56. Biennale Venedig 2015

Die 56. Internationale Kunstausstellung der Biennale Venedig beginnt in diesem Jahr ausnahmsweise schon einen Monat früher, am 9. Mai 2015.

Ausstellungstitel:  All the World’s Futures
Kuratiert von Okwui Enwezor,

Teilnehmer:136
Orte: Arsenale und Zentraler Pavillon, Giardini.
Pavillons und Ausstellungen:
90 nationale Präsentationen und 44 offiziell anerkannte kollaterale Veranstaltungen.

„Wie war mein Leben stark in Leidenschaft“

Käthe Kollwitz in Photographien und Selbstzeugnissen
Eine Ausstellung anlässlich des 70. Todestages der Künstlerin
und des 30jährigen Bestehens des Käthe Kollwitz Museum Köln

Käthe Kollwitz zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Weltbekannt sind ihre Zeichnungen, Druckgraphiken oder Skulpturen, die in bisweilen düster-existenzieller Anmutung zu zeitlosen Ikonen gegen den Krieg und für die Menschlichkeit geworden sind.

Noch heute ist die Annahme weit verbreitet, dass aufgrund der bitteren Töne in ihrem Werk auch das Leben der Künstlerin von Trauer und von Bitterkeit geprägt gewesen sei. Kaum bekannt ist jedoch jene andere ‚private‘ Käthe Kollwitz, die von sich sagte, „immer verliebt“ zu sein, und die auch als Bohemien das Leben in all seinen schillernden Facetten genoss. Eine Kollwitz, die als Mutter und Großmutter liebevoll auf ihre Kinder und später ihre Enkelkinder blickte. Eine Kollwitz, die sich danach sehnte, aus bürgerlichen Konventionen auszubrechen, Ehe und Treue in Frage stellte, aber letztlich ein Leben lang ihrem Mann Karl, vor allem im Alter, tief verbunden war.

Die von Sonya und Yury Winterberg, den Autoren der neu erschienenen Lebensgeschichte „Kollwitz – Die Biographie“ konzipierte Ausstellung wurde von dem vielfach ausgezeichneten Berliner Graphiker Raban Ruddigkeit gestaltet. Ergänzt wird die Schau durch neue, spektakuläre und noch nie ausgestellte Entdeckungen aus dem Frühwerk der Künstlerin. Weitere Glanzlichter sind die Neuerwerbungen der Kölner Kollwitz Sammlung aus den letzten fünf Jahren.

Otto Mueller – Einklang und Anmut

Otto Mueller (1874-1930) gilt als einer der wichtigsten Künstler aus der Zeit des deutschen Expressionismus. Der sensible Individualist hatte früh seine bevorzugten Themen gefunden: stimmungsvolle Portraits, träumerisch-entrückte Figurenbilder und atmosphärische Ansichten von Akten in der Landschaft. Als einstiges Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ setzte er seine Kompositionen zwar weniger radikal um als seine Malerfreunde, es einte sie jedoch das kompromißlose Streben nach unmittelbarem Empfinden und künstlerischer Authentizität.

Die Ausstellung im Brücke-Museum stellt mit insgesamt etwa 60 Werken aus der hauseigenen Sammlung, ausgewählte Motivgruppen im Schaffen des Malers in den Mittelpunkt und zeigt damit die entscheidenden Stationen seiner künstlerischen Entwicklung: vom eher symbolistisch geprägten Frühwerk über die Mitgliedschaft in der „Brücke“ und seinen lyrisch-idyllischen Landschaftkompositionen der späten 1910er und frühen 1920er Jahre, bis hin zu seiner eindrucksvollen Reihe von „Zigeunerbildern“, die mit dokumentarisch-schwärmerischem Blick zu den herausragenden Zeugnissen der expressionistischen Druckgraphik zählen.

Im vierten Ausstellungsraum des Hauses sind weiterhin die starkfarbigen Stilleben von Karl Schmidt-Rottluff aus den 1920er bis in die 1960er Jahre zu sehen, die in einem  außergewöhnlichen Kontrast zu den Bildwelten Otto Muellers stehen.

 

VOM GROSSEN UND GANZEN

Die Sammlung Haus N

Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen gibt die Gerisch-Stiftung Einblicke in eine hochkarätige, auf internationale zeitgenössische Kunst ausgerichtete Privatsammlung. Die in Schleswig-Holstein beheimatete Sammlung Haus N des Sammlerpaares Gunda und Peter Niemann umfasst ca. 200 Objekte aller Gattungen und Medien: von Malerei über Skulptur bis Installation, von Fotografie über Grafik bis Video. VOM GROSSEN UND GANZEN zeigt eine repräsentative Auswahl in zwei aufeinanderfolgenden Abschnitten. Bis Ende Juli verschafft der erste Ausstellungsteil einen in vier Themenbereiche strukturierten Überblick mit 65 Werken von 45 Künstlern und Künstlerinnen. Anfang August folgt mit einem kuratorischen Experiment der zweite, individuell präsentierte Ausstellungsteil.

Mit Arbeiten unter anderem von Alexandra Bircken, Thorsten Brinkmann, Olafur Eliasson, Sylvie Fleury, Verena Issel, Sven Johne, Alicja Kwade, Jonathan Monk, Oscar Murillo, Walid Raad, Tobias Rehberger, Santiago Sierra, Katja Strunz, Tatiana Trouvé und Wu Tsang.

 

Conflict, Time, Photography

Radikale Nachdenklichkeit: Ausstellung Conflict, Time, Photography eröffnet unkonventionelle Perspektive auf die Bildgeschichte des Krieges

Conflict, Time, Photography präsentiert die vielfältigen Formen der bildnerischen Auseinandersetzung mit kriegerischen Konflikten im Medium der Fotografie. Fotografen und Künstler wie Don McCullin, Pierre Antony-Thouret, Simon Norfolk, Stephen Shore, Michael Schmidt oder Taryn Simon zeigen Kriegshandlungen und deren Nachwirkungen: Fotografien, die im Moment des Geschehens sowie Tage, Monate, Jahre und Jahrzehnte nach dem jeweiligen Ereignis aufgenommen wurden. Die großangelegte Gruppenausstellung will keine Geschichte der Kriegsfotografie oder der Fotografie in Kriegszeiten sein; sie fragt vielmehr nach den Möglichkeiten und Strategien der fotografisch-künstlerischen Bewältigung von Krieg und Gewalt. Gezeigt werden in 13 Räumen rund 125 Werke, insgesamt aber mehr als 800 Exponate aus der Zeit zwischen 1855 bis 2013.

 

Die Ausstellung – in Kooperation mit der Tate Modern, London – fasziniert durch die überraschende Anordnung ihres Material: Die fotografischen Reportagen und künstlerischen Arbeiten, die Kriegsereignisse und ihre Schauplätze, ihre sichtbaren Folgen und sozialen Nachwirkungen in den Blick nehmen, werden zunächst ausschließlich nach dem zeitlichen Abstand zum Geschehen bemessen und gegliedert: beginnend bei der Augenzeugenschaft der im Frontgebiet anwesenden Fotografen über die Dokumentaristen und Spurensucher des 19. Jahrhunderts bis hin zu den Erinnerungsarbeiten des 20. und frühen 21. Jahrhunderts, die Jahrzehnte später diese Orte aufsuchen.

Eindrucksvoll eingerichtet ist der zentrale Raum Archive of Modern Conflict. Das Londoner Archiv konzipierte aus seinen umfangreichen Sammlungen historischer Fotografien, Objekte, Drucksachen und Manuskripte eine Präsentation, die private Aufnahmen, offizielle Bilder, historische Ausrüs-tungsgegenstände und weitere Objekte aus den Jahrzehnten des Ersten und Zweiten Weltkriegs zu einer multimedialen Installation zusammenführt.

 

Für Essen wird die Ausstellung aus London um eine Sektion erweitert, die der Berichterstattung über das Ruhrgebiet unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist. Lokal und regional ansässige Fotografen wie Willy van Heekern, Ruth Hallensleben und Albert Renger-Patzsch, ebenso wie auswärtige Bildjournalisten, unter anderem René Burri und Margaret Bourke-White, haben damals ihren Blick auf die kriegszerstörten Städte und ihre Bewohner gerichtet. Ihre Aufnahmen lassen nicht nur sehr verschiedene Perspektiven erkennen, sondern auch die unter-schiedlichen Zielsetzungen, die mit den fotografischen Bildberichten verbunden waren. Auf der einen Seite der Blick auf die Leiden der Zivilbevölkerung in den zerstörten Städten, auf der anderen Seite eine kritische Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft, die sich mit den Folgen der NS-Kriegspolitik konfrontiert sah.

Beteiligte KünstlerInnen:

Anonym, Jules Andrieu, Pierre Antony-Thouret, Nobuyoshi Araki, George N. Barnard, Margaret Bourke-White, Frank Breuer, Adam Broomberg & Oliver Chanarin, René Burri, Hermann Claasen, Luc Delahaye, Chloe Dewe Mathews, Ken Domon, Matsumoto Eiichi, Hugo Friedrich Engel, Roger Fenton, Toshio Fukada, Jim Goldberg, Ruth Hallensleben, Willy van Heekern, Rudolf Herz, Dieter Hinrichs, Kenji Ishiguro, Kikuji Kawada, János Kender  &  Harry Shunk, Peter Kleu, An-My Lê, Jerzy Lewczyński, Emeric Lhuisset, Agata Madejska, Diana Matar, Don McCullin, Susan Meiselas, Angela Milden, Simon Norfolk, João Penalva, Richard Peter, Walid Raad, Jo Ractliffe, Albert Renger-Patzsch, Sophie Ristelhueber, Gorge Rodger, Julian Rosefeldt, August Sander, Hrair Sarkissian; Michael Schmidt, Karl Hugo Schmölz, Ursula Schulz-Dornburg, Indrė Šerpytytė, Stephen Shore, Wolf, Strache, Taryn Simon, Josef Stoffels, Shomei Tomatsu, Hiromi Tsuchida, Nick Waplington, Franz Wiese, Jane & Louise Wilson, Sasaki Yuichiro

Eine Ausstellung der Tate Modern, London in Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang, Essen, und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe, vertreten durch die Sparkasse Essen und den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

 

 

 

 

 

JOSEF STRAU, KRISTIN OPPENHEIM

JOSEF STRAU
A Turtle Dreaming (…Echoes from an Encapsulated Space Exiled Sounds of Letters Requiring Symphonic Treatment)

Josef Straus experimentelle künstlerische Praxis ist im geschriebenen Wort verankert. In seinen Installationen setzt er den eher zurückhaltenden architektonischen Strukturen häufig große Textmengen entgegen. Wiederkehrende Formen für seine Verbindungen zwischen Text und Objekt sind Pamphlete auf Flohmarktlampen, illuminierte Manuskripte sowie gedruckte und handgeschriebene Texte auf Plakaten und Leinwänden. Die Texte selbst sind zum einen durch das typografische Spiel mit Text und Leerstellen gekennzeichnet, zum anderen durch Straus spezifischen Schreibstil, der schnell und spielerisch seinem Bewusstseinsstrom folgt. Zwischen dem Bedeutenden und Bedeutungslosen changierend, verbindet er alltägliche Geschichten urbaner Szenen mit intimen Offenbarungen und literarischen Motiven.

Strau über seine Ausstellung in der Secession: „Sie ist eine weitere Übung in improvisierter Produktion. Die Schau wird vier Ausstellungen beinhalten, wenngleich jede einzelne nicht in der Form ihrer immer noch fiktiven Vollständigkeit ausgeführt erscheinen wird. Sie werden wirken, als habe man sie mitten in der Produktion plötzlich aufgegeben, entweder wegen eines unterbrochenen Prozesses oder irgendwie metaphorisch, als sei der Künstler irgendwann im Lauf der intensiven Vorbereitungen für seine institutionelle Einzelausstellung verschwunden. Die dadurch entwickelte ‚romantische‘ Art der Unterbrechung oder auch der kompositionellen Form aleatorischer Löschungen, oder genauer, eine Arbeit mit solchen musikalischen oder textuellen Motiven statt mit Themen, bestimmt die Form für alle anderen Produktionsteile, die in der Ausstellung zu sehen sind.“

Josef Strau ist für seine wechselnden Rollen als Galerist, Kurator, Autor, Musiker und Künstler bekannt. Er schreibt nicht nur für die meisten seiner künstlerischen Produktionen, sondern auch für zahlreiche Veröffentlichungen, Kataloge und Zeitschriften. Seine jüngsten Einzelausstellungen waren in der Renaissance Society, Chicago (2014), bei der Liverpool Biennale (2014), im House of Gaga, Mexiko-Stadt (2013, 2010) und in der Greene Naftali Gallery, New York (2012) zu sehen.

Josef Strau, geboren 1957 in Wien, lebt in New York.

Zur Ausstellung erscheint das Künstlerbuch Josef Strau. Turtle Dreaming.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Annette Südbeck

Mit großzügiger Unterstützung der Arbeiterkammer Wien.

KRISTIN OPPENHEIM
Echo

Kristin Oppenheim ist für ihre höchst faszinierenden Soundinstallationen bekannt, die sie seit den 1990er-Jahren in Ausstellungsräumen und im Außenraum präsentiert. Die US-amerikanische Künstlerin verbindet den hypnotisierenden Klang der puren, singenden Stimme mit Video, architektonischen Elementen oder (schwenkbaren) Theaterleuchten. Ihr Interesse an Theater, Performance und Erzählung wird in der spezifischen Form der „Inszenierung“ deutlich, in die das Publikum buchstäblich eintaucht. In diesen „Klangräumen“ thematisiert sie Dinge wie Erinnerung, traumähnliche Zustände, die Anwesenheit der Abwesenheit oder die innere Stimme. Die gespenstische Präsenz der körperlosen Stimme, die Liedfetzen wieder und wieder wiederholt, entfaltet ein Narrativ von großer Suggestivkraft.

Die Künstlerin benutzt die eigene Stimme und andere Klangquellen als Instrument, um eine bestimmte (psychologische) Stimmung zu vermitteln. Sie experimentiert mit Wiederholungen, Echos, Überlagerungen, Tonfall und Lautstärke, um die Wirkung der Soundtracks steuern oder die gewünschte Wahrnehmung einer intimen Situation verstärken zu können. Bei dieser rein auditiven Form der Performance ist der/die Akteur/in nicht anwesend, doch Erzählung und Melodie hallen in der Vorstellung des Publikums nach und schreiben sich dabei in dessen Erinnerung ein.

In ihrer Ausstellung Echo entwirft Oppenheim eine Narration, die sich im Wesentlichen um Schlaf, nächtliches Wachsein, Traumbilder, insgesamt um einen anderen als unseren alltäglichen, auf Funktionsmodus eingestellten Bewusstseinszustand dreht – und dreht und dreht und dreht, wie der kanonartige Gesang in der Soundinstallation Where Did You Sleep Last Night oder die gespenstisch-traumwandlerische Bildwelt der neuen Filminstallation Ultramarine, die in das Unterbewusste einsickern und dort einige Zeit nachwirken könnten.

Anlässlich der Ausstellung erscheint die LP Where Did You Sleep Last Night.

Kristin Oppenheim, geboren 1959 in Honolulu (USA), lebt und arbeitet in New York.

Eingeladen vom Vorstand der Secession
Kuratorin: Jeannette Pacher

DIALOGE 02 Gesellschaftswissenschaften und Kunst

Künstlertourist:

Urban Views, Marion Eichmann und Timo Klein

Eine Ausstellung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und der Schader-Stiftung

 Die Schader-Stiftung und das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigen seit Februar 2007 gemeinsam konzipierte Ausstellungen. In der neuen Ausstellungsreihe „DIALOGE“ möchten die Schader-Stiftung und das HLMD gemeinsam zeitgenössische, jüngere Künstler unter in Kunst und Gesellschaft virulenten thematischen Schwerpunkten präsentieren.

Der erste Themenblock umfasst zwei Ausstellungen zum differenzierten Feld des „Tourismus“.

Nach der ersten Ausstellung „Künstlertourist: Grenzgänge“ zeigt die zweite Ausstellung dieses Themenblocks „Künstlertourist: Urban Views“ Arbeiten von Marion Eichmann und Timo Klein.

Marion Eichmann, geb. 1974 in Essen, studierte Design an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und ist seit 2003 als freischaffende Künstlerin tätig. Eichmann lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Begeisterung für Großstädte führte sie für längere Arbeitsaufenthalte nach Tokyo (2004), New York (2005) und Istanbul (2009).

Timo Klein, geb. 1980, lebt und arbeitet als freier Fotograf in Köln. Ihn zieht es seit 2009 vor allem in die asiatischen Megacities, u. a. nach Hong Kong, Shanghai und Bangkok.

Während Eichmann mit dem Zeichenblock in die Häusermenge und Straßenzüge der Metropolen eintaucht und ihre Eindrücke mit dem Bleistift festhält, entzieht sich Klein den Garküchen, Motogeräuschen und überfüllten Straßen und begibt sich für seine Aufnahmen auf die Dächer der Wolkenkratzer. Ergebnis der künstlerischen Arbeit von Marion Eichmann und Timo Klein sind atmosphärische Zeichnungen und Fotografien, farbige  Collagen und großformatige Installationen, die die urbane Verdichtung der Megacities widerspiegeln.

Konzeption der Ausstellung:

Dr. des. Anja Gerdemann, Dr. Klaus-D. Pohl (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

 

 

 

40 JAHRE | 40 KÜNSTLER | 40 WERKE

40 Jahre Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen

Wir feiern Geburtstag: 40 Jahre Kunstmuseum.
Am 11.6.1975 beschloss der Rat der Stadt Magdeburg den Ausbau des Klosters Unser Lieben Frauen zum Kunstmuseum. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits wichtige Arbeiten zum Wiederaufbau erfolgt, sodass Räume für Ausstellungen und die Besucherbetreuung genutzt werden konnten, insbesondere im Nord- und Westflügel. Man wollte jedoch nunmehr langfristig und von einer kulturpolitischen Konzeption getragen die „einzig-artige Möglichkeit“ nutzen, das mittelalterliche Bauwerk „in- und ausländischen Besuchern zugänglich“ zu machen. Von Anfang an war damit der inhaltliche Anspruch überregional ausgerichtet und darüber hinaus auf Gegenwartskunst fokussiert. Das zeigen in besonderer Weise die Ausstellungen, bis heute. Die Werke der Künstler setzten sich dabei immer wieder in Beziehung zu den modernen und historischen Räumen des Museums. Das war oft einer der Ausgangspunkte für Aufsehen erregende Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die Sammlungen des Kunstmuseums spiegeln die internationale Ausrichtung ebenso deutlich wider, wie die ständige Ausstellung Gegenwartskunst im ehemaligen Refektorium, der sogenannten Oberen Tonne, zeigt.

Wir wollen die 40 vergangenen Jahre Revue passieren lassen und deutlich machen, weshalb das Kunstmuseum Magdeburg heute als einer der renommierten Orte in der Darstellung von Gegenwartskunst in Deutschland wahrgenommen wird.

Die Aufmerksamkeit in der Ausstellung gilt dabei in erster Linie den Sammlungen. Dazu gehören Künstler aus der ehemaligen DDR, wie Werner Stötzer, Wieland Förster, Hartwig Ebersbach, Olaf Wegewitz, Max Uhlig, aber auch international ausgewiesene Künstler, wie Ruth Francken, Sam Gilliam, John Smith, Ian Hamilton Finlay, Jannis Kounellis, Auke de Vries, Norbert Prangenberg, Michael Schmidt, Tony Cragg, Koji Kamoji, Bjørn Melhus. Diese Namen sind nur eine Auswahl.

Die vergangenen 40 Jahre bieten den Anlass zu einer Überblicksschau. Sie wird einen Parcours entwickeln, in dem wichtige Kunstwerke bekannter Künstler aus den Sammlungen des Kunstmuseums gezeigt werden.

 

Neue Nachbarschaften II Rubens, Rembrandt, Reni, Murillo

Nach dem Auftakt im vergagenen Jahr gehen jetzt rund 50 Werke der französischen, spanischen, italienischen, flämischen, holländischen und deutschen Barockmalerei in spannungsvollen Konstellationen „Neue Nachbarschaften“ ein. Auf diese Weise sind Hauptwerke von Rubens, Rembrandt und anderen Meistern des Barock aus den sanierungsbedingt geschlossenen Sälen der Alten Pinakothek wieder für das Publikum zugänglich.

In den Gegenüberstellungen der Meisterwerke greift die Ausstellung vier Themen auf: „Mythologie und Natur“, „Bildnis“, „Rom um 1600“ und „Caravaggismus“. Ein die Themen verbindendes Element ist die bildliche Inszenierung der menschlichen Figur.

Ein gemeinsames Motiv der Gemälde des ersten Teils der Ausstellung ist zudem die Landschaft: Ob klassisch-ideal gestimmt wie bei Claude Lorrain oder ländlich mediterran inspiriert wie bei den holländischen Italianisanten – die Darstellung der Natur prägte ganz unterschiedliche Facetten aus. Natur und Landschaft können auch als Kulisse dienen: für Liebespaare, biblische und mythologische Szenen sowie für die galanten Feste des Rokoko. Die Nymphe Daphne, die vor dem Zugriff Apolls gerettet wird, indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt, macht in Poussins Gemälde die enge Beziehung zwischen Mythos und Natur anschaulich. In Porträts verdeutlicht die als Liebesgarten gestaltete Landschaft Heiratsabsichten oder eine emotionale Bindung. Durch den Einbezug der Natur entstehen auch Bezüge zwischen ganz unterschiedlichen Gattungen: Murillos Straßenkinder vertreten die Genremalerei, aber die Früchte, die sie feilbieten, finden sich ähnlich auch auf einem holländischen Prunkstillleben wieder.

Im zweiten Teil der Ausstellung stehen die lebensnahen Schilderungen ausdrucksvoller Gesichter von Rembrandt und seinen Schülern im Fokus. Rembrandt beschäftigte sich in den unterschiedlichsten Medien mit dem eigenen Konterfei und scheute sich auch nicht davor, als einer der Schergen in der „Kreuzaufrichtung“ aufzutreten. Seine Schüler strebten ihm nach: Immer wieder setzten sie sich, wie hier Ferdinand Bol, Carel Fabritius oder Nicolaes Maes, intensiv mit der menschlichen Physiognomie auseinander.

Der dritte Teil konzentriert sich auf ein Kunstzentrum: Italien und insbesondere Rom zogen über die Jahrhunderte die unterschiedlichsten Maler an. Bereits vor 1600 waren Künstler wie Bartholomäus Spranger und Adam Elsheimer aus den Niederlanden und Deutschland nach Italien gereist und setzten sich mit der Antike, aber auch zeitgenössischen Entwicklungen auseinander. Um 1600 entstanden in Rom zwei gegenläufige Strömungen: Die in der Nachfolge Caravaggios tätigen Maler vertraten eine naturalistische Kunstauffassung. Sie setzten mythologische, religiöse, aber auch profane Themen mit kraftvollen, dem Alltag entnommenen Figurentypen um und tauchten diese in eine schlaglichtartige Beleuchtung. Dem stellte die andere Richtung, zu deren Hauptvertretern Guido Reni zählte, das Ideal klassischer Schönheit mit ausgewogenen Kompositionen entgegen. Das Erbe der Antike prägte manche Künstler ein Leben lang: So finden sich noch im Spätwerk von Peter Paul Rubens Reminiszenzen an das Altertum.

Kuratoren: Bernd Ebert, Elisabeth Hipp, Mirjam Neumeister, Andreas Schumacher

( Ausstellungsdauer:                   ab 28.04.2015 , Ende unbekannt)

Der Joseph-und-Anna-Fassbender-Preis

Der Preis ist eine private Stiftung von Anna Fassbender, mit deren Verwaltung die Stadt Brühl beauftragt ist. Die Bewerber/innen sollen Grafiker/innen und Handzeichner/innen sein; eine Altersgrenze ist nicht gegeben. Der Preis wird im Frühjahr 2015 zum 25. Mal ausgeschrieben.

Die Preisträgerin / der Preisträger erhält jeweils die Möglichkeit, ihre / seine Werke zwei Wochen in der Rathausgalerie, Uhlstraße 2, auszustellen.

Der Jury gehören Kunsthistoriker/innen, Künstler, ein/e Vertreter / Vertreterin der Einwohnerschaft der Stadt Brühl, der Vorsitzende der Max-Ernst-Gesellschaft e.V. und als Vertreter der Stadt Brühl der Bürgermeister an.

Bewerbungsschluss am 17./18. August 2015

Auskunft:
Stadt Brühl – Der Bürgermeister
Fachbereich Kultur
Rathaus, 50319 Brühl
Telefonische Auskunft unter Tel. 02232 79-2670

110 Jahre Villa Romana in Florenz

Die Villa Romana wurde 1905 von Künstlern gegründet, um ein unabhängiges Forum zu schaffen, das allen künstlerischen Ausdrucksformen Raum bieten sollte. Der Villa Romana-Preis war ein Gegenmodell zu den Auszeichnungen der staatlichen Akademien.

Der Maler Max Klinger erwarb 1905 mit Mitteln aus dem Kreise seiner Künstlerfreunde die klassizistische Villa mit vierzig Zimmern und 15.000 Quadratmetern Freigelände am Stadtrand von Florenz als Atelierhaus. Im selben Jahr initiierte der Deutsche Künstlerbund den Villa Romana-Preis, um Künstlern unabhängig von staatlicher Förderung und Ausbildung in Florenz ein Forum künstlerischer Produktion zu ermöglichen. Seit den 20er Jahren unterstützt die Deutsche Bank die Villa Romana als Hauptsponsor.
Villa Romana Geschichte

Von Beginn an war das Florentiner Haus mit Künstlern verbunden, die später große Anerkennung fanden. So waren etwa Georg Kolbe, Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach und Max Pechstein bereits vor dem ersten Weltkrieg Gäste der Villa Romana. Ab 1939 bekam die Villa Vorschläge für Stipendiaten vom Reichspropagandaministerium aufgedrängt. Es gelang dem Leiter der Villa Romana Hans Purrmann jedoch, auch während des 2. Weltkriegs in der Villa Freiräume für in Deutschland missliebige Künstler zu erhalten.

Seitdem haben zahlreiche namhafte Künstler und Künstlerinnen wie Georg Baselitz, Anna Oppermann, Markus Lüpertz, Horst Antes, Christiane Möbus, Michael Buthe, Katharina Grosse oder Amelie von Wulffen als Preisträger in der Villa Romana gearbeitet und zum Ansehen der Institution beigetragen.

Von 1972 bis Juni 2006 leitete Joachim Burmeister die Villa Romana. Er belebte das Künstlerhaus neu, eröffnete Gastateliers und den Ausstellungsraum der Villa Romana „Salone“. Seit November 2006 ist Angelika Stepken neue Leiterin des Hauses. Nach Abschluss umfangreicher Sanierungsarbeiten wurde die Villa Romana im Mai 2007 wiedereröffnet.

110 Jahre Villa Romana in FlorenzVilla Romana // Haus und Garten

Zum Weiterlesen:

Thomas Föhl, Gerda Wendermann (Hrsg.):
Ein Arkadien der Moderne? 100 Jahre Künstlerhaus Villa Romana in Florenz
355 S., 392 Abbildungen, davon 127 in Farbe
Berlin 2005 (G+H Verlag), ISBN 3-931768-85-6

Der Göttliche Hommage an Michelangelo

Raffael · Caravaggio · Rubens · Rodin · Cézanne · Struth

Michelangelo, „der Göttliche“, war schon zu Lebzeiten eine Legende. Sein herausragendes Werk wird bis heute von Künstlern bewundert, nachgeahmt und interpretiert. Der über fünf Jahrhunderte andauernde Einfluss der Werke Michelangelos liegt vor allem in seiner virtuosen Darstellung des menschlichen Körpers begründet. Er schuf ein Repertoire an Ausdrucksformen, das bis heute als Maßstab gilt.
Die Ausstellung erzählt von der immensen Wirkung Michelangelos auf die europäische Kunst. Im Mittelpunkt stehen nicht die Werke Michelangelos, sondern  herausragende Skulpturen, Gemälde, Drucke und Zeichnungen von Künstlern wie Raffael, Giambologna, Caravaggio, Rubens, Delacroix, Rodin, Cézanne, Moore, Mapplethorpe, Lüpertz oder Struth, die sich mit den Werken des Florentiners auseinandergesetzt haben. Sie stehen im Dialog mit den großen Schöpfungen Michelangelos – wie der David-Skulptur in Florenz oder den Fresken der Sixtinischen Kapelle im Vatikan –, die in der Ausstellung mit Abgüssen, Kopien und Fotografien vertreten sind. Die Interpretationen seiner Arbeiten bis in die zeitgenössische Kunst reichen von Nachahmung und Hommage bis zur kritischen Distanzierung und machen die ungebrochene Aktualität Michelangelos auf faszinierende Weise sichtbar.

 

Emile Bernard – Am Puls der Moderne

Emile Bernard - Am Puls der Moderne

In Kooperation mit den Musées d‘Orsay et de l’Orangerie in Paris präsentiert die Kunsthalle Bremen eine große Retrospektive des französischen Künstlers Emile Bernard (1868–1941), die erstmals auch sein kaum bekanntes Spätwerk einbezieht. Gezeigt werden hochrangige Leihgaben aus dem Musée d’Orsay und internationalen Sammlungen sowie aus dem Besitz der Nachfahren Bernards. Ausgewählte Arbeiten von Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Henri de Toulouse-Lautrec ermöglichen Vergleiche mit seinen berühmten Zeitgenossen, mit denen er engen Kontakt pflegte und in deren Schatten er zeitlebens stand: Mit Toulouse-Lautrec studierte er in Paris, mit Gauguin entwickelte er 1888 in der Bretagne die symbolistische Malerei, Cézanne inspirierte ihn in Aix-en-Provence, und für seinen Freund van Gogh setzte er sich auch nach dessen Tod ein.
Die Ausstellung „Emile Bernard – Am Puls der Moderne“ entdeckt diesen Künstler neu und gibt Bernard seinen rechtmäßigen Platz in der Geschichte der modernen Malerei. Der umfassende Einblick in sein Oeuvre veranschaulicht seine Vielfältigkeit und präsentiert ihn als einen der innovativsten aber auch eigensinnigsten Künstler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Retrospektive verfolgt Bernards Entwicklung von den ersten Versuchen des ganz jungen Künstlers über die spektakulären Innovationen in Pont-Aven bis in das kaum bekannte Spätwerk.
In Paris wurde die Ausstellung vom 17. September 2014 bis 5. Januar 2015 unter dem Titel „Emile Bernard (1868-1941)“ im Musée de l’Orangerie präsentiert.

Abb.: Emile Bernard, Die Weizenernte, 1888, Öl auf Leinwand, 56,4 x 45,1 cm, Musée d’Orsay, Paris
© RMN-Grand Palais (musée d’Orsay) / Jean-Gilles Berizzi

Der späte Rembrandt

Das Rijksmuseum präsentiert zum ersten Mal eine umfangreiche Übersicht über Rembrandt van Rijns Spätwerk.

Über 100 Gemälde, Zeichnungen und Radierungen zeigen Rembrandt auf dem Höhepunkt seines enormen Talents. Die auf dieser Ausstellung gezeigten Werke Rembrandts stammen aus den Sammlungen führender Museen und Privatsammlungen in der ganzen Welt.

Der späte Rembrandt

 

 

 

 

 

 

Hundertwasser

„Das Paradies ist ja da, wir machen es nur kaputt. Ich will zeigen, wie einfach es im Grunde ist, das Paradies auf Erden zu haben.“ (Friedensreich Hundertwasser)


Das Recht auf die freie Gestaltung des persönlichen Umfelds, ökologisches Denken, der Austausch unterschiedlicher Kulturen: Viele Impulse des „weisen Rebellen“ Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) sind heute hoch aktuell. Einen repräsentativen Überblick über das gesamte Schaffen des österreichischen Universalkünstlers liefert die Ausstellung im Osthaus Museum Hagen. Mit circa 130 Werken aller Schaffensperioden spiegelt die Schau die inneren Welten und äußeren Handlungen einer Ausnahmepersönlichkeit, die bis heute zum Hinterfragen alltäglicher Selbstverständlichkeiten herausfordert.

ÜBERBLICK ÜBER ALLE TÄTIGKEITSBEREICHE
Das Osthaus Museum Hagen widmet Friedensreich Hundertwasser in Kooperation mit der Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung und DIE GALERIE Frankfurt eine umfassende Ausstellung, die alle Tätigkeitsbereiche würdigt: Malerei, Druckgraphik, angewandte Kunst, Architektur und Ökologie. In jedem dieser Felder hat der Künstler eine individuelle Sprache gefunden, die unverkennbar seine Züge trägt, eigenwillig und konsequent, mahnend, Beispiel gebend und neue Wege aufzeigend.

HUNDERTWASSER WIRKT
Bis heute und heute erst recht: Hundertwasser wirkt! Das ist das Motto der Kreativworkshops, ökologischen Spaziergänge und weiteren museumspädagogischen Angeboten, die die Ausstellung begleiten. Hundertwassers provokative Botschaft hat viele begeisterte Anhänger gefunden, aber auch unermüdlich Gegner auf den Plan gerufen, große Bewunderung steht scharfer Kritik gegenüber. Unbeteiligt lässt der Maler, Architekt, Philosoph, Umweltaktivist und Weltverbesserer Hundertwasser offensichtlich niemanden.

VERANSCHAULICHTE PHILOSOPHIE
Mehr als 130 Beispiele aus der Welt und dem Denken Hundertwassers visualisieren seine Lebensphilosophie einer ganzheitlichen Auffassung von Mensch, Natur und Kunst, die immer auch sein künstlerisches Schaffen prägte. Meisterwerke – Gemälde, Mischtechniken, Aquarelle und Zeichnungen – zeigen den Maler, eine große Anzahl von Radierungen, Holzschnitten, Lithographien und Serigraphien das graphische Schaffen, in dem sich zum Teil westliche und östliche Druckkunst vereinte, ausgewählte Tapisserien und Architekturmodelle den ganzheitlich denkenden Künstler und Baumeister. Seine Rolle als Vordenker ökologischen Bauens und der Idee einer menschenwürdigeren Umwelt wird anhand einer Reihe innovativer Objekte veranschaulicht.

HARMONIE VON MENSCH UND UMWELT
Hundertwassers Tod im Jahr 2000 kam unerwartet; seine Ideen und Visionen aber sind nach wie vor lebendig, die Radikalität, mit der er Kunst und Leben in seiner ihm eigenen materiellen Bedürfnislosigkeit verband, mit der er lange vor den ökologischen Bewegungen den bewussten Umgang mit Natur und Ressourcen anmahnte, sind noch immer aktuell. Als Verfechter eines Lebens im Einklang mit der Natur galt sein Credo einer vollkommenen Harmonie von Mensch und Umwelt:

KATALOG
Der Katalog mit 160 Seiten enthält Texte von Klaus Wolbert, Ingeborg Flagge, Ralf-Rainer Braun, Peter Femfert und Friedensreich Hundertwasser, und ist für 24,90 Euro erhältlich.