Pipilotti Rist

Im Frühjahr 2015 widmet die Kunsthalle Krems der berühmtesten Schweizer Video- und Objektkünstlerin Pipilotti Rist (* 1962) – der „Technikromantikerin und utopischen Philanthropin“ (Daniele Muscionico) der internationalen Kunstszene – eine ihrer bisher größten Einzelausstellungen.

Das Spektrum der ausgestellten Werke aus rund 30 Schaffensjahren reicht von frühen, erstmals der Öffentlichkeit präsentierten Objekten und Experimentalfilmen der späten 1980er-Jahre über ihre bekanntesten Werke bis hin zu aktuellen, raumgreifenden Videoinstallationen und bietet damit einen einzigartigen Einblick in Pipilotti Rists fantasievolles Universum bewegter wie bewegender Bilder. Dieses besticht neben der Reflexion auf die heutige Medienrealität vor allem durch eine beeindruckende Sinnlichkeit. Indem sie Seh-, Tast- und Hörsinn gleichermaßen ansprechen, aktivieren Rists Videos und Installationen nicht nur das eigene Körperempfinden, sondern laden gleichzeitig dazu ein, die Welt mit anderen Augen zu sehen und gewohnte Sichtweisen in Frage zu stellen.

Bereits in ihren Videos der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre, wie I’m Not the Girl Who Misses Much (1986), die sich über Rückgriffe auf die Ästhetik des Musikclips auszeichnen, ist Rist bestrebt, mit herrschenden Blickregimen zu brechen, wie sie sich vor allem im Kontext der durch die Medien verbreiteten Bilder von Weiblichkeit offenbaren. Bewusst eingeführte Bildstörungen attackieren die glatte Perfektion herkömmlicher Medienbilder und verleihen den Videos zugleich traumartigen Charakter. Einer Traumsequenz gleich ist auch Rists berühmte Videoarbeit Ever Is Over All (1997), in der eine Frau mit beschwingtem Schritt einen Bürgersteig entlanggeht und mit einem Stab in Form einer Blumen mehrere Scheiben parkender Autos zertrümmert. Vergleichbar surreale Brüche in der scheinbaren Normalität, die ein Umdenken in Hinblick auf gesellschaftliche Rollenbilder des Weiblichen auszulösen vermögen, charakterisieren auch die bisher selten präsentierten Videos Anja erweitert ihren Horizont (1995) und Pamela (1997).

Der nackte weibliche Körper als Kristallisationspunkt kultureller und sozialer Tabus steht hingegen in Arbeiten wie Pickelporno (1992) oder Blutraum (1993/98) im Fokus, in denen sich Körper und Haut als Projektionsflächen des organischen wie emotionalen Innenlebens offenbaren und dazu ermutigen, einen neuen Blick auf die eigene Körperlichkeit zu werfen. Zur bewussten Aktivierung des persönlichen Körperempfindens regen auch Rists audiovisuellen Installationen – darunter etwa Sip My Ocean (1996), Homo Sapiens Sapiens (2005) oder Tyngdkraft, var min vän (Gravity Be My Friend) von 2007 – an. Sie brechen bewusst mit der distanzierten Blickposition der Betrachter(innen) und übersetzten diese in eine dynamische, körperliche Empfindung oder Handlung im Raum, indem sie dazu auffordern, über ein projiziertes Bild am Boden zu laufen, die Videos liegend zu betrachten, die Betrachter(innen) zur Projektionsfläche von Rists betörenden Fantasiewelten zu machen oder ein Ambiente zu schaffen, in das die Künstlerin das Publikum vollständig eintauchen lässt.

Rists künstlerische Strategie, Bildräume zu kreieren, in welche die Betrachter(innen) eintreten können, verbunden mit der ihren Videos immanenten Auflösung der Grenzen zwischen Wahrnehmung und Imagination, zeigt sich auch in ihren objektbasierten Rauminstallationen. Diese machen – wie auch das eigens für die Kunsthalle inszenierte „Kremser Wohnzimmer“ – eingerichtete Wohnräume betretbar, in denen verschiedene Filme wie Tagträume über die Möbel schweben, fiktive und reale Räume ineinanderfließen.

Ob in diesen als „Gemeinschaftsräume“ konzipierten Installationen, die durch die völlige Durchdringung von Alltag und virtuellem Bild charakterisiert sind, oder in ihren frühen Einkanal-Videos, stets offenbaren sich Pipilotti Rists Arbeiten als eine Reflexion auf das Medium des Bildes, seine Wirkmacht und zunehmende Verbreitung in der heutigen Mediengesellschaft, ohne dabei die Lust, den Genuss und das persönliche Körperempfinden in dessen Betrachtung außer Acht zu lassen. Wie die rund vierzig, in der Kunsthalle Krems präsentierten Objekt- und Videoarbeiten aus allen Schaffensjahren der Künstlerin erfahrbar machen, ist es diese einzigartige Synthese über die Rist bestrebt ist, „neue Wege [zu] finden, die Welt zu gestalten, die äußere wie auch die innere Welt“ (Pipilotti Rist).

Kurator(inn)en: Stephanie Damianitsch, Hans-Peter Wipplinger

 

MEISTERWERKE V

MAX BECKMANN . ALEXEJ VON JAWLENKSY . ERNST LUDWIG KIRCHNER
FERNAND LÉGER . EMIL NOLDE . PABLO PICASSO . CHAIM SOUTINE

Zwanzig Jahre nach der ersten MEISTERWERKE Ausstellung in der Galerie Thomas freuen wir uns,
Ihnen nun die fünfte Ausgabe der bedeutenden Reihe zu präsentieren. 2015 ist es uns wieder
gelungen, eine Gruppe besonders hochkarätiger Kunstwerke der Klassischen Moderne und des
Expressionismus zusammenzutragen.
Ernst Ludwig Kirchners Porträt von Leon Schames, dem Sohn seines langjährigen
Kunsthändlers, entstand zwischen 1922 und 1924 in Davos. Das für Kirchner erstaunlich
großformatige Bild zeigt ein ganzfiguriges Bildnis in rot-tonigen, glühenden Farben. Die
starke Farbigkeit des Teppichs und der im Hintergrund dargestellten Werke des Künstlers
werden in ihrer Wirkung noch durch die außergewöhnliche Perspektive übertroffen:
Kirchner stellt den Porträtierten vor einen wie in die Fläche gekippten Raum, der die Figur
monumental rahmt und auf die beginnende, neue Davoser Stilphase Kirchners verweist.
Damit ist das Bildnis von Leon Schames ein Epochenbild im OEuvre des Künstlers, das
sowohl einen neuen Lebensabschnitt durch die Übersiedlung in die Schweiz und die noch
junge Zusammenarbeit mit dem Sohn von Ludwig Schames als auch die Entwicklung eines
neuen Stils markiert.
In seiner flirrenden Farbigkeit ist Emil Noldes Gemälde
der „Sommerfreude“ nicht weniger eindrucksvoll und
ausdrucksstark als Kirchners großes Porträt. Das
beinahe gleichzeitig entstandene Gemälde malte
Nolde in Utenwarf, seinem Wohnsitz bis zum Umzug
nach Seebüll. Der Maler schildert einen sonnigen
Sommertag mit spielenden Kindern, Details der
Ostseelandschaft und der Umgebung seines Hauses,
und über den am Horizont erkennbaren Nachbarhof hinweg ist das Meer hinter den
Dünen zu ahnen. Licht und Luft, die Brise von der Ostsee und die Frische der Landschaft
erfaßt Nolde in seiner typischen intensiven und kontrastreichen Farbgebung, und die
dominierenden Rot-, Grün- und Blautöne scheinen von innen heraus zu leuchten.
Hinzu kommt eine stilistische Besonderheit durch die vibrierende, fast gestisch
anmutende Malweise, die Nolde in diesen Jahren verstärkt einsetzt und die dem
Gemälde die Lebendigkeit einer Momentaufnahme verleiht.
Beide Werke zeigen Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde als herausragende Meister der Farbe, die, als ehemalige
Mitglieder der Künstlergemeinschaft „Brücke“, im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dem Expressionismus einen neuen
Entwicklungsschub geben, der schon auf die abstrakt-expressionistische Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg und in der
Gegenwart vorausweist.
Fester Bestandteil der Ausstellung ist der umfangreiche Katalog, in dem jedes Werk ausführlich beschrieben

Julia Stoschek, Olafur Eliasson und Martin Heller zum neuen Vorstand der KW Institute for Contemporary Art gewählt

Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, die Kunstsammlerin Julia Stoschek, den Künstler Olafur Eliasson sowie den Juristen und Berater Martin Heller in ihrer neuen Position als Vorstand der KW vorzustellen. Julia Stoschek und Olafur Eliasson, bisher Mitglieder des KW Trägervereins, und Martin Heller, langjähriger juristischer Berater der Institution, setzen ihre bisherige Zusammenarbeit mit dem Haus auf Vorstandsebene fort.

Sie treten die Nachfolge für den Architekten Eike Becker, den Unternehmer Eberhard Mayntz und die Unternehmerin Kate Merkle an, die ihre Tätigkeit als Vorstand der KW nach über 15 Jahren erfolgreichen Engagements auf eigenen Wunsch gemeinsam übergeben.

Der bisherige Vorstand hat zusammen mit dem neu gewählten Vorstand und den Mitgliedern des Trägervereins eine Satzungsreform beschlossen und ausgearbeitet. Diese stellt die Weichen für eine Neuausrichtung der KW, die ihre Position als zentrale Institution für zeitgenössische Kunst in Berlin zukünftig weiter ausbauen wird. Ziel ist es, die internationale Strahlkraft zu erhöhen und gleichzeitig als starke und aktive Berliner Institution zu agieren. Die KW sind ein Ort, an dem Ungewöhnliches und Experimentelles ebenso zu Hause ist wie kontinuierliches Nachdenken und Austausch über und mit der zeitgenössischen Kunst. Die Besucherinnen und Besucher der KW sind eingeladen, sich in einer der bedeutendsten Kunstmetropolen der Welt von den aktuellsten künstlerischen Positionen und Diskursen anregen zu lassen.

Auch weiterhin werden die KW Träger und Hauptveranstaltungsort der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst sein, die von der Kulturstiftung des Bundes als „kulturelle Spitzeneinrichtung“ gefördert wird.

Die KW werden ihrer Rolle als Kraft-Werk nur durch die dauerhafte Absicherung der Institution durch öffentliche Mittel und eine kontinuierliche Steigerung des privaten Engagements erreichen können. Der neue Vorstand ist angetreten, diese Freiheit zu ermöglichen und neue kuratorische und künstlerische Visionen zu unterstützen.

Das Programm der KW Institute for Contemporary Art wird durch die Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten ermöglicht.

Ungeheuerliche Farbwunder« – Wilhelm Morgner. Malerei 1910–1913

Wilhelm Morgner (1891–1917) gilt als Ausnahmetalent des Expressionismus.
Seine Bilder, die sich zwischen Figuration und Abstraktion bewegen, beeindrucken durch die ausdrucksstarke Leuchtkraft ihrer Farben und die Rhythmisierung von Motiv und Bildraum durch Linien, Wellen, Kreise und Punkte. Auf seiner unermüdlichen Suche nach künstlerischen Ausdrucksformen orientiert sich der junge Künstler an so unterschiedlichen Malern wie Rembrandt, Jean-François Millet, Vincent van Gogh, Georges Seurat, Paul Signac oder Robert Delaunay.
Daneben sind es die Expressionisten um Franz Marc, Wassily Kandinsky und Alexej Jawlensky, zu denen er eine künstlerische und spirituelle Verwandtschaft spürt.
Obwohl Morgners erstaunliche Entwicklung durch den Ersten Weltkrieg jäh beendet wird, hinterlässt er ein beachtliches Werk, das richtungsweisend für die Moderne ist. In einem Nachruf auf den gefallenen Freund beschreibt der Literat Theodor Däubler Morgners Entwicklung als Weg »ins unermesslichste Vielleicht!« und sein Werk als »frühlingshafte Verheißung«: ein Potential, das es zu entdecken gilt.

Die Ausstellung zeigt anhand imposanter Gemälde aus der Sammlung des Wilhelm-Morgner-Hauses, wie der Künstler die Einflüsse seiner malerischen Vorbilder aufnimmt und zu einer eigenen, eindrucksvollen Bildsprache verarbeitet. Ergänzend werden Zeichnungen des Künstlers präsentiert, die ebenfalls von der enormen thematischen und stilistischen Bandbreite Morgners zeugen.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Ernst Barlach Haus, Hamburg.

»Ins unermesslichste Vielleicht!« – Wilhelm Morgner. Malerei 1910–1913[

Herausgegeben von Karsten Müller, mit Texten von Karsten Müller und Friederike Weimar sowie einem Glossar zu den Briefen Wilhelm Morgners

96 Seiten inklusive ca. 80 farbige Abbildungen

ISBN: 987-3-9816776-0-7

 

Walk The Line. Neue Wege der Zeichnung.

Zeichnen gilt als „Denken mit dem Stift“. Gerade in den letzten zehn Jahren ist bei vielen jungen Künstlerinnen und Künstlern international eine Wiederentdeckung der Zeichnung zu beobachten. Die Ausstellung Walk The Line lotet die Artikulationsmöglichkeiten zwischen Bild und Schrift, zwischen Linie, Fläche und Raum aus und findet mit vielfach installativen Werken neue Wege der Zeichnung. Das Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert mit 104 Werken eine Überblicksschau von Text-Bild-Kombinationen (Marcel Dzama, Nedko Solakov, Raymond Pettibon), Animationssequenzen (William Kentridge, Katie Armstrong), Cut-Outs und Gravuren (Mario BieRende, Pia Linz, Awst & Walther), Adaptionen musikalischer Strukturen (Jorinde Voigt, Angela Bulloch, Gregor Hildebrandt) hin zu raumfüllenden Lichtinstallationen (Mariana Vassileva, Carsten Nicolai). 10 der insgesamt 34 Künstlerinnen und Künstler schufen eigens für diese Ausstellung neue Arbeiten.
„Was geht Leute?“ Diese Eintragung im Gästebuch des Kunstmuseums nutzte Christian Jankowski für seine Neonschrift, die als Leitmotiv über der Ausstellung leuchtet: „Walk The Line!“
 

Der Kunstkompass 2015

Gerhard Richter Nr. 1!

Der Kunstkompass 2015

Gerhard Richter, „Abstraktes Bild“ (Nr. 599) von 1986 wurde im Februar bei Sotheby’s in London für 36,3 Millionen Euro versteigert; Abb.: Sotheby’s London

ang / Künstler / Medium / Punkte / Galerie / Rang 2014

1 / Gerhard Richter (1932, D) / Malerei / 129600 / Goodman / 1

2 / Bruce Nauman (1941, USA) / Mixed Media / 103870 / Fischer / 2

3 / Rosemarie Trockel (1952, D) / Mixed Media / 85800 / Sprüth Magers / 3

4 / Georg Baselitz (1938, D) / Malerei / 78850 / Ropac / 4

5 / Cindy Sherman (1954, USA) / Fotokunst / 73680 / Sprüth Magers / 5

6 / Anselm Kiefer (1945, D) / Malerei / 65910 / Ropac / 6

7 / Olafur Eliasson (1967, DK) / Skulptur, Installation / 62600 / Neugerriemschneider / 7

8 / William Kentridge (1955, ZA) / Zeichnung, Film / 58144 / Goodman / 8

9 / Richard Serra (1939, USA) / Skulptur / 57870 / m / 9

10 / Pipilotti Rist (1962, CH) / Video-Art / 55350 / Hauser & Wirth / 10

11 / Andreas Gursky (1955, D) / Fotokunst / 55020 / Sprüth Magers / 11

12 / Jeff Koons (1955, USA) / Malerei, Objektkunst / 54940 / Hetzler / 13

13 / Tony Cragg (1949, GB) / Skulptur / 52900 / Ropac / 25

14 / Thomas Ruff (1958, D) / Fotokunst / 52000 / Johnen / 14

15 / Thomas Schütte (1954, D) / Skulptur / 51650 / Fischer / 12

16 / Imi Knoebel (1940, D) / Malerei, Installation / 51260 / Grässlin / 21

17 / Lawrence Weiner (1942, USA) / Konzeptkunst / 50150 / Fischer / 18

18 / Douglas Gordon (1966, GB) / Video-Art / 49780 / Presenhuber / 17

19 / John Baldessari (1931, USA) / Fotokunst / 49610 / Sprüth Magers / 15

20 / Jasper Johns (1930, USA) / Pop-Art / 49400 / Matthew Marks / 24

21 / Christian Boltanski (1944, F) / Installation / 49120 / Kewenig / 16

22 / Maurizio Cattelan (1960, I) / Objektkunst / 49030 / Goodman / 19

23 / Bill Viola (1951, USA) / Video-Art / 48980 / Kukje / 20

24 / Francis Alÿs (1959, B) / Mediale Kunst / 48630 / Kilchmann / 22

25 / Paul McCarthy (1945, USA) / Objektkunst / 47800 / Hauser & Wirth / 27

26 / Jeff Wall (1946, CDN) / Fotokunst / 47780 / Schöttle / 31

27 / Claes Oldenburg (1929, USA) / Pop-Art / 47490 / Cooper / 23

28 / Matthew Barney (1967, USA) / Installation / 46950 / Gladstone / 28

29 / Damien Hirst (1965, GB) / Malerei, Objektkunst / 46580 / White Cube / 29

30 / Mona Hatoum (1952, GB) / Performance / 45930 / White Cube / 34

31 / Fischli / Weiss (1952 /46, CH) / Mixed Media / 45800 / Sprüth Magers / 26

32 / Christo / Jeanne-Claude (1935 /35, USA) / Aktionskunst / 45380 / Juda / 30

33 / Thomas Demand (1964, D) / Fotokunst / 45320 / Sprüth Magers / 32

34 / Thomas Hirschhorn (1957, CH) / Installation / 45080 / Arndt / 39

35 / Thomas Struth (1954, D) / Fotokunst / 44700 / Hetzler / 33

36 / Ilya & Emilia Kabakov (1933 /45, RUS) / Installation / 44500 / Ropac / 38

37 / Neo Rauch (1960, D) / Malerei / 43980 / Eigen + Art / 40

38 / Gilbert & George (1943 /42, GB) / Malerei / 43750 / White Cube / 35

39 / Jenny Holzer (1950, USA) / Kritische Kunst / 43640 / Sprüth Magers / 37

40 / Daniel Buren (1938, F) / Konzeptkunst / 43110 / van der Koelen / 41

41 / Pierre Huyghe (1962, F) / Mixed Media / 41380 / Schipper / 49

42 / Tobias Rehberger (1966, D) / Installation / 40900 / Grässlin / 45

43 / Carsten Höller (1961, D) / Installation / 40830 / Gagosian / 42

44 / Dan Graham (1942, USA) / Installation / 40710 / Hauser & Wirth / 44

45 / Isa Genzken (1948, D) / Mixed Media / 40600 / Buchholz / 57

46 / Ai Weiwei (1957, CN) / Kritische Kunst / 40500 / Neugerriemschneider / 52

47 / Marina Abramović (1946, SRB) / Performance / 40380 / Krinzinger / 50

48 / Günther Uecker (1930, D) / Zero / 40240 / Storms / 55

49 / Ed Ruscha (1937, USA) / Pop-Art / 40200 / Sprüth Magers / 36

50 / Ellsworth Kelly (1923, USA) / Malerei / 40160 / Matthew Marks / 43

 

Quelle: Zeitkunstverlag

Veröffentlicht unter Home

Zwischen Aufklärung und Romantik

Zeichnungen, Aquarelle und Ölstudien aus der Gründungszeit des Hessischen Landesmuseums Darmstadt

Mit Schöpfung des Darmstädter Museums zwischen 1790 und 1830 wurde der Grundstock der Graphischen Sammlung angelegt mit beachtlichen Beständen an Dürer- und Rembrandt-Graphik und Altmeisterzeichnungen vom 15. bis 18. Jahrhundert. Zugleich unterstützte der Museumsgründer Großherzog Ludewig I. die Künstler seines Landes. Ganz selbstverständlich führte dies dazu, die damals zeitgenössische Kunst, also die Romantiker, zu sammeln und junge Talente zu fördern. Manches schenkten die Maler selbst als Dank oder um eine Unterstützung zu erlangen, man erwarb das eine oder andere Blatt und früh schon ganze Nachlässe. Zwar waren die finanziellen Möglichkeiten beschränkt, was gezielte Wunschkäufe selten erlaubte, doch verhalfen vielfältige Faktoren, Zufälle und glückliche Fügungen der Darmstädter Graphischen Sammlung im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem beachtlichen Romantiker-Bestand von über 3800 Werken.

Die Zeichnung kann als die eigentliche Ausdrucksform des romantischen Künstlers gelten. In ihr vereinigten sich die verschiedenartigsten weltanschaulichen Strömungen. Quellen waren die Bibel, Homer und Dante, die Nibelungen, Minnegesang und Volkslied, die Kunst der Antike, die Malerei des Quattrocento, Raffael, Poussin und Lorrain, aber auch altdeutsche und altniederländische Malerei.

Mit 120 Exponaten legt die aktuelle Ausstellung Schneisen durch den vorhandenen Bestand und geht damit über das Regionale hinaus. „Zwischen Aufklärung und Romantik“  gibt in sieben Kapiteln Einblick in die wesentlichen Aufgaben, Werkformen und Charakteristika romantischer Zeichenkunst.

1) Bildniszeichnungen

In der privaten Werkform der Porträtzeichnung hatten sich die Künstler in Stil und Funktion an der altdeutschen Bildnisgraphik orientiert und einerseits dem romantischen Freundschaftskult gehuldigt, sich andererseits aber auch in die humanistische Tradition und deren Vorstellung vom hohen Ethos des Menschen gestellt. Die Porträts waren Konterfeis von Gleichgesinnten im Geiste. Beispielhaft verschmolzen darin tiefe Einfühlung und ausdrucksvoll klarer Strich.

2) Studien

Gerade weil es in Darmstadt keine Kunstakademie gab, konnten und sollten die Museumssammlungen als Akademieersatz fungieren. Die großherzoglichen Sammlungen boten Studienobjekte mit Gipsen und Kopien antiker Skulpturen sowie aus Wachs geformte Fragmenten des menschlichen Körpers, aber auch Kupferstiche und Handzeichnungen aus der Graphischen Sammlung. Die Studien sind selten eigenständige Zeichnungen sondern Schritte im künstlerischen Werkprozess zur Klärung und Vorbereitung einer Bildidee. Aufschlussreich sind die neuen Sichtweisen, die die Zeichnungen erkennen lassen.

3) Christliche und weltliche Historie

Den historischen Bildideen zu Grunde lag die Sehnsucht nach geordneten Verhältnissen und die Heilssuche im Christentum und Mittelalter. Als Grundtenor der Historiendarstellungen der frühen Romantik kann die erlebnishafte Erzählweise gelten. Alltägliche Erfahrungen oder menschliche Grenzsituationen liefern die Verbindung und es finden sich in biblischen wie historischen Darstellungen auch Anspielungen auf aktuelles Zeitgeschehen.

4) Sage und Literatur

Durch die nach den Napoleonischen Kriegen aufgekommenen patriotischen Strömungen erfolgte eine Hinwendung zum nationalen Sagenschatz. Die in einer mittelalterlichen Welt angesiedelten Dichtungen der Sagen und Märchen von Achim von Arnim, Clemens Brentano und den Brüdern Grimm waren eine der wichtigsten Quellen für die Entfaltung der Bildphantasie.

5) Regionale Landschaft

Leichter als in der Malerei entzogen sich die Künstler in der Zeichnung und dem Aquarell sowie der Lavierung in Tusche und Sepia den Stilzwängen und Konventionen. Von ihren Reisen brachten die Künstler nicht nur Fremdes mit, sondern sie lernten – wie ihre Zeichnungen und Aquarelle überzeugend belegen – auch ihre Heimat, Darmstadt, die Landschaften der Bergstraße und des Odenwaldes und ihre bäuerlichen Bewohner, neu zu sehen.

6) Italienische Landschaft

Das klassische Reiseland war seit jeher Italien und das vornehmste Ziel Rom. Unter Ludwigs Regentschaft etablierte sich für die Darmstädter Künstlerschaft ein regelrechtes Romprogamm in Form von Reisestipendien. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der „Traum vom Süden“ zunehmend auch zum Gegenbild der Darmstädter Enge und bedrückenden Realität der napoleonischen Zeit.

7) Architekturzeichnungen

Früh bestand in Hessen-Darmstadt ein Verständnis für die Erhaltung und Pflege der vaterländischen Altertümer. Denkwürdig bleibt, dass Großherzog Ludewig I. am 22. Januar 1818 die erste Denkmalschutzverordnung in Deutschland erließ und Georg Moller zum Denkmalpfleger ernannte. Im Darmstädter Bestand finden sich etliche programmatische Architekturzeichnungen Mollers und seiner Schüler.

Resumée

Die Ausstellung „Zwischen Aufklärung und Romantik“ spiegelt die Vielfalt eines Sammelgebietes, das seit Ende des 18. Jahrhunderts in Darmstadt mit liebevoller Sachkenntnis gepflegt wurde. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung den Geist einer Epoche, die poetische Empfindung mit eindringlicher Beobachtung der Wirklichkeit vereint.

Es erscheint ein Katalog im Kehrer-Verlag Heidelberg mit vertiefenden Texten und Kommentaren zu den Exponaten, sämtliche in farbigen Abbildungen, 312 Seiten, Preis in der Ausstellung 28,00 Euro (dieselbe Ausgabe im Buchhandel 39,90 Euro).

 

NEZAKET EKICI – ALLES, WAS MAN BESITZT, BESITZT AUCH UNS

PERFORMANCE, INSTALLATIONEN, VIDEOS

Die Performancekünstlerin Nezaket Ekici (*1970 Kirsehir, Türkei) wird im Sommer das gesamte Haus am Waldsee mit Installationen und Videodokumentationen ihrer Performances bespielen. Mit „Alles, was man besitzt, besitzt auch uns“ wird die mehrfach ausgezeichnete, international agierende Meisterschülerin von Marina Abramović in einem ersten institutionellen Überblick in Berlin vorgestellt.

Seit knapp fünfzehn Jahren verfolgt Ekici in ihrer Arbeit performative und partizipatorische Strategien. Dabei stellt sie sich dem Bild der Frau und Künstlerin zwischen den Kulturen. Unweit von Ankara geboren, im engen Kreis ihrer türkischen Familie in Deutschland aufgewachsen, geht sie in allen ihren Projekten an die Grenze des physisch Möglichen: Wenn sie einen Tschador tragend, vor dem Publikum kopfüber hängt und Tagebucheintragungen, Zeitungsartikel und Texte aus dem Koran liest („Permanent Words“, 2009), wenn sie tagelang öffentlich Wände, Boden, Möbel und Zimmerdecken beküsst, um ihre Wertschätzung für das Übersehene, Naheliegende, Liebgewonnene, Intime auszudrücken („Emotion in Motion“, 2000). Immer bringt sich die Künstlerin mit radikaler Hingabe körperlich ein. Auch, wenn sie sich über 30 Minuten wie ein Derwisch in einem Blütenmeer um die eigene Achse in Trance dreht („Wirbelrausch“, 2008).

In anderen Arbeiten interpretiert Ekici Gemälde der europäischen Kunstgeschichte („Short but Hurting“ 2007 nach „Judith und Holofernes“, Michelangelo Caravaggio, 1598) oder nimmt Tabus und tradierte Rituale der muslimischen Welt ins Visier, wenn sie sich zum Beispiel mit Justizias Augenbinde, im schwarzen Negligé und gelben Gummihandschuhen in Schweinefleisch suhlt und damit versucht, religionsübergreifende Perspektiven aufzureißen („Flesh, (No Pig but Pork)“, 2011).

Die gezeigten Arbeiten werden mit der Funktionen der ehemaligen Wohnräume im Ausstellungshaus in Beziehung gesetzt. So werden in der Eingangshalle Fotografien aus Ekicis Familiengeschichte zu sehen sein. Das anschließende ehemalige Damenzimmer wird als Jugendzimmer umfunktioniert. In „Emotion in Motion“ wird es von der Künstlerin in einer mehrtägigen Aktion beküsst, bemustert, in Besitz genommen. Die Dokumentation der Arbeit wird als Video in der Installation zu sehen sein.

„Wirbelrausch“ (2008) wird in den Wintergarten einziehen und sich dort dem Gedanken der universellen Liebe widmen. „Lifting a Secret“ (2007) wird als Kaffeesalon im ehemaligen Herrenzimmer zu sehen sein. Eine durch Kaffee gefärbte Wandbeschriftung aus Vaseline wird sichtbar, ein türkisches Eheanbahnungsritual wird nachvollziehbar. Im nächsten Raum wird eine große Festtafel 99 Teller mit 99 Perlen tragen, die als Perlen eines Rosenkranzes 99 Gebote Pflichten und Verbote unterschiedlicher Religionen versinnbildlichen und am Eröffnungsabend von der Künstlerin in einer Performance ins Bild gesetzt wird. („99 Commandments”, 2013 )

Zu jedem Haus gehört ein Teppich. In diesem Fall handelt es sich um einen Wandteppich im ehemaligen Speisezimmer. Das ornamentale Raster ergibt sich aus einer multiplizierten Fotografie, die die Künstlerin während einer Performance 2011 wiedergibt: „Living Ornament Carpet“. Im Obergeschoss wird es eine Badewanne mit Videoprojektion, eine Küche mit einer interaktiven Gemüseperformance sowie eine Arbeit zu sehen geben und eine Arbeit, in der mehrere Mitglieder des Freundeskreises des Hauses am Waldsee als Gäste unter Anleitung der Künstlerin auftreten und Privates in den öffentlichen Raum des Ausstellungshauses tragen. Schließlich wird Ekici im Außenbereich eine neue Arbeit im Waldsee konzipieren. Die Performance wird zur Eröffnung aufgeführt und in einer eigenen Installation im Haus als Videodokumentation vorgestellt.
Die Schau wird durch zahlreiche Veranstaltungen wie dialogische Führungen, Live Performances, Künstlergespräch, Künstleressen abgerundet.

Es erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch im Verlag Walther König.

 

Ausstellung Nezaket Ekici und Katja Blomberg

Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds, das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin; aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten; Freunde und Förderer des Hauses am Waldsee e.V.

Videokünstler Isaac Julien zu Biennale di Venezia eingeladen

Isaac Julien, der an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe lehrt und die eng verbundene
Nachbarinstitution, das ZKM | Karlsruhe schon mehrfach als Ort der Präsentation wählte, ist zur 56. Ausgabe
der Biennale di Venezia eingeladen.

Seine raumgreifenden Installationen wurden bereits im Rahmen von mehreren Themenausstellungen wie
„Future Cinema“ (2002/03), die neue kinematographische Verfahren und Ausdrucksverfahren vorwegnahm,
im ZKM gezeigt. Im Rahmen der Schau „Fast Forward 2. The Power of Motion“ (2010) präsentierte Julien
die autobiografische Videoinstallation „Paradise Omeros“ auf drei Projektionsleinwänden. Das ZKM freut
sich sehr, dass Isaac Julien, der in Karlsruhe seit mehreren Jahren wirkt, in Venedig seine neueste Arbeit
vorstellt. „Isaac Julien war einer der ersten, der Videokunst und narrativen Film zu einer neuen fruchtbaren
Synthese zusammenführte.“ (Peter Weibel)

Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode

Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode

Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Textilwirtschaft und soll dazu anregen, sich engagierter mit den Themen Mode und Konsum zu beschäftigen. Fast Fashion ist die erste Ausstellung, die sich umfassend, differenziert und kritisch mit dem System der Bekleidungsindustrie und den sozioökonomischen und ökologischen Folgen auseinandersetzt. Sie beleuchtet das globale Dreieck von Konsum, Ökonomie und Ökologie unter verschiedenen Aspekten: Fashion & Victims, Mangel & Überfluss, Global & Lokal, Lohn & Gewinn, Bekleidung & Chemie, Bekleidung & Ökobilanz. Im Slow Fashion-Labor stellt sie unter den Stichworten ‚Nachhaltige Fasern‘, ‚Tierische Fasern‘, ‚Innovative Technologien‘ sowie ‚Transparenz schaffen‘ alternative Möglichkeiten für nachhaltige Mode sowie relevante Textilsiegel vor. Die Besucher erhalten einen Einblick, wie der ethisch vertretbare Kleiderschrank von morgen aussehen könnte und welchen Einfluss der Konsument durch seine Kaufentscheidung nehmen kann. Die Ausstellung bündelt die aktuellen Diskussionen zu diesem komplexen Thema. Eine eigens entworfene Szenografie übersetzt die aktuell recherchierten Informationen und Hintergründe in eine nachvollziehbare visuelle Ordnung: Der Parcours führt die Besucher durch den gesamten Konsumprozess vom Laufsteg über Fotostudio, Litfass-Säule und Schaufenster bis zur Umkleidekabine. Erstmals bringt die Ausstellung unterschiedlichste Fachleute zusammen, die sich mit den ökologischen, ökonomischen, ethischen, sozialen und gestalterischen Zusammen-hängen auseinandersetzen. Ihr Wissen ist zusammengefasst in 30 Fachessays in einem Magalog (einem Katalog im Magazinformat), der den Besuchern als Bestandteil der Ausstellung weiterführende Informationen bietet.

Der Begriff Fast Fashion steht für ein spezifisches Produktions- und Vertriebssystem für massenproduzierte Modewaren, die häufig von High End-Entwürfen kopiert und weltweit zu Niedrigpreisen verkauft werden. Fast Fashion bedeutet auch Beschleunigung: für die Globalisierung des modischen Mainstreams, für Produktion und Handel (möglich ist ein Zeitraum von zwei Wochen vom Entwurf bis zur Auslieferung des Produkts), für den Gebrauch und Verschleiß von Kleidung. In der Hierarchie der Mode ist die Fast Fashion am unteren Ende angesiedelt, nach der Haute Couture, der Prèt-a-Porter Mode und der Konfektionsware im mittleren Preissegment. Die Fast Fashion hat außerdem einen neuen Typus des schnellen Modekonsumenten hervorgebracht. Sie ist zu einem ökonomischen Erfolgsmodell geworden. Die steigenden wirtschaftlichen Profite gehen jedoch zu Lasten der ökologischen und sozialen Systeme. Die Fast Fashion-Industrie besitzt eine denkbar schlechte Umweltbilanz und gehört zu den Branchen mit teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen und Löhnen unterhalb des Existenzminimums.

Als Gegenmodell zur Fast Fashion gewinnt die Slow Fashion-Bewegung zunehmend an Bedeutung. Sie fordert Produzenten und Konsumenten zu mehr Verantwortung und Respekt gegenüber Mensch, Umwelt und Produkten heraus. Die zentralen Ziele der Slow Fashion sind Entschleunigung, die umweltschonende Herstellung und Auswahl der Rohstoffe, fairer Handel, eine nachhaltige Produktion und hochwertige Verarbeitung. Angelehnt an andere „Langsam“-Bewegungen wie Slow Food besitzen die Produkte oftmals eine regionale Herkunft mit kurzer Produktionskette. Die einzelnen Schritte von der Faser bis zur Verarbeitung sind sichtbar. Dabei wird auf Chemie möglichst verzichtet.

Die Modewelt wird beherrscht von global agierenden Konzernen, die nach dem Prinzip der Fast Fashion operieren. Sie bedienen die Sehnsucht nach dem immer Neuen, in dem sie in kürzester Zeit immer schneller Kollektionen auf den Markt bringen. Die Preispolitik erlaubt es den Kunden, sich häufiger als notwendig neue Kleidung zu kaufen. Diese Industrie ist eine der Wichtigsten in der globalen Wirtschaft. 90 Prozent der Bekleidung für den amerikanischen und europäischen Markt wird in Billiglohnländern wie China, Indien, Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha kostengünstig produziert. Als Pionierin hilft die Textilbranche, weltweit Arbeitsplätze zu schaffen und damit die Sicherung und Steigerung der Lebenssituation der Menschen in Entwicklungsländern voranzutreiben. Andererseits herrschen an den Produktionsstandorten oft inhumane Arbeitsbedingungen. Sicherheitsstandards werden oft nicht eingehalten. Die Löhne liegen in der Regel unterhalb des Existenzminimums. Bei der Preiskalkulation eines Kleidungsstücks entfallen maximal ein bis zwei Prozent auf den Lohn für die Textilarbeiter.

Die Herstellung von Bekleidung geht mit einem enormen Ressourcenverbrauch und einer nicht zu unterschätzenden Umweltbelastung einher. Bei der Rohstoffgewinnung, auf dem Transport, in der Gebrauchsphase und bei der Entsorgung werden viel Wasser und thermische Energie benötigt. Beim Baumwollanbau kommen Pestizide zum Einsatz. Im weiteren Verlauf der textilen Kette werden im Produktions- und Verarbeitungsprozess etwa 7.000 unterschiedliche Chemikalien eingesetzt, um die Kleidung mit bestimmten ästhetischen oder funktionalen Eigenschaften (von sandgestrahlter Jeans bis Outdoor- oder Wellnesskleidung) zu „veredeln“.

Vor diesem Hintergrund stellt die Ausstellung viele Fragen: Bedeutet Fast Fashion eine Demokratisierung der Mode? Ermöglicht der globale Mainstream der Fast Fashion tatsächlich ein Ausleben der Individualität? Wie kann es sein, dass ein T-Shirt heute weniger kostet als ein großer Kaffee, ein Kleid so viel wie ein Eisbecher, eine Hose so viel wie ein Kinoticket? Was sagt dies über die Qualität und die Wertschätzung von Mode aus? Ist Fast Fashion umwelt- und sozialverträglich, wenn sie um die halbe Welt transportiert werden muss, bevor sie im Laden verkauft wird? Wer sind die eigentlichen Fashion Victims? Welche Verantwortung tragen die Konsumenten, und was können sie tun, um etwas zu verändern?

Beteiligte Künstler: Taslima Akhter, Susanne A. Friedel, Christin Losta, Tim Mitchell, Elisa van Joolen, Manu Washaus, Paolo Woods

Magalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Magazinformat, herausgegeben von Sabine Schulze und Claudia Banz, mit Beiträgen von Claudia Banz, Marina Beermann, Jamil Bhuiyan, Marc Brandt, Kirsten Brodde, Ina Budde, Stephan Engel, Sabine Franke, Anke Hagemann, Patrick Kugler, Bettina Musiolek, Lucy Norris, Ralph Pirow, Angelika Riley, Frank Schmidt, Marijke Schottmer, Carolin Wahnbaeck, Waltraud Waidelich, Friederike von Wedel-Parlow, Miriam Wolf und Brigitte Zietlow, ca. 200 Seiten, ca. 35 farbige Abbildungen und ca. 20 Grafiken, 6,50 Euro.

Website, BLOG und Begleitprogramm: Die Website zur Ausstellung www.fastfashion-dieausstellung.de bietet zahlreiche weiterführende Informationen zur Ausstellung. Der BLOG www.stilbrise.de inspiriert zum weltbewussten Umgang mit Mode, präsentiert Besucherlooks, Statements, faire Labels und bietet Informationen zu originellen Alternativen. Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung gibt es eine „Fair Fashion Tour“ zu nachhaltig produzierenden Hamburger Modelabels, einen Ideenmarkt für „Fair Fashionistas“ mit Tipps und Workshops zum Re- und Upcycling und vielem mehr.

Die Ausstellung Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wird gefördert von der Karin Stilke Stiftung und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Anschließend wird sie von Dezember 2015 bis Mai 2016 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden gezeigt.

Kuratorin: Dr. Claudia Banz,

www.fastfashion-dieausstellung.de

Robert Frank – Books and Films 1947-2014

Robert Frank (*1924, lebt in New York und Mabou) gehört zu den einflussreichsten Fotografen des 20 Jahrhunderts. Das Museum Folkwang richtet in der Schau „Robert Frank. Books and Films, 1947–2014“ den Blick auf die vielen, publizierten Bücher und Manuskripte dieses Revolutionärs der subjektiven Dokumentarfotografie; außerdem wird Franks filmisches Werk vollständig gezeigt.

Die Fotografien aus Robert Franks Büchern werden zusammen mit einer Auswahl von bislang noch nicht ausgestellten Kontaktabzügen per Acryl-Inkjetdruck auf bis zu vier Meter lange Zeitungspapierbahnen gedruckt und dann direkt an die Wände geklebt. Mit diesem Präsentationskonzept will Frank selber der Musealisierung seines Werks entgegentreten: „Cheap, quick, and dirty, that’s how I like it!“. Darüber hinaus wird parallel zur Ausstellung die seltene Serie „From the Bus“ (1958) aus dem Bestand des Museum Folkwang gezeigt, die Franks Abschied von der Street Photography und seinen Übergang zum Film markiert.

Gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe, vertreten durch die Sparkasse Essen und den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

 

Alibis: Sigmar Polke. Retrospektive

Sig­mar Polke – 1941 in Oels (Sch­le­sien) ge­boren und 2010 in Köln ges­tor­ben – ge­hört zu den be­deu­tend­sten Kün­stlern der Ge­gen­wart. Die Ausstel­lung präsen­tiert Werke von 1963 bis 2010. Sig­mar Polke hatte sich selbst im­mer allen kun­sthis­torischen Ei­nord­nun­gen zu entzie­hen ver­sucht. In sein­er er­sten posthu­men Ret­ro­spek­tive, die nach New York und Lon­don vom 14. März 2015 an im Mu­se­um Lud­wig in Köln gezeigt wird, wer­den da­her zum er­sten Mal alle kün­st­lerischen Me­di­en berück­sichtigt, mit de­nen Polke Zeit seines Lebens in­ten­siv ar­beit­ete.

 

JUKEBOX. JEWKBOX!

EIN JÜDISCHES JAHRHUNDERT AUF SCHELLACK UND VINYL

Ende des 19. Jahrhunderts veränderte der deutsch-jüdische Emigrant Emil Berliner die Welt.
Mit seiner Erfindung des Grammophons und der Schallplatte hat das Zeitalter der Massenunterhaltung ihr erstes Medium gefunden, das Medium des 20. Jahrhunderts.
„Jukebox. Jewbox! Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack und Vinyl“ widmet sich der Geschichte dieses Mediums und der Geschichte globaler Popkultur.
Die Schallplatte war gleichzeitig Ausdruck von persönlicher Identität und Gegenstand eines Rituals. Auch die jüdische Erfahrung hat auf Schallplatten ihren Ausdruck gefunden, von der Verwandlung synagogaler Musik in bürgerlichen Kunstgenuss bis zur Neuerfindung jüdischer Folkmusik, vom Erfolg jiddischer Theaterlieder auf dem Broadway bis zur Rebellion des Punk.
Die Geschichte der Schallplatte ist auch eine Geschichte jüdischer Erfinder, jüdischer Songwriter, Komponisten, Musikproduzenten und Musiker. Ihre Musik, der Sound des 20. Jahrhunderts, war nicht immer „jüdische“ Musik – aber immer auch ein Produkt jüdischer Geschichte.
„Jukebox. Jewkbox!“ führt von den ersten Grammophonen und Schellackplatten bis zur Auflösung des Mediums im Internet. Eine Entdeckungsreise voller Überraschungen, begleitet von persönlichen Erzählungen über Schallplatten, die manches Leben verändert haben.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Hohenems realisiert.

Kurator: Hanno Loewy, Jüdisches Museum Hohenems
Ausstellungsgestaltung: atelier stecher, Götzis

Katalog zur Ausstellung:
Jukebox. Jewkbox! Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack und Vinyl.
Herausgegeben von Hanno Loewy im Auftrag des Jüdischen Museums Hohenems in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum München
BUCHER Druck Verlag Netzwerk, Hohenems, 2014, 311 Seiten, 29,90 Euro
ISBN: 978-3-99018-296-3 (Deutsche Ausgabe)
ISBN: 978-3-99018-297-0 (Englische Ausgabe)

Jahrhundertzeichen

Tel Aviv Museum of Art visits Berlin – Kunst der Moderne und Gegenwart

Aus Anlass des 50jährigen Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik entsendet das Tel Aviv Museum of Art 72 Kunstwerke erstmals nach Europa, nach Berlin. Es werde Werke aus den Bereichen Moderne Kunst, Grafik und Israelische Kunst gezeigt. Viele sind beispielhaft für wichtige künstlerische Strömungen des 20. Jahrhunderts. Arbeiten von Künstlern wie Alexander Archipenko, Max Beckmann, Marc Chagall, Edgar Degas, Erich Heckel, Alberto Giacometti, Wassily Kandinsky, Jackson Pollock, Ludwig Meidner, Pablo Picasso, Mark Rothko, Egon Schiele und Lesser Ury sind zu sehen. Den Klassikern werden kontrapunktisch Video- und Installationskunst israelischer Künstlerinnen und Künstler gegenübergestellt. Der Dialog zwischen klassischer Moderne und zeitgenössischer israelischer Medienkunst ist Teil des kuratorischen Konzeptes.