Das unbekannte Universum

Die beeindruckende Erlebnisausstellung „Das unbekannte Universum. Geheimnisvolle Himmelsbauten im Weltall“ wird am 21. März 2015 im Kunstmuseum Waldviertel in Schrems eröffnet. Die Besucher werden dabei in unfassbare Dimensionen des Universums geführt.
Die Imagination der Kunst, vereint mit den Errungenschaften der Wissenschaft bringt eine Welt zum Greifen nahe, die Lichtjahre von uns entfernt liegt.

„Das Universum fasziniert seit jeher Menschen und Kulturen. Für mich als Künstler bedeutet das Universum eine unendliche Inspirationsquelle mit mannigfaltigen Überraschungen: die Begegnung mit wundersamen Lichterscheinungen, das Aufspüren geheimnisvoller Bauten des Weltalls und die Entdeckung neuer Farben und Formen, neuer Lebensformen. Ich verbinde damit eine Kunst der Unendlichkeit.“  sagt der Künstler der Ausstellung Makis Warlamis
Bilder, Filme, Rauminszenierungen: eine faszinierende Ausstellung mit buntem Rahmenprogramm
Das Kunstmuseum Waldviertel zeigt damit eine Erlebnisausstellung, die die komplexen Themen der Kunst, Wissenschaft und Spiritualität vereint und diese einem breiten Publikum zugänglich macht. Durch vielfältige künstlerische Medien wie Bilder, Filme und Rauminszenierungen soll den Besucherinnen und Besuchern die unbekannte Dimension des Universums nicht nur wissenschaftlich, sondern auch emotional zugänglich gemacht werden.
Die Ausstellung wird begleitet von zahlreichen Aktivitäten wie altersspezifischen Führungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Informationsveranstaltungen, Workshops und Vorträgen.

Die Sammlung von Kokoschka bis Anzinger

Mit der Ausstellung Expressionismen – Die Sammlung von Kokoschka bis
Anzinger stellt das Museum der Moderne Salzburg die Sammlung auf den
Prüfstand und zeichnet verschiedene Spielarten des Expressionismus nach.
In dieser Ausstellung, die Gemälde, Skulpturen,
Zeichnungen und Druckgrafiken von 1907 bis 2011 umfasst, wird der Begriff
„Expressionismus“ anhand von ca. zweihundert Werken von fast achtzig Künstlern
und Künstlerinnen aus der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg auf den
Prüfstand gestellt. Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung der im vergangenen
Jahr angetretenen Kuratorin für Moderne, Beatrice von Bormann, mit der
hauseigenen Sammlung. „Die kritische Aufarbeitung unserer Sammlung mit dem
Blick aus der Gegenwart auf die verschiedenen Inhalte, die in unseren Beständen
abgebildet sind, ist eine zentrale Aufgabe des wissenschaftlichen Teams des
Museums“, sagt Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg,
und fügt hinzu: „Salzburg ist mit der Figur Oskar Kokoschka und der Schule des
Sehens eng verbunden, und daher möchten wir überprüfen, inwieweit
expressionistische Formen der Kunst in unserer Sammlung tatsächlich verankert
sind.“ „Das Museum ist im Besitz herausragender Werke des Expressionismus,
wobei sich diese vornehmlich auf österreichische und deutsche Künstler
beschränken“, ergänzt Kuratorin Beatrice von Bormann. „Das bietet die Möglichkeit,
zu untersuchen, inwiefern es eine spezifische geografische Variante des
Expressionismus gibt und inwiefern sich die diversen Expressionismen von 1900 bis
in die 1980er-Jahre voneinander unterscheiden. Die wichtige Rolle von Frauen
innerhalb dieser verschiedenen Phasen des Expressionismus ist an der Sammlung
leider nicht abzulesen.“

Im Expressionismus, vor allem in der Malerei, wird die exakte Abbildung der
Wirklichkeit vernachlässigt und dem Gestus des Malens und dem emotionalen
Ausdruck ein weitaus höherer Stellenwert eingeräumt. Der deutsche Maler Franz
Marc bezeichnete dieses Bestreben 1912 als „subjektive Umwandlung der Natur“.
Wenn man den Expressionismus solcherart als künstlerisches Konzept auffasst,
kann man durchaus eine Linie vom frühen Expressionismus vor dem Ersten
Weltkrieg über den Expressionismus der Zwischenkriegszeit bis hin zum abstrakten
Expressionismus und zum Neoexpressionismus der 1960er- und 1970er-Jahre
ziehen. In der Ausstellung, die teils thematisch, teils chronologisch geordnet ist, wird
dies anhand von Werken aus der eigenen Sammlung vorgeführt. In Grafiken, die
eigens für die Ausstellung erarbeitet wurden, werden die Netzwerke der
verschiedenen Künstler, Künstlerinnen und Orte aufgedeckt.
Das Museum der Moderne Salzburg verfügt, auch dank Dauerleihgaben, über
hervorragende Werke sowohl des frühen Expressionismus, mit Arbeiten von Oskar
Kokoschka, Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner, als auch über repräsentative
Werke des Neoexpressionismus, etwa von Markus Lüpertz und Georg Baselitz. Eine
spezifisch österreichische Variante des expressiven Realismus der 1960er- bis
1980er-Jahre ist durch Künstler wie Georg Eisler und Alfred Hrdlicka vertreten. Die
Neuen Wilden sind mit großformatigen Arbeiten, etwa von Siegfried Anzinger,
Gunter Damisch, Herbert Brandl, Thomas Reinhold und Hubert Scheibl, präsent.
Mehrere Werke werden zum ersten Mal ausgestellt, darunter jüngste Schenkungen
von Georg Eisler und Rudolf Kortokraks.

In der Ausstellung vertretene Künstlerinnen und Künstler: Siegfried Anzinger, Karel
Appel, Christian Ludwig Attersee, Georg Baselitz, Max Beckmann, Herbert Boeckl,
Georg Wilhelm Borsche, Herbert Brandl, Günter Brus, Heinrich Campendonk, Gunter
Damisch, Otto Dix, Jean Egger, Georg Eisler, Adolf Erbslöh, Anton Faistauer,
Conrad Felixmüller, Paul Gangolf, Richard Gerstl, Otto Gleichmann, George Grosz,
Margarete Hamerschlag, Anton Hanak, Felix Albrecht Harta, Carry Hauser, Erich
Heckel, Matthias Holl, Wolfgang Hollegha, Rudolf Hradil, Alfred Hrdlicka, Ernst
Huber, Jörg Immendorff, Asger Jorn, Martha Jungwirth, Edmund Kalb, Wassily
Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Ferdinand Kitt, Oskar Kokoschka, Anton Kolig,
Käthe Kollwitz, Rudolf Kortokraks, Maria Lassnig, Markus Lüpertz, August Macke,
Frans Masereel, Ludwig Meidner, Jürgen Messensee, Jean Metzinger, Josef Mikl,
Alois Mosbacher, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein, A. R. Penck, Georg
Pevetz, Traudel Pichler, Peter Pongratz, Markus Prachensky, Thomas Reinhold,
Christian Rohlfs, Georges Rouault, Christian Schad, Hubert Scheibl, Egon Schiele,
Hubert Schmalix, Karl Schmidt-Rottluff, Josef Schulz, Karl Stark, Anton Steinhart,
Wilhelm Thöny, Andreas Urteil, Johannes Wanke, Karl Anton Wolf
Kuratorin: Beatrice von Bormann, Kuratorin und Sammlungsleiterin, Museum
der Moderne Salzburg
Kuratorische Assistentin: Barbara Herzog, Museum der Moderne Salzburg

Auf Basis der Cloud: Digitales Schlendern durchs Städel-Museum

Nach einer Entwicklungszeit von über zwei Jahren ermöglicht das Städel Museum jetzt mit seiner Digitalen Sammlung einen völlig neuartigen Zugang zu seinen Kunstbeständen. Das auf dem Sammlungs- und Datenfundus des Frankfurter Museums aufbauende Vermittlungstool verfügt über eine semantische Suche, die sowohl kunstwissenschaftliche Interessen bedient als auch individuelle Suchpfade durch 700 Jahre Kunstgeschichte nach intuitiven und assoziativen Kriterien eröffnet.

Für dieses „digitale Schlendern“ bietet die kostenlos zugängliche, cloudbasierte Exponate-Plattform – neben großformatigen Abbildungen, multimedialen Inhalten wie Audiosequenzen und Filmproduktionen sowie unterschiedlichsten Informationen zu Kunstwerken des Städel – eine weitreichende Verknüpfung der Werke und kontextualisiert diese auf sinnfällige, oft aber auch überraschende Weise. Aus der semantischen Aufbereitung der Daten interner und externer Quellen ergibt sich ein reicher Contentpool mit rund 100 Datenfeldern zu jedem einzelnen Kunstwerk.

Cloudbasierte Exponate-Plattform

Die Beta-Version dieser Plattform ist ab dem 15. März 2015 – auf den Tag genau 200 Jahre nachdem Johann Friedrich Städel sein Testament verfasste und den Grundstein für das Städel legte – unter digitalesammlung.staedelmuseum.de zugänglich und ermöglicht auch jenseits der physischen Grenzen des Museums einen neuartigen Zugang zur Sammlung. Die Exponate-Plattform des Städel wird seit Mitte 2012 in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt, der Software AG und der media transfer AG (mtG) entwickelt. Das Front-End wurde vom Designbüro Zum Kuckuck konzipiert und gestalterisch umgesetzt. Die Verschlagwortung der Werke wird vom Städel Museum in Kooperation mit dem Bildarchiv Foto Marburg durchgeführt.

Digitale Grundsteinlegung und ihre Förderer

Ermöglicht wird diese groß konzipierte digitale Grundsteinlegung des Städel Museums durch zahlreiche Förderer: Land Hessen im Rahmen der Hessen ModellProjekte aus Mitteln der LOEWE ‒ Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (Entwicklung Städel Digitale Sammlung), Kulturdezernat der Stadt Frankfurt am Main (Verschlagwortung Städel Digitale Sammlung), Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Digitalisierung Gesamtbestand Handzeichnungen Graphische Sammlung) und DZ Bank AG (Verschlagwortung Fotografien DZ Bank Galerie im Städel Museum) sowie durch große Unterstützung privater Förderer.

„Hinter der Digitalen Sammlung des Städel steht eine langjährige und umfangreiche digitale Aufbereitung unserer Bestände“, erklärt Max Hollein, Direktor des Städel Museums. „Der nun auf diese Weise zugängliche Datenfundus mit seinen facettenreichen Verknüpfungen und unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten ist ein bislang einmaliger und richtungsweisender Vorschlag, mit intelligenten semantischen Suchtechnologien ein neuartiges und weiteres Angebot abseits vom klassischen Besuch im Museum und damit andere Formen der digitalen Vermittlung zu ermöglichen“, so Max Hollein.

Transformation zum digitalen Museum

„Mit der cloudbasierten Exponate-Plattform ist es uns gelungen, die Digitalisierung des Kultursektors wegweisend voranzutreiben“, so Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG und betont: „Nur durch das interdisziplinare Projektteam aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft konnte die erste erfolgreiche Transformation zum digitalen Museum in Deutschland gelingen.“

Zum Auftakt sind rund 600 Werke mit insgesamt über 52.000 Detailinformationen und Schlagworten gelistet sowie 490 Audiospuren und über 80 Filmproduktionen verfügbar. Bis Jahresende werden über 1.500 Werke aufrufbar sein. Zu jedem Werk erhält der Nutzer nach Aufruf großformatige Abbildungen in HD Qualität, vielfache Informationen in unterschiedlichen Medien sowie eine Übersicht zur Ausstellungsgeschichte, verschiedene Textbeiträge oder bis zu neun Audioguide-Spuren pro Werk und Filmangebote. Damit eröffnet sich ihm – wie bei den analogen Vermittlungsangeboten des Städel – je nach Interesse ein individuell zugeschnittener Zugang zu den Sammlungsinhalten.

Durch die Struktur und das speziell entwickelte Frontenddesign der Digitalen Sammlung wird der Nutzer bei der Suche inspiriert und auf weitere Werkverbindungen hingewiesen und kann so die Kunstwerke in ihrem Kontext entdecken: Wer beispielsweise das Gemälde Die Blendung Simsons Rembrandt van Rijns aufruft, bekommt neben Vorschlägen zu weiteren Werken des Künstlers ebenfalls andere Gemälde des 17. Jahrhunderts, aber auch das 1963/64 entstandene Gemälde Oberon von Georg Baselitz aufgezeigt, das eine ähnlich drastische Wirkung auf den Betrachter auszuüben vermag.

Verknüpfung der Kunstwerke mit Schlagworten

Durch die Verknüpfung der Werke sowohl mit alltäglichen Schlagworten – beispielsweise zum abgebildeten Motiv oder zu einer Bildassoziation – als auch mit einer Verschlagwortung nach kunstwissenschaftlichen Begriffen und der Klassifizierung der Bildinhalte nach dem internationalen Kodierungssystem Iconclass können User nach Stimmungen, nach der Wirkung auf den Betrachter oder nach Motivthemen, aber auch nach kunstwissenschaftlichen Fachtermini suchen und fündig werden.

Die Nutzer der Exponate-Plattform können zudem Favoriten markieren, Alben anlegen und diese über Social-Media-Kanäle teilen; auch die individuellen Schlenderpfade durch 700 Jahre Kunstgeschichte können geteilt werden. Durch fortlaufende Aktualisierung der Datenbestände erfährt der Nutzer, ob ein Werk im Augenblick im Museum ausgestellt ist.

Inspirierendes Finden

„Während des Schlenderns durch die Städel Digitale Sammlung gelangt der User vom reinen Suchen zum inspirierenden Finden und Vergleichen und bekommt neue Verbindungen zwischen verschiedenen Werken über Epochen hinweg aufgezeigt. Ziel der Plattform ist es, interaktiv und multimedial ein individuelles digitales Erlebnis der Sammlungsinhalte zu ermöglichen“, sagt Dr. Chantal Eschenfelder, Leiterin der Abteilung Bildung & Vermittlung und Projektmitarbeiterin der Plattform.

Medieninhalte aus externen Datenquellen werden in der Digitalen Sammlung durch Schnittstellen integriert. So wird beispielsweise eine in Kooperation mit dem 3sat-Magazin Kulturzeit entstandene Reihe zu 20 Meisterwerken des Städel nicht nur in den Sendungen vom 2. bis 16. März 2015 anlässlich des Städel-Jubiläums ausgestrahlt, sondern auch langfristig bei den entsprechenden Werken in der Exponate-Plattform aufrufbar sein.

Ein durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes und bis 2017 durchgeführtes Forschungsprojekt, welches die Digitalisierung und Verschlagwortung des 22.000 Blätter umfassenden Gesamtbestands der Handzeichnungen der Graphischen Sammlung des Städel Museums beinhaltet, wird ebenfalls Eingang in die digitale Exponate-Plattform finden. Auf diese Weise können neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und eine Vielzahl unterschiedlichster Informationen für die interessierte Öffentlichkeit wie die wissenschaftliche Forschung umfassend zur Verfügung gestellt werden.

Entwicklung der Digitalen Sammlung geht weiter

Die stetige Weiterentwicklung der Digitalen Sammlung steht auch nach Start der Beta-Version am 15. März 2015 im Mittelpunkt. Neben dem fortwährenden Ausbau der Datensätze arbeiten die Projektpartner bereits an neuen Funktionen, welche die Möglichkeiten der Plattform weiter ausdehnen: So wird ein Mechanismus geschaffen, der Social Tagging erlauben wird. Nutzer werden auf diese Weise zusätzliche, individuelle Schlagworte zu den Werken vergeben können.

In der Version 1.1 werden den Usern auch mittels einer Content-Recommendation-Funktion ausgewählte Inhalte vorgeschlagen, die sich an den Interessen bei der Suche auf der Exponate-Plattform orientieren. Mit Veröffentlichung der Version 1.1 wird zudem eine englische Sprachvariante zur Verfügung stehen. Für diese und weitere Verbesserungen sind Nutzer zur aktiven Mitarbeit und Kommentierung eingeladen, um die Städel Digitale Sammlung gemeinsam weiterzuentwickeln. Feedback kann an die E-Mail-Adresse digitalesammlung@staedelmuseum.de geschickt werden.

Weitere digitale Vermittlungsangebote

Das 200-jährige Bestehen des Städel Museums in diesem Jahr ist Anlass für die älteste Museumsstiftung Deutschlands, sowohl ihr vielfältiges Vermittlungsprogramm als auch das Erlebnis Museumsbesuch völlig neu zu definieren. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Alltags ist die Erweiterung des Bildungsauftrags in den digitalen Raum ein zentrales Anliegen des Frankfurter Museums. In diesem Kontext entstehen neben der Digitalen Sammlung – dem Herzstück der Digitalen Erweiterung des Städel – weitere digitale Vermittlungsangebote.

Unter den Vermittlungsangeboten sind ein edukatives Point-and-Click-Adventure-Game für Kinder, Online-Kunstgeschichtskurse zur Moderne in Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg, das bereits gestartete Angebot des „Digitorials“ zur Monet-Ausstellung und der Ausbau des Filmangebot, sodass neben den eigens produzierten Ausstellungs- und Künstlerfilmen neue Formate für den YouTube-Kanal des Städel entstehen.

Seit Februar 2015 können Besucher im Städel zudem flächendeckend kostenfreies WiFi nutzen und auch die ab dem 11. März 2015 erhältliche Städel App herunterladen, den Audioguide auf dem eigenen Device hören oder Erlebnisse des Museumsbesuchs festhalten und auf Social-Media-Kanälen teilen. In der neu konzipierten Digitalen Kunstkammer im Städel Museum gibt es ab 15. März 2015 die Möglichkeit, vor Ort neben dem Medientisch auch die Digitale Sammlung an einem Touchscreen sowie das Game für Kinder auszuprobieren.

  • Auf Basis der Cloud: Digitales Schlendern durchs Städel-Museum
    Die Digitale Sammlung von Städel.

»Digital Conditions«

Parallel zur CeBIT und zur Hannover Messe 2015 fokussiert die Gruppenausstellung »Digital Conditions« das Zusammenspiel von digitaler Technologie und Kunst. Der Kunstverein Hannover zeigt dreizehn exemplarische Positionen, die sich mit Phänomenen der digitalen Gegenwart befassen und die Bild- und Geisteswelten des digitalen Kosmos aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.

Auf welche Weise eignen sich Künstler aktuell digitale Technologien an – welchen Einfluss hat der Einsatz von beispielsweise 3D- Scan-, Grafik- und Animationsprogammen, von Web-Diensten wie Google Maps und Google Earth oder die massenhafte Verbreitung von Bildern durch das Netz auf die Medien Fotografie, Film, Malerei und Skulptur? Wie wird die ambivalente Bedeutung digitaler Technologien künstlerisch reflektiert?

Mit Lee Friedlander, Mishka Henner, Camille Henrot, Yngve Holen, Pierre Huyghe, Lorna Mills, Katja Novitskova, Julien Prévieux, Jon Rafman, Thomas Ruff, Avery Singer, Hito Steyerl, Michael Wolf

56. Art Biennale Venedig „All the World’s Futures“

The exhibition is curated by Okwui Enwezor
Venice, 9 May > 22 November 2015
The 56th International Art Exhibition titled All the World’s Futures, curated by Okwui Enwezor and organized by la Biennale di Venezia chaired by Paolo Baratta, will be open to the public from Saturday, May 9th to Sunday, November 22nd, 2015 at the Giardini della Biennale and at the Arsenale. The preview will be held on May 6th, 7th and 8th. The awards ceremony and the inauguration will take place on Saturday May 9th, 2015.

89 National Participations will be exhibiting in the historical Pavilions at the Giardini, at the Arsenale and in the city of Venice. The countries participating for the first time in the Exhibition are Grenada, Mauritius, Mongolia, Republic of Mozambique, and Republic of Seychelles. Other countries are participating this year after years of absence: Ecuador (1966, then with the IILA), the Philippines (1964), and Guatemala(1954, then with the IILA).

The Holy See will again be participating with an exhibition to be held at the Sale d’Armi, in the spaces that the Biennale has renovated for new permanent pavilions.

The Italian Pavilion at the Arsenale, organized by the Italian Ministry for the Cultural Heritage and Activities, with PaBAAC General Direction for the Landscape, Fine Arts, Architecture and Contemporary Art, will be curated by Vincenzo Trione.

44 Collateral Events, approved by the curator of the International Exhibition and promoted by non profit national and international institutions, will present their exhibitions and initiatives in various locations within the city of Venice.

The International Exhibition
The 56th International Art Exhibitionwill form a unitary itinerary that starts at the Central Pavilion (Giardini) and continues at the Arsenale, with over 136 artists from 53 countries, of whom 88 will be showing here for the first time.

“This is our 56th edition. The Biennale is now 120 years old, and year after year it moves forward and builds on its own history, which is formed of many memories but, in particular, a long succession of different perspectives from which to observe the phenomenon of contemporary artistic creation.”

Paolo Baratta introduces this year’s edition with these words, recalling that “Bice Curiger brought us the theme of perception, of ILLUMInation or light as an autonomous and revitalizing element, and Massimiliano Gioni was interested in observing the phenomenon of artistic creation from within, and turned his attention to the inner impulses that drive mankind and the artist to create images and bring representations to life.”

“The world before us today exhibits deep divisions and wounds, pronounced inequalities and uncertainties as to the future. Despite the great progress made in knowledge and technology, we are currently negotiating an ‘age of anxiety’. And once more, the Biennale observes the relationship between art and the development of the human, social, and political world, as external forces and phenomena loom large over it. Our aim is to investigate how the tensions of the outside world act on the sensitivities and the vital and expressive energies of artists, on their desires and their inner song. One of the reasons the Biennale invited Okwui Enwezor as curator – Baratta states – was for his special sensitivity in this regard.”

“Curiger, Gioni, Enwezor, a trilogy in a sense – President Baratta recaps –  three chapters in a research process engaged by la Biennale di Venezia to explore the benchmarks that can help us formulate aesthetic judgments on contemporary art, a “critical” question following the demise of the avant-gardes and “non-art”.”

“Okwui does not claim to pass judgement or prognosticate; his wish is to bring together arts and artists from throughout the world and from different disciplines, to instate a Parliament of Forms, as it were. A global Exhibition where we may question or at least listen to artists. 136 artists have been summoned, of which 88 for the first time. They come from 53 countries, and many of them from geographical areas that we paradoxically insist on defining as peripheral. Of works on display, 159 are expressly realized for this year edition. This will also help us uncover the latest tendencies regarding the geography and routes taken by contemporary art, thanks to a special project focusing on the Curricula of the artists operating around the world. A Parliament for a Biennale of varying and intense vitality, therefore.”

“Everything here is exhibited against the backdrop of the Biennale’s 120-year history. Fragments of the past of various kinds may be found in every corner, given also the fact that the Biennale is active in Art, Architecture, Dance, Theatre, Music, and Cinema. (…) To borrow the words of Walter Benjamin, the Biennale hosts “dialectical images”.

“And once again, I am glad – concludes Baratta – that I did not listen to the regrettable considerations made in 1998 claiming that the exhibition with foreign pavilions was outmoded and should be done away with, perhaps in favour of a white cube, an aseptic space in which to erase history, exercise our abstract presumptions, or offer hospitality for the dictatorship of the market. It is our multi-faceted, complex reality that helps us avoid perils such as these. The great mountain of the fragments of our history grows year by year. Opposite stands the even greater mountain of all that was not shown in past Biennales.”
(Read Paolo Baratta’s full text)

After having explained in October the main topics of All the World’s Futures (Read Okwui Enwezor’s full text), Okwui Enwezor has explained one movens for his project as follows:

The ARENA
“In 1974 la Biennale di Venezia, following a major institutional restructuring and the revision of its rules and articles of constitution, launched an ambitious and unprecedented four-year plan of events and activities. Part of the programs of 1974 were dedicated to Chile, thus actively foregrounding a gesture of solidarity toward that country in the aftermath of the violent coup d’état, in which General Augusto Pinochet overthrew the government of Salvador Allende in 1973. Bringing practitioners across the fields of visual art, cinema, music, theater, dance, and performance, the events of the 1974 Art Biennale were spread across the entire city of Venice. Today, this remarkable and transformative episode in the history of the Biennale is largely forgotten.”

“The dedication of the program of events to Chile and against fascism remains one of the most explicit attempts, in recent memory, by which an exhibition of the stature of the Art Biennale not only responds to, but courageously steps forward to share the historical stage with the political and social contexts of its time. It goes without saying that, in view of the current turmoil around the world, that the Biennale’s Eventi del 1974 has been a curatorial inspiration.”

“In response to this remarkable episode and the rich documentation it generated, the 56th International Art Exhibition: All the World’s Futures, will introduce the ARENA, an active space dedicated to continuous live programming across disciplines and located within the Central Pavilion in the Giardini. The linchpin of this program will be the epic live reading of all three volumes of Karl Marx’s Das Kapital (Capital). Here, Das Kapital will serve as a kind of Oratorio thatwill be continuously read live, throughout the exhibition’s seven months’ duration.”

“Designed by award-winning Ghanaian/British architect David Adjaye, the ARENAwill serve as a gathering-place of the spoken word, the art of the song, recitals, film projections, and a forum for public discussions. Taking the concept of the Sikh event, the Akhand Path (a recitation of the Sikh holy book read continuously over several days by a relay of readers), Das Kapital will be read as a dramatic text by trained actors, directed by artist and filmmaker Isaac Julien, during the entire duration of this year Art Biennale.”

“Carrying out the concept of “Liveness: On Epic Duration,” the Art Biennale has commissioned several new scores and artists’ performances, to be presented continuously in the ARENA. Here, we are especially interested in the concept of the song and the potential for the human voice to be an instrument that carries forward the pace of a narrative.”

“Olaf Nicolai is developing a new performance work that draws inspiration from Luigi Nono’s two-part composition Un volto, e del mare / Non consumiamo Marx (1968), an innovative piece for voice and magnetic tape, as well as the Italian composer’s later attempts to develop a critical and political statement by means of music, drawing inspiration for his lyrics from Cesare Pavese’s poems, from wall writings seen in the streets of Paris, and even found voices which he randomly recorded live during street demonstrations!
Joana Hadjithomas and Khalil Joreige will present a daily reading of their artist book Latent Images: Diary of a Photographer, the third part of their Wonder Beirut project. In addition to its text, this book includes thirty-eight photographic plates selected from among hundreds of reels of film exposed, but until now never developed, by the Lebanese photographer Abdallah Farah between 1997 and 2006.
Jason Moran’s STAGED will map and investigate the tempos of work songs sung in prisons, fields, and houses. In a sampling of songs that inmates sing while working in the Louisiana State Penitentiary at Angola, the tempos range from 57 to 190 beats per minute.
Jeremy Deller will explore the question of life and working conditions in factories, based on archival materials from the nineteenth century through the present.
Charles Gaines’s new original master composition for the Art Biennale is derived from his most recent body of work, Notes on Social Justice, a series of large-scale drawings of musical scores from songs, some borrowed from as early as the American Civil War (1860–1865) and others dating from the mid twentieth century.
Mathieu Kleyebe Abonnenc will present in the Art Biennale a temporary memorial to the music and personality of the legendary African American musician, singer, and composer Julius Eastman (1940–1990), whose singular and inimitable contribution to contemporary, avant-garde classical music will be on display in the ARENA throughout the Exhibition.
the TOMORROW will focus their attention on Das Kapital, not just as an abstract field of logical and economical devices, but rather as a potential repository of stories and figures. In the Art Biennale, the TOMORROW will attempt to imagine the characters and the figures that could make use of Marx’s toolbox in the contemporary context. Tales on Das Kapital is a search for non-modern subjects to play the Capital Drama. The TOMORROWwill offer weekend seminars, during which the focus will turn to the narrative and epic dimension of Marx’s book.”

“The focus on live performances and actions will extend in the Central Pavilion beyond the ARENA and into the Biblioteca della Biennale, where Mounira Al Solh’s NOA (Not Only Arabic), a limited-edition periodical founded in 2008, will be made available for solo viewings that must be arranged by appointment. During the preview (May 6–8), also at the Biblioteca, Lili Reynaud-Dewar and her students will read a selection of texts from the mid 1990s to today—analysis, testimonies, manifestos—dealing with notions of intimacy, vulnerability, and promiscuity in the context of the AIDS epidemic.”

“Connecting the 56th Art Biennale’s two main venues, the Giardini and the Arsenale, Saâdane Afif’s performance piece The Laguna’s Tribute: A Corner Speaker in Venice will be staged at the corner of Via Garibaldi and the Grand Canal. Spectators there will see and hear a local Corner Speaker either read a text or sing the lyrics of songs composed by friends of the artist.”

“A number of performance works will also be presented in the Arsenale, beginning with a new project by Jennifer Allora and Guillermo Calzadilla, In the Midst of Things, in which a choral group will perform an arrangement of Joseph Haydn’s oratorio The Creation.”

“In the Corderie, Theaster Gates will activate his new multimedia installation Martyr Construction, a work addressing the question of the recurring dissolution and demolition of church parishes in African American and Hispanic neighborhoods across the United States.”

SPECIAL PRESENTATIONS
“While the central focus of All the World’s Futures is on an extensive body of new works commissioned from artists specifically for the 56th Art Biennale—an unprecedented range of projects exhibited for the first time—the Exhibition will also pay close attention to a selected iteration of historical perspectives by artists both living and deceased. Organized as small anthologies, these compact surveys range from a series of text-based neon sculptures by Bruce Nauman, dating from 1972 to the early 1980s, to an atlas of Harun Farocki’s filmography, which totals 87 films. In addition, the Art Biennale will present works by such seminal figures as the photographer Walker Evans, with a complete set of the original edition of Let Us Now Praise Famous Men; from filmmaker Sergei Eisenstein tomultimedia artist Chris Marker; installation artist Isa Genzken to sculptor-composer Terry Adkins; author-film director Alexander Kluge to installation artist Hans Haacke; conceptual artist Teresa Burga to performance artist Fabio Mauri; sculptor Melvin Edwards to painter Marlene Dumas; artist-activist Inji Efflatoun to earthworks artist Robert Smithson, painter Emily Kngwarreye to film director Ousmane Sembène; sculptor Ricardo Brey to conceptual artist Adrian Piper; painters Tetsuya Ishida to Georg Baselitz.”

“This gathering of practices from Africa, Asia, Australia, Europe, and North and South America searches for new connections in the artists’ commitment to examining the human condition, or exploring specific ideas and areas of production within the artists’ oeuvre.”

“The Invisible Borders Trans-African Project, for example, is an artist-led organization founded in Nigeria in 2009 that assembles African artists –mainly photographers, writers, and filmmakers- with the zeal and passion for social change, to reflect upon with the question of borders and its implications in 21st century Africa. The Invisible Borders will present in the 56th Art Biennale a Trans-African Worldspace, a survey of their platform’s recent and ongoing photographic and audiovisual production, which will be periodically generated and incorporated into their presentation throughout the seven months of the exhibition. Moreover, the group will present in the ARENA their feature length documentary Invisible Borders 2011, The Film, followed by a discussion on the State of Things in the trans-African contemporary art scene and the critical ideas at the center of their practice.
Abounaddara is an anonymous collective of Syrian filmmakers working on impromptu documentaries, otherwise known as “emergency cinema.” Abounaddara has long reflected on the right to the image. They employ an aesthetic of do-it-yourself and disorientation, self-producing their films and distributing them online to avoid political censorship and the formatting dictates of the media and entertainment industries. Since its founding in 2010, Abounaddara has released a series of short documentaries celebrating the daily life of ordinary Syrians. In the wake of the March 2011 popular uprising, they began to produce a short film every Friday, an ongoing initiative that relies on the voluntary commitment of a network of filmmakers who work in secret, for reasons of security. At the Art Biennale Abounaddara will present their feature film Syria: Snapshots of History in the Making, a video installation featuring a selection of films from their prolific body of work, and will premiere a new film every Friday in the ARENA.”

Biennale Sessions, a project for universities
The Biennale Sessions project will be held for the sixth consecutive year, following the success of its previous editions. This initiative is dedicated by la Biennale di Venezia to universities and academies of fine arts, and to institutions that develop research and training in the arts and in related fields. The goal is to offer favourable conditions for students and teachers to organize three-day group visits for fifty people or more, offering reduced price meals, assistance in organizing their journey and stay, and the possibility to organize seminars at the Exhibition’s venues free of charge.

Educational
Educational activities will again be offered for the year 2015, addressed to individuals and groups of students of all levels and grades, to universities and academies of fine arts, and to professionals, companies, experts, art lovers and families. These initiatives aim to actively involve participants in both Guided Tours and Creative Workshops.

Exhibition Architecture
To conceive and organize the choreography of the Exhibition spaces, the exhibition architecture, is  designed by David Adjaye and members of Adjaye Associates.

Publications
The Catalogue of the Biennale Arte 2015 is published in two volumes. The first describes the International Exhibition in a lengthy essay by the curator, divided into chapters that feature the narrative biographies of the invited Artists and the images of their works. Volume two is dedicated to the National Participations and the Collateral Events. The short guide is an essential tool for visiting the Exhibition: it contains information on all the Artists,the National Pavilions and Collateral Events. The graphic design of the Exhibition and its editorial products are by Chris Rehberger and his Double Standards studio in Berlin.Both the exhibition catalogue and short guide are published by Marsilio Editori.

The 56th International Art Exhibition is carried out thanks to the partner of the event, Swatch.

ENEL main sponsor, Japan Tobacco International, Vela-Venezia Unica, illycaffè and VEDE-Venice Excellence Design. We would also like to thank Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP, Adecco, and Ferrovie dello Stato Italiane.
Our thanks go to the Ministry for the Cultural Heritage and Activities, which at a difficult time for our country’s public finances has continued to offer its decisive support, and to the local institutions that in various ways support la Biennale, the City of Venice and the Regione del Veneto. We also extend our thanks to the Marina Militare and the Venice Soprintendenze.

We would also like to thank our many Donors, who have been particularly important to the realization of the 56th Exhibition.
Our special thanks go to the curator Okwui Enwezor and to his entire team.
And finally, we would like to thank the highly professional staff of the Biennale, whose members work with great dedication on the realization and management of the Exhibition throughout its six-and-a-half month duration.
 Quelle: Presse Biennale Venedig

Channa Horwitz, Elín Hansdóttir, SEIZING THE IVORY TOWER

Channa Horwitz
COUNTING IN EIGHT, MOVING BY COLOR
15.3.–25.5.15

Elín Hansdóttir
SUSPENSION OF DISBELIEF
15.3.–25.5.15

SEIZING THE IVORY TOWER
15.3.–1.11.15 !!

COUNTING IN EIGHT, MOVING BY COLOR, die erste umfassende Einzelausstellung der kalifornischen Künstlerin Channa Horwitz (1932–2013), führt anhand wichtiger Arbeiten aus allen Schaffensphasen in das Œuvre ein und gibt Einblick in zentrale Werkreihen. Die Werkschau vollzieht die Entwicklung nach, die Channa Horwitz aus der figurativen Malerei zur konzeptuellen Abstraktion geführt hat und präsentiert darüber hinaus in enger Zusam-menarbeit mit dem Nachlass in Los Angeles erstmalig eine Auswahl an Konstruktions-zeichnungen und dokumentarischem Material.
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Die ortsspezifische Arbeit SUSPENSION OF DISBELIEF der isländischen Künstlerin Elín Hansdóttir nutzt die Architektur der KW, einer ehemaligen Margarinefabrik, als Ausgangspunkt für eine Raum- und Filminstallation. Hansdóttir erforscht, wie jedes Medium die Wahrnehmung des Raumes bestimmt und verschränkt in dieser Arbeit Gegenwart und Vergangenheit, Fläche, Tiefe und Bewegung.
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Mit Oo, A PREVIEW von Viktorija Rybakova eröffnet die neue Ausstellungsserie SEIZING THE IVORY TOWER. Im Zwischengeschoss
3 ½ widmet sich die Serie der Faszination am Abseitigen, Unbeachteten oder Verborgenen. Rybakovas hypnotische Videoinstallation führt anhand der Bildwelten eines sich spielerisch entfaltenden Künstlerbuches durch die gedanklichen Räume einer Ausstellung.

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COUNTING IN EIGHT, MOVING BY COLOR wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
SUSPENSION OF DISBELIEF wird gefördert vom Medienboard Berlin Brandenburg. Mit weiterer Unterstützung des Icelandic Visual Arts Fund, des Icelandic Art Center, der Botschaft von Island sowie des Muggur Travel Grant.
Oo, A PREVIEW wird unterstützt durch das Kulturministerium der Republik Litauen und das Rupert Centre for Art and Education.
Das Programm der KW Institute for Contemporary Art wird durch die Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten ermöglicht.

DIE WILDEN JAHRE

Sammlungskünstler
Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Alois Mosbacher, Hubert Scheibl, Hubert Schmalix, Otto Zitko

Ab Ende der 1970er-, Beginn der 1980er-Jahre haben junge Künstler international auf die theorielastigen Positionen und Diskurse der 70er-Jahre mit einer heftigen, unbekümmerten zeitgeistigen Malerei geantwortet. Die sogenannten „Neuen Wilden“ waren oft noch Studenten, die ganz frech expressiv und gestisch aus dem Bauch heraus malten und schnell produzierten.

Das löste einen regelrechten Hype unter internationalen Sammlern aus, der Mitte der 80er-Jahre zusammenbrach, was besonders für einige der Vertreter aus Deutschland zu schweren künstlerischen Krisen führte. In Österreich war die Situation differenzierter, da es eine viel ungebrochenere Malereitradition gab und die Abstrakte Kunst auch für die “Neuen Wilden“, die international gesehen fast ausschließlich figürlich malten, eine Option war.

Anders als die Ausstellung „Neue Wilde – Eine Entwicklung“ im Essl Museum 2004, die den Schwerpunkt auf die künstlerische Weiterentwicklung der damaligen Proponenten legte, widmet sich diese Ausstellung ganz den heftigen, vom schnellen Malduktus getriebenen Werken der frühen 80er-Jahre aus der Sammlung Essl. Es sind Arbeiten, die selten gezeigt werden, aber heute wieder spannend sind in ihrer kompositorischen und formalen Frechheit und Unmittelbarkeit der Malerei.

Kuratorin: Viktoria Tomek

Peter Pongratz

Peter Pongratz

 

Der österreichische Künstler Peter Pongratz feiert heuer seinen 75. Geburtstag. Deshalb widmet ihm das Essl Museum eine große Retrospektive mit allen Werken der bisherigen Schaffensphasen und auch neuen, bisher noch nicht gezeigten Arbeiten. Die Ausstellung zeigt Werkserien des Künstlers von frühen, phantastisch anmutenden Landschaften über die Auseinandersetzung mit ozeanischer Kunst bis zu neuen, figurativ-abstrakten Arbeiten direkt aus dem Atelier des Künstlers.

Die Kunst des Peter Pongratz
„Mein Leben ist auf Bildern aufgebaut – das ist meine Form zu kommunizieren“, so Peter Pongratz. Akademismen und künstlerischen Moden misstrauend, hat sich der Künstler einen kindlichen Blick auf die Welt bewahrt und sucht in seiner Malerei und Grafik nach einem individuellen und stark gefühlsbetonten Ausdruck. Pongratz mischt seit seinen künstlerischen Anfängen in den 1960er Jahren das Figurale immer wieder mit dem Abstrakten und wendet sich dabei bewusst gegen die damals richtungsgebenden Fronten des Informellen oder des Phantastischen Realismus. Zeit seines Lebens ist er begeistert von der unverstellten und authentischen Kunst von Kindern, er beschäftigte sich mit Art brut, ist fasziniert von den Kulturen Ozeaniens und jener von Urvölkern. Dabei bezeichnet sich der Künstler selbst als Vorreiter der „wilden“ Malerei, die dann in den 1980er Jahren in Österreich, aber etwa auch in Deutschland für großes Aufsehen sorgt.

1966 ging Pongratz von Graz nach Wien und lernte eine Gruppe von gleichgesinnten, wenn auch sehr unterschiedlichen MalerInnen kennen: Martha Jungwirth, Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt, Franz Ringel und Robert Zeppel-Sperl. „Deren Gemeinsamkeit bestand immerhin darin“, so Pongratz, „dass sie mit den bis dahin existierenden strengen Formen des bildnerischen Ausdrucks für ihre viel reicheren, üppigeren Vorstellungen von Kunst kein Auslangen mehr finden konnten, die aber aufgrund ihrer verschiedenen Ansätze in der Lage waren, die gesamte Bandbreite der notwendigen Veränderungen und Erweiterungen für eine offenere Malerei zu zeigen, die sich ab Mitte der 1960er-Jahre abzuzeichnen begann“. Otto Breicha ermunterte die Gruppe zu einer gemeinsamen Präsentation, die als große Ausstellung der „Wirklichkeiten“ im Mai 1968 in der Wiener Secession eröffnet wurde und als solche in die Kunstgeschichte eingegangen ist.

Die Ausstellung
Die Ausstellung im Essl Museum umfasst rund fünfzig Jahre im Schaffen dieses außergewöhnlichen Malers und Grafikers und zeigt – bei gleichbleibendem Grundthema – die große Bandbreite und Vielfältigkeit seines Schaffens. In nicht chronologisch angeordneten Themenräumen werden verschiedene Werkserien vorgestellt:

Der größte Ausstellungsraum widmet sich unter dem Titel „One Morning in May“ (2012-2015) ganz neuen Arbeiten des Künstlers. Zeichnerische Elemente, bunte phantasievolle Pflanzen und amöbenartige Wesen breiten sich über die weiß grundierte Leinwand aus. Die Malereien beeindrucken durch ihre kräftigen, intensiven Farben und facettenreiche Formensprache, die die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion scheinbar mühelos überwindet.

In der Werkphase „The Gentle Tasaday“ (1975-1981) zeigt sich Pongratz‘ Faszination für ozeanische Kunst und einen ursprünglichen künstlerischen Ausdruck – im Besonderen für den 1971 angeblich entdeckten philippinischen Steinzeitstamm der Tasadays (der sich später als Schwindel herausstellte). In diesem Ausstellungsraum sind auch einige der raren Skulpturen des Künstlers zu sehen, anhand derer sich der Künstler – angelehnt an traditionelle Kultobjekte – durchaus augenzwinkernd mit der skulpturalen Kunsttradition auseinandersetzt. Langjährige Aufenthalte in Dalmatien und das Lesen der Werke von Dichtern wie Theokrit und Ovid inspirierten Pongratz zu „Arkadien“ (2002-2010), eine Beschäftigung mit der Idylle und den griechischen Mythen.

In der Serie „Alice in Madland“ (1997-2001), zeigt Pongratz seine Zuneigung für das phantasievolle und freiheitsliebende Buch „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll. Ihr gegenüber steht der düstere Kriegszyklus „Das Herz der Finsternis“(1992-1994), entstanden aus Anlass des Krieges am Balkan. Ärger über die Dummheit der Menschen und wiederauflebende Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, den er als Kind miterlebt hatte, waren Auslöser für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Krieg, mit Angst und Leid.

Die „Heiligenbilder“(1969-1971) mit Schutzengel und dem Herzen Jesu sind ein ironischer Umgang mit religiösen Kitschbildern, durchaus aber auch getragen von einer großen Sympathie für diese gerade in der Moderne so verpönten Heiligendarstellungen. In der Mitte der Ausstellung, in der sogenannten „Rotunde“ des Essl Museums, ist eine Reihe kleinformatiger Selbstporträts zu sehen – ein über die Jahre immer wiederkehrendes, äußerst beliebtes Bildmotiv im Oeuvre des Künstlers. Daran schließt der farbenprächtige Zyklus „Soulpainting“ (1982-1992) an, bei dessen Werktitel sich Pongratz von Musik(titeln) des Jazz, Blues und Soul inspirieren ließ.

Im zweiten Teil der Ausstellung werden liebliche, bunte „Blumen“ (2004-2010) schwarzweiße Leinwände der Serie „Sweet Home Vienna“ (2004-2006) einander gegenübergestellt, in denen sich Pongratz kritisch wie humorvoll mit dem Wiener Kunstbetrieb auseinandersetzt. Schrift, Zeichen und Comicelemente verdrängen hier die bunten Farben. Ausdrucksstarke „Köpfe & Körper“ (1966-1969) sind die frühesten Werke der Ausstellung, sie stehen in Dialog zu dem „Kinderlieder“-Zyklus (1992-1997) – bunte Kinderkritzeleien voller naiver Heiterkeit.

Die frühen „Landschaften“ (1969-1974) bilden den Abschluss der Ausstellung. Sie erinnern an geologische Schnitte aus alten Naturlehrbüchern, zeigen gleichzeitig das Außen, eine urzeitliche Landschaft mit Bergen, Vulkanen und dem Horizont, und das Innen, die Erdschichten mit amöbenhaften Wesen, Pumpen und Körperquerschnitten. Sie stehen aber auch für Leidenschaft und Gefühl – die zentralen Antriebsfedern für das künstlerische Werk von Peter Pongratz.

Kurator: Günther Oberhollenzer

Alibis: Sigmar Polke. Retrospektive

Die erste große posthume Retrospektive zum Werk Sigmar Polkes, einer der wichtigsten Künstler der Nachkriegszeit, beinhaltet alle Medien und Techniken – Malerei, Fotografie, Film, Zeichnungen und Skulpturen – in denen er gearbeitet hat. Rund 250 Werke seiner Malerei und Grafik, seine Zeichnungen, Skizzenbücher, Objekte, Skulpturen, Fotografien, Filme, Diainstallation und Fotokopierarbeiten ausgestellt.

Lichtenberg reloaded! Eine Hommage

Die Schau ist dem Göttinger Philosoph, Physiker und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) gewidmet, der als einer der wichtigsten Impulsgeber der Aufklärung und Mitbegründer deutschsprachiger Satire gilt. Bis in die Gegenwart begeistern sich Künstler für Lichtenbergs Humor, die Präzision seiner Formulierungen und seine tiefe Menschlichkeit. Die Ausstellung versammelt künstlerische Aussagen aus der jüngeren Vergangenheit und ergänzt sie durch zahlreiche exklusiv für das Projekt entstandene Werke. So werden Arbeiten aus den Lichtenberg-Zyklen von Horst Janssen, Rainer Ehrt und Robert Gernhardt gezeigt, ebenso wie Arbeiten von Loriot, Franziska Becker, F. W. Bernstein, Gerhard Glück, Rudi Hurzlmeier, Jakob Kirchmayr, Frank Hoppmann, Nicolas Mahler, Jub Mönster, Frank Kunert, Susannah Martin, Arndt Möller, Javier Mayoral, Til Mette, André Poloczek, Dorthe Landschulz, Piero Masztalerz u. a.

Georg Christoph Lichtenberg ist eines der größten Phänomene der deutschen Geistesgeschichte. 1742 als 17. Kind eines protestantischen Pfarrers in Ober-Ramstadt bei Darmstadt geboren, war er kleinwüchsig, hatte zwei Buckel und litt unter Kurzatmigkeit. Er ist einer der genialsten Köpfe seiner Zeit, er war ein genauer Beobachter seiner Umwelt und seiner Mitmenschen und Entdecker wissenschaftlicher Zusammenhänge. Er wurde der erste deutsche Professor für Experimentalphysik – auf ihn gehen die theoretischen Grundlagen für den Fotokopierer zurück, er führte die Plus- und Minus-Zeichen in die Physik ein, beschäftigte sich mit Blitzableitern und Zeitreisen und galt als innovativer und überaus amüsanter Lehrer.

Seinen nachhaltigsten Ruhm verdankt Lichtenberg, Zeitgenosse von Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant oder Johann Wolfgang von Goethe, jedoch seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Aphorismen aus seinen »Sudelbüchern« sind bis heute geläufig, viele gehören zum allgemeinen Sprachgebrauch: „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?“, oder: „Der Mann hatte so viel Verstand, daß er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen war“.

In den letzten hundert Jahren haben sich Literaten, Philosophen und vor allem Künstler immer wieder von seinem Werk inspirieren lassen. In jüngerer Vergangenheit entdeckten u. a. Horst Janssen, Robert Gernhardt und Rainer Ehrt den großen Gelehrten für sich und widmeten ihm umfassende Werkkomplexe, von denen Auszüge nun erstmals gemeinsam gezeigt werden. Janssen, der in trunkenen Stunden vermutete, dass sich Lichtenberg in ihm reinkarniert habe, schuf über zweihundert Zeichnungen, in denen er Lichtenbergs und sein eigenes Leben künstlerisch übereinander legte. Gernhardt wählte den Weg der »weitergedachten Illustration« lichtenbergscher Aussagen. Rainer Ehrt vertiefte sich in aufwändigen Arbeiten in Lichtenbergs historisches Umfeld, in die Seelenzustände einer noch wenig aufgeklärten Zeit und in die oft bittere Melancholie des Vorbilds.

Mit den Arbeiten von 45 Künstlern entsteht ein abwechslungsreiches, an-regendes Panorama zu Lichtenbergs Geisteswelt und seiner Nachwirkung. Von der Strichzeichnung über den Comic-Strip bis zur ausgeklügelten Foto-Installation sind in „Lichtenberg reloaded!“ sehr unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen vertreten.

Kuratiert wurde die Ausstellung von WP Fahrenberg, Göttingen. Weitere Stationen sind der Marburger Kunstverein und das Romantikerhaus in Jena sowie das Alte Rathaus in Göttingen. Zur Ausstellung erscheint im Göttinger Verlag der Kunst ein Begleitbuch mit zahlreichen großformatigen Abbildungen zum Preis von 29,95 Euro.

Die Ausstellung Lichtenberg reloaded! Eine Hommage wird gefördert von der NORD/LB Kulturstiftung und der VHV Stiftung.

„Ja, wenn man das so sieht …“ – Wilhelm Busch und Kai Wetzel

Parallel zur Ausstellung Lichtenberg reloaded! ist in der Ensmann-Galerie des Museums Wilhelm Busch die Kabinettausstellung „Ja, wenn man das so sieht …“ – Wilhelm Busch und Kai Wetzel zu sehen. Etwa 15 Zeichnungen nach der Natur von Wilhelm Busch (1832–1908)  aus den Beständen des Museums treffen auf sieben großformatige Landschafts-Fotografien des Hannoveraner Künstlers Kai Wetzel (*1966). Auch wenn sich die Künstler Wilhelm Busch und Kai Wetzel sehr unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksmittel bedienen, so verbindet sie ein ähnlicher Blick, eine ähnliche Annäherung an die Landschaft: Beide versuchen durch intensive Beobachtung und die Konzentration auf einen Ausschnitt zu verstehen, was den Reichtum ihrer Umgebung ausmacht.

Der offene Sinn, der bei dem Gang durch die Natur den verborgenen Reiz einer scheinbar unspektakulären Waldlichtung, eines lichtdurchfluteten Waldwegs oder dicht gewachsener Bäume entdeckt, verbindet Wilhelm Busch und Kai Wetzel. Beide Künstler haben die jeweiligen Zeichnungen oder Fotografien vor Ort angefertigt, was eine schnelle, fokussierte und vor allem routinierte Beherrschung ihrer jeweiligen Technik erfordert – der eine mit Bleistift und Feder, der andere mit der Mittelformatkamera. Beide haben Orte wiederholt aufgesucht, haben sich mit der vertrauten Landschaft umgeben, sich zeichnend und betrachten in den Ort eingefühlt und versucht, dessen Wesen – immer wieder neu – zu kleinen Ausschnitten zu verdichten.
Das Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst wird institutionell gefördert durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover.

Feministische Avantgarde der 1970er Jahre

Werke aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien

Mit Werken von insgesamt 34 Künstlerinnen präsentiert die Hamburger Kunsthalle in einer umfassenden
Ausstellung einen Überblick über die Anfänge der internationalen feministischen Kunstbewegung.
Anhand von mehr als 150 Arbeiten aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien zeigt die Ausstellung, wie
Künstlerinnen in den 1970er Jahren zum ersten Mal in der Kunstgeschichte kollektiv ein eigenes „Bild
der Frau“ kreieren, indem sie selbstbestimmt eine Vielzahl von weiblichen Identitäten entfalten: provokativ
und radikal, poetisch und ironisch. Erstmals war es den in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geborenen
Künstlerinnen möglich in nennenswerter Zahl an Kunstakademien zu studieren und sich damit
von der Rolle der Muse und des Modells zu emanzipieren. Um die Pionierleistung der Künstlerinnen
hervorzuheben, hat die Kuratorin Gabriele Schor den Begriff der „Feministischen Avantgarde“ geprägt.
In ihren Werken stellen die Künstlerinnen radikal neue Fragen an die Gesellschaft und den Kunstbetrieb.
Vor dem Hintergrund von Bürgerrechts- und Frauenbewegung werden Anliegen von Frauen
erstmals öffentlich diskutiert; das Private wird politisch. Innerhalb kürzester Zeit beginnen Frauen sich
in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen, versammeln sich zu Aktionen, halten Demonstrationen ab
und organisieren eigene Ausstellungen. In ihren Werken gehen die Künstlerinnen der „Feministischen
Avantgarde“ der Frage nach, wie das traditionelle „Bild der Frau“ die Wahrnehmung der Frau sowie die
Konstituierung der eigenen Identität in unserer Gesellschaft bestimmt. Dabei stehen Themen wie eindimensionale
Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau, weibliche Sexualität, der eigene Körper,
Schönheit und Gewalt gegen Frauen im Fokus.
Die Künstlerinnen unterlaufen subversiv stereotype Rollenbilder. Martha Rosler (*1943) etwa überzeichnet
die Rolle der für Heim und Herd verantwortlichen Frau. Bei Birgit Jürgenssen (1949-2003)
wird die Küche sogar zum Kleidungsstück und ist unmittelbar mit der Frau verbunden. Es ist die Inszenierung
traditioneller Rollen, das Spiel mit der Kamera, die Maskerade und das Kostüm als Mittel der
Selbstdarstellung, mit denen die Künstlerinnen Vorstellungen von Identität und Weiblichkeit als gesellschaftliches
Konstrukt hinterfragen. Cindy Sherman (*1954), Hannah Wilke (1940-1993) und Martha
Wilson (*1947) nehmen für ihre Photographien verschiedenste Rollen ein, untersuchen alltägliche und
historische Klischees. Ähnlich Lynn Hershman-Leeson (*1941), die mit „Roberta Breitmore“ eine fiktive
Person kreierte und über Jahre hinweg als diese lebte. Rita Myers (*1947), Ewa Partum (*1945) und
Suzy Lake (*1947) befragen dagegen in ihren Arbeiten Ideale von Schönheit und Makellosigkeit.
Zahlreiche Künstlerinnen wenden sich ganz bewusst neuen, historisch unbelasteten Medien wie Photographie,
Film und Video zu, nutzen die Performance als künstlerisches Ausdrucksmittel. VALIE
EXPORT (*1940) etwa lud 1968 auf dem Münchner Stachus Passanten ein, ihr Tapp- und Tastkino zu
besuchen, was bedeutete, dass diese ihre Hände in einen Kasten stecken konnten, den die Künstlerin
vor ihrem nackten Oberkörper trug. Oftmals ist es der eigene Körper, der zum Material der Kunst wird,
dabei gehen einige Künstlerinnen bis an die Grenzen körperlicher Belastbarkeit, so etwa Ana Mendieta
(1948–1985) oder Gina Pane (1939–1990). Humorvoll und ironisch, subtil und provozierend dekonstruieren
die Künstlerinnen der „Feministischen Avantgarde“ die traditionelle Ikonographie des Weiblichen.
Während VALIE EXPORT, Cindy Sherman oder Martha Rosler einem breiten Publikum bekannt sind,
liegt das Besondere der Ausstellung in der Möglichkeit weitere bedeutende, bislang weniger bekannte
Vertreterinnen der „Feministischen Avantgarde“ zu entdecken.
Die SAMMLUNG VERBUND wurde 2004 in Wien von der VERBUND AG gegründet, Österreichs
führendem Stromerzeuger aus Wasserkraft. Die Ausrichtung der Sammlung liegt auf internationaler
zeitgenössischer Kunst von 1970 bis heute. Einen einzigartigen thematischen Sammlungsschwerpunkt
bildet die „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre“, die lange Zeit von der Kunstgeschichte übersehen
wurde und in 10-jähriger Forschungsarbeit von der Sammlungsleiterin Gabriele Schor aufgearbeitet
wurde.

Beteiligte Küstlerinnen:

Helena Almeida (*1934, Portugal), Eleanor Antin (*1935, USA), Lynda
Benglis (*1941, USA), Renate Bertlmann (*1943, Österreich), Teresa Burga (*1935, Peru), Lili Dujourie
(*1941, Belgien), Mary Beth Edelson (*1933, USA), Renate Eisenegger (*1949, Deutschland), VALIE
EXPORT (*1940, Österreich), Esther Ferrer (*1937, Spanien), Lynn Hershman-Leeson (*1941, USA),
Alexis Hunter (1948–2014, Neuseeland, England), Sanja Iveković (*1949, Kroatien), Birgit Jürgenssen
(1949–2003, Österreich), Ketty La Rocca (1938–1976, Italien), Leslie Labowitz (*1946, USA), Suzanne
Lacy (*1945, USA), Suzy Lake (*1947, USA), Karin Mack (*1940, Österreich), Ana Mendieta
(1948–1985, Kuba/USA), Rita Myers (*1947, USA), ORLAN (*1947, Frankreich), Gina Pane (1939–
1990, Frankreich), Ewa Partum (*1945, Polen), Ulrike Rosenbach (*1943, Deutschland), Martha Rosler
(*1943, USA), Carolee Schneemann (*1939, USA), Cindy Sherman (*1954, USA), Penny Slinger
(*1947, England), Annegret Soltau (*1946, Deutschland), Hannah Wilke (1940–1993, USA), Martha
Wilson (*1947, USA), Francesca Woodman (1958–1981, USA), Nil Yalter (*1938, Ägypten/Frankreich).

Zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein rund 500 Seiten umfassender Katalog, der im
Museumsshop zum Preis von 39 Euro erhältlich ist und auch online unter www.freunde-derkunsthalle.
de bestellt werden kann.

Kuratorinnen:
Dr. Gabriele Schor, SAMMLUNG VERBUND, Wien und Merle Radtke, M. A., Hamburger Kunsthalle

NICHOLAS NIXON. THE BROWN SISTERS. 40 JAHRE

Seit 1975 porträtiert der renommierte amerikanische Fotograf Nicholas Nixon (*1947) jedes Jahr seine Frau Bebe und ihre drei Schwestern. Die Koordinaten für dieses künstlerisch ungewöhnliche Langzeitprojekt sind denkbar einfach: Die vier Frauen kommen zu einem Gruppenbild zusammen, bei dem lediglich die Abfolge ihrer Aufstellung sowie das Negativformat von 8 x 10 inch (20 x 25 cm) konstant bleiben. Stehend und im Brustbild erfasst, seltener als Ganzfigur oder sitzend dargestellt, werden die Schwestern von einem eng begrenzten Bildausschnitt umfangen, der nur wenig von der unmittelbaren Umgebung preisgibt, und blicken zumeist direkt in die Kamera. Über die Auswahl des jeweils gültigen Bildes – es entstehen immer mehrere Aufnahmen – entscheiden der Fotograf und seine Modelle zusammen. Über einen Zeitraum von 40 Jahren ist so ein singulärer Werk-Zyklus entstanden, der gleichermaßen die Wesenhaftigkeit des Fotografischen zum Ausdruck bringt als auch über das Moment der Zeit, der Vergänglichkeit wie der sich immer wieder wandelnden Beziehungen der Schwestern zueinander Zeugnis ablegt.

Nicholas Nixon, der bis heute Fotografie am Massachusetts College of Art and Design lehrt, zählt seit seiner Teilnahme an der stilprägenden Ausstellung »New Topographics: Photographs of a Man-altered Landscape« im Jahr 1975 neben Robert Adams oder William Eggleston zu den einflussreichsten Fotografen seiner Generation. Einem formal strengen, sachlich dokumentarischen Stil verpflichtet galt sein Interesse zunächst Stadtansichten und Architekturaufnahmen wie den »Boston Views« (Sammlung Pinakothek der Moderne). Seit Ende der 70er Jahre steht das Porträt im Mittelpunkt seines Wirkens. Seine als Serien konzipierten Werkreihen widmen sich neben der eigenen Familie vor allem sozial Benachteiligten und Kranken. Einem größeren Publikum wurde Nixon vor allem durch seine auf dem Höhepunkt der AIDS-Hysterie entstandene, gleichermaßen sachliche wie einfühlsame Dokumentation von HIV-Infizierten bekannt, die auch als Buch erschienen ist. Nixon, der bereits 1976 eine erste Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art erhielt, wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Stipendien wie dem Guggenheim Stipendium ausgezeichnet, seine Werke sind in den wichtigsten amerikanischen und ausgewählten europäischen Museumssammlungen vertreten.

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums von »The Brown Sisters« (Leihgabe Sammlung Hoppenstedt) zeigt die Pinakothek der Moderne erstmals die vollständige Serie sowie eine Auswahl aus den in den 1970er Jahren entstandenen »Boston Views«. In einer Sonderedition erscheint die vom New Yorker Museum of Modern Art 2014 veröffentlichte Werkmonographie, ergänzt durch ein deutschsprachiges Beiheft (€ 29,80, nur im Museumsshop erhältlich).

Kuratorin der Ausstellung: Dr. Inka Graeve Ingelmann, Leiterin der Sammlung Fotografie und Neue Medien

Schöne Aussichten

Der Blaue Reiter und der Impressionismus

LOVIS CORINTH I ALEXEJ JAWLENSKY I WASSILY KANDINSKY I
PAUL KLEE I MAX LIEBERMANN I AUGUST MACKE I FRANZ MARC I GABRIELE MÜNTER I GEORGES SEURAT I PAUL SIGNAC I MAX SLEVOGT

Marc, Kandinsky, Münter, Jawlensky, Macke und Klee – fast alle Maler des späteren »Blauen Reiters« schufen zwischen 1901 und 1909 Ölstudien, malerische Skizzen, die unter freiem Himmel entstanden. Sie schlossen
damit an eine vom Impressionismus und zuvor in der Künstlerkolonie von Barbizon gepflegte Tradition an, die von den »deutschen Impressionisten« Slevogt, Liebermann oder Corinth weitergeführt wurde. „Vom äußeren Eindruck zum inneren Erleben“, so lässt sich die Entwicklung vom
Impressionismus zum Expressionismus und zur Abstraktion des »Blauen Reiters« charakterisieren.
Jeder der Künstler folgt dabei seinem eigenen Weg. Alle jedoch werden in ihren Anfängen von der Auseinandersetzung mit dem Impressionismus geprägt. An den zahlreichen Pleinair-Studien, die die Maler in dieser Tradition schufen, lässt sich ihre jeweils individuelle Entwicklung nachvollziehen.
Viele der Naturstudien sind in Oberbayern und in der Umgebung von Kochel entstanden. Andere dieser charmanten kleinen Ölgemälde entstanden während Reisen oder nehmen charakteristische Motive des Impressionismus auf.
Die Ausstellung widmet sich der Zeit vor dem Zusammenschluss des »Blauen Reiters«, einer Phase, die bisher stets als wenig spektakuläre, der Abstraktion vorausgehende Periode betrachtet wurde. Ihre Bedeutung wird bei der Konzentration auf die frühen Ölskizzen der Maler jedoch als
entscheidend für die Befreiung von einer Tradition deutlich, der man Wesentliches verdankt: Eine Auseinandersetzung mit dem Impressionismus ist nicht zu umgehen; sie führt allerdings zu einer Umdeutung, von der entscheidende Impulse für die künstlerische Entwicklung der Maler des »Blauen Reiters« ausgehen.

Die Ausstellung zeigt über 120 Arbeiten mit zahlreichen Leihgaben u.a. vom Centre Pompidou, Paris, Nationalgalerie, Berlin, Stedelijk Museum, Amsterdam, Wallraff-Richartz-Museum, Köln, Städt. Galerie im Lenbachhaus und Pinakothek der Moderne, München und aus Privatsammlungen. Das Thema wird erstmals in diesem Umfang präsentiert.

Diese frühen Werke der Künstler des Blauen Reiter, die im Blauen Land um Murnau und Kochel entstanden und dann in die Welt gingen, sind erstmals wieder an ihrem Ursprungsort in Kochel versammelt, darunter etwa 35 wunderschöne Ölstudien von Kandinsky, u.a. aus der Zeit 1906-7, als er ein Jahr mit Gabriele Münter in Paris weilte, sowie drei frühe Silhouetten-Zeichnungen von Marc (von insgesamt fünf, die von der Parisreise übriggeblieben sind).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Schirmer/Mosel.
Hrsg. Von der Franz Marc Museumsgesellschaft mbH durch
Cathrin Klingsöhr-Leroy
Autoren: Marlene Bielefeld, München; Annegret Hoberg, München,
Lenbachhaus; Isabelle Jansen, München, Lenbachhaus; Cathrin
Klingsöhr-Leroy, Kochel a. See, Franz Marc Museum;
Angela Lampe, Paris, Centre Pompidou
Eine Kunst-Wanderkarte lädt ein, die Originalschauplätze und Ansichten der Bilder selbst zu entdecken und nachzuvollziehen.

Erwin Wurm. Fichte

Der österreichische Bildhauer Erwin Wurm (*1954), international für seine One Minute Sculptures, seine Fat Cars und deformierten Objekte berühmt, verwandelt die große Ausstellungshalle des Kunstmuseum Wolfsburg in einen deutschen Tannenwald. Die spektakuläre Inszenierung mit haushohen, echten Nordmanntannen bildet den Bezugsrahmen für 40, vorwiegend neue, bildhauerische Arbeiten, von denen 16 speziell für diese Ausstellung konzipiert wurden. In Wolfsburg, der Stadt des Automobils, parkt Erwin Wurm vor dem Museumseingang zur Begrüßung der Besucher einen zum Curry Bus mutierten originalen VW-Bulli als „fetten Würstelstand“ (Erwin Wurm). Mit seinen skurril verformten Autos, Häusern und Figuren hat der Bildhauer seine eigenwillige, humorvoll-abgründige wie philosophische Sicht auf Alltagsgegenstände und das Leben selbst populär gemacht.

KEN LUM COMING SOON

PROJEKT IM ÖFFENTLICHEN RAUM
Ken Lum kombiniert fotografische Bilder und Texte, Sprache und skulpturale Elemente, um zu befragen, wie Zugehörigkeit (zu Klassen oder ethnischen Gruppen) in westlichen Gesellschaften entsteht und welches kritische Potential die Sichtbarkeit von Individualität in einem sozial und ökonomisch kodierten urbanen Raum hat. „Die Menschen auf seinen Bildern sind verwurzelt in Familien, Gemeinschaften und Nationen, jedoch mitgerissen vom Strom historischer und ökonomischer Bewegungen, die persönliche Bindungen und tradierte Lebensmuster in einer Art wandeln, die Befreiung von gewissen Dingen, aber auch neue Versklavung mit sich bringt.“ (Jeff Wall, Four Essays on Ken Lum, 1990)
Für den öffentlichen Raum am Karlsplatz entwickelt er ein Billboard, in dem Momente der Normalität und Differenz zusammentreffen, um eine neue gesellschaftliche Zukunft durch ihr Werbebild herauszufordern.
Kuratorin: Anne Faucheret