AUSZEIT

Vom Faulenzen und Nichtstun

So fleißig und betriebsam der Mensch sein kann, so sehr sehnt er sich gleichzeitig und immerfort
nach Ruhe, Urlaub, Müßiggang, Freizeit, sprich nach einer kurzen oder langen Auszeit.
Ständig sind wir getrieben von dem Gedanken, in immer kürzerer Zeit mehr und mehr schaffen
zu müssen. Wer macht in solchen Momenten der mentalen und körperlichen Hetzjagd
nicht gerne Pause? Der Begriff ‚Zeitwohlstand‘ spiegelt dabei das wieder, was die Schnelllebigkeit
um uns herum bewirkt: Statt nach Geld, scheinen wir uns immer sehnlicher mehr Zeit
für die ‚schönen Dinge‘ des Lebens zu wünschen. Faulenzen und Nichtstun stehen dabei für
vielerlei: an nichts denken müssen, die Seele baumeln lassen können, verreisen und am Strand
relaxen, die Gedanken befreien von stressgesteuerten To-do-Listen, nichts tun müssen, keine
wichtigen Entscheidungen treffen, sich in Ruhe und Wohlsein entspannen können, fern vom
Großraumbüro und entnervten Mitmenschen.
Eine Auszeit stellt nicht zuletzt die Notwendigkeit dar, neue Kraft zu schöpfen. Das Nachdenken
über die angenehmen Seiten des Faulenzens und Nichtstuns klammert hingegen auch
seine Gegenspieler nicht aus. Wir langweilen uns oder sind gar durch einen fehlenden Arbeitsplatz
zum Nichtstun und Warten verurteilt. Ein Zustand, der mit Entspannung trotz Überfluss
an Zeit nichts mehr zu tun hat.
Dem Empfinden von freier Zeit möchte die Ausstellung unter dem Titel Auszeit. Vom Faulenzen
und Nichtstun nachgehen und umfasst etwa 120 Positionen aus dem Bestand des Museums
sowie ausgewählte Leihgaben zeitgenössischer Künstler, die sich in unterschiedlichen
Medien (darunter Grafik, Fotografie, Skulptur, Malerei, Video) mit dem Thema der freien
Zeit auseinandersetzen. Präsentiert werden unter anderem die Schlafenden und Gähnenden
von Künstlern wie Ernst Barlach, Pablo Picasso und Max Beckmann, die sich gemeinsam mit
Ruhenden, Urlaubern und Müßiggängern von Boris Mikhailov bis Ernst Ludwig Kirchner in
den Grafikräumen des Sprengel Museum Hannover treffen.
Die Ausstellung folgt dabei keinem chronologischen, sondern vielmehr einem thematischen
Faden, der sich frei an den vier Freizeitverwendungen orientiert, die der Soziologie Rolf
Meyersohn bereits 1972 modellhaft zusammenfasste: 1. Ruhe und Wiederherstellung der
Kräfte (Schlafen, Liegen, Genesen), 2. Unterhaltung, Zerstreuung und Vergnügen (geselliges
Beisammensein, Urlaub machen), 3. Selbstverwirklichung (etwa durch das künstlerische Tun)
und 4. Erbauung (Müßiggang, Schlendern, Spazieren).
Von vielen Künstlerinnen und Künstlern wird der Müßiggang auch gegenwärtig in den Fokus
genommen und, mehr noch, als unbedingte Voraussetzung für das Kunstschaffen angesehen.
Der tschechische Künstler Pavel Büchler entwickelte das Pausieren als Ausdruck des Müßiggangs
zum Inhalt einer kontinuierlich wachsenden Werkserie, indem er sich selbst und seine
Begleiter, Freunde, Besucher während der Raucherpausen fotografiert. Für die Auszeit fasste
er in Work (All the cigarette breaks, 2007-2014) den bisherigen Fundus von rund 1.400 Fotografien
zu einer digitalen Diashow zusammen und lässt dabei jedes Foto einer kurzen Raucherpause
entsprechend vier Minuten stehen.
Der schweizerische Künstler Omar Alessandro schrieb sich mit seinem Werk von 2007/08
den Müßiggang buchstäblich auf die Fahnen. Die Ausstellung beginnt damit bereits im Außenraum:
Einem politischen Statement gleich, ist Alessandros Transparent aus PVC in Nachbarschaft
zu dem Ausstellungsbanner an der Westseite des Sprengel Museum Hannover montiert
und beansprucht laut und entschlossen schwarz auf weiß die künstlerische Auszeit für
sich: „Der Künstler ruht sich aus.“
Die Videoarbeit Triphibious Construction (Triphibische Erbauung) (2007-08) des deutschen
Künstlers Piero Steinle zeigt dagegen den Künstler selbst, wie er gelassen seine Bahnen zieht.
An den Rand des Schwimmbeckens schließt sich nahtlos das dahinterliegende, offene Meer
an. Begleitet von klassischer Musik verführt das Video den Betrachter zum Verweilen und
Müßiggang.
Die Auszeit als künstlerisches Schöpfen und Moment der Selbstvergessenheit vermittelt die
Zeichnung Peter [Peter Schlesinger] reading (1972) David Hockneys: Auf einer ersten Ebene
ist es das Modell selbst, ein junger Mann, der lesend ganz bei sich ist, auf einer zweiten Ebene
zeigt sich die intensive, intime Betrachtung des Künstlers, der aus der Versunkenheit seines
Modells die Anregung zum Schaffen zieht.
Eine Auswahl von Werken zum Thema zu treffen, legt die Berücksichtigung von Gegenbildern
nahe, die von Erschöpfung, Langeweile und Arbeit, das heißt von der Konkurrenz zur
Freizeit berichten. Die Sehnsucht nach einer nicht endenden Freizeit mutet himmlisch an und
lässt an den Beginn der weltlichen Mühsal denken, nämlich an die Verdammung aus dem
Paradies. Demgemäß beginnt die Ausstellung Auszeit. Vom Faulenzen und Nichtstun mit einer
grafischen Darstellung Max Beckmanns aus dem Jahr 1917, in der er Adam und Eva in
dem Moment kurz nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies zeigt. Das Paar, sich seiner
Scham bewusst, versucht sich mit den Händen zu bedecken. Verhärmt und erschöpft wirken
sie, als habe die Last der Arbeit als Strafe Gottes bereits ihre Spuren hinterlassen. An verschiedenen
Stellen des Ausstellungsrundganges wird daher die Vielzahl der Werke zur heiter
anmutenden Auszeit von in Konkurrenz zu ihr stehenden Werken durchkreuzt, dessen Künstlerinnen
und Künstler beispielweise einen näheren, intimen Blick auf ermattete (Käthe Kollwitz,
Zertretene, 1900) oder auf Arbeit wartende Menschen (Walter Ballhause, Arbeitslose,
1930/1933) geworfen haben.
Mit Werken von Jussuf Abbo, Olle Agnell, Omar Alessandro, Walter Ballhause, Ernst Barlach,
Max Beckmann, Carry van Biema, Pavel Büchler, Max Burchartz, Massimo Campigli,
Lovis Corinth, Otto Dix, Harald Duwe, Reinhold Max Eichler, Arno Fischer, Herbert Garbe,
Theo Garve, Ralph Goings, David Hockney, Rudolf Jahns, Grethe Jürgens, Arthur Kampf,
Max Kaus, Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Kläber, Albert Knab, Käthe Kollwitz, Fabien
Launay, Henri Laurens, Wilhelm Lehmbruck, Friedrich Karl Lippert, Franz Marc, Wolfgang
Mattheuer, Boris Mikhailov, Louis Moe, Siegfried Neuenhausen, Hans Neumann, Emil Nolde,
Helga Paris, Max Pechstein, Pablo Picasso, Hans Purrmann, Heinrich Riebesehl, Niki de
Saint Phalle, Michael Schoenholtz, Horst Skodlerrak, Piero Steinle, Théophile-Alexandre
Steinlen, Ernst Thoms, Umbo (Otto Umbehr), Fritz Wotruba und Paul Wunderlich.

YES!YES!YES! WARHOLMANIA IN MUNICH

Präsentiert von Glenn O’Brien und Katja Eichinger
Eine Kooperation zwischen dem Museum Brandhorst und dem Filmfest München

„Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ ist eine Kooperation zwischen dem Museum Brandhorst und dem Filmfest München, in der Andy Warhol insbesondere als Maler und Filmemacher vorgestellt wird. In seiner überbordenden Produktivität dringt die Figur Warhol jedoch weit über die Malerei und den Film in die unterschiedlichsten künstlerischen und gesellschaftlichen Bereiche vor: Er war auch Werbegraphiker, Buchillustrator, Musikproduzent; er gründete mit „Interview“ ein Lifestyle Magazin und etablierte in den späten 1970er Jahren – lange vor MTV – eine eigene Fernsehsendung, mit der er den Geist von Punk und New Wave einfing. So gelang es Warhol, gleichermaßen zum Liebling der Hochkunst und des Massengeschmacks, des Auktionsmarkts und der Subkultur zu werden.

Das Museum Brandhorst wird im Rahmen von „Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ erstmalig seine gesamten Bestände von Andy Warhol zeigen. Mit über 100 Werken bewahrt das Museum Brandhorst eine der weltweit bedeutendsten Warhol-Sammlungen. Beginnend mit frühen Zeichnungen, die sich noch an Warhols Beschäftigung als Werbegrafiker orientieren, spannt die Sammlung einen retrospektiven Bogen von seinen ersten Siebdrucken, über Ikonen der 1960er Jahre wie „Marilyn“, „Liz“ und „Mustard Race Riot“, bis hin zu zentralen Bildserien seines Spätwerks. Mit der gezielten Vermarktung von Starporträts avancierte Warhol in den 1970er Jahren zum „Hofmaler“ der Kunst- und Modewelt. Daneben setzte er sich intensiv mit Abstraktion auseinander: In „Shadow Paintings“, „Camouflage Paintings“ den „Oxidation“ oder „Piss Paintings“, in denen er die expressionistische Veräußerung des Künstlers ironisiert. Die Präsentation von Warhols malerischem Werk wird in der Ausstellung durch Buchillustrationen, Zeitschriften, eine Filmprojektion und seine Fernseharbeiten ergänzt.

Das ehemalige „Factory“ Mitglied und erster „Interview“ Chefredakteur Glenn O’Brien und die Autorin Katja Eichinger präsentieren gemeinsam mit dem Filmfest München (25. Juni – 04. Juli 2015) in Zusammenarbeit mit dem Andy Warhol Museum Pittsburgh, USA eine weitreichende Hommage an Warhols filmisches Schaffen. Zudem wird in einer gesonderten Filmreihe auf Warhols Einfluss auf Filmemacher wie Sofia Coppola und Harmony Korine hingewiesen.

Begleitveranstaltungen im Museum Brandhorst

SO 28. Juni 2015 | 18.00 und 20.00 Uhr
A NO MAN SHOW. An Evening with Andy Warhol
Theaterperformance von United Puppets
Kein Künstler hat auf der Schnittstelle von Kunst, Selbstdarstellung, Medialisierung und Konsum so viele gesellschaftliche Entwicklungen antizipiert, mitgeprägt und genutzt wie Andy Warhol. In ihrem Theaterprojekt „A NO MAN SHOW. An Evening with Andy Warhol“ blickt die Theatertruppe United Puppets aus heutiger Perspektive zurück auf das „Prinzip“ Andy Warhol. Ausgangspunkt des Theaterabends ist ein unrealisiertes Broadway-Theaterstück Warhols, in dem er von einem hyperrealistisch animierten Roboter vertreten werden sollte: die Reproduktion der eigenen Person als Transzendenz seines seriellen Konzepts – gemäß seinem Motto „I want to be a machine“.

DI 07. Juli 2015 | 18.30 Uhr
FACE VALUE. Vortrag von Douglas Crimp
Der Kunsthistoriker, Kurator und Aktivist Douglas Crimp gilt als einer der einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart. Mit seiner legendären „Pictures“-Ausstellung im Artists Space in New York 1977 definierte er das Schaffen einer ganzen Künstlergeneration. Er ist der Autor von „Our Kind of Movie. The Films of Andy Warhol“, ein Standardwerk zu den Filmen Warhols. In seinem Vortrag spricht er über die 1963-64 entstandenen Stummfilme „Haircut“, „Blow Job“ und „Maria Banana“.

Weitere Begleitveranstaltungen

SO 28. Juni | 15.30 Uhr
GLENN O’BRIEN MEETS… Warhol Panel | Pinakothek der Moderne

DI 30. Juni | 19.00 Uhr
KATJA EICHINGER. Ein Interview mit Glenn O’Brien | Black Box/Gasteig

EADWEARD MUYBRIDGE. ANIMAL LOCOMOTION

Stiftung Ann und Jürgen Wilde

Der britisch-amerikanische Fotograf Eadweard Muybridge (1830-1904)
zählt zu den Pionieren der Bewegungsfotografie. Mit Hilfe eines
komplexen Versuchsaufbaus und innovativer Kameratechnik gelang es
ihm erstmals in der Geschichte der Fotografie, den Bewegungsablauf
eines galoppierenden Pferdes in einer Serie von Einzelfotografien
festzuhalten. 1887 veröffentlichte er das epochale Tafelwerk „Animal
Locomotion“, das in 781 Bildfolgen Mensch und Tier in Bewegung zeigt
und heute zu den Meilensteinen der Fotografiegeschichte zählt.
Den ersten Impuls zu einer fotografischen Bewegungsanalyse erhielt
Muybridge von dem amerikanischen Eisenbahn-Unternehmer und
Pferdezüchter Leland Stanford. Dieser beauftragte ihn 1872 sein
berühmtes Rennpferd „Occident“ im Galopp zu fotografieren, um den für
das menschliche Auge im Detail nicht sichtbaren Bewegungsablauf zu
analysieren. Muybridges Ergebnisse wurden enthusiastisch
aufgenommen. Mit einem mehrjährigen Stipendium der Universität
Pennsylvania konnte er seine Studien weiterführen und intensivieren.
Bis 1885 fotografierte er Bildfolgen von etwa 200 menschlichen Modellen
sowie einer großen Anzahl von Tieren in unterschiedlichen
Bewegungsvorgängen. Geradezu im Vorgriff auf das Medium Film
arrangierte er die Aufnahmesequenzen in Bildreihen als Tableaus und
veröffentlichte sie 1887 in Lichtdrucktechnik als großformatiges
Tafelwerk unter dem Titel „Animal Locomotion“.
Bis heute zählt „Animal Locomotion“ zu den einflussreichsten Werken
der Fotografiegeschichte und fungiert als markanter Bezugspunkt für
Wissenschaft und Kunst. Nicht nur die Darstellung von Pferden in
Bewegung in der Malerei änderte sich nach Muybridges Veröffentlichung
grundlegend. Muybridges Serien dienten auch als Inspirationsquelle für
zeitgenössische Künstler wie Andy Warhol, Francis Bacon und
Cy Twombly.
Die Stiftung Ann und Jürgen Wilde beherbergt in ihren Beständen ein
umfangreiches Konvolut von originalen Lichtdrucktafeln aus „Animal
Locomotion“. Es stellt einen repräsentativen Querschnitt durch
Muybridges Werk dar. 24 Tafeln daraus werden in der aktuellen
Präsentation der Stiftung Ann und Jürgen Wilde in der Pinakothek der
Moderne gezeigt.

Paris im Blick – Eine Stadt und Ihre Fotografen

Die Ausstellung „Paris im Blick – Eine Stadt und Ihre Fotografen“ zeigt , wie rund 50 internationale Fotografen Paris gesehen und mit der Kamera festgehalten haben. Dabei wandelt ihr Blick zwischen dokumentarischem Interesse und subjektiver Wahrnehmung, Chronistenpflicht und der Projektion persönlicher Befindlichkeiten. Zeitlich spannt die Ausstellung im Picasso-Museum einen Bogen von 1900 bis heute mit Arbeiten von Eugène Atget, Brassaï, René Burri, Robert Doisneau, André Kertész, Bettina Rheims, Wills Ronis und vielen anderen. „Paris im Blick“ thematisiert Aspekte der Fotografie-, Kunst-, Kultur- und Stadtgeschichte. Ergänzt werden die Originalabzüge aus internationalen Sammlungen durch bedeutende, zum Teil seltene Fotobücher, Alben oder Mappenwerke.

Parallel zur Foto-Ausstellung präsentiert das Museum auch Werke aus seinem Picasso-Bestand: „Picasso – Mapping Paris“ führt ihre Besucher an die Orte, die Picassos künstlerisches Schaffen inspiriert und nachhaltig beeinflusst haben: Ins Bateau-Lavoir, einem heruntergekommenen Atelierhaus auf dem Montmartre, in dem Picasso den Kubismus entwickelte, oder in die mondäne Rue des Grands-Augustins, in der er sich auf den Spuren von Honoré de Balzacs Romanfiguren in den 1930er-Jahren niederließ. Die Ausstellung gewährt intime Einblicke in Picassos Beziehung zu der französischen Metropole, in seine zahlreichen Freundschaften zu Pariser Sammlern und Literaten und dokumentiert seine künstlerisch vielstimmige Auseinandersetzung mit der Stadt an der Seine, von der Inspiration durch deren Museen bis hin zu den entbehrungsreichen Jahren während der deutschen Besatzung.

 

SpielRaum

Es laden sie herzlich ein:

Andreas Woller
Carina Westermaier
David Zahnke
Florian Huber
Florian Lechner
Michael Schmidt
Melina Hennicker
Michele Melillo
Rebecca Grollmann
Samaya Almas Thier

Die Ausstellungsleitung Pavillon e. V. stellt ihre Ausstellungsfläche zeitgenössischen, bildenden und darstellenden Künstlern zur Verfügung, um einen „SpielRaum“ zu schaffen, indem genreübergreifende Kunstwerke präsentiert und auch gattungsübergreifend entwickelt werden.

In diesem Sinne werden Künstler, die noch am Beginn ihrer Professionalität stehen, gemeinsam mit studierenden der AdBK München ein Experiment durchführen: Das Ausstellungsprojekt „SpielRaum“. Hauptziel ist es, den Ausstellungsraum des Kunstpavillons durch kreative Interventionen zu bespielen, worin schließlich multiple künstlerische Genres und Gattungen gemeinsam inszeniert werden. Dabei wird sich das Ausstellungsprojekt auf drei Ebenen mit dem vorhanden Freiraum auseinandersetzen: 1. Der Einzelausstellung von Florian Huber, „keine Hände“ (vom 21.Mai – 31.Mai); 2. Der Gruppenausstellung, „Konglomerat“ (vom 04.Juni – 14.Juni); und 3. der Schaffung neuer Zugänge zur Kunst, durch Performances und Workshops.

Während Florian Huber in der 1. Ausstellungsphase das Spiel um Form und Farbe, wie auch das subversiv befremdliche und zugleich wunderbare ins Zentrum der Betrachtung rückt, wird in der 2. Ausstellungsphase die Ausstellungsarchitektur in das sich entwickelnde Kunstwerk integriert. Dadurch entsteht eine Interaktion zwischen Architektur und Kunstwerk und avanciert von einem visuellen zu einem körperlichen Erlebnis für den Besucher. Ebenso Teil dieser Metamorphose sind die eingeladenen Performancekünstler, die den künstlerischen „SpielRaum“ schließlich noch um weitere Wahrnehmungsmöglichkeiten erweitern werden. Denn Ziel ist es, einen lebendigen künstlerischen (Lebens)Raum wirklich werden zu lassen.
Öffnungszeiten:Dienstag – Samstag: 13 – 19 Uhr, Sonn- und Feiertage: 11 – 17 UhrMontags geschlossen

HEINZ MACK. LICHT SCHATTEN

Die Kunstbewegung ZERO erlebt gerade ihre große Wiederentdeckung – und mit ihr die Person und das vielfältige Werk von Heinz Mack als einem ihrer wesentlichen Protagonisten. Die aktuelle Ausstellung im Museum Frieder Burda widmet sich einem besonderen Aspekt seines Schaffens, den Reliefs. Sie stehen beispielhaft für sein plastisch-bildnerisches Werk, indem sie eines seiner zentralen künstlerischen Anliegen voll zur Wirkung kommen lassen: das Wechselspiel von Licht und Schatten. Parallel ermöglicht die Kabinettausstellung „FONTANA, ZERO UND DIE FOLGEN“ zudem einen Einblick in die Geschichte dieser so wichtigen Kunstbewegung der 60er Jahre.

 

 

GegenKunst

»Entartete Kunst« – NS-Kunst – Sammeln nach ’45
Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne | Saal 11

Als Schauplatz der 1937 parallel veranstalteten ersten »Großen Deutschen Kunstausstellung« und der Feme-Ausstellung »Entartete Kunst« spielte München eine zentrale Rolle in der Kulturpolitik des Nationalsozialismus. »GegenKunst« stellt aus der Sammlung der Pinakothek der Moderne erstmals zwei Triptychen und zwei Großskulpturen gegenüber, die exemplarisch für die beiden nationalsozialistischen Gegen-Ausstellungen in der »Hauptstadt der Bewegung« stehen. Kritisch beleuchtet wird die als
NS-Propaganda zu verstehende pauschale Konfrontation vermeintlicher Kunststile, die auf der einen Seite eine systemkonforme »neue deutsche Kunst« etablieren und auf der anderen die europäische Moderne der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts diffamieren wollte.

Die von den Nationalsozialisten als »entartet« denunzierten Künstler Max Beckmann und Otto Freundlich treffen in einem Saal der Pinakothek der Moderne auf die NS-Künstler Adolf Ziegler und Josef Thorak, die von Adolf Hitler mit bedeutenden Staatsaufträgen und Ämtern ausgestattet wurden, um das neue nationalsozialistische Menschenbild in der Kunst zu manifestieren. Auf der einen Seite stehen mit der »Versuchung« von Max Beckmann und dem »Aufstieg« von Otto Freundlich wegweisende Hauptwerke der Moderne, die auf das Engste mit der Emigration und Verfolgung der Künstler im »Dritten Reich« verknüpft sind. Der jüdische Künstler Otto Freundlich, der mit seiner 1929 geschaffenen Skulptur »Der Aufstieg« der sozialen Utopie einer neuen Gemeinschaft Ausdruck verlieh, wurde 1943 von den Nationalsozialisten im KZ Lublin-Majdanek ermordet. Max Beckmann, dessen Kunstwerke in Deutschland seit 1937 öffentlich als »entartet« diffamiert wurden, hatte das Land unmittelbar nach Hitlers Rede zur Eröffnung des »Hauses der Deutschen Kunst« am 18. Juli 1937 verlassen. Sein Triptychon »Versuchung« stand ein Jahr später im Zentrum der »Exhibition of 20th Century German Art« in den Burlington Galleries, der Londoner Protest- und Gegenausstellung zur Münchner Schau »Entartete Kunst«. Entgegengesetzt hierzu verkörpern »Die Vier Elemente« von Adolf Ziegler sowie die »Zwei Menschen« von Josef Thorak die avantgarde-feindlichen Positionen nationalsozialistischer Kunst. Die in den Aktfiguren und der Monumentalplastik zum Ausdruck gebrachten rassistischen und ideologisch begründeten Rollenbilder wurden in Fotoreproduktionen zudem massenwirksam verbreitet.

Als weiterer Gegenentwurf und drittes Triptychon der Ausstellung öffnet »Kreuzigung« (1965) von Francis Bacon den Blick auf die internationale figürliche Malerei der Nachkriegszeit und die erneute Befreiung von ideologisch geprägten Menschen- und Körperbildern nach 1945. »Kreuzigung« ist als erste und bahnbrechende Erwerbung des 1965 gegründeten Fördervereins »Galerie-Verein« gleichermaßen ein Mahnmal gegen die Gewalt totalitärer Regimes sowie ein Meilenstein in der internationalen Neuausrichtung der Sammlung nach 1945.

Im Konflikt stehen zwei gegenläufige sammlungsgeschichtliche Entwicklungen: Einerseits die erfolgreichen Bemühungen um den Erwerb von Meisterwerken der Moderne bis hin zur internationalen Gegenwartskunst der 60er Jahre, andererseits die zahlreichen sogenannten »Überweisungen aus Staatsbesitz«, die seit den 50er Jahren aus dem enteigneten Kunstbesitz der NSDAP und hochrangiger Parteimitglieder an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überstellt wurden und in den Depots verwahrt werden, darunter auch die beiden ausgestellten Werke von Thorak und Ziegler.

»GegenKunst« definiert mit der kritischen Gegenüberstellung von Kunstwerken Rahmenbedingungen, unter denen NS-Kunst jenseits der Dämonisierung oder Verharmlosung auch im Kunstmuseum – als Ort ästhetischer Reflexion und Diskussion – präsentiert werden kann. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt, das mit regelmäßigen Ausstellungsgesprächen, einer Podiumsdiskussion und vier Vorträgen führender Experten zum Dialog über den Umgang mit der NS-Kunst in München anregen soll.

In den Sammlungsräumen, die an die Ausstellung angrenzen, werden weitere Künstler vorgestellt, die sich in ihren Werken intensiv mit Erfahrungen und Prägungen des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges auseinandersetzten. Es wird ein weiter Bogen über mehrere Medien gespannt, der von August Sanders Fotografien der »Menschen des 20. Jahrhunderts« über Tadeusz Kantors Rauminstallation »Die tote Klasse« bis zu Christian Boltanskis »10 images relatant les vacançes d’un petit garçon« reicht. Im Medium der Malerei sind Übermalungen von Arnulf Rainer, die »Helden« von Georg Baselitz, »Der Rotarmist« und »Der wahre Mensch« von Eugen Schönebeck, »Liberté, Egalité, Fraternité« von Sigmar Polke und »Nero malt« von Anselm Kiefer zu sehen.

Kurator: Dr. Oliver Kase

Begleitprogramm

Diskutieren statt führen
Was bewegt Sie an dieser Ausstellung? Was erwarten Sie? Stellen Sie uns Ihre Fragen zu #GegenKunst und lassen Sie uns gemeinsam Standpunkte zu den extremsten Auseinandersetzungen um Kunst im 20. Jahrhundert finden. Jede Woche werden Experten und Gäste vor den Werken das Gespräch mit Ihnen suchen und eine Frage des Tages aufgreifen. Hinterlassen Sie Ihre Fragen zur Ausstellung schriftlich unter dem Stichwort »GegenKunst« an der Informationstheke in der Pinakothek der Moderne oder nutzen Sie Twitter @Pinakotheken, um mit uns Kontakt aufzunehmen. Unter dem Hashtag #GegenKunst können Sie uns Ihre Fragen mitteilen.

Ab Juli jeden DO | 17.30
Treffpunkt: Saal 11

Anlässlich der Ausstellung diskutieren führende Experten den Umgang mit NS-Kunst im Kunstmuseum und die Herausforderung für unseren Kanon der Moderne. Darf man Kunst des Nationalsozialismus in einem Kunstmuseum überhaupt präsentieren? Oder sind die Tabuisierungen von NS-Kunst überhaupt noch zeitgemäß? Vier Vorträge beleuchten die Karrieren der ausgestellten NS-Künstler und zeigen, wie die Erfahrung totalitärer Gewalt und Propaganda die Künstler Max Beckmann und Francis Bacon zu neuen Bildkonzepten herausforderte.

Podiumsdiskussion
DO 02.07. | Magnus Brechtken (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin), Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München), Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk, Köln), Silke Wenk (Universität Oldenburg), Christoph Zuschlag  (Universität Koblenz-Landau)

Vorträge
DO 09.07. | Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München) »Adolf Zieglers Werke. Kunst oder historisches Zeugnis?«

DO 08.10. | Susanne Rolinek ( Salzburg Museum) »Josef Thorak. Der Bildhauer im Nationalsozialismus«

DO 15.10. | Reinhard Spieler (Sprengel Museum Hannover) »Angesichts der Gewalt. Beckmanns >education sentimentale< während des Nazi-Regimes«

DO 29.10. | Martin Hammer (University of Kent, Canterbury) »Francis Bacon’s ‘Crucifixion’: The presence of the Nazi past« Vortrag in englischer Sprache

Ernst von Siemens-Auditorium in der Pinakothek der Moderne
jeweils 18.30 | Eintritt frei