichomanie“, dem Plakatwahn, der zu dieser Zeit um sich griff. Künstler entwarfen Plakate als Werbung für Produkte jeglicher Art: von Kaffee, Tabak und Automobilen über Ausstellungen bis hin zu Zeitschriften und Veranstaltungen in Kabaretts. Essenziell für die werbliche Wirksamkeit der Plakate auf der Straße waren ihre Fernwirkung und schnelle Erfassbarkeit. Der wohl bekannteste Meister dieser Kunst war Henri de Toulouse-Lautrec, der – inspiriert von japanischen Holzschnitten sowie von Künstlern wie Edgar Degas und Édouard Manet – seine Motive mit einfachen Linien, Abschneidungen und ungewohnten Perspektiven wirksam gestaltete.
Das Plakat hatte in den 1860er-Jahren in Frankreich erste Erfolge gefeiert. Diese Entwicklung erreichte etwa 30 Jahre später ihren Höhepunkt. Während das französische Plakat für seine Freizügigkeit bekannt war, griffen Künstler wie Alfons Mucha und Gustav Klimt auf antike Vorbilder zurück, um ihre Werbeplakate zu gestalten. Mit der Entstehung von Zeitschriften wie Pan, Jugend und Simplicissimus entwickelten sich auch in der Plakatkunst neue Stilformen – vom ornamentalen Jugendstil bis hin zu Satire und Karikatur. Wunschbilder der breiten Masse wurden bedient, indem Luxusgüter wie das Automobil beworben und die Schönen und Reichen als Werbeträger eingesetzt wurden. Beliebte Werbefiguren waren etwa der Dandy und die elegante Dame der Gesellschaft.
In Österreich wie in Deutschland entstanden zunächst vor allem Ausstellungsplakate; die zahlreichen Plakatentwürfe für die Wiener Secession zeugen davon. Mit den Plakatgestaltungen Oskar Kokoschkas und Egon Schieles fand der Expressionismus Eingang in diese Kunstform; berühmt ist etwa Kokoschkas Plakat von 1910 für die expressionistische Zeitschrift Der Sturm, auf dem er sich selber provokativ mit kahlem Schädel und nackt mit Schmerzensmanns-Gestus darstellte. Gleichzeitig entwickelte sich in Deutschland das Sachplakat, bei dem das Produkt im Vordergrund stand. Hier ersetzte die Zweckmäßigkeit der Werbung den künstlerischen Anspruch. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Plakatentwürfe zunehmend die Domäne von Werbefachleuten und kaum noch von Künstlern. Die Wirksamkeit der bildnerischen Gestaltung blieb jedoch essenziell für die Funktion der Plakate als das Werbemittel der großen Masse par excellence.
Diese Ausstellung wird in Kooperation mit dem Sprengel Museum Hannover veranstaltet.
Direktorin: Sabine Breitwieser
Kuratorin: Beatrice von Bormann, Leiterin Sammlung Kuratorische Assistentin: Barbara Herzog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Body & Soul

Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare (Christian Morgenstern)
Kuratoren: Andreas Hoffer, Viktoria Calvo-Tomek Ausstellungsort: Ausstellungshalle und Großer Saal, Essl Museum Mit der Ausstellung Body & Soul wird der verstärkten künstlerischen Auseinandersetzung rund um Körper, Körperlichkeit, dem Verhältnis von Körper und Seele sowie den Fragen nach Identität Rechnung getragen. Dieser Themenkomplex ist in der Sammlung Essl sehr umfangreich vertreten, einerseits mit Werken des Wiener Aktionismus und andererseits mit Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler. Die dichte, umfangreiche und konzentrierte Schau wirft Fragen zur eigenen Positionsbestimmung auf und regt zur Hinterfragung von vorhandenen und neu erstarkten Tabus an. Das Verhältnis zum eigenen Körper, der Körper als Ausdrucksort für seelische Zustände, aber auch die ewige Frage nach der Schönheit und Vergänglichkeit werden thematisiert. Zeitlich spannt die Ausstellung einen Bogen von den frühen 1950er Jahren bis zu ganz aktuellen Positionen.

Die Ausstellung mit etwa 100 Werken zeigt, dass das Verhältnis von Körper und Seele eine der spannendsten Projektionsflächen für Künstlerinnen und Künstler ist, ein Thema, das nie an Aktualität verlieren wird.
KünstlerInnen der Ausstellung: Siegfried Anzinger, Georg Baselitz, Herbert Boeckl, Günter Brus, Francesco Clemente, Martin Eder, VALIE EXPORT, Adolf Frohner, Nan Goldin, Gudrun, Ilse Haider, Karen Holländer, Jörg Immendorff, Patricia Jagicza, Alen Kasumović, Ronald Kodritsch, Anton Kolig, Elke Krystufek, Peter Land, Maria Lassnig, Marie Luise Lebschik, Daniel Lezama, Rosa Loy, Marcin Maciejowski, Monika Pascoe Mikyšková, Virgilius Moldovan, Otto Muehl, Muntean/Rosenblum, Hermann Nitsch, Irina Polin, Marc Quinn, Daniel Richter, Franz (M.J.M.) Ringel, Bianca Maria Samer, Martin Schnur, Peter Sengl, Max Streicher, Rudolf Schwarzkogler, Yang Shaobin, Herwig Zens
Mehr Infos auf unserer Website www.essl.museum Folgen Sie dem Essl Museum:

Henkel – Die Kunstsammlung

Die Ausstellung Henkel – Die Kunstsammlung gewährt erstmals tiefe Einblicke in die
von Gabriele Henkel über Jahrzehnte kenntnisreich zusammengetragene und von ihr
kuratierte Kunstsammlung. Im Fokus der Präsentation steht eine abstrakte Malerei, die
sich in Werken der klassischen Moderne und der amerikanischen Kunst finden lässt, in
Gemälden von Robert Delaunay, Jean Metzinger, Amédée Ozenfant, Ellsworth Kelly,
Mary Heilmann oder Frank Stella ebenso wie auch in Arbeiten von Gerhard Richter,
Konrad Klapheck oder Imi Knoebel. Gezeigt werden diese Bilder im spannungsvollen
Dialog mit der faszinierenden, abstrakten Ornamentik außereuropäischer, vor allem
asiatischer Textilien, die den offenen, grenzüberschreitenden Blick der Sammlerin
bezeugen.
Bisher war die mit hochkarätigen Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler und
ethnografischen Exponaten aus der ganzen Welt besetzte Kunstsammlung
überwiegend nur für Mitarbeiter und Besucher der Düsseldorfer Konzernzentrale zu
sehen. Der international agierenden Sammlerin, Kunstkritikerin, Professorin und
Förderin junger Kunst Gabriele Henkel, die mit vielen der ausgestellten Künstler
befreundet ist, war es jedoch immer wichtig, die Werke allen Mitarbeitern zugänglich zu
machen und sie auf diese Weise wie selbstverständlich in die Arbeitswelt zu integrieren.
So hängen die ausgewählten Werke in immer wechselnden Konstellationen und
Präsentationen bis heute in den Büros, Fluren, Treppenhäusern, Konferenzräumen und
Versammlungsstätten des Unternehmens und bestimmten so nicht nur das ästhetische
Erscheinungsbild, sondern fördern damit auf ganz besondere Weise den demokratisch
verstandenen Zugang zu Kunst aus der ganzen Welt.
Die von Gabriele Henkel kuratierte Ausstellung im 2. Obergeschoss des K20 am
Grabbeplatz stellt in einer großzügigen räumlichen Offenheit mit rund 40 Werken nicht
nur die Höhepunkte der Sammlung vor, sondern hat sich das Thema der Abstraktion als
das alles miteinander verbindende Leitmotiv gesetzt.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Henkel AG & Co. KGaA.

Gerwald Rockenschaub blueberry fields (orphaned selec + 1)

Funky Minimal: Der Titel von Gerwald Rockenschaubs radikaler Präsentation 1999 im Kunstverein Hamburg ist programmatisch zu verstehen und verweist auf die coole Ästhetik der Minimal Art, die indes eine dezidierte Wendung hin zur Popkultur erfährt. Für das Kunstmuseum St.Gallen hat er mit blueberry fields (orphaned selec + 1) eine Ausstellung konzipiert, in der sich Installationen und Einzelarbeiten zu einer präzisen Werkfolge verdichten.

Der 1952 in Linz geborene Gerwald Rockenschaub war zu Beginn ein Vertreter der so-genannten Neo Geo-Bewegung und wurde spätestens mit seiner Beteiligung an der 45. Biennale Venedig 1993 zu einem der herausragenden Exponenten der sogenannten Institutional Critique, indem er mit seiner radikalen Intervention den Österreichischen Pavillon des Jugendstilarchitekten Hans Hoffman dekonstruierte. Seine Installationen und seine Transformationen von Ausstellungsräumen machten ihn zu einem Meister der Inszenierung, der die Bedingungen des Ausstellens bildender Kunst grundlegend reflektiert und dabei mit oft minimalen Eingriffen überraschende Verschiebungen der Wahrnehmung provoziert.

Gerwald Rockenschaubs Interventionen konnte man bereits in zahlreichen Einzelaus-stellungen in Institutionen weltweit begegnen, wie u.a. 2001 an der Biennale Lyon oder 2007 an der documenta 12 in Kassel. In den letzten Jahren wandte sich der Künst-ler, der viele Jahre in der Clubszene als erfolgreicher DJ wirkte, digitalen Bildwelten und den Varianten globaler Kommunikation mit ihrem «Krieg der Zeichen» (Brüderlin) zu. Seine am Computer entwickelten Bildformen hat er 2011 in einer Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg zu einem eindrücklichen All-Over digitaler Bildzeichen ver-dichtet, kurz: Augensex!

Kuratoren: Konrad Bitterli und Roland Wäspe

Private Exposure

Die Ausstellung Private Exposure (Private Enthüllung) reflektiert das Gebäude des me Collectors Room und reagiert auf dessen offene und verglaste Raumarchitektur, die den Besuchern eine Vielzahl von Sichtlinien bietet. Die Werke stellen sowohl Verbindungen zwischen den beiden Etagen des Gebäudes als auch zwischen Ausstellungsraum und Straße her. Dadurch sollen die Handlungen des Sehens und des Gesehenwerdens in den Fokus gerückt werden. Die für gewöhnlich private Begegnung des Betrachters mit einem Kunstwerk wird hier dem Blick der außenstehenden Öffentlichkeit ausgesetzt. Die gezeigten Arbeiten, die sich unterschiedlicher Medien und Genres bedienen, sollen die Macht des Blickes evozieren und durch ihre greifbare Präsenz beim Betrachter ein Bewusstsein dafür schaffen, dass er körperlich anwesend ist und Raum einnimmt.

Zu den Kunstwerken, die eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Präsenz an sich darstellen, gehört der hyperrealistische Akt „Sitting Woman“ von John De Andrea, der still aus dem Fenster blickt und dabei sowohl eine Verbindung zur Galerie als auch zur Straße aufbaut. Die Doppelprojektion „Sustaining the Crisis“ von Sam Taylor-Johnson stellt durch die Gegenüberstellung zweier Filme die Position des Betrachters infrage. Eine der Arbeiten, die sich damit befasst, wie ein Blick oft mehr kommuniziert als Worte, ist Philip-Lorca diCorcias „W, September 2000, #6“. Umgekehrt wird in Arbeiten, in denen die Wechselseitigkeit des Blickes gebrochen wird – dazu gehören unter anderem Charles Frégers Kostümfotografien aus der Serie „Wilder Mann“ – die Unsicherheit und Unkontrollierbarkeit der versteckten Beobachtung thematisiert. Diese Unsicherheit wird mit dem abstrahierten Körper in Tony Ourslers Arbeit „Trance“, in der ein vom Körper abgetrenntes, ausdrucksloses Auge ununterbrochen wie eine Kamera die Galerie überblickt, fortgesetzt.

Nie zuvor standen wir als Gesellschaft stärker unter Beobachtung. Von der Videoüberwachung auf der Straße über Mobiltelefone, die all unsere Bewegungen aufzeichnen, bis zu den Informationen, die wir freiwillig online teilen – wir befinden uns unter ständiger Kontrolle. In einer Kunstausstellung, wo der Fokus auf dem Akt des Sehens liegt, werden alltägliche Beobachtungen noch verstärkt. Private Exposure lädt dazu ein, den Blick über die Grenzen des Ausstellungsraumes hinaus zu richten und will unsere herkömmliche Begegnung mit Kunst herausfordern.

Bereits zum fünften Mal werden junge KuratorInnen im Rahmen einer Kooperation des me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht mit der London Metropolitan University und der Whitechapel Gallery dazu eingeladen, ihren eigenen Blick auf die Olbricht Collection zu entwickeln und im Rahmen ihres Abschlusses des Masterprogramms „Curating the Contemporary“ eine Ausstellung im me Collectors Room Berlin zu realisieren.
Die Ausstellung wird kuratiert von Fabiola Flamini, Eilidh McCormick und Alice Montanini.

Eine Begleitpublikation zu Private Exposure wird bei argobooks erscheinen.

KünstlerInnen: Marina Abramović, Barry X Ball, Jeremy Blake, Don Brown, John De Andrea, Rineke Dijkstra, Charles Fréger, André Gelpke, Paul Graham, Victor Guidalevitch, Nicky Hoberman, John Isaacs, Johannes Kahrs, Alicja Kwade, Leigh Ledare, Zoe Leonhard, Philip-Lorca diCorcia, Tony Oursler, Evan Penny, Gerhard Richter, Pipilotti Rist, Zbigniew Rogalski, Gino Rubert, Sam Taylor-Johnson, Timm Ulrichs, Erwin Wurm, Jian Zhang.

Parallel zur Ausstellung ist „Cindy Sherman – Works from the Olbricht Collection“ zu sehen. Mit 65 Fotografien aus nahezu allen Schaffensperioden der Künstlerin gewährt der me Collectors Room Berlin einen beachtlichen Überblick über Cindy Shermans Gesamtwerk.

GUTE AUSSICHTEN JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE 2015/2016

Seit der Geburtsstunde des Projektes im Jahr 2004 begleitet das Haus der Photographie in den Deichtorhallen das Ausstellungsprojekt »gute aussichten – junge deutsche fotografie«. Mittlerweile hat es sich zu Deutschlands bedeutendstem Wettbewerb für Absolventen im Bereich Fotografie entwickelt. Die Jury kürte neun Preisträger aus 104 Einsendungen von 36 Institutionen. Es werden über 1.100 Motive, 4 Videos und 3 Bücher, 1 Sound und eine komplett neue Bilderzeugungsapparatur vom 4. März bis 17. April 2016 im Haus der Photographie der Deichtorhallen präsentiert.

Die große, in allen Winkeln der Welt spürbare Frage, wohin die Reise geht, ist in diesem Jahr der Grundton, in dem alle Arbeiten der neun gute aussichten-Preisträger 2015/2016 schwingen. So unterschiedlich die einzelnen Werke auch sind, ergibt sich in der Zusammenschau doch eine Ausstellung, die in ihren individuellen Verästelungen der grundsätzlichen Frage folgt: Wie geht es weiter, Welt? Dem bekannten Topos »panta rhei« (dt. »alles fließt«) setzen die diesjährigen Preisträger konkrete Überlegungen und Entwürfe entgegen.

PREISTRÄGER
Aras Gökten // Ostkreuzschule für Fotografie Berlin
Lars Hübner // Kunsthochschule Berlin – Weißensee
Felix Hüffelmann // Fachhochschule Bielefeld
Kyung-Nyu Hyun // Kunsthochschule für Medien Köln
Kolja Linowitzki // Universität der Künste Berlin
Jewgeni Roppel // Fachhochschule Bielefeld
Gregor Schmidt // HTW, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Kamil Sobolewski // Ostkreuzschule für Fotografie Berlin
Maja Wirkus // Kunsthochschule Kassel

JURY
Zur Jury gehörten in diesem Jahr neben der »gute aussichten«-Gründerin Josefine Raab, Stefan Becht (Neustadt/W.), Journalist und Mitbegründer von gute aussichten, Dr. Wibke von Bonin (Köln), Autorin, Kulturjounalistin und Kunsthistorikerin, Dr. Ludger Derenthal, Leiter des Museums für Fotografie in Berlin, Mario Lombardo, Art Director, Bureau Lombardo (Berlin), Mona Mönnig (Essen), Fotografin und gute aussichten 2009/2010 Preisträgerin, Amélie Schneider (Hamburg), Bildchefin des Magazins NEON, der renommierte Regisseur und Filmemacher Ulrich Seidl (Wien, Österreich) sowie Ingo Taubhorn, Kurator am Haus der Photographie, Deichtorhallen (Hamburg).


PREISTRÄGER

Aras Gökten, Lars Hübner, Felix Hüffelmann, Kyung-Nyu Hyun, Kolja Linowitzki, Jewgeni Roppel, Gregor Schmidt, Kamil Sobolewski, Maja Wirkus

BUCH
Zu »gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2015/2016« ist der gleichnamige Katalog (Deutsch/Englisch) erschienen, herausgegeben von Stefan Becht & Josefine Raab, der die neun Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich in Wort und Bild vorstellt.: 224 Seiten, ca. 350 Abbildungen, praktisches Readerformat 16,5 cm x 24 cm, broschiert, 22,90 Euro, dpunkt Verlag, Heidelberg, ISBN 978-3-86490-341-0

GUTE AUSSICHTEN_PLATTFORM7: WHO!?
Vom 31. März bis 3. April 2016 findet im Haus der Photographie der Deichtorhallen das Begegnungs- und Kommunikationsforum für junge Fotografen, die »GUTE AUSSICHTEN_Plattform7: WHO!?« statt.

DAS FOTOMUSEUM LANCIERT SEINE NEUE VISUELLE IDENTITÄT UND DIE NEUE WEBSEITE, UND STELLT SEIN DIGITAL ASSET MANAGEMENT SYSTEM VOR

Das Fotomuseum Winterthur präsentiert heute seine neue visuelle Identität mit einer
neu gestalteten Webseite, die auf einem innovativen Digital Asset Management
System aufbaut. Nach einjähriger Planung und Umsetzung bringen die Infrastrukturund
Designänderungen die Kommunikationsmittel des Fotomuseums auf den neusten
Stand – und spiegeln die aktuellsten Entwicklungen im Feld der Fotografie. Das
Fotomuseum ist nun optimal ausgerüstet, um seine vielfältigen Inhalte an ein breites
nationales und internationales Publikum zu richten, seine digitalen Ressourcen effizient
zu speichern und zu verwalten und die internen Arbeitsabläufe zu optimieren.
Die Fotografie und ihre Eigenschaften verändern und erweitern sich in Verbindung mit
Computertechnologien, digitaler Datenverarbeitung und Netzwerkeffekten rasant.
Fotografie lässt sich nicht länger über die Einzigartigkeit des chemischen Bildes
definieren: Im Digitalen mischen sich unbewegte und bewegte Bildformen zusehends,
sie sind augenblicklichen Transformationen ausgesetzt und reproduzieren und verbreiten
sich auf rasante und unvorhersehbare Weise. Fotografische Bilder werden in
unserer von Algorithmen geprägten Zeit von Wandel und beständiger Zirkulation
bestimmt. Beziehungen und Interaktionsmöglichkeiten innerhalb eines Systems
werden immer wichtiger.
Mit der neuen visuellen Identität reagiert das Fotomuseum entschieden auf diesen
tiefgreifenden Wandel. Ende 2014 wurden erste programmatische und arbeitstechnische
Veränderungen für eine Neuausrichtung des Museums ins Rollen gebracht, die
sich an aktuellen Entwicklungen der kreativen Praxis, der Theorie und institutionellen
Positionierung orientieren. Anfang 2015 wurde das Team um einen Digital Curator
erweitert, der zuvor in Hong Kong tätig war. Drei Monate später, im April 2015,
lancierte das Fotomuseum mit SITUATIONS ein neuartiges Ausstellungsformat, das
den aktuellen Wandel des Fotografischen untersucht. Mitte des Jahres begann in
Zusammenarbeit mit Laksila Associates die Auswahl eines Design-Teams für die neue
visuelle Identität des Museums.
Gemeinsam mit dem Designer Simon Davies aus Rotterdam formulierte das kuratorische
Team des Fotomuseums eine neue Identität, welche die bisher eher statische
Auffassung von Fotografie und Institution hinterfragt und entschieden über die
bekannten analogen Assoziationen hinausgeht. Gleichzeitig war es den Direktoren ein
zentrales Anliegen, die Geschichte des Fotomuseums in Winterthur zu würdigen und
ein einfach zu handhabendes Logo zu entwerfen, das in der Lage ist, der Instabilität
von Institutionen und Medien Ausdruck zu verleihen. Aus diesen Überlegungen entwickelte
sich die Idee, „Foto“ und „Museum“ durch einen Zwischenraum aufzubrechen:
Einerseits bleibt das historisch solide Fundament des Fotomuseums bestehen, andererseits
wird die semantische Instabilität eines permanenten Wandels zum Ausdruck
gebracht. Im Zwischenraum nehmen nun verschiedene konzeptuelle Elemente Platz,
worüber die flexiblen Eigenschaften des Fotografischen reflektiert und dynamisch
miteinander in Beziehung gesetzt werden. Foto_museum kann zugleich monumental
und dynamisch, kompakt und erweiterbar, ebenso seriös wie spielerisch sein.
Museen benötigen heute enorme digitale Infrastrukturen. Zentrales Element des
Erneuerungsprozesses war es, die alte Webseite auf den aktuellen Stand zu bringen.
Gemeinsam mit dem Designer Simon Davies und dem Informatikbüro Systemantics
wurde die Webseite des Fotomuseums komplett neu gestaltet. Die vielfältigen Aktivitäten
des Museums werden nun wesentlich klarer präsentiert und die visuellen Inhalte
stärker betont. Eine vereinfachte Navigation bietet den NutzerInnen zudem eine
verbesserte und anwenderfreundliche Handhabung, die primär auf die Nutzung auf
mobilen Endgeräten ausgelegt ist. Verschiedene Social Media Kanäle wurden in die
neue Webseite integriert, und über einen Videokanal werden fortan Interviews und
Präsentationen aus dem Museum archiviert. Über die Jahre hat das Fotomuseum eine
Fülle an Inhalten generiert, die nun über eine zentrale Suchfunktion auf der Webseite
aufgerufen werden können. So lässt sich neu die gesamte Programmvielfalt einfach
online durchstöbern. Innerhalb der nächsten Monate wird die Webseite kontinuierlich
mit weiteren Inhalten aus dem Archiv des Museums angereichert, sowie um ein
System von Tags erweitert. Als Resultat präsentiert das Fotomuseum eine gehaltvolle
Webseite, die für unsere Online-BesucherInnen visuell attraktiver und einfacher
navigierbar ist.
Bis anhin wurden die digitalen Inhalte des Fotomuseums über verschiedene IT-Plattformen
verwaltet. Wie alle Internettechnologien entwickeln sich diese Plattformen
permanent weiter, erzeugen aber auch isolierte Speicherorte, die komplexe Verwaltungs-
und Integrationsprozesse nach sich ziehen. Aus diesem Grund hat sich das
Fotomuseum dazu entschlossen, diese spezifischen IT-Plattformen – bspw. der
Online-Sammlung, des Blogs oder des Publikationsarchivs – in ein einziges, voll
verlinktes und nachhaltiges Digital Asset Management System (DAMS) zu überführen.
Die Zusammenarbeit mit dem Forschungskonsortium Data Futures der Universität
Westminster in London ermöglichte eine automatisierte Datentransformation aus den
verschiedenen IT-Systemen in eine zentrale Datenbank, welche die Schnittstelle zur
Webseite darstellt. Die von Data Futures entwickelte Open Source Migrationssoftware
freizo garantiert die Nachhaltigkeit des DAMS über die nächsten Jahrzehnte.
freizo bietet eine zukunftssichere Basis für neue Dienste wie das Metadata-Harvesting,
wodurch Metadaten frei an andere Institutionen weitergegeben werden können
und neue Möglichkeiten zu wissenschaftlicher Forschung entstehen.
Schliesslich hat das Fotomuseum auch die analogen Kommunikationsmittel grundlegend
erneuert. Dies umfasst Plakate, Einladungskarten und alle weiteren Druckerzeugnisse
des Museums, die im Kern rationalisiert wurden und projektspezifische
Designs rund um den konzeptuellen und spielerischen Ansatz des Foto_museum
Logos ermöglichen.
Duncan Forbes, Direktor Fotomuseum: Wir sind stolz auf die Veränderungen und
überzeugt, für das Fotomuseum eine Identität entwickelt zu haben, die sowohl spielerisch
als auch intellektuell anspruchsvoll ist und das Renommee des Museums als
einen der führenden Orte für Fotografie zu stärken vermag. Für ein mittelgrosses
Museum wie unseres ist auch das neue Digital Asset Management System erwähnenswert,
das zu einem der fortschrittlichsten in ganz Europa gehört. Durch das
Projekt ist viel Arbeit und zusätzlicher Aufwand für unser kleines Team entstanden
und ich möchte mich sowohl bei den MitarbeiterInnen des Fotomuseums als auch bei
allen extern Beteiligten für ihr grosses Engagement bedanken. Das Fotomuseum ist
jetzt fit für die Zukunft und für die weitere kreative Auseinandersetzung mit dem Feld
des Fotografischen – eines der dynamischsten unserer zeitgenössischen Kultur.
Foto reformatting reality museum
Foto nach der Fotografie museum
Simon Davies, Designer: Ein klassisches Visual Identity Design versucht im Normalfall
die Illusion von Einfachheit und Stabilität zu erzeugen. Dies ist jedoch oft reduzierend
und verbirgt die kreativen Aspekte einer Institution, sowie deren Stellung in einer
komplexen und nicht vorhersehbaren Welt. Das neue Design des Fotomuseums betont
die dynamischen Aspekte der Institution und bietet eine auf einem starken Konzept
aufbauende Identität. Es konzentriert sich auf die visuelle und semantische Spannung
zwischen „Foto“ und „Museum“, aus dem sich ein produktiver Raum entfaltet, der zum
Nachdenken über die wechselhafte Natur des Fotografischen sowie über die reiche
Geschichte des Fotomuseums anregt.
Peter Cornwell, Leiter von Data Futures: Die bahnbrechende digitale Strategie des
Fotomuseums nimmt sich einer Herausforderung an, welche den gesamten Museumssektor
umtreibt. Die Nachhaltigkeit digitaler Informationen stellt nicht nur den Kultursektor,
sondern die gesamte Forschungsgemeinde vor grosse Probleme. Während
Unternehmen aus anderen Bereichen relativ einfach obsolet gewordene Technologien
erneuern und finanzieren können, müssen Museen langfristige Lösungen finden und
Investitionen in bereits bestehende Ressourcen sowie das Datenwachstum sichern.
Durch die Implementierung nachhaltiger digitaler Ressourcen setzt das Fotomuseum
einen neuen Standard für die künftige Generation von Museen.
Lutz Issler, Leiter von Systemantics: Die neue Webseite des Fotomuseums bildet den
wichtigsten Zugang zu den umfangreichen Inhalten der Institution. Die Webseite
wurde auf der Basis von Systemantics etablierter und hochflexibler Plattform und
ausschliesslich mit Open Source Technologien realisiert. Dies sichert nicht nur die
digitalen Inhalte und Ressourcen, sondern ermöglicht auch die spätere Erweiterung
der Webseite. Die nachhaltige Architektur wurde im Hinblick auf nächste Generationen
von Endgeräten programmiert, mit denen NutzerInnen auf die Webseite und
damit auf die Inhalte des Fotomuseums zugreifen werden.

Für weitere Informationen zu Simon Davies kontaktieren Sie bitte
studio@simondavies.nl
Für weitere Informationen zu Data Futures kontaktieren Sie bitte
info@data-futures.org
Für weitere Informationen zu Systemantics kontaktieren Sie bitte
hello@systemantics.net
Fotomuseum Winterthur
Grüzenstrasse 44

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Palmyra – Was bleibt?

Louis-François Cassas und seine Reise in den Orient

Die einzigartigen Monumente der Ruinenstadt Palmyra faszinieren die Menschheit seit Jahrhunderten. Touristen wie Wissenschaftler reisten nach Syrien, um die durch Römer, Griechen und Perser geprägte Kultur zu bewundern – bis im Sommer 2015 die Milizen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ über das Weltkulturerbe herfielen und die bedeutendsten Tempel zerstörten. Ein Ende der Vernichtung ist aktuell nicht in Sicht. Vor dem Hintergrund dieser katastrophalen Situation stellt das Wallraf die Frage “Palmyra – Was bleibt?”. In der gleichnamigen Ausstellung zeigt das Museum mehr als 30 Zeichnungen des französischen Künstlers, Archäologen und Architekten Louis-François Cassas (1756-1827). In nur zwei Monaten war es ihm 1785 gelungen, fast alle palmyrischen Monumente direkt vor Ort in detailreichen Zeichnungen festzuhalten. Seine Arbeiten spiegeln noch heute auf atemraubende Weise die einstige Schönheit und Faszination der antiken Stätte wider. Die Ausstellung ist aber auch ein Blick in die Zeit, als die europäische Gelehrtenwelt die Wüstenstadt für sich entdeckte.

Auf seiner dreijährigen Orientreise (1784 bis 1787) war Cassas einer der ersten Architekten und Archäologen, der auch nach Palmyra kam, um Antworten auf wichtige Fragen der Architekturgeschichte zu finden. Dabei ging es ihm vor allem um Materialästhetik, Bautechnik sowie um die historische Herleitung einzelner Formen und unterschiedlicher Baustile – Fragen, die die Fachwelt bis heute beschäftigen. Neben ihrem dokumentarischen Wert besitzen die präzise ausgeführten und mitunter farbig lavierten Zeichnungen von Cassas einen hohen ästhetischen Wert. Die vor Ort entstandenen Bauaufnahmen und rekonstruierenden Perspektivzeichnungen sind heute wichtige Originalquellen, die von der Schönheit und architektonischen Faszination der antiken Stadtanlage berichten. Die wechselvolle, von Raub, Zerfall und Zerstörung geprägte Geschichte der Baudenkmäler Palmyras, insbesondere aber die aktuelle Zerstörung der verbliebenen Tempelruinen durch die IS-Truppen machen die Cassas-Zeichnungen zu einmaligen Zeugnissen einer unwiderruflich für die Menschheit verlorengegangenen Kunst- und Kulturepoche. Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen.

 

Steven Ketchum – Loner Party

Der New Yorker Künstler Steven Ketchum setzt sich in seinen Arbeiten mit dem Zwischenmenschlichen auseinander. Umfassender könnte man sagen, er versucht die Verwirrungen der Welt sichtbar zu machen. Sowohl bei Menschen als auch bei Kulturen.

Seine Figuren stehen oft im Zwiegespräch mit sich selbst oder mit anderen. Der Versuch der Selbstreflexion ist ebenso Thema wie der Streit mit dem Gegenüber. Weitere wichtige Themen in Steven Ketchums Arbeiten sind Entstehung, Fortgang und Niedergang. Gleichsam im Hinblick auf Gesellschaften und Kulturen, wie auch im Hinblick auf das intime Miteinander in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Selten ist bei Beginn eines Werkes klar, was daraus entsteht. Die Arbeit fließt gleich einer Meditation und irgendwann zeichnet sich aus den vormals losen Formen das eigentlich Bild ab. Der Eindruck ist dabei stets wichtiger als die Information. Die Kommunikation bildet das Zentrum seines Schaffens.

Öffnungszeiten: Mi – Sa: 12 – 18 Uhr und gerne nach Vereinbarung.