Es werde Licht…

Von den Impressionisten zu Thomas Alva Ediso
„Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Was sich im Buch Genesis 1.3 dank Gottes segensreichem Beistand so selbstverständlich liest, bedeutete für die bildende Kunst ein jahrhundertelanger Weg der visuellen Recherche. Es waren die Impressio-nisten, die in den 1860er Jahren das Licht als zentralen Bildgegenstand entdeckten. Dessen Darstellung in den atmosphärischen Veränderungen wurde zur malerischen Hauptaufgabe, die Farbe primär als Träger von Licht eingesetzt, was letztlich zu einer Aufhellung der Palette führte und die Gemälde der Impressionisten heute noch so lichtdurchflutet erscheinen lässt.

Die zeitgenössische Kunst hingegen benötigt weder Pinsel noch Leinwand zur Dar-stellung des Lichts: Es genügen Glühlampen und eine Steckdose. Licht wird nicht mehr bildlich dargestellt, Licht wird selbst zum Medium der Kunst. Seit den bahnbrechen-den Entdeckungen von Thomas Alva Edison (1847–1931) wird ein Leiter durch elek-trischen Strom aufgeheizt und zum Leuchten gebracht. Und die Faszination des Lichts hält bis in die Gegenwart an, wie die umfangreichen Werkgruppen von Lichtarbeiten in der Sammlung des Kunstmuseums verdeutlichen.

Die Ausstellung mit bedeutenden Gemälden des Impressionismus im Dialog mit Werken von u.a. John M. Armleder, Silvie Defraoui, Dan Flavin, Sylvie Fleury, Alex Hanimann, Matthew McCaslin, Jason Rhoades, Pipilotti Rist, Nedko Solakov, Keith Sonnier, Michel Verjux u.a.m. lässt das Kunstmuseum St.Gallen einmal mehr in neuem Licht erstrahlen.
Kurator: Konrad Bitterli

PLAKATIV

Toulouse-Lautrec und das Plakat um 1900

Das Sprengel Museum Hannover besitzt eine umfangreiche, hervorragende Sammlung von
Plakatkunst um 1900, die jetzt erstmalig in einer großen Sonderausstellung präsentiert wird. Die
internationalen Pioniere der Plakatkunst wie etwa Henri de Toulouse-Lautrec sind in der Ausstellung
mit 164 ausgewählten Originalen vertreten.
Seit etwa 1870 eroberten farbige Bildplakate die Straßen Europas und Amerikas. Bis dahin waren
Plakatentwurf und -herstellung in den Händen von Druckern und Lithografen gewesen, doch
zunehmend nahmen sich Künstlerinnen und Künstler der Gestaltung an. Zunächst in Frankreich, später
auch in England und den USA, zuletzt Mitte der 1890er-Jahre in Deutschland und den anderen
europäischen Ländern breitete sich die Plakatkunst aus. Die künstlerischen Stilrichtungen der
Jahrhundertwende, Jugendstil und Art Nouveau, fanden in der plakativen Werbung ihr ideales
Medium. Großflächige Gestaltung, kräftige Farben, schwungvolle, modulierende Konturen
entsprachen den Idealen des Jugendstils. Mit den Plakaten wurde für alle Sparten des Alltags und der
Kultur geworben, sowohl für Ausstellungen und Theateraufführungen, Reisen und Sportveranstaltungen,
neueste Buchveröffentlichungen und Zeitschriften, als auch für kommerzielle
Produkte wie Fahrräder, Kaffee und Mode.
Das Sprengel Museum Hannover übernahm bei der Gründung 1979 ein Konvolut von 631 Plakaten
vom damaligen Kestner-Museum. Das älteste städtische Museum, heute Museum August Kestner,
hatte 1915 über hundert Plakate von einem hannoverschen Privatsammler erworben. Unter der Leitung
von Albert Brinckmann, Sohn des legendären Gründers des Museum für Kunst und Gewerbe in
Hamburg, Justus Brinckmann, wurde die Plakatsammlung aufgebaut. Vor allem in Hamburg und
Berlin, aber auch in Hannover wurde das Plakat-Sammeln in diesem Zeitraum eine neue Disziplin der
Museen. Sie alle packte die affichomanie – der Plakatwahn. Unter den zahlreichen Ablegern des
„Vereins der Plakatfreunde“ war der aktivste Verein die 1912 gegründete „Ortsgruppe Hannover“, die
zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Wettbewerbe veranstaltete. Ihr Vorsitzender war der Direktor
des Kestner-Museums, sodass auf diesem Wege vermutlich die Gratis-Tausch- und Verkaufsplakate
des Vereins der Plakatfreunde in die Sammlung gelangten.
Die Ausstellung PLAKATIV zeigt Werke von den stilprägenden Künstlern dieser Zeit: Henri de
Toulouse-Lautrec, Jules Chéret, Aubrey Beardsley, Edmund Edel, William H. Bradley, Eugène
Grasset, Ludwig Hohlwein, Alfons Mucha, Edward Penfield und Théophile-Alexandre Steinlen. Aber
auch weniger bekannte und neu zu entdeckende Künstler aus Frankreich, Deutschland, den USA,
Großbritannien, Spanien, Belgien, Italien und Österreich.
Es erscheint ein Katalog mit 80 Seiten und 170 Farbabbildungen, Bd. VIII in der Reihe „Beiträge zur
Sammlung“, mit Texten vor Karin Orchard und Barbara Martin, Preis 10 EUR.

Lore Krüger | Ein Koffer voller Bilder. Fotografien 1934 – 1944

Die deutsch-jüdische Fotografin Lore Krüger erlebte und überlebte Emigration, Widerstand, Verhaftung, Internierungslager, Verfolgung und Exil nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und während des Zweiten Weltkrieges. Ihre Kamera hatte sie immer dabei. So entstanden einzigartige, historische Dokumente zwischen intimen Privatfotografien, Auftragsarbeiten, Sozialstudien und abstrakten, fotografischen Experimenten. Ihre beeindruckenden Bilder geben nicht nur einen tiefen Einblick in das Leben europäischer Intellektueller im Exil, sondern auch einen seltenen, persönlichen Blick auf die politischen Ereignisse jener Zeit – jenseits schon bekannter fotojournalistischer Reportagen oder Propagandabilder der jeweiligen Kriegsparteien. Die Entdeckung des fotografischen Nachlasses Lore Krügers ist ein Glücksfall, der anhand ihres Schicksals einen neuen und unmittelbaren Zugang zur Zeitgeschichte ermöglicht.

Lore Krügers Fotografien sind dabei stark geprägt von der im Kontext des Bauhauses entstandenen Strömung des sogenannten Neuen Sehens, aber auch von den damaligen künstlerischen Strömungen wie Kubismus, Dadaismus und Surrealismus. Sie gehörte in Paris zu den Künstlern, die die Bildsprache vom rein reproduzierenden zu einem produzierenden Medium zu erweitern suchten. Als Schülerin der großen Fotografin und Bauhaus-Absolventin Florence Henri erlernte Lore Krüger in Paris das fotografische Handwerk sowie den freien, experimentellen Umgang mit diesem Medium. So experimentiert sie im Labor mit der Technik der Montage, des Fotogramms und der Mehrfachbelichtung. Schnell macht sie sich jedoch von den reinen, ästhetischen Studioaufnahmen ihrer Lehrerin unabhängig und wendet sich dem realen Leben auf der Straße zu. So entstehen unter anderem die Serie „Gitanes“ im Wallfahrtsort Sai! ntes-Mar ies-de-la-Mer und soziologische Reportagen über Provinz, Arbeiter und Bourgeoisie in Frankreich.

Nicht mehr nur Muse oder Modell sondern selbst Künstlerin – Lore Krüger steht mit ihrer Arbeit zudem für die neue, emanzipierte Stellung der Frau innerhalb der Avantgarde der 1930er und 1940er Jahre. Neben Künstlerinnen wie Sonia Delaunay, Hannah Höch, Florence Henri oder Claude Cahun gilt Lore Krüger mit ihren Fotografien als Pionierin der Bildenden Künste. Hinzu kommt ihre starke Politisierung durch die Ereignisse in Deutschland und ihre Erfahrungen im Exil. Sie hat regen Austausch mit den Intellektuellen der Zeit – Anna Seghers, László Radványi, Walter Benjamin und Alfred Kantorowicz. Zudem ist sie in New York aktiv an der Gründung der antifaschistischen Exilzeitschrift „The German American“ beteiligt, in der viele bekannte Schriftsteller veröffentlichen.

Mit ihren Fotografien gilt Lore Krüger bis heute als Pionierin. Die Ausstellung umfasst circa 100 Schwarz-Weiß-Fotos.

biographische Stichpunkte

1914 in Magdeburg geboren; 1933, mit 19 Jahren, als Au-Pair nach London, in London erste fotografische Versuche; 1934 wird ihre Aufenthaltsgenehmigung in Großbritannien nicht verlängert; kurzer Aufenthalt auf Mallorca, wohin L.K.‘s Eltern geflohen waren; im selben Jahr Umzug nach Barcelona und Tätigkeit/Ausbildung im Atelier des Fotografen Zerkowitz; anschließend Übersiedlung nach Paris, mit ihrer Schwester, und Ausbildung zur Fotografin bei Florence Henri; Arbeit als Fotografin in Paris und Spanien; 1940 Deportation in das Internierungslager Gurs an den Pyrenäen; nach der Freilassung flieht sie mit ihrem Mann und ihrer Schwester nach Marseille und kann Monate später nach Mexiko ausreisen, wo sie jedoch nie ankommt; nach einem Zwangsaufenthalt auf Trinidad erhält sie! ein Vis um für die USA und geht nach New York; in New York erneute Tätigkeit als Fotografin (Porträt); 1946 Rückkehr nach Deutschland, Berlin (Ost), wo sie als Übersetzerin arbeitet; 2009 stirbt Lore Krüger in Berlin.

 

THE DAY WILL COME WHEN PHOTOGRAPHY REVISES

TRIENNALE DER PHOTOGRAPHIE 

 

Der Kunstverein in Hamburg freut sich, die Ausstellung THE DAY WILL COME WHEN PHOTOGRAPHY REVISES anzukündigen, die im Rahmen der TRIENNALE DER PHOTOGRAPHIE HAMBURG stattfindet und die künstlerischen Positionen von Peggy Buth, Charlotte Dualé, Harun Farocki, Abrie Fourie, Anne Hardy, Inga Kerber, Philipp König, Susanne Kriemann, Michael Part, Josephine Pryde, Clunie Reid, Max Schaffer, Dirk Stewen, Una Szeemann u. Bohdan Stehlik, Toilet Paper Magazine, Tris Vonna-Michell, Lidwien van de Ven präsentiert. Die Ausstellung wird kuratiert von Bettina Steinbrügge und Amelie Zadeh und stellt sechs Fragen über die Zukunft der Fotografie, welche die Relevanz des Fotografischen innerhalb zeitgenössischer Bilddiskurse thematisieren.

 

 

SO WEIT, DIE ZUKUNFT. SIMON QUENDLER_UR-RAUM

Nach der großen Werkschau ESSENZ GOLD im Wiener Künstlerhaus (Februar-März 2015), gibt Simon Quendler im Rahmen eines Privat Views, erste Einblicke in seine neue Werkserie UR-Raum. Die exklusiven Einblicke sind im off-space So weit, die Zukunft (SWDZ) zu sehen. Der Raum wurde von Designprofi Andreas Pohancenik, Gründer des Designbüros Practice & Theory, von London nach Wien gebracht. Pohancenik lebt und arbeitet in Wien.

WAS IST DER RAUM?
Die Klarheit und Sicherheit der Kenntnisse vom Raum wird am eindrucksvollsten durch die Euklidische Geometrie demonstriert. Darin wird ein sehr einfaches, ästhetisch befriedigendes Axiomen-System beschrieben. Im Bereich der Philosophie war es Immanuel Kant, der einen radikalen Schritt mit der Einsicht bot, dass nicht nur die sinnlichen Wahrnehmungen (beispielsweise Farben), sondern auch „der Raum nur eine Form unserer Anschauung“ ist. Der Raum wurde zu einem außer uns existierenden „Ding an sich“ – zum Anschauungsraum. Ein geschichtliches Ding, dass sich erst mit der wiederholten Anschauung und im Laufe der Zeit verändert.
In Quendlers neuer Werkserie, wird die Entstehung des Ur-Raums, als Übergang vom Chaos zur Form bis hin zum Raumkonstrukt thematisiert. Aus Vulkanasche transformiert sich eine „Immanenz der Dinge“. Durch Verbrennung des Werkstoffes (Gerüstsilikat, eine Zeolithgruppe), startet der Reinigungsprozess und die Malerei beginnt. Die Wirklichkeit malerisch umrissen. Sehmuster werden aufgebrochen, neue Wahrnehmungsformen werden geschaffen. Die ersten Bilder dieses Zyklus zeigen ein verworrenes Gemenge an Linien, das sich wie Synapsen und symbolisch aneinanderreihen, um sich in einem Raumkonstrukt zu finden. Die scheinbar willkürliche Anordnung der Linien eröffnet dem Betrachter Abstraktionsräume.

Was eine Linie ist?
Daran wird noch gefeilt.

Wohin mündet die Auflösung des Raumes?
Die Besucher sollen reingehen, schauen und mitnehmen, was immer sie wollen.
Für Sammler und Kunstinteressierte ist der Einblick bewusst zeitlich sehr kurz gewählt.
Simon Quendler, 1983 in Wernberg/Kärnten geboren, ist in Österreich und den USA (Cluver, Indiana) aufgewachsen. Er lebt und arbeitet in Wien. Besonders seine Aufenthalte an der Militärschule von Culver, im Alter von 12 Jahren, prägten ihm nachhaltig. Hier entwickelte er die ersten Fragmente seiner sich in späteren Jahren verfestigenden Strukturzerreißungen (Raumneoplasien). Nach der Matura ging er nach Wien, um seine Künstler- und Malerfertigkeiten zu verfeinern. In seinem Wiener Atelier entwickelte er mehrere Verfahren, mit welchen er die Essenzen aus den Stoffen herauslöst, um den Kern der Dinge freizulegen. Er widmet sich neuen Materialstudien und experimentiert mit der Auslösung von Schwebeteilchen mit Hilfe von Filtersystemen, um die Suche nach der Urfarbe voranzutreiben.