Kunst und Kapital. Begegnungen auf der Art Basel

Die Art Basel ist nicht nur »Messe« im zweifachen Wortsinn, zeitlich und räumlich konzentrierte Zusammenkunft von Händlern, die ihre Waren feilbieten und gleichzeitig Ort ihrer Demonstration als »heilige‹ Güter« mit abertausenden von Pilgern, ein Wallfahrtsziel der Anbetung klassischer und zeitgenössischer Kunst. Sondern sie wird gerade deshalb zur entscheidenden Zeugin eines Wandels der heutigen Beziehungen von »Kunst« und »Geld« – mit allen Konsequenzen auch für die Bewertung dessen, was als »echte« Kunst zu gelten hat. Die vorliegende Studie, Ergebnis einer mehrjährigen »ethnographischen« Feldforschung, versucht diesen Wandel in der Wahrnehmung der Beteiligten – Messemacher, Galeristen, Sammler, Kuratoren, Kunstberater und Künstler – detailliert nachzuzeichnen. Quelle Amazon

KARL BLOSSFELDT. Aus der Werkstatt der Natur

Die Pflanzenfotografien des Hochschullehrers und Amateurfotografen Karl Blossfeldt (1865 – 1932) zählen zu den Meilensteinen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Aus Anlass des 150. Jubiläums seines Geburtstages ehrt die Stiftung Ann und Jürgen Wilde/Pinakothek der Moderne, München den Künstler mit einer umfassenden Ausstellung zu Leben und Werk.

Schwerpunkte der Ausstellung sind Blossfeldts frühe Ausbildungszeit als Modelleur, die Zusammenarbeit mit dem Reformer Moritz Meurer, eigene kunsthandwerkliche Entwürfe und seine Lehrtätigkeit an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums Berlin. Ein weiterer Aspekt sind die Vorarbeiten für die bahnbrechende Buchveröffentlichung „Urformen der Kunst“ 1928 und die zeitgenössische Rezeption dieses Werkes beispielsweise am Dessauer Bauhaus 1929.

Die Ausstellung umfasst rund 120 Fotografien, darunter zahlreiche großformatige historische Ausstellungsabzüge. Arbeitscollagen, Handzeichnungen, Entwürfe, Archivalien und Dokumente machen Blossfeldts Lehr- und Arbeitskonzept sichtbar.

Die Stiftung Ann und Jürgen Wilde beherbergt das Karl Blossfeldt Archiv mit einem weltweit einzigartigen Bestand an originalen Fotografien, Negativen und Dokumenten von Karl Blossfeldt. Gemeinsam mit dem Konvolut von Fotografien in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist es möglich, das fotografische Werk von Karl Blossfeldt in herausragender Qualität zu präsentieren und dieses in seiner Entwicklung mit bislang kaum veröffentlichten historischen Dokumenten und Archivalien zeigen zu können.

Kuratorin der Ausstellung: Simone Förster

 

 

 

 

Ring My Bell. Zilla Leutenegger

Z ein arbiträrer, aber unverzichtbarer Punkt

am nächtlichen Himmel. Z ist Zielpunkt,

Z ist Fahrzeug dahin

Die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger verbindet in ihren scheinbar einfachen, zugleich aber komplex komponierten Installationen Zeichnung mit Skulptur und Projektion und erweitert somit das zweidimensionale Bild in den Raum und die Bewegung.

Der Zyklus Apartment, der mit der großzügigen Schenkung der Mediensammlung Goetz an den Freistaat Bayern übergegangen ist, wird nun erstmals in seiner endgültigen Form in der Pinakothek der Moderne vorgestellt. Die zwischen 2004 und 2007 entstandene Werkgruppe umfasst sieben Installationen, die einzelnen Räumen einer Wohnung gewidmet sind: der Küche, dem Bad, der Bibliothek oder dem Korridor. Bewohnt werden die nur andeutungsweise skizzierten und möblierten Zimmer vom Alter Ego der Künstlerin, Z, das wir bei unspektakulären, sich wiederholenden Verrichtungen oder dem schlichten Nichtstun beobachten. In der Verbindung verschiedener Wahrnehmungs- und Realitätsebenen entstehen subtile, atmosphärisch dichte Erzählungen über das Dasein, in denen sich Leichtigkeit und Melancholie begegnen.

Zilla Leutenegger verwandelt den Ausstellungssaal in eine Wohnung, in der der Museumsbesucher zum geladenen Gast der als animierte Zeichnung gegenwärtigen Protagonistin Z wird. Während seines Aufenthalts teilt er mit Z Raum, Zeit und die Intimität eines Zuhauses und wird so selbst integraler Teil der Installation. Eigens für die Münchner Präsentation hat die Künstlerin ihre Arbeiten noch um neu geschaffene Projektionen, kristalline Skulpturen und großformatige Prints ergänzt und führt zugleich die Idee eines lebendigen und sich in der Zeit entwickelnden Kunstwerks weiter.

Zilla Leutenegger wurde 1968 in Zürich geboren, wo sie studierte und heute lebt. Seit 2001 ist ihr Werk in einer Vielzahl von internationalen Ausstellungen präsent, umfangreiche Einzelausstellungen, jeweils in Verbindung mit aufwendig gestalteten Künstlerbüchern, wurden ihr zuletzt in Bremen, Zürich, Leverkusen und dem schweizerischen Burgdorf gewidmet. Die Werke von Zilla Leutenegger sind in internationalen Sammlungen und Museen vertreten.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein bibliophiles Künstlerbuch in limitierter Auflage (€ 24,90) Im Begleitprogramm ist ein Workshop der Künstlerin für junge Erwachsene (17-22 Jahre) geplant.

 

Wir danken der freundlichen Förderung durch

Pictet-Gruppe und

PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne.

Prof. Otto Beisheim Stiftung

Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.

 

Kuratorin: Inka Graeve Ingelmann

 

 

 

Charlotte Salomon Leben? oder Theater?

Der Bilderzyklus Leben? oder Theater? von Charlotte Salomon (1917 Berlin – 1943
Auschwitz) stellt ein einzigartiges Dokument eines deutsch-jüdischen Lebens im
Berlin der 1920er- und 1930er-Jahre dar. Die insgesamt 1325 Gouachen sind
zwischen 1940 und 1942 im französischen Exil entstanden – nicht lange bevor die
26-jährige Salomon deportiert und ermordet wurde. 2012 war ein Teil des Zyklus auf
der Documenta (13) zu sehen, 2014 wurde das Werk im Auftrag der Salzburger
Festspiele von Marc-André Dalbavie als Oper vertont und 2015 als Ballett mit Musik
von Michelle DiBucci im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen aufgeführt. Das
Museum der Moderne Salzburg zeigt mit 278 Blättern eine repräsentative Auswahl
aus diesem Zyklus. Dieser besticht nicht nur durch seine besondere Geschichte,
sondern auch durch die Verflechtung von Bild, Text und Musik sowie durch die
leuchtende Farbigkeit der Gouachen. Salomon selber nannte dieses Werk ein
„Singespiel“, weil das Stück immer wieder Hinweise auf bekannte Musikstücke
enthält. Die Ausstellung wird dem Rechnung tragen, indem viele dieser Musikstücke
in Zusammenhang mit den jeweiligen Gouachen zu hören sein werden. An die
Aufführung bei den Festspielen 2014 wird erinnert, indem Fotografien und Kostüme
der Oper gezeigt werden.
In ihrem Lebenswerk Leben? oder Theater? verarbeitete Salomon ihre
Familiengeschichte und ihre Erfahrungen als jüdisches Mädchen in Berlin. Es besteht
aus drei Teilen: einem Vorwort, in dem es um ihre Jugend in Berlin geht, einem
Hauptteil, der von ihrer Liebe zum Gesangspädagogen Alfred Wolfsohn erzählt,
sowie einem Nachwort, das ihre Exilzeit in Südfrankreich zwischen 1939 und 1942
zusammenfasst. Die Gouachen sind in einem freien, farbenfrohen Stil geschaffen,
der von Einflüssen zeitgenössischer Kunst zeugt. Personen werden mit wenigen
Linien charakterisiert. Sind die Szenen am Anfang noch recht detailgenau
ausgearbeitet, so wird der Malstil zunehmend nervöser, als wusste Salomon, dass ihr
nicht viel Zeit bleiben würde. Die Darstellungsweise erinnert teilweise an ein
Storyboard für einen Film – mit verschiedenen Szenen in einer Darstellung,
Ansichten von oben und plötzlichen Nahaufnahmen.
Im Juni 1943 heiratete Charlotte Salomon den österreichischen Emigranten
Alexander Nagler. Einige Monate später wurden beide deportiert; die schwangere
Salomon wurde bei der Ankunft in Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg gelangte ihr
Bilderzyklus in die Hände ihres Vaters und der Stiefmutter, die in den Niederlanden
überlebt hatten; sie stifteten das Werk dem Jüdischen Historischen Museum in
Amsterdam, wo es sich bis heute befindet.
Die Ausstellung Charlotte Salomon. Leben? oder Theater? wurde vom Museum der
Moderne Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Historischen Museum,
Amsterdam, organisiert.
Direktorin: Sabine Breitwieser
Kuratorin: Beatrice von Bormann
Kuratorische Assistentin: Barbara Herzog

 

 

LEA LUBLIN – Retrospective

Das Lenbachhaus freut sich sehr, mit der ersten Retrospektive Lea Lublin (1929-1999) in das vielschichtige Œuvre der argentinisch-französischen Künstlerin einzuführen. Lublins dezidierte Hinterfragung des Bildes als ideologisches Konstrukt und ihr Postulat einer aktiven Einbeziehung des Betrachters sind für uns heute erneut von akuter Relevanz. Mit einer Auswahl der wichtigsten Arbeiten aus knapp dreißig Jahren konzentriert sich die Präsentation auf vier wesentliche Aspekte: die Absage an die Malerei und Hinwendung zu interaktiven Environments, die Definition des Dialogs als Kunstform und die Dekonstruktion des Bildes. Neben Fotografien, Zeichnungen, Wandinstallationen und Videos der Künstlerin, von denen viel zum ersten Mal seit 20 Jahren zu sehen sind, können Besucherinnen und Besucher eine Rekonstruktion von Lublins Environment Fluvio Subtunal (1969) erleben.

 

 

„Gebrochenes Licht – Bildzauberei mit Instrumenten und Bildern Physikalischen Kabinetts“

Meilensteine unserer Kulturgeschichte des Sehens sind sie: die Camera obscura (dunkle Kammer), die Camera lucida (helle Kammer), die Laterna magica (Zauberlaterne) und der Guckkasten. Sie alle erzeugen besondere Seheffekte durch den Einsatz von Linsen. In ihnen bricht sich das Licht. Durch sie hindurch betrachtet man die Welt mit anderen Augen.

Das Physikalische Kabinett des Hessischen Landesmuseums geht bereits auf den Erbprinzen Ludwig X. zurück. Es hat bedeutende Bestände an optischen Geräten, die bislang selten ausgestellt waren. Die Camerae, Zauberlaternen, Guckkästen und zugehörigen Bilder der Sammlung stammen vorwiegend aus der zweiten Hälfte des 18. und vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals war die Fotografie noch nicht erfunden. Was machte ihren speziellen Zauber in dieser Zeit aus? Was lässt sich davon heute noch spürbar machen?

Enlight my Space. Kunst nach 1990

Die Gruppenausstellung „Enlight my Space. Kunst nach 1990“ präsentiert Höhepunkte der zeitgenössischen Kunst aus den Sammlungen der Kunsthalle Bremen und der Bremer Landesbank. Anhand ausgewählter Positionen aus beiden Sammlungen untersucht die Ausstellung zentrale Themen und Verfahren der deutschen und internationalen Kunstproduktion der vergangenen 25 Jahre – eine Zeit der politischen Umbrüche, gesellschaftlichen Veränderungen und Schwerpunktverschiebungen in der Kunst.
Erstmals treten zentrale Werke aus der Sammlung der Bremer Landesbank von Katharina Grosse, Peter Doig bis zu François Morellet in einen inspirierenden Dialog mit Arbeiten aus dem Bestand der Kunsthalle Bremen von Isa Genzken, Sarah Morris bis zu Robert Longo und ergänzen sich zu einem eindrucksvollen Überblick über die Kunstproduktion von 1990 bis heute.

Künstlerstipendien für das „Atelier Galata“ in Istanbul

Im Dezember 2008 lud uns die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen ein, zusammen mit der Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig ein Atelierhaus in Istanbul zu beziehen. Die erste Kölner Stipendiatin reiste im Juli 2009 in unsere Partnerstadt. Offiziell eröffnet wurde das „Atelier Galata“ schließlich bei einem Einweihungsfest am 9. September 2009 zu Beginn der 11. Istanbul Biennale im Beisein internationaler Gäste, Journalistinnen und Journalisten.

Das Atelier Galata ist ein von der Kunststiftung NRW, der Stadt Köln und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig je eigen getragenes Artist-in-Residence Programm. Die Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten in der Regel für sechs Monate gemeinsam in einem Haus im Stadtteil Beyoglu.

Der von der Stadt Köln geförderte Aufenthalt umfasst die kostenlose Nutzung des Wohnateliers, eine monatliche Unterstützung von 1.000 Euro sowie einmalig bis zu 600 Euro für An- und Abreise.

Ziel des Kölner Arbeitsstipendiums ist es, einen internationalen Künstleraustausch in Köln zu etablieren. Die Stipendiatin oder der Stipendiat soll

die Entwicklung der Kunstszene in Istanbul kennenlernen
internationale Kontakte knüpfen oder intensivieren
Projekte mit anderen Künstlerinnen und Künstlern austauschen
nach Abschluss neue Impulse in die Kölner Kunstszene einbringen und das in Istanbul entwickelte Projekt beziehungsweise die dort realisierten Arbeiten in Köln vorstellen

Im Anschluss an das Stipendium unterstützt das Kulturamt eine Veranstaltung, um die Arbeitsergebnisse vorzustellen.

Grundsätze für die Vergabe der Stipendien
Das Stipendium wird in den Bereichen Bildende Kunst/Medienkunst und Literatur an eine Künstlerin oder einen Künstler aus Köln oder mit Kölnbezug vergeben. Gefördert werden freischaffende professionelle Künstlerinnen und Künstler nach Abschluss eines Studiums, einer Ausbildung oder Vergleichbarem.

Die Bewerberinnen und Bewerber sollten bereits eine gewisse öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste Berufserfahrungen vorweisen können. Für die Stipendiatin oder den Stipendiaten besteht Residenzpflicht.

Das Stipendium kann einer Künstlerin oder einem Künstler nur einmal zugesprochen werden.

Für 2016 wird das Stipendium für den Zeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2016 für den Bereich Literatur und für den Zeitraum vom 01. Juli bis 31. Dezember 2016 für den Bereich Bildende Kunst/Medienkunst vergeben.

Der Bewerbungsschluss ist der 31. Juli 2015.

Marcel Broodthaers

„Die Fiktion macht es möglich, Wirklichkeit einzufangen, aber gleichzeitig auch das, was die Wirklichkeit verbirgt.“ – Marcel Broodthaers

1964 beschließt der Schriftsteller Marcel Broodthaers, bildender Künstler zu werden. Nie jedoch verliert er seine Verbundenheit zur Sprache, ihren Bedeutungssystemen und ihrer Poesie, welche integrale Bestandteile seines Werks werden. Aus einer Distanz zum Kunstgeschehen heraus stellt Broodthaers grundsätzliche Fragen an die Kunst – ihre Medien, ihre Werkbegriffe und ihre museale Repräsentation. Nicht zuletzt deshalb widersteht Broodthaers’ Werk eindeutigen kunsthistorischen Zuordnungen; noch heute wirkt es als nachhaltige Kritik an den Kommerzialisierungsstrategien des Kunstmarkts.
Geprägt von den autoritätskritischen Diskursen der 1960er-Jahre, steht sein Schaffen nicht unabhängig von den politischen Dimensionen der Wirklichkeit. In kritischer Weise setzt er sich mit musealen Praktiken des Sammelns, Archivierens und Präsentierens auseinander, hinterfragt die damit einhergehende Definitionsmacht der Institution und stellt das Museum als Ort der Repräsentation und Ideologievermittlung aus.
Broodthaers’ Kritik gründet in einer tiefgreifenden Beschäftigung mit den Ordnungssystemen des Alltags, den Mechanismen der Sinnproduktion und ihrer Verankerung in einem kollektiven, kulturellen Gedächtnis. Der Künstler löst Bilder, Objekte, Worte und Handlungen aus ihren etablierten Kontexten und ruft damit Verunsicherung hervor. Sichtbar wird der Kontrast zwischen der Realität der Bilder und der bildlich dargestellten Realität, die Wirkmächtigkeit von Objekten jenseits ihrer sprachlichen Erfassung und das Verwirrspiel der Sprache, in dem Worte zugleich bildliche Vorstellung wie buchstäbliches Material sind. In einer Zeit, in der Bilder als Erklärungen für Wissenschaft und Politik herangezogen werden, ist das Werk Marcel Broodthaers’, in dem die verschwiegene Kluft zwischen Bild, Wort und Bedeutung deutlich sichtbar wird, von eminenter Brisanz und Relevanz.

Anlässlich des 60. Jubiläums der documenta zeigt das Fridericianum in einer großen Überblicksausstellung Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Die Ausstellung umfasst frühe Skulpturen, Filme, Dia-Projektionen, Druckgrafiken und Zeichnungen sowie Le Corbeau et le Renard (1967–72), die Section Publicité des Musée d’Art Moderne, Département des Aigles (1972), Miroir d’Époque Regency (1973), Éloge du sujet (1974), Dites partout que je l’ai dit (1974), Jardin d’Hiver II (1974), L’Entrée de l’Exposition (1974), Salle Blanche (1975) und DÉCOR, A Conquest by Marcel Broodthaers (1975).

Kuratiert von Susanne Pfeffer

JÜDISCHES EUROPA HEUTE. EINE ERKUNDUNG

Ein studentisches Projekt des Instituts für Volkskunde/Europäische Ethnologie der LMU München

Zwölf Studierende begaben sich im Rahmen eines Forschungsprojekts im Sommer 2014 auf eine ethnographische Spurensuche durch Europa. Im Fokus ihrer Reisen in sieben ausgewählte Städte stand die Frage nach unterschiedlichen Erscheinungsformen jüdischer Lebenswelten und Identitäten in Europa heute. Dabei führte sie ihr Interesse an so unterschiedliche Orte wie Istanbul, London, Budapest, Marbella, Warschau, Umeå und Reykjavik und so verschieden die bereisten Orte sind, so heterogen und vielschichtig sind auch die Ergebnisse dieses Projekts. Sie reichen von einer judenspanischen Zeitung in Istanbul, koscherem Lifestyle in London und der Suche nach einer „jüdisch codierten“ touristischen Infrastruktur an der Costa del Sol, bis hin zur Festivalisierung und touristischen Erschließung von jüdischer Kultur in Warschau und Budapest und einer wenig verortbaren, aber dennoch gelebten jüdischen Kultur in Nordeuropa. Die Festschreibung des Forschungsthemas wird aus einem studentischen Blickwinkel heraus hinterfragt und aufgelöst.

Eine gleichnamige Publikation erscheint im Herbert Utz Verlag GmbH und wird ab Juli 2015 erhältlich sein: Herausgegeben von Daniel Habit und Ulrike Heikaus im Auftrag des Instituts für Volkskunde/Europäische Ethnologie und dem Jüdischen Museum München. Herbert Utz Verlag, München 2015, 112 Seiten, € 15, ISBN 978-3-8316-4487-2.

Ernst Ludwig Kirchner Energie der Linie

Wie eine Schrift spiegelt der zeichnerische Duktus Ernst Ludwig Kirchners die emotionale Verfassung des Künstlers wider. Als besessener Augenmensch und gieriger Beobachter zeichnet er auf unzähligen Blättern die Szenen seines Lebens: dramatisch, heiter, beängstigend oder orgiastisch. Es sind Skizzen, farbig akzentuierte, größere Arbeiten auf Papier, breiter angelegte Zeichnungen mit Natur- oder Straßenszenen oder Porträts, die von einer Energie belebt werden, die erst in der Spätzeit von Kirchners Oeuvre kontrollierter wirkt.
Nie geht es dem Zeichner Kirchner um Entwürfe, sondern immer um Varianten, unterschiedliche Perspektiven, neue Sichtweisen eines Motivs. Das zeigt die in der Ausstellung vorgenommene Gegenüberstellung der Zeichnungen Kirchners mit Skulptur, Graphik, Malerei oder Weberei. In jedem Medium findet Kirchner eine neue „Schrift“, die jedoch immer von der spezifischen Energie seiner Linie beherrscht wird.

Die Ausstellung geht von den Beständen des Franz Marc Museums aus, die einen repräsentativen Überblick über das graphische Werk Kirchners bieten, ergänzt durch Neuerwerbungen und neue Dauerleihgaben.

 

Über Materie in die Unendlichkeit

Arbeiten von Norbert Kricke und Emil Schumacher

im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) zeigt vom 4. Juli bis 1. November unter dem Titel „Norbert Kricke und Emil Schumacher – Über Materie in die Unendlichkeit” Plastiken und Gemälde, ergänzt durch graphische Blätter, die seit den 1950er Jahren bis zum Spätwerk der beiden befreundeten Künstler entstanden sind. Die Leihgaben kommen überwiegend aus dem Nachlass von Norbert Kricke sowie dem Emil Schumacher Museum, Hagen.

Zwei wegweisende Positionen der deutschen Kunst nach 1945 stehen in einer spannungsreichen Präsentation einander gegenüber. Gemeinsamkeiten und Unterschiede weisen über eine in der Vergangenheit oft getroffene Zuordnung zu Konstruktivismus und Informel hinaus. Norbert Kricke (1922-1984) zählt zu den bedeutendsten Plastikern der Nachkriegszeit. Mit seinem Konzept der „Raumplastik” lässt er seine entmaterialisierten, aus gebogenen Metallstäben bestehenden abstrakten Werke als Bewegungsabläufe in den Raum greifen. Ausgehend von der Materie zielte Kricke auf deren Überwindung. Linien als wesentliche Gestaltungselemente verweisen in unterschiedlich bewegten Formen auf den unendlichen Raum. Dazu der Künstler selbst: „Raum und Bewegung als Einheit: Raum und Zeit – die einzige untrennbare Einheit der uns bis heute bewussten Welt. Raumzeit ist die Bedingung für alles das Vorhandene, für das Gewesene und Zukünftige.”

Geboren 1922 in Düsseldorf, wuchs Norbert Kricke in Berlin auf. Anfang 1941 bekam er Kontakt zu dem Bildhauer Richard Scheibe und machte erste Erfahrungen mit der Bildhauerei. Er durchlief eine Militärausbildung und kam im Zweiten Weltkrieg an die Front. Nach dessen Ende lebte Kricke wieder in Berlin. Er wurde Schüler bei Scheibe an der Hochschule für bildende Künste, bevor er 1947 nach Düsseldorf zog. Als freischaffender Bildhauer fertigte Kricke figürliche Plastiken und Zeichnungen sowie Auftragsarbeiten und beschäftigte sich vorwiegend mit der menschlichen Figur. Im Lauf der Zeit reduzierte er das Volumen seiner Plastiken. Masse begann sich aufzulösen; freie Bewegungen im Raum führten zu einer dynamischen, gestischen Ausdrucksweise. Ab 1950 lag die ganze Konzentration des Bildhauers auf seiner Auseinandersetzung mit Raum und Bewegung. 1959 und 1964 war er auf der und documenta in Kassel vertreten. Danach folgten Ausstellungen in den USA, Frankreich und Italien. 1964 wurde er als Professor an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen, die er von 1972 bis 1981 leitete.

Für den Maler Emil Schumacher (1912-1999), der als ein Hauptvertreter des Informel gilt, standen Materie und Farbe in ihrer haptischen Qualität im Zentrum der Auseinandersetzung. Die Raumfrage beschäftigte ihn in gleicher Weise. In seinen großformatigen Materialbildern manifestiert sich eine für ihn unverzichtbare greifbare Realität. „Aus dem Wesen, aber auch dem Widerstand des Materials formt sich das Bild”, sagte Schumacher und verdichtete diesen Gedanken: „Der Charakter des Bildes kann nicht nur der seiner Materialien sein.” Farbe besaß für Schumacher nicht nur stoffliche, sondern auch in hohem Maße eine sinnlich-emotionale Qualität: „Farben sind Feste für die Augen.“ Er entwickelte seine Auffassung von Raumtiefe als eine zugleich „greifbare, tastbare Nähe”. Offenheit und Unbegrenztheit liegen seiner Raumdefinition maßgeblich zugrunde.

Emil Schumacher kam 1912 in Hagen zur Welt. Von 1931 bis 1934 studierte er zunächst an der Kunstgewerbeschule Dortmund mit der Absicht, Werbegrafiker zu werden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als technischer Zeichner in einem Rüstungsbetrieb dienstverpflichtet. Nach Kriegsende arbeitete er als freier Maler. Erste nichtgegenständliche Bilder entstanden 1951. Von 1958 bis 1960 hatte Schumacher eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg inne. Wie Norbert Kricke nahm auch er 1959 und 1964 an der und documenta in Kassel teil. 1959 wurde er in New York erstmals in einer Einzelausstellung vorgestellt. Seiner Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe, von 1966 bis 1977 folgten Gastprofessuren in den USA und Italien sowie zahlreiche Auszeichnungen.

Zur Ausstellung erscheint ein 144-seitiger Katalog, der an der Museumskasse zum Preis von 29,90 Euro erhältlich ist; später und im Buchhandel kostet er 34,90 Euro.

Andrzej Steinbach Figur I, Figur II

Figur I, Figur II ist, obwohl von scheinbar schlichter Konstruktion und prägnant
fotografischer Klarheit, eine verunsichernde, irritierende Bildserie. Andrzej Steinbach (*1983)
fotografiert zwei junge Frauen. Dies geschieht in einem wie es scheint immer gleichen,
neutral anmutenden Raum und im schwarz-weißen Hochformat 186 Mal. In einer ersten
Museumsausstellung von Steinbach stellt das Sprengel Museum Hannover eine Auswahl von
20 Fotografien vor.
Doch worum geht es? Stehen die Fotografien in Kontexten politischen Protests? Führen sie in
Gender-Debatten? Sind es verhaltene psychologische Studien? Ist es gar eine Art von
Modefotografie? Oder geht es darum, welche Art von ‚Wahrheit‘ Fotografie bietet, geht es
auf der eher medienreflexiven Ebene um die Lesbarkeit von visuellen Zeichen?
Figur I, Figur II, jede wird von einer der beiden Personen repräsentiert, ist nah gesehen und
distanziert betrachtet. Ohne offensichtliches Interesse an einem ‚Flirt‘ mit der Kamera agieren
die beiden Frauen für den Fotografen. Haltungen, Posen und Gesten variieren mitunter nur
minimal. Wechselnde Streetwear (Bomberjacke, Hoody, Herrenhemd, Springerstiefel etc.)
und die Vorführung von Tüchern, T-Shirt und Sturmhaube als Mittel der Vermummung
verweisen auf auf der Straße ausgetragenen, organisierten Protest. Einer spezifischen
politischen Haltung oder gesellschaftlichen Gruppierung zuordnen lässt sich allerdings keine
der beiden Figuren.
Der konzentrierte Ernst, mit dem agiert wird, legt nahe, dass es hier nicht um schlichte
Rollenspiele geht. Doch bleibt der konkrete Realitätsbezug offen. Worum es sich tatsächlich
handelt, gibt die Studioinszenierung nicht zu erkennen. Und je länger man auf diese Bilder
schaut, umso intensiver stellt sich die Frage nach den Hintergründen. Statt einer Antwort
formuliert Figur I, Figur II eine geradezu dringliche Aufforderung, genau und präzise zu
schauen, das Wahrnehmbare in allen nur denkbaren Facetten zu prüfen. Was geschieht im
Zusammenspiel von Körperhaltung, Mimik und Kleidung? Was geben die Gesichter preis?
1937 schrieb Albert Renger-Patzsch (1897-1966), dass man vom Wesen eines Gegenstandes
ausgehen und mit rein fotografischen Mitteln versuchen müsse, diesen darzustellen, und dass
ihm für die dienende Haltung gegenüber dem Motiv der Begriff der Objektivität angemessen
scheine. Andrzej Steinbach versetzt ‚Objektivität‘ in eine höchst vitale Schwingung. Das
Wirklichkeitsversprechen, das einer sich so klar und schnörkellos formulierenden Fotografie
nach wie vor mehr oder weniger affektiv zugeschrieben wird, schlägt um in einen ganzen
Katalog von Fragen, die sich sowohl im Feld des Politischen als auch im Hinblick auf die
Reflexion des Mediums bewegen.
1983 zeigte der Filmemacher Harun Farocki (1944-2014) in einem 16mm-Film unter dem
Titel EIN BILD über 25 Minuten, wie für die Mittelseite eines Playboy-Magazins eine nackte
Frau fotografiert wird. Er dokumentiert die Zurichtung eines weiblichen Körpers zu einem
öffentlichen, sich Kapitalinteressen unterordnenden Schaustück.
Figur I, Figur II schließt auch an solche und ähnliche bildanalytisch-kritische Konzepte an. Die Arbeit verweist aber auch auf Verunsicherungen, die sich angesichts der zunehmenden Ausdifferenzierungen unterschiedlichster Protestgruppen und -gruppierungen im Hinblick auf konkrete gesellschaftliche Interessenlagen einzustellen vermögen.
Zur Ausstellung erscheint die Publikation Figur I, Figur II, mit 186 formatfüllenden Abbildungen, bei spectorbooks.com, 20 Euro.
Andrzej Steinbach (*1983 in Czarnkow / Polen) wuchs in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz auf und beendete 2013 ein Studium der Fotografie bei Professorin Heidi Specker an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Marion-Ermer-Preis ausgezeichnet.

Petra Rintelen: Still!

Petra Rintelen studierte in den 1990er Jahren an der Kunstakademie in Enschede/Niederlande. Die Tiefenwirkung der Ölmalerei und das kleine Format entwickelten sich schnell zu ihrem wichtigsten Arbeitsfeld. Eine feinfühlige Ausgewogenheit in der Komposition von Farbe und Form verleiht ihren Werken eine in ihnen wohnende Stille und schlichte Schönheit. Petra Rintelen versteht es, einer zunächst einfach wirkenden Form eine kraftvolle, bleibende Erscheinung zu geben. In ihrem Schaffen drückt sich eine Beharrlichkeit aus im Umgang mit dem Dinglichen, die dem Dargestellten eine neue, geradezu erzählerische Ebene entlockt.

Seit dem Jahre 2000 stellte sie in verschiedenen Galerien in Deutschland und den Niederlanden aus. Es ist uns eine große Freunde die aktuellen Werke von Petra Rintelen in der artfein GALLERY präsentieren zu können.

SPITZENPREISE UND WELTREKORDE

Erfolgreiches erstes Auktions-Halbjahr 2015 für das Dorotheum

Enrico Castellani, erzielter Preis € 965.000, Lucio Fontana € 588.533, Alfons Walde € 393.400, Pieter Brueghel II € 552.000, Max Weiler € 393.400 Weltrekordpreis
Das erste Halbjahr 2015 war für das Dorotheum, größtes Auktionshaus im deutschsprachigen Raum, besonders erfolgreich. Alles übertraf die „zeitgenössische“ Auktionswoche im Juni: Sie punktete nicht nur mit den bis dato besten Dorotheum-Auktionen von zeitgenössischer Kunst, von Juwelen und von Uhren, sondern war insgesamt die beste Auktionswoche in der Geschichte des Versteigerungshauses.

Starke Zeitgenossen
Bei der zeitgenössischen Kunst fanden besonders Werke aus Italien großen Anklang: Weit über den Erwartungen reüssierte ein Werk von Enrico Castellani: 965.000 Euro bedeuteten Rekord für eine ganz frühe „Superficie“ (Oberfläche) des Künstlers von 1960. Auch die weiteren Protagonisten der Mailänder Avantgarde der 1960er Jahre, Piero Manzoni, Agostino Bonalumi und Paolo Scheggi, machten bei der Auktion mit Spitzenpreisen auf sich aufmerksam.

Von Lucio Fontana wurden seltene frühe Skulpturen versteigert, darunter eine „Frauenbüste“ von 1949, die ausgezeichnete 588.533 Euro erreichte. Fontanas kleinformatiger „Concetto spaziale“ von 1963 – 1964 wurde auf 405.600 Euro angesteigert. Fausto Melottis Skulptur „Linee“ konnte mit 369.000 Euro die Erwartungen mehr als verdoppeln. Eine unbetitelte, mit Nägeln und Handausschnitten versehene Kiste von ZERO-Künstler Günther Uecker fand für 295.800 Euro einen neuen Besitzer. Die „Landschaft mit Pionierlager 1973“, ein anspielungsreiches Gemälde von Ilya Kabakov, erreichte 491.000 Euro.
Hohe Ansteigerungen gab es auch für österreichische Kunst: Für Max Weilers “Welt des Wachstums” konnte mit rund 400.000 Euro ein Weltrekord erzielt werden Ebenfalls einen Weltrekord für den Künstler bedeuteten die 204.300 Euro für die Stahlskulptur „Ellisse“ von Mauro Staccioli.

Zeitlose Bildnisse
Mehr als das Zehnfache der Erwartungen, 575.516 Euro, erreichte Frans Pourbus II. „Bildnis des Prinzen Philipp Wilhelm von Oranien im Brustharnisch mit dem Orden vom Goldenen Vlies“ bei der Auktion von Gemälden Alter Meister im April. Bei Pieter Brueghel II. erotisch konnotiertem Tondo „Das Paar beim Angeln“ läutete die Auktionsglocke bei 552.000 Euro, bei Jan Brueghel I. „Rast an der Windmühle“ bei 523.446 Euro. Den Schätzwert mehr als verdoppeln konnte die „Madonna mit den Nelken“ von Giovan Battista Salvi, gen. Il Sassoferrato (€ 417.000).

Bei der Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ am 23. April 2015 waren 149.400 Euro der Weltrekordpreis für Gabriel Ritter von Max. Er malte „Die Gelehrten“ als zwei Affen, beide offenbar im wissenschaftlichen Disput. Friedrich Gauermanns wilddramatischer „Überfall“ auf eine Kutsche erreichte 173.800 Euro. Ivan Constantinowich Aivazovskys Seestück konnte mit 106.250 Euro die Schätzung mehr als verdoppeln. Bei der Klassischen Moderne reüssierte Alfons Waldes „Almen im Schnee“ bei 393.400 Euro, Fernando Boteros Ölbild „Ein Dieb“ bei 283.600 Euro.

Seltenheiten bei Juwelen und Uhren
Besonders stark zeigten sich in diesem Halbjahr die Auktionen von Juwelen und Uhren. Spitzenpreise gab es für einen seltenen Kaschmir-Saphir-Ring (€ 515.400) sowie für ein Armband mit 53 ct Diamanten und Brillanten (€ 173.800). Ein „Fancy Yellow Natural Color“-Brillantsolitär-Ring (16,98 ct) wechselte für 320.200 Euro den Besitzer. Bei den Uhren punkteten vor allem zwei Rolex Cosmographen Daytona „Paul Newman“ aus den 1970er Jahren (€ 87.500, € 81.250)

Preisrekorde
Mehr als das Dreifache des Schätzwertes erzielte eine 1922/25 von Josef Hoffmann und Julius Zimpel entworfene silberne Besteckgarnitur bei der Jugendstil-Auktion im Mai: 344.600 Euro war dem Käufer das 168-teilige Service wert.

Beim teuersten Schriftwerk, das je im Dorotheum versteigert wurde, handelt es sich um ein Rituale, eine Handschrift aus dem 11. Jahrhundert.  Bei der Autographen-Auktion kletterten die Gebote für diesen wissenschaftlich und liturgiegeschichtlich hoch bedeutenden Codex auf sensationelle 356.800 Euro. Preisrekord auch in der Kategorie Briefmarken: Die einzig bekannte Drittelungsfrankatur einer 9-Kreuzer-Marke, Österreich 1850, auf einer Faltbriefhülle war mit 145.000 Euro das bis dato teuerste Objekt bei einer Dorotheum-Briefmarkenauktion.

Die Kategorie Klassische Fahrzeuge und Automobilia konnte heuer die zweitbeste Dorotheum-Auktion der Geschichte vorweisen. Der erste Platz ging mit 291.500 Euro an den 1938 BMW Sport Roadster, zweitplatziert war mit 165.000 Euro der 1963 Alfa Romeo 2600 Spider.

Eine spezielle Single Owner Collection konnte das Dorotheum im Mai erfolgreich veräußern: Fahrrad-Enthusiasten aus aller Welt wetteiferten in der Auktion „Bicycles from the Embacher Collection“ um außergewöhnlichem Vintage-Radmodelle aus den 1920er Jahren bis heute.

„Eine starke Saison für unser Auktionshaus“, so Dorotheum-Geschäftsführer Martin Böhm, „das zeigen die hohen Verkaufsquoten, die hohen Ansteigerungen und die vielen Best-Of-Ergebnisse. Der zeitgenössischen Kunst gilt weiter unser spezielles Augenmerk.“